Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Das letzte Aufbäumen

14. August 2009

In meinem Bekanntenkreis sind im letzten Jahr 2 Personen gestorben bei denen die Familie nach dem Tod das gleiche berichtete:
Obwohl die Personen schwer krank waren, ging es beiden unmittelbar vor dem Tod plötzlich ungewöhnlich gut.
Beide waren aktiver als in der Zeit zuvor und sahen kaum noch krank aus. Die Angehörigen hatten schon die Hoffnung das es jetzt endlich bergauf geht,
aber in beiden Fällen starben sie wenige Tage nach diesem Hoch.
Kennst du solche Geschichten und sind die glaubwürdig?
Ist das ein letztes Aufbäumen des Körpers gegen eine Krankheit? Die letzten Kraftreserven?

Ja, das kenne ich aus Hunderten von Schilderungen und aus eigener Anschauung.
Ich führe das darauf zurück, daß der Körper den nahem Tod spürt und es aufgibt, gegen die Krankheit anzukämpfen. Diese Kräfte stehen dann zusätzlich zur Verfügung und es wirkt, als ginge es bergauf.

Für mich persönlich ist das schon zu einem sicheren Zeichen des nahen Todes geworden, wenn mir jemand sagt, daß es einem Schwerkranken plötzlich super gut gehen soll.

PDF erzeugen
Peter Wilhelm28. Mai 2012

30 Kommentare von 140614.

  1. Hm, was denken denn die Leute selbst von sich? Glauben sie auch, dass sie jetzt gesund werden?

    Ich stell mir das ganz schön blöd vor, wenn auf einmal die Hoffnung auf Heilung kommt und dann sagt der Tod nach ein paar Tagen SORRY DOCH NICHT (immer in Großbuchstaben).

    Andererseits hat es etwas, die letzten Tage noch einmal vital und unbeschwertauf vom Todesgedanken zu verbringen.

  2. Da fällt mir gerade ein, insofern sehe ich das Jammern meiner Oma unter einem falschen Scheffel: Es ist zwar nervig und öde, immer die neuesten Leidensgeschichten zu hören, aber unter diesen Umständen müsste ich mir ja erst dann Sorgen machen, wenn es ihr plötzlich bestens ginge.

  3. Ich kenne solche Geschichten auch. Ich finde sie sehr beruhigend, weil ich (irgendwann mal) ganz gerne mitkriegen würde, dass ich sterbe :)
    Außerdem gibt es diese Erzählungen von Fast-Ertrunkenen und -Erfrorenen, dass kurz vorm Ende die Euphorie kommt und man auf einmal wieder Kräfte hat, die man gar nicht mehr vermutet hätte…
    Vielleicht hat auch das Hoch damit zu tun, dass Fastende nach einigen Tagen erleben? Immerhin ist Fasten ja eine Art kontrolliertes (und abgebrochenes) Verhungern…

  4. Beim Vater einer Freundin war es auch so: Lungenkrebs mit Metastasen im Endstadium (hat nie geraucht!). Als die Ärzte nichts mehr tun konnten und ihn auf die Palliativstation verlegten, wurde er topfit und war nicht davon abzubringen, eine Autofahrt von 1200 km alleine anzutreten. Er kam wohlbehalten wieder. Zwei Wochen später war er tot.

  5. War bei meinem Vater genauso, morgens ging es ihm erstaunlich besser, das hielt sich den Tag über und am Tag drauf nachmittags war er tot.

  6. Das dürfte auch schon immer so gewesen sein. Man denke nur an das Finale von „La Traviata“. Einer der schönsten Operntode überhaupt. *seufz und heul*

  7. @3 Matthias

    Kommt mir bekannt vor.

    Wenns denn so ist, wird meine Oma 1000 Jahre alt so wie die am jammern ist.

    Wenns nach ihr ginge wäre Tom schon mindestens 100 mal da gewesen und hätte Maß genommen…..

  8. Da gab’s noch den Witz von der alten Dame, die (unrealistischerweise) schon oft ihr nahes Ableben zelebriert und die ganze Familie zu sich zitiert hat. Als es wieder einmal so weit war, fehlte einer am Krankenbett erwarteten Nichten und Neffen. Von dem kam nur eine Karte: „Sterbe auch grad, wir sehen uns drüben…“

  9. Habe ich bisher mehrfach so erlebt, zuletzt letztes Jahr. Da hab ich mich sogar so weit aus dem Fenster gelehnt, dass ich meiner Schwester geraten habe, unbedingt mit den Kindern während des Vormittags am Heiligabend zu ihrer SchwieMa ins Krankenhaus zu fahren und nicht erst am Abend, da es ihr unerklärlicherweise am Vortag so gut ging. Nachmittags ist die Dame verstorben.

  10. Gut zu wissen. In meinem engsten Familienkreis gibt es einen Krebsfall. Nach Aussage der Ärzte hat der Betreffende noch einige Jahre, aber heilbar ist es nicht, da zu spät entdeckt und schon metastasiert (das zu erfahren, ist wie ein Schlag in den Magen oder schlimmeres – ich habe einige Tage gebraucht, bis ich das halbwegs verarbeitet hatte. Andererseits bleibt so noch Zeit, damit entsprechend umzugehen).
    Noch geht es ihm sehr gut, aber es ist eine Frage der Zeit, bis der Zustand schlechter wird – und wenn es dann plötzlich wieder besser zu werden scheint, weiss ich, was die Stunde geschlagen hat…

  11. @12:
    Gerade bei Krebs habe ich den beschriebenen Ablauf schon recht intensiv erleben müssen.
    Nutze also die Zeit, die Du mit Deinem Verwandten noch hast – insbesondere, wenn’s ihm plötzlich besser geht.

    Alles Gute,

    Robert

  12. Meine Mutter hat, schwer lungenkrebskrank im Endstadium, selber den Termin bestimmt, wann sie ins Hospitz gehen wollte. Bereits am ersten Morgen nach dem Eintreffen ist sie dort verstorben. Wir Angehörige hatten den Eindruck, sie hatte Einfluß auf ihren Todeszeitpunkt. Könnte da war wahres dran sein?

  13. Das kommt mir auch sehr bekannt vor…

    Meine Nachbarin war vor ein paar Jahren an Darmkrebs erkrankt, alles verheilt, keine Metastasen. Im letzten Jahr wurde bei ihr nach einem Zusammenbruch ein Hirntumor festgestellt. Sie kam dann ins Hospiz (Gott sei Dank! Besser als Intensivstation). Dort lebte sie richtig auf, sie fühlte sich dort sehr wohl. Einen Monat später war ihre Beerdigung :(

  14. Ich sage nur [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Selektive_Wahrnehmung]selektive Wahrnehmung[/url]. Wenn es einem schwer kranken Mensch wieder besser geht und noch ein paar Jahre weiterleibt, bleibt einem das nicht so stark im Gedächtnis, als wenn der- oder diejenige gestorben wäre.

    Das heißt nicht, dass nichts dran sein muss am „letzten Aufbäumen“, aber ich glaube dem wird etwas zu viel Beachtung geschenkt.

  15. @16: Ich glaube das nicht. Es geht nicht um ein paar Jahre, sondern um Stunden oder Tage. Ich habe es genau so bei meiner Mutter erlebt. Kein Arzt hat ihr mehr eine Chance gegeben, sie war schwer krebskrank. Aber an Ihrem letzten Tag ging es ihr wirklich gut. Wir hatten schon die Idee ihr noch ein schönes Wochenende zu machen, und innerhalb von einer Stunde ist sie verstorben. Ich glaube, dass totkranke dass fühlen. Ob unbewusst oder bewusst.

  16. Das kann aber auch schon ein paar Monate vor dem Tod so sein: meine Oma hatte nach mehreren Schlaganfällen und Herzinfarkten über mehrere Jahre hinweg im Februar (sie ist im Mai gestorben) eine extrem gute Phase. Sie muß aber selber auch gewußt oder gefühlt haben, daß sie nah vor dem Ende steht, weil sie in dieser Zeit (da konnte sie dann auch wieder richtig gut sprechen) meiner Tante all ihre „Sünden“, von denen niemand wußte, „gebeichtet“ hat. Danach ging es dann bald wieder schlechter und mit den letzten Infarkten im Mai ist sie dann, wie schon gesagt, gestorben.

  17. War hier, bei meiner Frau, dasselbe. Es kam alles sehr plötzlich, dann sechs Wochen Krankenhaus mit x Operationen, dann Hospiz. Am zweiten Tag im Hospiz ging es steil bergauf. Sie wurde aktiv, fand ihren Sarkasmus wieder, machte noch letzte Planungen für die Beisetzung und war irgendwie glücklich und voller Energie. Am fünften Tag verstarb sie.

  18. Ich kenne das aus meiner Zeit im Krankenhaus – 10 Jahre Nachtdienst. Wenn es einem schwerkranken Patienten plötzlich viel besser ging, haben wir nachts häufiger reingeschaut, weil es dann viel wahrscheinlicher war, dass er verstirbt.
    Natürlich gibt es auch die Fälle in denen das nicht so ist, aber es war zu häufig um es mit „selektiver Wahrnehmung“ oder „Zufall“ zu erklären.

  19. @Chruschtschow: Nein, da ist was dran. Das hat mit selektiver Wahrnehmung nichts zu tun. Auf Palliativstationen und auch auf Intensivstationen bekommt man vom Pflegepersonal sehr genaue Hinweise darauf, ob jemand stirbt oder nicht. Und die irren sich selten.

    Meine Oma lag todkrank mit Lungenentzündung im Bett. Ich hab davor gestanden und gemeint, dass die noch ein paar Tage hätte. So schlecht sah sie wirklich nicht aus.

    Kopfschütteln der Pflegekraft. „Heute nacht“.

    Recht hat sie behalten.

  20. @13 robertd: Hat sich die Familie auch so vorgenommen und wir alle planen entsprechend. Laut den Ärzten ist noch mit drei bis fünf Jahren zu rechnen. Die Frage ist, stirbt er an oder mit dem Krebs… (Älterer Mann, Prostatakrebs) Schön ist anders, aber jeder muss mal sterben.

  21. Ich für meinen Teil glaube weniger, daß der Körper „aufgibt“, sondern eher noch seine letzten Reserven aktiviert – um dem Tod zu entkommen.

    Diese „letzte Kraft“ haben uns unsere Vorfahren in Millionen von Jahren vererbt, und da machte das durchaus Sinn, vielleicht mit letzter Kraft noch einem Beutegreifer oder einer anderen unmittelbaren Gefahr auszukommen. Da dies ein evolutionärer Vorteil ist, hat er sich eben etabliert… und tritt auch in Situationen auf, in denen er nun wirklich nichts mehr bringt und die Krankheit bzw die Verletzung längst fatal sind.

  22. Chruschtschows Meinung über die selektive Wahrnehmung finde ich gar nicht so abwegig. Bei denen es zutrifft, fällt es auf, von den Anderen, denen es vor dem Tod kontinuierlich schlechter ging spricht man in diesem Zusammenhang nicht. So ähnlich wie es bei den Menschen ist, die dem Tode nahe sind, und ein bestimmtes Ereignis noch erleben wollen. Erlebt er es, spricht man davon dss es ihm Kraft gegeben hätte.
    Erlebt er es nicht mehr, fällt es nicht weiter auf.

  23. @Nina
    Ja das dramatische Aufbäumen von Violetta in der Traviata habe ich schon x-mal erlebt und es geht mir jedesmal wieder „durch Mark und Bein.“
    Ein richtiges „Gänsehaut-Erlebnis“ war es letzten April mit Anna Netrebko in Zürch.
    Viele Grüsse aus der Schweiz von Oper-Freundin zu Oper-Freundin.
    VIOLETTA

  24. habe erst kürlich über Hospize und den beschriebenen Zustand gelesen. Man beobachtet das wohl oft, soll mit dem Absetzen der Medikamente zusammenhängen, die den Körper auch belasten. Aber man hört das nicht selten. „Erst gings dem Sepp viel besser und plötzlich warer doht!“ Ob es was mit dem vererbten Wegrennen oder mit darauf zu rennen zu tun hat, ist da wohl eine Frage der Ansicht.

  25. ich habe es gerade erst mit meiner ma erlebt. 2 tage nach der intensiv station war sie voll da, bestellt sich kaffee, hat gegessen, erzählte uns sie will jetzt mit physiotherapie anfangen damit sie bald wieder auf die beine kommt.
    wir waren so froh, hatten nochmal viel spaß…..
    6 tage später war sie tod… ich kann es noch immer nicht glauben, sie sah so gut aus bevor sie ging…..

  26. ich habe diese situation selber erfahren. ich kann nur hierzu schildern, wie ich den tod meines vaters erlebte der im februar gestorben ist. es begann vor weihnachten, als mein vater sich einen besoners schönen weihnachtsbaum wünschte. wir hatten jährlich einen baum, aber es sollte dieses mal ein besonderer sein. den jahreswechsel verschlief er meistens, aber diesen wollte er unbedingt aufbleiben. nach heilig 3 König wurde er ins krankenhaus eingeliefert, wegen einer Grippe. nach einer vierwöchigen intensiv ging es meinen vater besser, er wurde wieder auf eine normale station verlegt. am nächsten tag rief mich meine mutter an meiner dienststelle an, ich solle sofort ins krankenhaus kommen, da mein vater im sterben lag. ich kann hierzu nur sagen, ich glaube das ein mesch den zeitpunkt, und das ende spürt. für mich ist dies eine unfassbare, schmerzhafte situation.

  27. Bin vollkommen irritiert, was das Thema Aufbäumen betrifft.
    Meine Oma ist vor 11 Jahren an Demenz erkrankt und nun seit einigen Jahren im Pflegeheim. Donnerstag bekam meine Mutter den Anruf, es ging zu Ende. Unruhe. Keine Nahrungsaufnahme, etc. Abends hatte sie dann wieder getrunken und wir hatten Hoffnung. Außerdem wurden wir darüber informiert, dass sie genau 7 Tage vorher ihre Grippeimpfung erhalten hatte und wir nun vermuteten, dass dies – genau wie letztes Jahr – die Nebenwirkungen der Impfungen seien und uns falsch gedeutet worden sind. Freitag ging es ihr dann schlechter. Fieber und Husten. Der Atem setzte für einige Zeit aus, dass eine Pflegerin zu meiner Mutter meinte, sie wäre tot. Und plötzlich atmete sie wieder. Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass sie die Nacht nicht überlebt und jede Stunde versterben könnte. Gestern morgen sagte dann eine Pflegerin, es wären nur die Symptome der Grippeimpfung. Es ging Oma gut. Husten und Fieber und Schmerzen weg. Und trotzdem sagte eine andere Pflegerin am Abend, es wäre das letzte Aufbäumen. Wir wissen gar nicht mehr, was wir noch denken sollen, nachdem wir das gleiche mit der Impfung schon letztes Jahr durchgemacht haben und es auch damals hieß, sie läge im Sterben und wir nun tagtäglich widersprüchliche Aussagen bekommen. Hört sich das nach letztem Aufbäumen an? Vom Bauchgefühl ist bei mir und meiner Schwester alles sehr entspannt, auch als es hieß, sie überlebt die Nacht nicht. Spürt man, wenn sich da etwas ändert? Wie sind eure Erfahrungen?

  28. Hallo , ist zwar schon etwas älter der Thread aber auch ich habe das erfahren, letztes Jahr 18.09.2018 starb meine Mama.
    Sie lag 7 Tage auf Intensivstation mit schlauch zum beatmen, am 17.09 kam der Schlauch Morgens raus .. und sie war am Nachmittag top fit .. hat Späße gemacht und wir dachten sie hat es geschafft.Am nächsten Tag rief die Klinik an sie liegt im sterben wir sollten kommen und ein paar Stunden später war sie Tod. Die Schwestern der Intensivstation sagten das wäre ganz normal dieses letzte aufbäumen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Nutzungsbedingungen | Trollhilfe | Kommentar fehlt? | So gehen Abstände! | Smileys