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Kettenbestatter, Abzocker und schwarze Schafe

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Wie wird der Mund einer Leiche verschlossen?

LeSmou schreibt:

Ich kann über … [Bestattungshaus XYZ] nichts Schlechtes sagen. Allerdings wusste ich im Vorfeld nicht dass die so groß sind. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich … [wahrscheinlich] einen anderen Bestatter gewählt. Man liest hier ja so einiges. An sich war bei der Bestattung alles i.O. und dank Tom weiss ich auch dass die Rechnung korrekt/normal war. Die Beratung war i.O., auch wenn ich mir hin und wieder von Haus aus mehr Informationen erhofft hatte. Mussten sehr häufig nachfragen. In dieser Situation sehr nervig! Allerdings bleibt doch ein fader Beigeschmack und manchmal frage ich mich schon ob mein Vater wirklich in dem Anzug beerdigt wurde den wir dafür abgegeben haben (war ein sehr guter Hugo-Boss in normaler Größe…könnte ja sein dass damit ja inzwischen jemand Beratungsgespräche führt?).

Du nimmst hier Bezug auf das hier im Weblog immer mal wieder genannte fiktive Großbestatter- und Kettenunternehmen „Pietät Eichenlaub„. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß dieses erfundene Unternehmen in keinem tatsächlichen Zusammenhang zu einem real existierenden Unternehmen steht und die geschilderten Umstände und Handlungsweisen nicht einem bestimmten, hinter Pietät Eichenlaub vermuteten, Unternehmen angelastet werden können. Vielmehr dient dieses fiktive Unternehmen zur Personifizierung allen Übels in der Bestattungsbranche und steht stellvertretend für bestimmte Handlungsweisen, nicht für eine andere Firma.

Was LeSmous Befürchtungen hinsichtlich des guten Anzugs seines Vaters anbetrifft, so kann ich ihn beruhigen. Bei einem großen Unternehmen mit einer gewissen Marktbedeutung gibt es ganz andere Ansatzpunkte der Kritik, es ist aber nicht davon auszugehen, daß sich da wegen eines Anzugs die Hände schmutzig gemacht werden.

In aller Regel wird man bei den Großen auch gut beraten und behandelt, bekommt die Ware, die man bestellt hat und die Rechnungen stimmen auch fachlich und sachlich. Man kann also nicht pauschal sagen, daß man bei einem kleineren Bestattungsunternehmen besser aufgehoben ist oder daß Große grundsätzlich schlecht wären.

Doch jetzt kommt das Aber:
Man muß sich jeden Bestatter genau ansehen. Häufig investieren die Familien in eine Bestattung mehr Geld als in ihre Wohnungseinrichtung oder in einen Gebrauchtwagen. Andere hochpreisige Vertragsabschlüsse würde man ja auch nicht bei irgendwem, so auf die Huschen und ohne nähere Information machen. Selbst für den Kauf eines Computerkabels recherchieren manche tagelang im Internet, vergleichen Preise, holen sich Meinungen anderer ein und entscheiden dann erst.
Allein die Tabuisierung des Themas Tod, Trauer und Bestattung hält die Menschen davon ab, das auch beim Bestatter so zu halten.
Ich höre oft das Argument, der Todesfall sei so plötzlich eingetreten und man habe keine Zeit gehabt und sei deshalb an diesen oder jenen geraten.
Das kann ich aber nur bedingt gelten lassen, denn es mag zwar sein, daß in dieser Familie plötzlich und unerwartet jemand verstorben ist, aber die Erkenntnis, daß Menschen sterben müssen, kann ja nicht erst an diesem Tag in dieser Stunde gekommen sein.

Warum, frage ich dann immer, hat man sich nicht vorher schon mal im Bekanntenkreis umgehört, welche Erfahrungen dort gemacht wurden? Warum hat man nicht schon zu guten und unbeschwerten Zeiten mal verschiedene Bestatter aufgesucht und die Preise, Leistungen und das Entgegenkommen verglichen? Warum hat man nicht bei einem Bestatter, der einem gut passte, eine Bestattungsvorsorge abgeschlossen?
und, und, und…
Gut, kaum einer beschäftigt sich in unbeschwerten Zeiten und jungen Jahren gerne mit diesem Thema, aber letztlich muß jeder wissen, daß er eines Tages nicht umhin können wird und einen Bestatter wird beauftragen müssen.

Unvorbereitet kann nur sein, wer sich nicht vorbereitet.

Ich gehe davon aus, und dafür sprechen die Hunderttausende jedes Jahr problemlos abgewickelten Bestattungen, daß zunächst einmal alle Bestatter eine gute Arbeit abliefern und zwar hohe, aber durchaus angemessene Preise verlangen. In einer so großen Branche differieren aber Preise und Leistungen, wie in anderen großen Branchen auch. Man kann in der Jugendherberge absteigen oder im Hotel Hilton…
Deshalb muß man vorher gucken, mit wem man es zu tun hat, dann gibt es auch keine Überraschungen.
Wenn aber eine Branche so groß ist, dann bietet sie auch Raum für schwarze Schafe.

Der Begriff „schwarzes Schaf“ soll versinnbildlichen, daß es sich da um ein Unternehmen handelt, das sich durch negative Handlungsweisen von den anderen Unternehmen unterscheidet. Er wird aber fälschlicherweise vor allem in den Medien, genau wie das Wort Abzocker, meist in einem völlig falschen Zusammenhang verwendet.

Ein schwarzes Schaf ist für mich beispielsweise ein Bestatter, der den Angehörigen einen hochpreisigen Sarg verkauft, den Verstorbenen dann aber in einer billigen Kiste einäschern läßt. Andere Beispiele für die Praktiken der schwarzen Schafe gibt es hier im Bestatterweblog genug.
Wenn ich aber höre, daß ein Bestatter als Abzocker tituliert wird, nur weil die Angehörigen viel bezahlen müssen, dann schaue ich mir gerne die Rechnungen und Auftragsbestätigungen an. Ich stelle dann in den meisten Fällen fest, daß zwischen dem im Beratungsgespräch durch die Angehörigen angegebenen vermuteten Aufwand und dem tatsächlich erforderlich gewordenen Aufwand oft ganze Kontinente liegen oder daß man schlichtweg unterwegs noch einen Haufen, die Angelegenheit verteuernde, Sonderwünsche geäußert hat.
Ich kann auch nicht in jedem kostenoptimierenden Verhalten eines Bestatters etwas Verwerfliches sehen, wenn die Angehörigen sich darüber im Klaren waren, daß sie einen „billigen Jakob“ beauftragt haben.

Man muß also vorher ganz genau gucken, wenn es erst einmal so weit ist, wird man den Kopf nicht frei haben, um so sorgfältig wie man es sonst tun würde, alles zu überwachen und im Auge zu behalten. Hinterher seine eigene Entscheidung zu bedauern und dafür dem Bestatter die Schuld zu geben, ist sicherlich der falsche Weg.

Und gucken sollte man sowohl beim kleineren, als auch beim größeren Bestattungsunternehmen. Schwarze Schafe, Teure, Billige, Gute und Schlechte gibt es hier wie dort.

Ein kleines, inhabergeführtes Familienunternehmen steht mit seinem Namen, seinem Inhaber und oft einem generationenalten, gepflegten Ruf für sich und seine Dienstleistungen ein. Bei einem großen Kettenunternehmen mit oft wechselnden Filialleiter usw. sieht das schon anders aus.
Andererseits sind in großen Unternehmen die Abläufe häufig automatisiert und optimiert und somit manche Quelle des Übels von vornherein ausgeschaltet.

Ich persönlich empfehle immer die kleinen und mittleren Bestattungsunternehmen, von denen man im ganzen Ort weiß wie sie arbeiten.
Wer sich hier vorher umschaut, wird hinterher auch keine bösen Überraschungen erleben.


Peter Wilhelm 28. Mai 2012

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