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Urnen

Von
orgel

Die Fragen reissen nicht ab 🙂

Gibt es auch andere Urnen, als die langweiligen, tristen Urnen? Kann man eine Urne selbst gestalten?

Antwort: Doppel-Ja.

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Um über dieses Thema sprechen zu können, müssen wir ein bißchen Begriffsklärung betreiben und etwas lernen. Das, was die Menschen im Allgemeinen als Urne bezeichnen, also das verzierte Gefäß aus Kupfer, Steingut oder Holz ist die Überurne, die auch Schmuckurne genannt wird. Sie ist im Grunde überflüssig und dient nur dem Kaschieren des eigentlichen Urnengefäßes. Dieses ist in Deutschland weitestgehend genormt und wird Aschenbehälter oder Aschenurne genannt.

Beispiele für Überurnen findet man beispielsweise auf dieser Seite eines Kollegen aus Karlsruhe.

Die eigentliche Aschenurne ist eine Blechdose aus besonders festem schwarzen Blech. In diese wird im Krematorium die Asche (etwa 2 kg) eingefüllt. Danach wird sie mit einem silberfarbigen Blechdeckel fest verschlossen. Dieser wird eingebördelt und kann ohne weiteres nicht mehr entfernt werden. Im Deckel sind der Name des Krematoriums, die Namen des Verstorbenen, seine Lebensdaten und die sogenannte Feuernummer eingestanzt.

Diese Aschenurne ist nicht besonders schmuck, aber auch keinesfalls häßlich, sondern einfach nur zweckmäßig. Wer mag, kann seinen Angehörigen nur mit diesem Gefäß beisetzen lassen, alles andere ist Luxus.

Das was landläufig also als Urne bezeichnet wird, ist die Überurne, in die diese Aschenurne hineingestellt wird. Sie kann 20-30 Euro kosten, aber auch 200-300 Euro, je nach Ausführung. Sie können aus allen möglichen Materialien bestehen: Ton, Holz, Metall, Stein, Papier usw.
Oftmals sind die Schmuckurnen, wie es der Name schon sagt, geschmückt, mit christlichen Symbolen ausgestattet oder bemalt, sandgestrahlt und vieles mehr.

Hieraus ergibt sich, dass solche Überurnen auch ohne weiteres von Privatleuten oder Designern innerhalb gewisser Grenzen frei gestaltet werden können. Die Grenzen ergeben sich aus der Form und Größe und der Aufmachung. Oftmals schreiben die Bestattungsordnungen der Kommunen eine „würdige, feste Umhüllung“ vor. Dies wäre durch die Aschenurne alleine schon erfüllt.

Es gibt inzwischen ein Angebot von über 1.000 verschiedenen Urnenmodellen. Wer etwas Außergewöhnliches möchte, sollte mit dem Bestatter darüber sprechen, oft kann er bei seinem Zulieferer noch wesentlich mehr und andere Modelle besorgen, als er in seinem Ausstellungsraum hat.
Da zwischen der Auftragsvergabe beim Bestatter und der eigentlichen Urnenbeisetzung mehr Zeit vergeht als bei einer Erdbestattung (bis hin zu mehreren Wochen) ist es durchaus möglich eine preiswerte relativ neutrale Überurne beim Bestatter zu erwerben und diese selbst zu gestalten.

Viele Künstler haben sich inzwischen diesem Thema angenommen und ebenfalls sehr attraktive und individuelle Urnen entworfen. Für diese Urnen gilt aber leider oft, das was auch für Designersärge gilt: Die Künstler haben Preisvorstellungen jenseits von Gut und Böse.

Nebenbei bemerkt: Für Seebestattungen gibt es andere Urnenmodelle. Diese bestehen aus einem Material, welches sich im Verlaufe kurzer Zeit (20 Min. bis einige Stunden) im Meerwasser auflöst. Das kann eine Art Pappmaschee sein, ist zumeist aber ein Presswerkstoff aus Sand und Salz, der aussieht wie Felsgestein. Auch bei einer Seebestattung kommt die Asche zunächst in eine herkömmliche Aschenurne, wird so an die Seebestattungsreederei versandt und dann dort in die auflösbare Seeurne umgefüllt. Das macht man u.a., damit vermieden wird, dass die herkömmlichen Blechurnen irgendwann an der Küste angeschwemmt werden.

Ein weiterer Sonderfall sind die Waldbestattungen. Bei einer solchen Beisetzung wird die Urne im Wurzelbereich eines Baumes in einem Bestattungswald beigesetzt. Hier ist es ebenfalls so, daß die Asche in eine Urne umgefüllt wird, die sich im Verlaufe der Zeit im Erdreich zersetzen kann. Diese Urnen bestehen aus einem biologisch abbaubaren Produkt o.ä. das sich ansprechend gestalten lässt und sich anfühlt wie Kunststoff, aber nicht so aussieht. Hier werden auch Urnen aus einem Papierwerkstoff eingesetzt. Vor allem die letzteren sehen im Übrigen ausgesprochen gut aus und werden in unserem Haus sehr oft auch für herkömmliche Urnenbeisetzungen auf dem Friedhof gewählt. Sie haben eine grauweiße oder dunkelgraue Optik und sehen aus wie Felsgestein.
Diese Papierurnen sind aus einem biologisch einwandfreien Zellulosematerial, aus dem beispielsweise auch Eierschachteln gefertigt werden. Es sind die Universalurnen schlechthin, denn sie können sowohl als Überurne bei herkömmlichen Urnenbeisetzungen verwendet werden, als auch nach Umfüllung der Asche für See- und Waldbestattungen.

Aber nochmals: Außer in den Fällen (See, Wald) wo die Asche direkt in die Schmuckurne umgefüllt wird, ist die Anschaffung einer Überurne reiner Luxus. Will man sparen, lässt man sie einfach weg und investiert etwas Geld beim Gärtner in einen hübschen Urnenschmuck; kein Mensch wird sich am neutralen Aussehen der einfachen Aschenurne des Krematoriums stören.

Die Überurnen sind einer der Punkte, die die Bestattungsrechnung unnötig hochtreiben. Ich kenne keinen Bestatter, der seine Kunden nicht darüber informiert, dass die Überurne eigentlich überflüssig ist, aber solche soll es geben. Überurnen sind, auch wenn sie wertvoll aussehen, im Einkaufspreis oft sehr günstig und werden -weil Luxus- gerne sehr teuer weiterverkauft. Hier lohnt sich das Nachfragen nach Alternativen ganz besonders.

Ach ja, noch eines: Die von mir beschriebene Papier- bzw. Pappurne ist auf dem obigen Bild in der Mitte oben dargestellt, wer hätte das gedacht!?


Veröffentlicht von

Hier veröffentlicht der Publizist Peter Wilhelm Informationen und Geschichten rund um den Bestatterberuf.
Mehr über den an Allerheiligen geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier.
Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Texte rein zur Unterhaltung. Keine Rechts-, Steuer- oder Medizinberatung!


    



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Peter Wilhelm 22. Februar 2014

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