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Was soll ich tun, wenn ich das erste Mal eine Leiche sehe?

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Es kann sein das ich demnächst ein Praktikum bei einem Bestatter machen kann. Und deswegen meine Frage, kann es durchaus sein, das ich während des Praktikums eine Leiche sehen werde? Und wenn ja, was schlagen Sie mir vor, wie ich mich am besten psychisch drauf vorbereiten kann, falls es echt dazu kommen sollte? Denn der Beruf interessiert mich und ich habe keine Probleme mit dem Tod umzugehen, da ich weiß, das er zum Leben dazu gehört. Aber wenn man zum ersten mal eine Leiche sieht, da weiß ich nicht so wirklich, wie ich drauf reagieren würde.

Ich verstehe diese Frage immer nicht so wirklich. Das liegt auch nicht daran, daß ich als Bestatter schon viele Verstorbene gesehen habe.
Es ist nämlich so, daß die meisten Verstorbenen einfach nur aussehen, wie alte Menschen, die schlafen. Sie wirken weder erschreckend, noch tun sie irgendetwas.

Kein verantwortungsvoller Bestatter wird einer Praktikantin als erstes einen Verstorbenen zeigen, bei dem das nicht so ist.

Viel anders als jemand, der mit offenem Mund schläft, sieht ein normaler Verstorbener auch nicht aus.
Ein Leichnam fühlt sich an, wie ein aufgetautes Grillhähnchen, kalt eben.
Mit einer besonderen Geruchsbelästigung ist auch nicht zu rechnen.

Ich würde an die Sache völlig entspannt herangehen und erst einmal alle Befürchtungen über Bord werfen. Trotzdem würde ich meinen Praktikumsgeber darüber informieren, daß ich noch nie einen Verstorbenen gesehen habe und dementsprechend vorsichtig an die Sache herangeführt werden möchte.

Im übrigen sei einmal allen Bestatter gesagt, daß es zwar immer schon ein Riesengag war, Berufsneulinge mit Verstorbenen zu erschrecken, das aber nicht für Praktikanten gilt, die nur ein paar Tage bei einem sind und hinterher in einer ganz anderen Branche landen.

Wie gesagt, es ist nicht wirklich etwas Schlimmes zu befürchten. Wer aber grundsätzlich von einer tiefen inneren Angst vor Leichen getrieben ist, der sollte sich überlegen, ob dann ausgerechnet ein Praktikum bei einem Bestatter das Richtige für einen ist.

Peter Wilhelm 9. September 2014


9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Vergleich mit einer schlafenden Person hinkt natürlich ein wenig – zum Beispiel wirkt das Gesicht eingefallen, weil die Muskeln erschlaffen. Auch kann die Haut eine unnatürliche, bläulich-graue Farbe besitzen, weil das Blut nicht mehr zirkuliert.

    Aber ansonsten – guck die tote Person ruhig an. Berühre sachte ihre Hand, und spüre die Kälte. Mach dir einen Eindruck. Und rede mit den Mitarbeitern des Bestattungshauses darüber.

    Meine Cousine hat damals mit 12 dem toten Grosspapa ein kleines Plüschtier in die Brusttasche seines Hemdes gesteckt. Und so Abschied genommen. Tote werden für dich sicher gewöhnungsbedürfig sein, aber man übersteht die Begegnung mit ihnen gut. Ausser es sind natürlich Zombies.

    Auch hast du den Vorteil, dass du keinen persönlichen Bezug zum Verstorbenen hast. Du musst etwa nicht daran denken, wie er lebendig ausgesehen hat – mit dem Lächeln, mit seiner Menschlichkeit. Das ist für einen Angehörigen wesentlich schlimmer.

    • Turtle, gell, Du bist noch nicht so oft neben schlafenden Menschen aufgewacht, oder? Ich finde jedenfalls, daß Menschen wenn sie tief schlafen genauso unkontrollierte Gesichtszüge haben wie Verstorbene.
      Deshalb schlafen wir ja auch im Dunkeln. 😉

      • Das war sehr pöse, Dudududu!

        („Half their lives they say goodnight to wifes they’ll never know…“ *leise mitsing*)

  2. So ganz unverständlich finde ich die Frage nicht. Der Fragesteller kann als Praktikant von 14 (Schulpraktikum) bis 20 Jahre alt sein und in dieser Zeitspanne ist es nicht so unüblich, dass man noch nie einen Toten gesehen hat, und dementsprechend keine Vorstellung von dem hat, was einen erwartet oder welche Reaktionen von einem erwartet werden. Ich bin mit meinen 29 Jahren jedenfalls bisher davon verschont geblieben.

    • Da hast Du völlig Recht!
      Aber ich finde nicht die Frage an sich unverständlich, sondern die Tatsache, daß jeder glaubt, ein menschlicher Leichnam sei etwas so Schlimmes, daß man sich davor fürchten müsse, er erschreckend wirken könne oder man mit „29 Jahren bisher davon verschont geblieben“ ist.
      Natürlich ist die Tatsache, daß ein Mensch tot ist, nichts Schönes, aber die allermeisten Leichen sind einfach nur unbewegliche, leblose Menschen, die keinerlei Schrecken verströmen.

      • Naja, in einer Kultur, in der wir das Leben vom Tod trennen wollen, ist ein Leichnam was schlimmes – erinnert er doch an die eigene Vergänglichkeit!

        Ich glaube ja, vor 100 Jahren oder so, hatten viel mehr Leute Kontakt mit Leichen (auch, weil mehr Menschen zuhause starben). Damals hatte der Praktikant solche Fragen sicher noch nicht …

  3. Na,das wäre ja ein merkwürdiges Praktikum,wenn Du keine Leiche sehen würdest;).
    So,wie wenn Du im Zoo ein Praktikum machst und siehst keine Tiere oder im Seniorenheim und siehst keine alte Menschen-dann würde ich mich aber beschweren*lach*.
    Wenn Du Dich vorbereiten möchtest,dann les vielleicht ein Buch von Elisabeth Kübler Ross“Über das Leben und den Tod danach“,ich glaube so heißt es oder so ähnlich,ist sehr schön und tröstlich und hilft mit dem Thema umzugehen.Tja,wie könntest Du reagieren?
    Schreien und wegrennen,weinen,lachen-nöö,das wäre ja Quatsch,schließlich willst Du ja ein Praktikum im Bestattungsunternehmen.Sag dem Bestatter,daß Du noch nie eine Leiche gesehen hast.Du wirst es merken,was das mit Dir macht,verändert sich Deine Atmung,verspürtst Du Unwohlsein,Angst…oder gehörst Du nicht zu den schissigen und Du nimmst es ganz locker…
    Ich habe ganz flach und oberflächig geatmet ,war bewaffnet mit Schutzschürze und doppelt,dreifach,angezogenen Handschuhen,habe meine Hände halb kaputt gewaschen,desinfiziert,wenn doch mal ein Stück meiner Haut mir der einer Leiche in Berührung kam.Selbst wenn ich über den Friedhof ging,habe ich die Luft angehalten,schnell drüber…
    Ich mußte den natürlichen Umgang mit einer Leiche ,dem Tod erst lernen und das lernt man nur,wenn man sich seinem Problem stellt.
    Jetzt bin ich 41,über die Hälfte meines Lebens im Seniorenheim und es macht mir seit 15 Jahren nichts mehr aus,einen verstorbenen zu waschen,anzuziehen,ohne Handschuhe an den Händen fassen oder ins Gesicht,meiner Ur-Oma habe ich einen Kuß auf die Stirn gegeben.
    Der Tod hat für mich seinen Schrecken verloren und wenn ich ganz ehrlich bin,Bestatterin würde mich auch sehr interessieren…
    Also trau Dich und arbeite an Dir und denk dran,wenn Du Dich so anstellst wie ich am Anfang,dann ist das nicht schlimm und heißt nicht,daß der Beruf für Dich nichts ist,man wächst und reift halt an seinen Aufgaben-aber freuen würde es mich für Dich,wenn Du von Anfang an natürlich damit umgehen kannst.Wichtig ist die Würde und der Respekt,ich spreche immer mit meinen verstorbenen Bewohnern,sage denen,was ich mache,bin so vorsichtig,wie ich zu deren Lebzeiten auch war,sorge für eine schöne Atmosphäre.
    Die Hände falten,ein Gebet sprechen,das Vater unser-vielleicht hilft Dir das.Besprech dies mit dem Bestatter…Viel Glück und meld Dich mal…

  4. Ich habe selber vor 2 jahren ein 2 Wöchiges Praktikum bei einem Bestatter machen dürfen, ich habe vom ersten Tag bis zum letzten Tag mit Verstorbenen zu tun gehabt.
    Am ersten tag habe ich auch Bammel bekommen wo es hieß hinten liegt einer und den machen wir dann auch fertig, aber etwas Angst und Unwohlsein ist normal, doch die Neugierde überwiegt.
    Der erste Verstorbene war ein Mann etwas älteren Jahres, komisch war am anfang nur die haltung wie er da lag und da man schon ein Bein Amputiert hatte, aber im großen und ganzen ist alles nix schlimmes.
    In den zwei Wochen hatten wir einen Verstorbenen der schon etwas gelegen hat und natürlich nicht mehr schön aussieht, dann gab es noch einen Springer der sich die Treppen in einem Hochhaus gestürzt hat, wo ich auf dem ersten Blick nix schlimmes sehen konnte.
    Ansonsten hast du ganz normal Verstorbene und überwiegend ältere Menschen, unter anderem habe noch den Opa meiner Frau fertig gemacht.
    Letztendlich Taste dich langsam und Ruhig herran, das wirst du auch Packen Viel Glück und Viel Spaß dabei.

  5. Der Beitrag ist zwar schon was älter, aber ich möchte trotzdem was dazu sagen 🙂

    Ich habe in der Schulzeit auch ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht (das war schon eine schwere Geburt überhaupt einen Praktikumsplatz zu finden..)
    Ich fand (und finde) den Beruf des Bestatters unglaublich interessant. Dem Chef habe ich damals im „Vorstellungsgespräch“ gesagt das ich noch nie mit Verstorbenen zu tun hatte, abgesehen von verstorbenen Haustieren. Während meiner Praktikumszeit war es dann („leider“ – also nicht falsch verstehen, ist ja eigentlich gut wenn keine Menschen sterben aber in dem Fall etwas… naja.. ungünstig wenn man sich mit dem Beruf der Bestattungsfachkraft vertraut machen möchte) recht ruhig. Bei dem ersten Sterbefall wollte ich gerne nur zusehen weil ich doch etwas nervös war und eine innere Hemmschwelle hatte. So habe ich einfach alles angereicht was zur Versorgung benötigt wurde. Wenn ein zweiter Sterbefall gekommen wäre hätte ich dort gerne auch mitgeholfen, ich wusste dann was mich erwartet. Nur es kam halt kein zweiter Sterbefall rein..
    Ich war aber auch sehr nervös als ich mit dem Mitarbeiter den Sargdeckel abgehoben habe.
    Letzten Endes empfand ich den „Anblick“ als unrealistisch.. Es war eine ältere Dame und was mich sehr verwirrt hat, sie lag in dem Sarg ohne eine Decke drüber oder irgendwas an, einfach splitterfaser nackt.. Dachte eigentlich das man dort wo man die Verstorbene abholt wenigstens was drüber legt. Ansonsten fand ich halt das irgendwie alles „menschliche“ aus der Person raus war. Es ist schwer auszudrücken. Letzten Endes war es aber nicht schlimm sondern die Dame sah sehr sehr friedlich aus.

    Leider habe ich während des Praktikums festgestellt, dass ich absolut nicht die körperliche Kraft dafür habe und nachdem ca 1 Monat später meine Mutter unerwartet und plötzlich verstarb war ich auch psychisch nicht mehr in der Lage und wäre es wohl auch heute nicht, aber das ist ein anderes Thema 🙂

    Jedenfalls waren das 3 Wochen im Praktikum die mich viel gelehrt haben und ich bin froh das ich dieser Erfahrungen sammeln durfte.

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