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Manche (Tage) haben es in sich

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Au Mann, gerade komme ich von einer Überführung zurück.
Gegen 18 Uhr kam der Anruf: „Mein Mann ist vestorben, bitte holen Sie ihn ab!“
Soweit nichts Ungewöhnliches. Ich habe meine „Männer“ angerufen, also die Fahrer vom Bereitschaftsdienst. Die sind dann eingerückt, haben unseren Leichenwagen (wir sagen Bestattungsfahrzeug) gerichtet und dann dorthin gefahren.
Um 19 Uhr bekam ich einen Anruf. Es waren die Fahrer: „Chef, Sie müssen uns helfen, der Verstorbene ist so dick.“

Also bin ich auch dahin gefahren. Dann sah ich die Bescherung. Der arme Mann war in der Badewanne verstorben, ein Herzinfarkt.
Der Arzt hatte nur noch den Tod feststellen können.
Tja und der Mann wog schätzungsweise 200 bis 250 Kilo. So genau konnte man das nicht abschätzen. In jedem Fall war die Badewanne voll Mann, randvoll.

Die Angehörigen standen mit unseren Fahrern im ohnehin engen Badezimmer und lamentierten die ganze Zeit.
Also habe ich die erst einmal rausgeschickt, damit wir unsere Arbeit machen können.
Wir mussten zwei Gurte unter dem Mann durchziehen, damit wir überhaupt irgendwas zum Anfassen hatten.

Fast eine halbe Stunde haben wir zu Dritt geochst, dann plumpste der Verstorbene etwas unsanft aber endlich auf die Trage.

Wir hatten nicht die geringste Chance, den Reißverschluß des Überzuges zu schließen. So haben wir ein weißes Laken darüber gelegt und den Mann mit den Gurten der Trage gut festgeschnallt. Glücklicherweise war ein Schwager des Toten so nett, uns noch zu helfen.
Ich kann aber sagen: Ich bin fix und alle! Es war selbst zu Viert eine Höllenarbeit und schweinisch schwer, den Dicken durch das Treppenhaus zu bugsieren. Alles eng und vollgestellt, sodass wir die Trage ein paar Mal hochkant wuchten mußten.

Respekt und Hochachtung vor den Verstorbenen sind uns wichtig. Wir behandeln jeden Verstorbenen so als ob es unsere Mutter, unser Vater oder sonst ein Verwandter gewesen sei.
Aber manchmal ist das schon ziemlich schwierig, da cool zu bleiben.

Bei aller Nettigkeit, der Tote von heute wird uns noch eine Weile als „der Dicke“ in Erinnerung bleiben.

Obwohl… wir hatten schon Dickere, aber das erzähle ich ein anderes Mal.

Fehler durch Lektorin Alexandra bereinigt.


Peter Wilhelm 17. November 2015

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