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Tischler, Schreiner, Zimmermann

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Bei uns sind alle Bestatter auch gleichzeitig Schreiner, bei meiner Oma jedoch, die ca. 150 KM entfernt wohnt ist kein Bestatter Tischler. Ist das ein regionaler Unterschied? Und da du schon öfters geschrieben hast, dass ihr ein Traditionsunternehmen seid, bist du auch ein Tischler?

Tatsächlich liegt die Wurzel des modernen Bestattungswesens im holzverarbeitenden Handwerk. Während heute nahezu alle Särge aus großen Sargfabriken kommen, wurden früher die Särge vom Schreiner gemacht. So lag es nahe, daß dieser dann zunehmend auch die übrigen Arbeiten rund um die Bestattung übernahm.

Die Abwicklung eines Sterbefalls war früher ungleich unkomplizierter. Ein Behördengang für die Angehörigen, ein Gespräch mit dem Pfarrer. Die Sarglegung erfolgte durch die Familie, die Dorfgemeinschaft oder einen dörflichen Leichenwäscher. Den Grabaushub übernahm nebenberuflich ein Gemeindemitarbeiter oder jemand aus der dörflichen Gemeinschaft.

Erst mit dem Wachsen der großen Städte, der Einführung von größeren Friedhöfen abseits der Kirchen wurde es notwendig mehr oder weniger spezialisierte Kräfte einzusetzen. Die Schreiner übernahmen auch den Totentransport, oft mit Sarganhängern, auf den Friedhöfen wurden hauptamtliche Friedhofswärter eingesetzt und auch die Verwaltung nahm sich mit noch mehr Formularen der Sterbefälle an.

In anderen Gegenden waren es die Gärtnereien, die das Bestattungswesen übernahmen. Vom Schreiner bezogen sie die Särge und übernahmen den ganzen restlichen Ablauf. In manchen Städten, vor allem in Berlin und den großen Städten des Ruhrgebietes übernahmen auf den Totentransport spezialisierte Hauderer die Transporte, während die Bestatter sozusagen vom Wohnzimmer aus agierten. Sie verkauften Särge aus dem Fotokatalog, der Schreiner machte die Särge und der Hauderer übernahm Transport und Sarglegung.

Immer mehr wurde die Versorgung der Leiche aus dem häuslichen Bereich in den institutionalisierten Bereich verlagert. Das hängt einerseits mit wachsenden behördlichen Bestimmungen und andererseits mit einer veränderten Einstellung der Familien zusammen.

Kaum hat es irgendwo eine Entwicklung gegeben, daß jemand Bestatter wurde, der nicht zuvor in irgendeinem Gewerbe tätig war, das wenigstens am Rande mit der Totenfürsorge zu tun hatte.

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Peter Wilhelm 18. November 2015


5 Kommentare von 141338.

  1. Diese Frage sollte eigentlich schon beantwortet sein. Immerhin ist durchaus bekannt wie Tom zu seinem Beruf gekommen ist…und demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass er dieses Handwerk erlernt hat doch eher arg gering.

  2. Wo wir gerade beim Thema Tischler und Sarg sind. Darf jeder Tischler einen Sarg bauen, oder bedarf es da einer bestimmten „Sargbauzulassung“? Man könnte ja auch vielleicht schon mal im Hobbykeller anfangen und würde dann im Ernstfall einen Haufen Geld sparen – äh nicht man, sondern die Anverwandten.

  3. Der Totengräber neben uns macht auch die Trauerbegleitung. Sagte er. Was meint er damit? Das Ausheben und Schliessen des Grabes, die Überwachung des Ablaufs der Bestattung.
    Für den Sarg, das Einsargen und was alles damit zusammenhängt, arbeitet er mit einem Bestatter zusammen. Nehme ich eine andere Firma, greift diese dann auf meinen Nachbarn zurück.

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