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Leichenwäscher, gut bezahlt?

Diese Frage wurde mir gerade heute per Mail gestellt. Viele andere Fragen, die eingegangen sind, habe ich auch schon beantwortet, aber die Artikel auf die nächsten Tage und Wochen verteilt, sonst kommen hier 200 Artikel auf einmal und das liest doch kein Mensch :-)

Die Frage lautete:

Die Geschichte spukt immer wieder herum, wenn Studenten über lukrative Nebenanstellungen reden und es gibt immer noch Leute, die davon als bestbezahltem Studentenjob aller Zeiten reden. Gibt es einen „Leichenwäscher“, der dann angeblich auch sehr hoch bezahlt wird ;-)

Das ist eine sehr gute Frage, die ich besonders gerne beantworte, weil keine Woche vergeht, ohne dass irgendjemand bei mir anruft und sich um so einen Job bewirbt.

Antwort: Nein, nein, nein, nein.

Es gibt im Bestattungshaus keinen Leichenwäscher und gäbe es so einen, würde er nicht gut bezahlt.
Die Löhne und Gehälter im Bestattungsgewerbe sind frei verhandelbar, orientieren sich allenfalls grob an der unteren Ebene des holzverarbeitenden Handwerks. Es werden keine überragenden Löhne und Gehälter bezahlt. Da muss keiner hungern, aber reich werden Angestellte auch nicht. Wir zahlen bewusst keine Provisionen oder Umsatzbeteiligungen, weil wir dadurch verhindern wollen, dass unsere Mitarbeiter mehr empfehlen als notwendig ist oder hochpreisig beraten.
Der niederste Job wäre aber sicherlich der eines Leichenwäschers und würde mit Sicherheit besonders schlecht bezahlt.

Natürlich werden die Verstorbenen gesäubert, geschminkt und angekleidet usw. Das aber machen die Bestattungshelfer, die gleichzeitig auch Fahrer sind. Es ist schon ein gewisses Spezialwissen erforderlich, um das korrekt zu machen. Saisonkräfte oder studentische Aushilfen werden nicht benötigt.

Was allerdings stimmt ist dass Studenten medizinischer Berufe oft auch in pathologischen Instituten arbeiten. Hier kann es zur Arbeit gehören, die Verstorbenen nach der Sektion wieder in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Besonders gut bezahlt wird das aber sicher auch nicht.

Für uns Bestatter ist der Umgang mit einem Verstorbenen etwas völlig Normales, nichts was eine besonders hohe Bezahlung rechtfertigen würde. Nur wer keine Ahnung hat und eine große Distanz zum Thema hat, kann sich einbilden, sowas müsse ja ganz gewiss hoch bezahlt werden.

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Peter Wilhelm7. Januar 2015

18 Kommentare von 140267.

  1. Hallo Tom,

    habe über den Shopblogger dein Blog entdeckt – wieder eines, das einen Blick hinter die Kulissen zeigt und bei dem man was lernen kann *freu*

    Ist es dir recht, wenn ich dein Blog in meinem verlinke?

    Herzliche Grüße

    Louffi

  2. Hi,

    hab ich auch schon gehört, aus Insiderkreisen, dass zeitweilig keine Kräfte zur Verfügung standen und dann wird schon mehr bezahlt. Und dass in der Branche manchmal gestohlen wird (was wohl das Gerücht ausmacht, dass man da "reich" werden kann…) Leichenfledderei oder wie man das in Germany nennt. Schmuck, mit dem die Toten begraben werden sollen, Zahngold, sowas …

    Ciao :)

    Diane

  3. So ein Blödsinn. Was sollen das denn für Insiderkreise sein? Das sind doch die typischen Hörensagen-Geschichten, die man so am Stammtisch herumerzählt, ohne zu wissen, was man da für einen Stuss redet.

    Unehrliche Menschen gibt es überall. Es gibt Taxifahrer, die Fundstücke nicht abgeben, sondern behalten, es gibt Pflegepersonal, das die Nachttische ihrer Pfleglinge ausräubert und es gibt Omas, die im Supermarkt Schnaps klauen. Und natürlich gibt es Bestattungspersonal, das sich unrechtmäßig bereichert. Aber das zu verallgemeinern, ist albern.

    Man muss es doch mal so sehen, dass immer auch der Ruf des Unternehmens auf dem Spiel steht und der ist schneller ruiniert, und irreparabel in den Schmutz gezogen, als es einem lieb ist.

    Das Risiko wäre viel zu groß, hier erwischt zu werden. Wer garantiert denn, dass nicht schon am nächsten Tag ein Angehöriger auf der Matte steht und nach dem Schmuckstück fragt?

    In Krankenhäusern kommen die Verstorbenen fast ausschließlich schmucklos in die Kühlkammern und das Pflegepersonal verwahrt die persönlichen Gegenstände zur Übergabe an die Hinterbliebenen.

    Bei einer Abholung von zu Hause nehmen wir noch vor Ort überflüssigen Schmuck (bis auf den Ehering) ab, weil das später, wenn die Leichenstarre eintritt schwieriger ist.

    Andere Tote, die wir irgendwo aus einem Gebüsch ziehen oder auf dem Bahnhofsklo abholen müssen, haben keinen Schmuck.

    Falls doch mal ein Verstorbener Wertgegenstände bei sich hat, wird das stets unter Zeugen eingetütet und in unser Schmuckbuch eingetragen und den Leuten ausgehändigt.

    Ausserdem sind Bestatter keine Schmuckexperten, die auf den ersten Blick sehen können, ob das ein echter Brilliant ist oder so eine künstliche Zirkoniascheisse. Und für eine so unsichere Sache lohnt sich das Risiko nicht.

    Aber denke doch einfach mal das, was Du da so schnell einfach hingetippt hast, zu Ende.

    Genau diese Behauptung, die Du da aufstellst, ist doch mit ein Grund dafür, dass man als Unternehmer besser die Hände von irgendwelchen Saison-Aushilfen lässt.

    Es ist und bleibt Blödsinn.

  4. Also das ist ein Missverständnis, mit einer BEHAUPTUNG! Ich kann es nicht behaupten, weil ich es natürlich nicht beweisen kann! Aber ich kenne tatsächlich u.a. Leute, die selbständig! damit zu tun haben. Sonst hätte ich dieses Comment nicht geschrieben – durch die ich dem entsprechendes schon gehört habe – aber überprüfen kann ich das natürlich nicht!

    Ich weiss es sonst auch so, dass man mit Zeugen die Wertgegenstände beim Verstorbenen entnimmt und aufbewahrt gegen Quittung.

    Es ging in den Fällen, was ich hörte, aber um Schmuck, der bei den Toten verblieb, weil er mit begraben werden sollte. Und vor allem um Zahngold.

    Aber – keine Ahnung! Ich war Gottseidank nicht mit dabei :mrgreen: Gerüchte gibt es viele …

  5. Wird ja immer toller! Jetzt unterstellst Du unterschwellig, dass wir hingehen und mit einer Zange den Toten die Goldzähne rausbrechen? Unglaublich sowas! Ich glaube Dein "Informant" hat zu viele Filme über Auschwitz und Bergen-Belsen gesehen…

  6. Vielleicht hat der "Informant" letztes Jahr den Nürnberger Zahngold-Skandal mitverfolgt und meint jetzt, alle machen sowas.

    War ja ein ziemlich großes Thema. Und manche Leute verallgemeinern halt dann gleich, ohne nachzudenken…

  7. Ach, solche Geschichten passieren doch immer wieder und in jeder Branche. Solange Menschen irgendwo beteiligt sind, sind auch immer Kriminelle dabei. Vor geraumer Zeit wurde in einem Supermarkt einer großen Kette das gesamte Personal ausgetauscht, weil die in gemeinsamer Sache konsequent allen Kunden über Jahre hinweg zu wenig Wechselgeld rausgegeben haben. Jetzt kommt ja auch keiner auf die Idee, zu sagen, in allen Supermärkten würde man betrogen.

  8. Warum so aggressiv?

    Den Leichenwagen im Nonnenkloster, Fahrer und Beifahrer setzen beim Losfahren Sonnenbrillen auf, am Tor dringt dann "Highway to Hell" aus dem Auto, den hab ich selber gesehen. Und gehört.

    Und die Tätowierungen unter den schweißnaß klebenden weißen Hemden der Strategen, die den (zugegeben schweren Sarg mit dem dicken Opa) um die Ecke wuchten mußten, waren gut sichtbar.

    Den Sarg hochkant um die Flurecken wuchten, weil es anders logischerweis nicht geht, Kopfende natürlich nach unten. Mein seltsamer Humor zwingt mich darüber nachzudenken, wie es in so einem Sarg danach wohl ausgesehen haben mag. Nur nicht alle Verbliebenen haben eine Magen, der diese Gedanken verträgt.

    Den Job macht halt nicht jeder, der ihn kann. Und umgekehrt.

  9. Ja, sowas habe ich auch schon gesehen. Die Fahrer eines Konkurrenzunternehmens würden besser als Türsteher vor eine Disco passen.

  10. Also solche Dinge wie Diane schreibt kommen immer wieder vor.

    Nürnberg, München….und …und …

    Das kommt also immer wieder vor, bleiben natürlich Ausnahmen, weil das meiste nicht auf kommt.

    So ist das halt bei uns in Old Germany.

    Gruss

    Richard

  11. @ Richard

    wie gesagt, Insiderkreise, ich kenne Bestatter pur! :D Nürnberg KANN überall sein, und die von Auschwitz damals hätten das alles auch aufs finstere Mittelalter geschoben, logisch oder! :mrgreen: – aber sonst sag ich nix mehr ohne meinen Anwalt *g*

    Ausserdem ging es hier um Verdienst von leichenwäschern, ein Beruf, den es wohl gar nicht gibt :shock:

  12. Natürlich kommen solche Sachen vor. Aber sie sind genausowenige exemplarisch für diese Branche, wie Bäcker, die verschimmeltes Mehl benutzen oder Fleischer, die ihre Waagen manipuliert haben. Wann immer Menschen irgendwo arbeiten, bietet sich für kriminelle Elemente auch eine Chance. Diese gibt es aber überall und in jeder Branche. Da man aber über den Bestatterberuf am allerwenigsten weiß, bietet sich hier noch die Chance zusätzlich einen geheimnisvollen Nebel um die ganze Sache zu legen und was eignet sich besser für solche Mythen als ein Beruf der im Bereich des Tabus angesiedelt ist.

    Und was die Leichenwäscher anbetrifft, so muss man da wirklich klipp und klar sagen, dass ich keinen solchen kenne und nicht wüsste, wo der arbeiten sollte. Natürlich werden Menschen, die verstorben sind, gereinigt. Beispielsweise Leute die auf dem OP-Tisch versterben. Das muss dann aber irgendwer im OP noch machen, oftmals auch der Bestatter. Aber hierfür brauch man doch nicht einen extra Leichenwäscher. Hierzu muss man nur einmal logisch denken.

    In einer Stadt mit 120.000 Einwohnern, sterben jedes Jahr rund 1.200 Menschen. Das sind 100 pro Monat. Bei 5 ortsansassigen Bestattungsunternehmen wären das 20 pro Bestattungshaus, also ein Verstorbener pro Werktag.

    Und um eine Leiche jeden Tag zu waschen braucht nun wirklich niemand einen extra Leichenwäscher. Selbst wenn es 10 wären, wie lange soll der die denn waschen? Und wozu?

  13. Von einer Bekannten, die im Altersheim arbeitet, weiss ich, dass sie die verstorbenen Bewohner selber waschen (müssen?), bevor sie abgeholt werden. Und nein, das ist überhaupt nicht gut bezahlt.

  14. *Ironie on*

    ich finde das man leute die freiwillig und kostenlos inhalte, z.b. lesenswerte Blogs anbieten mit hinweis auf das "gewohnheitsrecht" verklagen sollten, wenn es nicht weitergeht und man auf den allmorgentlichen eintrag wartet *ironie off*

    der Kaffee ist schon fast alle

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