Derzeit erreichen mich immer wieder Mails und Anrufe, in denen Angehörige sich empört darüber zeigen, dass gebuchte Termine für Flussbestattungen nicht eingehalten werden können.
Die Mails sind meist mit „Betrug durch Bestatter“ oder „Abzocke“, „Unglaubliche Ereignisse“ oder Ähnlichem überschrieben.
Faktenlage: Seit einiger Zeit sind in bestimmten Flüssen in Rheinland-Pfalz auch Flussbestattungen von Totenasche möglich.
Durch die Hitze der letzten Wochen sind die Pegelstände der Flüsse aber so niedrig, dass a) viele Schiffe nicht fahren können, und b) die im Rahmen der Genehmigung vorgeschriebene Wassermenge nicht vorhanden ist.
Flussbestattungen sind nämlich nur zulässig, wenn eine Mindestmenge, in diesem Fall mindestens der mittlere Abfluss (MQ) – also die durchschnittliche Abflussmenge an einem Pegel innerhalb eines bestimmten Zeitraums – im Gewässer vorhanden ist.
Flussbestattungen sind beispielsweise im Rhein und in der Mosel, der Saar, sowie in der Lahn möglich, sowie jenseits der deutschen Grenze auch im niederländischen Teil des Rheins.
Nun ist es doch aber so, dass bei Flussbestattungen Totenasche meist in zersetzbaren Urnen beigesetzt wird. Urnen können problemlos über lange Zeiträume aufbewahrt werden.
Ich weise hier mal auf den sehr lesenswerten Artikel „Winter in Kanada“ hin, in dem beschrieben wird, was Menschen machen, wenn auf Friedhöfen wegen Frost und Eis noch nicht einmal Gräber für Erdbestattungen ausgehoben werden können.
Wer das jetzt nicht nachlesen möchte, dem sei gesagt: In den meisten Fälle wartet man einfach besseres Wetter ab.
Einfach, pragmatisch und letztlich eben alles andere als eine dramatische Katastrophe.
So etwas gehört zu den allgemeinen Risiken des Lebens. Mit so etwas muss man klarkommen können. Man muss nicht wegen jeder Sache, die auf Anhieb nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, zum Anwalt laufen, einen Shitstrom im Netz lostreten oder Gott und die Welt verrückt machen.
In dieser Problemlage ist die Lösung so einfach: Die Betroffenen werden einfach abwarten müssen, bis in den Flüssen wieder genug Wasser ist, und dann werden die entsprechenden Firmen und Bestatter die gebuchten Flussbestattungen auch wie besprochen durchführen.
Auszug aus dem Bestattungsgesetz Rheinland-Pfalz 22.09.2025
(8) Ebenfalls zulässig sind die Flussbestattung, ein genehmigtes Ausbringen der Asche außerhalb von Friedhöfen, die Aushändigung der Ascheurne an bestimmte Personen zur privaten Aufbewahrung mit oder ohne Teilungsmöglichkeit der Asche zur würdevollen Weiterverarbeitung oder die Aushändigung von Teilen der Asche zur würdevollen Weiterverarbeitung (neue Bestattungsformen). Die Flussbestattung ist die Beisetzung einer Ascheurne aus sofort wasserlöslicher Zellulose vom Schiff aus auf einem der oberirdischen Gewässer Rhein, Mosel, Lahn und Saar auf rheinland-pfälzischem Hoheitsgebiet, unter Beachtung der Vorschriften des Wasserrechts. Voraussetzungen für die neuen Bestattungsformen
gemäß Satz 1 sind, dass die verstorbene Person
1. ihren letzten Hauptwohnsitz in Rheinland-Pfalz hatte und
2. durch eine schriftliche Verfügung eine neue Bestattungsform bestimmt und eine Person für die Totenfürsorge benannt hat (Totenfürsorgeverfügung).













Jemand mit der Neigung zur Ordnungswidrigkeit, könnte sich ja den/die Verstorbenen in den Niederlanden in eine Papp Streuurne „abfüllen“ lassen, irgendwann früh Morgens oder in der sanften Abenddämmerung zu einem Flussufer gehen und….
Aber das ist eine Ordnungswidrigkeit, nicht erlaubt. Aber auch nur wenn Jemand es herausfindet.
Ich würde sowas nie weitersagen!
Die Totenbretter, die im Bayerischen Wald (immer noch) aufgestellt werden, dienten früher der Aufbahrung des Verstorbenen bis er beerdigt werden konnte.
Weil es in Niederbayern und der Oberpfalz sehr kalte Winter gibt (immer noch aber früher natürlich viel extremere), waren die Böden oft lange so stark gefroren, dass keine Gräber ausgehoben werden konnten. Die Toten wurden auf diesen Brettern oft wochenlang in der Scheune gelagert bis der Boden weich genug war, um sie zu beerdigen. Danach wurde das Totenbrett zum Gedenken an den darauf aufgebahrt gewesenen in Hof- bzw. Hausnähe aufgestellt als Andenken.
https://www.fnp.de/ratgeber/reise/totenbretter-bayerischen-wald-10374535.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Totenbrett
Fies, daß diese Bestattungsform nur für Eingeborene erlaubt ist.
Haben die Angst vor zuviel Asche in den rheinland-pfälzischen Flüssen? Ode Angst davor, den Bestattungs-Bürokraten der anderen Bundesländer die Macht über deren Tote streitig zu machen?
@Tia: So etwa muß man aber unbedingt in einer klaren Vollmondnacht durchführen!
Bei solchen Sonderformen der Bestattung gibt es immer zwei Tendenzen. Die einen möchten gerne, dass möglichst viele Menschen auch von außerhalb dieses Angebot in Anspruch nehmen. Das hat oft auch wirtschaftliche Gründe.
Die anderen, so ist das hier, sehen die Flussbestattung als etwas Besonderes und möchten es auch als Sonderfall behandelt wissen, und wollen eben nicht, dass eine Art Urnentourismus entsteht.
Urnentourismus wäre doch eher, daß man an bestimmten Stellen ins Wasser gelangen möchte weil dort irgendwer, Promi oder Künstler, mal landete.
Mir geht es darum, daß die freie Wahl der Bestattungsform von Politikern und Bürokraten eingeschränkt wird.
Vielleicht sogar verfassungsfeindlich – aber dagegen haben sich unsere Mächtigen ja abgesichert, weil nur Lebende klagen dürfen. Und Lebende ja noch nicht diese Einschränkung erlebt haben. Clever.
Nein, nein. Damit ist ganz was anderes gemeint.
Ich erkläre es an einem Beispiel. In einer Gemeinde hier im Umland sind die Erdbestattungen in einem Einzelgrab ziemlich günstig. Die Urväter im Gemeinderat wollten damit einmal den armen Kriegerwitwen ein günstiges dereinstiges Begräbnis ermöglichen.
Das war über Jahrzehnte auch problemlos möglich. Bis dann einige Bestatter in den benachbarten Großstädten dahinterkamen. Sie boten dann, als Alternative zur anonymen Urnenbestattung in der Großstadt, die nochmals um Faktor 4 günstigere Erdbestattung in dieser Gemeinde an.
Das führte zu einem sogenannten Leichentourismus. Dutzende Großstädter fanden dann allein aus Kostengründen ihre letzte Ruhe auf dem Dorffriedhof.
Man war dann gezwungen, dort auch einen Passus in die Satzung aufzunehmen, dass diese günstige Regelung nur für gemeldete Bürger gilt.
Ähnliches geschah auch, als in Deutschland der liberale Umgang mit der Totenasche in Holland näher bekannt wurde. Viele wählten dann den „Umweg über die Niederlande“, um auch in den Genuss dieser Möglichkeiten zu kommen. Nur haben die Niederländer aus diesem Leichentourismus ein Geschäft gemacht, sich darauf eingestellt, und man wirbt sogar um deutsche Kundschaft.
Was Du meinst, den Drang, die letzte Verbleibstätte von Prominenten zu besuchen, oder auch dort beigesetzt zu werden, das gibt es auch. Lies nur den Artikel über Marilyn Monroe hier im Blog.
Ich hoffe, ich konnte etwas zur Aufklärung beitragen.
Roland, ein Schiff kann bei extremen Niedrigwasser halt nicht weit genug hinausfahren, damit eine Urne entsprechend „mittig“ im Fluss versenkt werden kann!
Asche im Uferbereich zu verstreuen, ist ja was anderes und so gesehen, geht das für Angehörige immer, falls es diskret vorgenommen wird!
Und das ist der Knackpunkt, diskret Step by Step verstreuen hier ein wenig da ein wenig….
Sonst ergibt das Konzept „Verstreuen“ ja gar keinen Sinn.
Und Wer möchte, dass die Asche eines Angehörigen richtig im Fluss landet also weiter raus als Uferbereich, wie es auch gesetzlich angedacht ist, braucht ein Boot und dass muss den betreffenden Fluss entsprechend befahren können.
Und in der Theorie des Gesetzgebers soll bitteschön viel fließendes Wasser die geringe Menge Asche aus der sich auflösenden Urne auf eine große Menge Wasser verteilen.
Ja und wenn kaum Wasser da ist, das mit viel Strömung die Asche verteilt, ist die Flussbeisetzung eben nicht gestattet.
Ja, eben.
Und wenn der Friedewald tiefgefroren und eingeschneit ist, geht auch nix mit Urnenbestattung, Gesetz hin oder her.
Außerdem gehe ich davon aus, dass die meisten Angehörigen die legale Variante, Urnenversenkung per Schiff vorziehen und so oder so warten müssen.
Ansonsten ja…
Das hat nun aber absolut nix mit meinem Einwand zu tun.
Der Wasserstand ist, auch wenn manche Lokalpatrioten nicht mögen, völlig unabhängig davon, wessen Asche da gerne verstreut werden möchte.
Und ein Boot… tja, so ein simpler Kanadier oder Kajak, auch ein Ruderboot oder ein Schlauchboot,das/der könnte auch bei Wasserständen fahren, wo es schon längst nicht mehr zulässig ist, Asche zu verstreuen.
Aber das können die Leute als Ordnungswidrigkeit doch immer, mit nem Boot rausrudern und Asche im Wasser verstreuen.
Und Ja die ganzen deutschen Bestattungsgesetze der Bundesländer ändern sich erst extrem langsam… Das ist Dein Einwand, und in Bremen gelten die Lockerungen bei der Bestattung auch nur für Bürger des Bundeslandes!
Alles voll alt und konservativ gesetzlich geregelt, ist doch jetzt der Trend konservativ… So gesehen müssten RLP und Bremen ihre Lockerungen bei Bestattungen glatt wieder zurücknehmen… Das wäre doch wieder schön konservativ und durchgeregegelt.
Wie ich schon erklärte, geht es nicht allein darum, dass die Schiffe nicht fahren können.
Bei einem niedrigen Pegel von nur 35 cm könnte die Trauergemeinde ja auch in Gummistiefeln direkt zur Flussmitte waten und dann die Asche dort ausbembeln.
Es geht darum, dass die gesetzgebenden Politiker sich vorstellen, dass man Umweltbelastungen und eine gewisse Anhäufung von Asche unbedingt vermeiden müsste. Deshalb möchten sie, dass eine gewisse, große Wassermenge mit entsprechender Fließgeschwindigkeit die Asche möglichst viel verdünnt, verteilt und wegschafft.
Die Natur wird wohl in Zukunft noch viel „liefern“ was uns nicht passt….und da werden Flussbestattungen, die nicht immer termingemäß machbar sind, noch das kleinste Problem sein.
Ich denke da an Starkregen, orkanartige Stürme etc…
Ich gestehe, ich fänd so eine Wasserbestattung bei heftigem Sturm und Gewitter so richtig schön. Auch wenn ich vermute, das dann nicht mehr so richtig genießen zu können.
Kann ich das im Testament festhalten, nur bei dramatischem Wetter ausgeurnt zu werden?
Verfüge doch beim Sturm über ner Klippe verweht zu werden… Das sieht toll aus, wenn die Windrichtung stimmt.
The Big Lebowski
Dabei ist so eine Flussbestattung doch viel einfacher, wenn das Flussbett trocken liegt… Gummistiefel statt Diesel-Kahn, so! Schön nachhaltig…