Heute erreicht mich eine Mail, aus der ich nicht richtig schlau geworden bin. Sinngemäß hieß es darin etwa:
Ich habe zurückgefragt und darum gebeten, mir mitzuteilen, um was es überhaupt geht.
Natürlich habe ich eine Vorstellung davon, was der Fragesteller meinen könnte. Aber das ist eben nur eine Vorstellung, lieber wüsste ich Genaueres.
Was mir da wieder auffällt, ist die fehlende Bereitschaft, die ganze Angelegenheit in einem Gespräch zu klären.
Ins Auge gefasst werden nur die Massnahmen:
- drohen
- Anwalt einschalten
- Beschwerde über soziale Medien
Nun komme ich doch ins Spekulieren: Nehmen wir einmal an, die ausländischen Mitbürger sind wegen eines Sterbefalls zu einem Bestatter gegangen.
Im Zuge der Abwicklung der Formalitäten sind nun die übergebenen, und sicher für die Betreffenden auch sehr wertvollen, Unterlagen nicht mehr auffindbar.
Diese könnten beim Standesamt, beim Bestatter, auf dem Postweg oder sonstwie „verlorengegangen“ sein.
So etwas habe ich dutzendmal erlebt und es hat immer für große Aufregung im Bestattungshaus gesorgt. Eine Mappe mit den Originalpapieren darf nicht verlorengehen. Und trotzdem steht die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter dann im Büro und fragt sich: „Verdammt noch mal, wo ist die Mappe von Schneider?“
Um welche Unterlagen geht es?
Wenn ein Mensch stirbt, muss der Sterbefall bei den Behörden angezeigt werden. Beim Standesamt legt man dazu die Sterbepapiere vom Arzt und Personenstandsurkunden (Pässe, Heiratsurkunden, Geburtsurkunden und Ähnliches) vor. Das Standesamt erstellt dann die Sterbeurkunden. Alle Unterlagen gehen dann mit den Sterbeurkunden zurück an die Angehörigen. Diese Erledigung bei den Behörden übernimmt stellvertretend der Bestatter.
Ein kleiner Dorfbestatter holt vielleicht nur eine Urkunde pro Woche beim Standesamt ab. Ein Bestatter aus der Großstadt kann mitunter einen ganzen Stapel von Urkundenmappen beim Amt abholen. Das ist kein feierlicher Übergabeakt, sondern die Mappen liegen in einem Regal, man kommt rein, grüßt, nimmt seinen Stapel und geht. Ruckzuck. Draußen steht das Auto im Halteverbot.
Ich muss das nicht im Detail ausführen, Du kannst Dir alles Weitere vorstellen. Es wird gesucht, es wird telefoniert, keiner weiß was, keiner ist es gewesen, die Unterlagen sind erstmal weg.
So. Meine Oma hat immer gesagt: Haus verliert nix!
Da die Urkundenmappen nicht beim Standesamt aus dem offenen Fenster geschabbelt wurden und da Bestatter damit nicht beim Pokern bezahlen, müssen die ja irgendwo sein. Sind sie auch. Und sie tauchen auch wieder auf. Immer.
Nur eben: Wann?
Es kann sein, dass die ausländischen Unterlagen bei einem anderen Sterbefall mit in die Mappe gerutscht sind, schlimmstenfalls in die Mappe eines anderen Bestatters. Die Papiere können auch versehentlich beim Liegenschaftsamt im Posteingang liegen. Oder aber irgendjemand hat einfach nicht richtig geguckt.
In den berühmten 99,99 % aller Fälle sind solche Sachen nach zwei Tagen völlig überraschend auf einmal einfach wieder da.
In ganz seltenen Fällen hat man eben kein Glück, sondern auch noch Pech, und die Papiere bleiben verschwunden. Da kann man nix machen, ist halt so.
Einen Schuldigen wird man kaum finden, vermutlich ist auch niemand schuld.
Dann geht die Ochsentour los, und die Papiere müssen wiederbeschafft werden. Das ist oft kompliziert, teuer und langwierig.
Aber das ist eben das Leben und so etwas gehört zu den allgemeinen Risiken des Lebens, denen wir alle ausgesetzt sind.
Ja, das ist alles Scheiße und fürchterlich ärgerlich.
Aber bitte sagt mir: Warum muss man da jemandem drohen, einen Anwalt auf den Hals hetzen oder, so wie es jetzt modern ist, in den sozialen Medien einen Shitstorm lostreten?
Bildquellen:
- exec-c582d594-e971-42ce-8216-79e9710971a0_800x500: Peter Wilhelm KI












