Fuchs, Du hast das Bein gestohlen

Wir sind ein wenig in heller Entgeisterung. Meine Frau und ich waren gestern auf dem Friedhof am Grab meiner Schwester und haben die ersten Frühlingsboten gesetzt. Immer wenn wir auf dem Friedhof sind, ruhen wir uns anschliessend auf den Bänken am Hauptweg aus. Gestern sahen wir einen Fuchs der ganz eindeutig einen Knochen davongetragen hat. Das sind doch nicht etwa Menschenknochen die der Fuchs da ausgräbt? Das wäre ja ein eklige Sache.

Es ist durchaus möglich, daß beim Ausheben eines Grabes auch Knochenfragmente von lang zurückliegenden Bestattungen mit ausgegraben werden. Friedhofsmitarbeiter und Bestatter, die etwas von ihrer Arbeit verstehen, werden diese aber unverzüglich einsammeln und in einer Setzgrube am Boden des Grabes vergraben.

Dennoch sieht man immer wieder, daß die knochendurchsetzte Erde einfach bis zur Wiederverfüllung in einen Container oder auf einen Haufen gekippt und nur mit einer Kunstgrasmatte abgedeckt wird. Das kann zur Folge haben, daß bei unsachgemäßer Ausführung Friedhofsbesucher die Knochen sehen oder Tiere diese wegschleppen.

Es wird zwar hin und wieder von Füchsen berichtet, die auf Friedhöfen unterwegs sind, aber auf frequentierten Friedhöfen werden sie keine Chance haben, einen tiefen Bau ausgerechnet im Bereich der Gräber anzulegen.
Somit halte ich es persönlich für eher unwahrscheinlich, daß ein Fuchs beim Graben seines Baus auf Knochen stößt; ich glaube auch kaum, daß er sie dann wegtragen würde.
Daß Füchse nun Löcher graben, um bewußt und gezielt an die in den Gräbern befindlichen Leichen zu kommen, habe ich noch nie gehört.

Füchse sind sehr geschickte Jäger und am wahrscheinlichsten ist es, daß der Fuchs in diesem Fall Knochen von eigener oder fremder Beute davongetragen hat.

Hast auch Du seltsame Beobachtungen auf dem Friedhof gemacht? Dann schreibe mir doch eine Mail!

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  • Veröffentlicht am: 4. März 2010
  • 17 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

17 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Der hat bestimmt eine weiße Maus gesehen,
    die dem Fuchs am Maul raushing, oder einen jungen Hasen, den der Fuchs zum Essen eingeladen hat. (Löffel bringt der Hase mit, darf er dann abgeben.)

  2. Wenn es sich überhaupt um einen Fox, äh Fuchs gehandelt hat…
    Bei uns wurden sogar schon diebische Vögel bei Beerdigungen gesichtet!
    ;-) B. A.

  3. [quote]
    Bei uns wurden sogar schon diebische Vögel bei Beerdigungen gesichtet!
    [/quote]

    Und nicht nur dort. Eine besonders gierige ELSTER hat mich sogar schon schriftlich angebettelt! Gerissene Viecher.

  4. ja ja, diese ELSTER verbreitet sich hier in der Gegend immer mehr…..

  5. Demnächst soll diese ELSTER sogar zwangsweise ihre Vorgänger ersetzen….
    B. A.

  6. Ein paar Hühner und ein kräftiger Hahn reichen, um Füchse auf Abstand zu halten. Und wenn die Füchse dann doch etwas zu weit gehen:
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-1254900/Revenge-chicken-Three-hens-cockerel-named-Dude-peck-fox-death-broken-coop.html?ITO=1490

  7. Füchse sind geschickte Jäger? Das erzähl mal denen hier in der Gegend.

    Ich wohne in der Nähe eines mittelgroßen Landschaftsparks in Berlin – eher am Stadtrand, aber rundherum ist durchaus alles gut besiedelt und bebaut. Die Hasen hier sind groß wie Tapire, da könnte sich von einem allein eine afrikanische Großfamilie drei Tage von ernähren und sogar vollständig neu einkleiden. Kein Wunder, bieten die Gärten der Einfamilienhäuser ringsrum doch genug Nahrung. So vermehren sich die Karnickel wie die Karnickel. Und die Füchse? Die erwische ich manchmal, wie sie hinter dem ansässigen Kaufland nach Schinken stöbern oder mit einem dicken McDonald’s-Burger im Maul durch die Straßen laufen. Ich mein, wofür werden die eigentlich bezahlt? :)

  8. Warum erinnert mich Matthias‘ Beschreibung nur so an meine Heimat Marzahn? Da haben die Füchse sogar in einer Ecke meines damaligen Schulhofes ihre Kleinen aufgezogen!

  9. Da Füchse durchaus die Angewohnheit haben, überzählige Beute für schlechte Zeiten zu vergraben, kann es durchaus sein, daß der eine oder andere Fuchs Geschmack an verwesenden Menschen gefunden hat. Um an die heranzukommen müsste allerdings der Sarg soweit beschädigt sein, daß der Fuchs auch an den Körper herankommt. Dürfte eher selten der Falls ein, daß dann noch genügend genießbares da ist. Aber ganz ausschließen will ich so etwas nicht.

  10. Komisch, hier in Hellersdorf hab ich noch keinen Fuchs gesehen – allerdings auch keine Karnickel

  11. und Frau Igel sprach … ja ja da hat man mal wieder die Übeltäter Herrn Fuchs und Frau Elster auf frischer Tat ertappt, sowas aber auch…nuff…nuff…uff

  12. Klar sind Füchse geschickte Jäger,
    wozu sollte ein halbwegs intelligenter Fuchs Energie verschwenden mit beweglicher Beute, wenn genug Nahrhaftes es vorzieht,
    bereits tot in der Gegend rumzuliegen?
    Ausserdem haben Füchse Mitleid mit den Menschen, die sich mit ihrer „Freigiebigkeit“ zu leicht Ratten anlocken würden, wenn Fuchs das Zeug nicht vorher ordentlich wegräumt!

  13. Ich frage mich, warum einem Fuchs daran gelegen sein könnte, fünfzehn Jahre alte Knochen, die bei irgendeinem Neuaushub hervorkommen, durch die Gegend zu schleppen. Da wär doch gar nix mehr dran, so nahrungstechnisch, also vollkommen uninteressantes Zeug. Das Sammeln alter Knochen traue ich dann doch nur den Menschen zu.
    Stadtfüchse können sich bequem anderweitig bedienen und können es dementsprechend bequem angehen (frische Burger statt jagen oder „schon-nicht-mehr-ganz-so-frisches“ anderthalb Meter unter der Erde). So ein Friedhof ist allerdings sicher ein toller Wohnplatz, ohne dass man sich irgendwelche Wohnhöhlen graben muss („Boah, nee, anstrengend! Da hinten is ne unbenutzte Gruft aus dem 17. Jahrhundert, lass uns die nehmen“).

  14. Bei dem Titel drängte sich mir die Erinnerung einer Folge von Six Feet Under auf – diejenige in der die Tochter der Fischers, Claire, den Fuß einer Leiche klaut und diese dann in den Spind eines Mitschülers legt, um sich zu rächen.

    Etwas morbide zugegebenermaßen…aber diese Serie ist einfach kultig.

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