Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren gestorben – Der Mediziner, Anatom und Unternehmer Gunther von Hagens ist am 24. Juli 2026 in Heidelberg im Alter von 81 Jahren verstorben.
Bekannt wurde er weltweit durch die von ihm entwickelte Plastination sowie durch die Ausstellung „Körperwelten“, mit der er Anatomie einem Millionenpublikum zugänglich machte.
Geboren wurde er am 10. Januar 1945 im damaligen Wartheland unter dem Namen Gunther Gerhard Liebchen. Nach dem Abitur begann er 1965 ein Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ein Fluchtversuch aus der DDR führte 1968 zu seiner Verhaftung. Zwei Jahre später wurde er als politischer Häftling von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft und setzte sein Medizinstudium an der Universität Lübeck fort. Dort promovierte er 1975 und nahm durch seine Heirat den Familiennamen seiner ersten Ehefrau an.
Seit Ende der 1970er-Jahre arbeitete von Hagens in Heidelberg an einem Verfahren, mit dem biologische Präparate dauerhaft konserviert werden können. Aus dieser Arbeit entstand die Plastination, bei der Wasser und Fett in Geweben durch spezielle Kunststoffe ersetzt werden. Das Verfahren machte anatomische Präparate dauerhaft haltbar und ermöglichte eine bislang nicht gekannte Detailtreue.
International bekannt wurde Gunther von Hagens jedoch vor allem durch die ab 1996 gezeigten „Körperwelten“-Ausstellungen. Die plastinierten menschlichen Körper und Organe stießen weltweit auf großes Interesse, lösten aber ebenso intensive Diskussionen aus. Während Befürworter den wissenschaftlichen und pädagogischen Wert hervorhoben, kritisierten Gegner die öffentliche Präsentation menschlicher Körper als pietätlos oder grenzüberschreitend.
Im Laufe der Jahre besuchten nach Angaben der Veranstalter mehr als 50 Millionen Menschen die Ausstellungen. Grundlage der Präparate war ein Körperspendeprogramm, bei dem Menschen zu Lebzeiten ihre Einwilligung zur wissenschaftlichen Verwendung ihres Körpers erklärten.
Neben der Ausstellung entstand in Guben das Plastinarium, das sowohl Produktionsstätte als auch Ausstellungs- und Informationszentrum für Plastination und Anatomie wurde. Nach seiner Parkinson-Erkrankung, die 2008 diagnostiziert wurde, zog sich Gunther von Hagens zunehmend aus dem operativen Geschäft zurück. Die Leitung seiner Unternehmen und Einrichtungen übernahmen schrittweise seine Ehefrau Angelina Whalley sowie sein Sohn Rurik von Hagens.
Seine Karriere verlief nicht ohne Kontroversen. Wiederholt wurde über die Herkunft einzelner Präparate diskutiert, insbesondere im Zusammenhang mit Leichen aus China. Mehrere gegen ihn erhobene Behauptungen führten zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, bei denen Medien teilweise Unterlassungserklärungen abgaben oder Berichte korrigieren mussten. Auch die Verwendung seines Professorentitels beschäftigte über Jahre verschiedene Gerichte. Strafrechtliche Vorwürfe wegen Titelmissbrauchs hatten letztlich keinen Bestand.
Gunther von Hagens verstand sich stets als Anatom und Wissenschaftsvermittler. Unabhängig von der Bewertung seiner Ausstellungen hat er die öffentliche Wahrnehmung der Anatomie nachhaltig verändert. Seine Plastination wird bis heute weltweit in Forschung, Lehre und medizinischer Ausbildung eingesetzt und gilt als bedeutende technische Entwicklung auf diesem Gebiet.
Mit seinem Tod verliert die Anatomie einen Wissenschaftler, dessen Arbeit weit über die Fachwelt hinaus Aufmerksamkeit erregte und der wie kaum ein anderer die Diskussion über den Umgang mit dem menschlichen Körper nach dem Tod prägte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gunther_von_Hagens
gemeldet vom Käseholländer
Bildquellen:
- GuntherVonHagens_Cologne2000_800x500: © 2000 Túrelio, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org












