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Kombi

Ich feg mich gleich unter den Kühlschrank!

„Bestattungshaus yxz, grüß Gott!“

„Ja, hier Meier, unser Vater ist tot.“

„Ja, war denn der Arzt schon da?“

„Der war schon da.“

„Gut, dann notiere ich mir jetzt Ihre Adresse und dann kommen wir vorbei, um den Verstorbenen abzuholen.“

„Das brauchen Sie nicht.“

„Wieso? Liegt der Verstorbene im Krankenhaus?“

„Nee.“

„Ja, wie nee?“

„Den bringen wir selbst vorbei.“

„Wie bitte?“

„Ja, mein Schwager hat so einen Kombi.“

„Das geht doch aber nicht. Verstorbene müssen in einem Leichenwagen transportiert werden.“

„Wir wickeln den in sein Bettlaken und dann bringen wir den im Kombi von meinem Schwager.“

„Nein wirklich, das geht nicht.“

„Mein Schwager hat aber gesagt, dass Sie am Wochenende für die Transportierei einen Zuschlag verlangen.“

„Das stimmt auch, aber der ist nicht so hoch.“

„Aber während der Woche ist es billiger, oder?“

„Ja, richtig…..“

„Von wann bis wann ist es denn teurer?“

„Immer zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens und von freitags 18 Uhr bis montags 6 Uhr.“

„Wissen Sie was, dann holen Sie unseren Vater bitte morgen früh kurz nach sechs.“

Und das alles wegen 80 Euro!

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Peter Wilhelm 28. Mai 2012


15 Kommentare von 141079.

  1. jetzt mal abgesehen von der Kombi-Geschichte, die wirklich zum Piepen ist, fällt mir eines ziemlich krass auf. (Zur Erklärung: mein Vater ist vor zweieinhalb Monaten gestorben und da habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht)

    Warum werden die Angehörigen nicht informiert, dass man den Verstorbenen, wenn er zuhause gestorben ist, bis zu 36 Stunden zuhause behalten darf? Warum heißt es "wir holen den Verstorbenen dann gleich ab"??? Das suggeriert uns (zumindest ging es mir am Telefon so, als ich mit dem Bestattungsinstitut telefoniert habe), dass wir den Toten so schnell wie möglich aus dem Haus schaffen müssen. Das ist aber gar nicht notwendig. Auch wenn jemand nachts stirbt, kann man sich die Zeit nehmen um sich zu verabschieden.

    Ich finde das nicht in Ordnung – als Laie weiß man einfach vieles nicht. Ihr habt täglich mit diesen Dingen zu tun und eine Informationspflicht.

    Wir haben unseren Vater noch einen ganzen Tag zuhause gehabt. Viele Menschen kamen um sich zu verabschieden. Das war ein sehr schöner und harmonischer und würdiger Abschied, den ich allen wünsche, die jemanden verlieren müssen.

  2. Wir machen keinen Hehl daraus, daß die Familie den Verstorbenen eine geraume Zeit (36 Stunden und auch länger mit Genehmigung des Gesundheitsamtes) zu Hause behalten können. Im Gegenteil, wir fragen immer auch noch nach, ob man nicht noch abwarten will, bis andere Familienmitglieder daheim Abschied genommen haben oder evtl. noch ein Geistlicher hinzugezogen werden soll.

    Es kommt aber allenfalls ein Mal im Jahr vor, daß tatsächlich jemand von dieser Möglichkeit Gebrauch macht. In der Regel wünschen die Angehörigen, dass wir sofort kommen und den Verstorbenen "entsorgen". Die Bestatter könnten sich viel Aufwand und Kosten sparen, würden die Familien die Verstorbenen noch eine Weile zu Hause behalten, es liegt also nicht an den Bestattern.

  3. Naja, der Geistliche sollte ja am besten noch da sein, bevor man stirbt…

    dass so wenige Menschen den Verstorbenen noch eine Weile behalten wollen, ist erschreckend. Ich bin überzeugt davon, dass das an einem grundsätzlichen Informationsmangel (oder so Märchen wie "Leichengift" oder solche absurden Geschichten) liegen muss. Aber wie gesagt: bei uns wurde es vom Bestatter suggeriert, dass der Verstorbene schnell abgeholt werden muss. Wir waren zum Glück besser informiert.

    Aber Krankheit, Tod und Sterben – damit will sich in unserer Gesellschaft ja niemand auseinandersetzen. Deshalb schnell weg mit der Leiche. Natürlich liegt das nicht am Bestatter alleine – aber ich denke doch, dass Ihr da gründlicher informieren könntet und auch erklären, wie wichtig es ist, Abschied zu nehmen, sich Zeit zu lassen. Wenn der Verstorbene mal abgeholt ist, ist er weg, ganz weg. Das war für mich das schlimmste – und diesen Augenblick wollte ich so weit wie möglich nach hinten verschieben, und meine Mutter und mein Bruder auch.

  4. Jeder geht anders mit dem Tod um. Ich denke, viele Menschen verkraften es nicht, den Verstorbenen noch länger bei sich daheim zu haben. Ich glaube nicht, dass es zwangsläufig so ist, dass sie den Verstorbenen "entsorgen" wollen. Sie können damit eben nicht umgehen und fühlen sich damit nicht wohl. Einen Vorwurf sollte man daraus niemandem machen.

  5. @Steffi: Das mit dem Geistlichen ist regional unterschiedlich. Selbstverständlich werden die Krankensakramente (früher letzte Ölung) möglichst noch zu Lebzeiten gegeben. Aber viele Familien verspüren den Wunsch, daß ein Geistlicher ans Totenbett kommt, mit der Familie betet oder einfach seelsorgerischen Beistand leistet. Viele Pfarrer machen das aber nicht, was ich sehr deutlich daran merke, weil wir als Bestatter diese wichtige Aufgabe nun miterfüllen müssen.

    In manchen Gegenden z.B. Bayern ist es selbstverständlich dass der Pastor kommt, je weiter man nach Norden kommt, desto unüblicher wird es. Abgesehen von einigen Gebieten im Rheinland.

    Grundsätzlich hat ein Bestatter überhaupt kein Interesse daran, schnell zu handeln. In der Regel, so habe ich es bei zahlreichen Kollegen erlebt, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man den Verstorbenen zu Hause behalten kann.

    Es sind aber die Wohnverhältnisse, die das oft unmöglich machen. In kleinen Wohnungen gibt es häufig keine andere Schlafstätte als das Ehebett und neben einem Toten zu schlafen ist nicht jedermanns Sache.

    Oft tritt auch relativ schnell eine gewisse Geruchsbelästigung auf, die sich die Familien nicht zumuten wollen und natürlich ist das Gerücht um Leichengifte etc. unausrottbar. Am Häufigsten ist es aber so, daß die Familien schnell einen Abschluss wollen und deshalb auf die zügige Abholung drängen. Eine lange Krankheit, ein langes Pflegen und vielleicht ein langes Sterben sind nun vorbei und man möchte jetzt am Liebsten alles schnell von sich schieben.

    Man sieht, es gibt viele Gründe, warum das heute so gemacht wird. Dem Bestatter ist es aber völlig egal.

    Übrigens unterhalten wir uns über lediglich 25% aller Sterbefälle. 75% bei uns werden im Krankenhaus abgeholt.

    Und da wenden wir uns einem völlig anderen Kapitel zu. Dort ist es nämlich so, daß die Angehörigen überhaupt keine Möglichkeit haben, Abschied zu nehmen. Nach Eintritt des Todes wird der Verstorbene direkt in die Prosektur, Pathologie (oder wie das auch immer örtlich genannt wird) verbracht und dort haben Angehörige keinen Zutritt.

    Sie sehen den Verstorbenen erst, nachdem der Bestatter tätig war.

    Noch eines: Es ist ein unausrottbares Gerücht, dass man bei einem Sterbefall überhaupt keine Zeit verlieren darf. So kommt es immer wieder vor, dass Familienangehörige mitten in der Nacht mit den Sterbepapieren am Rathaus klingeln, zur Polizei laufen oder auf dem Friedhof herumirren.

    Wir als Bestatter versuchen immer Ruhe in die Sache zu bringen, erklären geduldig die Abläufe und steuern sehr einfühlsam, ob wir die Angehörigen noch irgendetwas selbst erledigen lassen oder ihnen alles abnehmen.

  6. Stimmt, bei uns war der Pfarrer auch nochmal da, als mein Vater schon gestorben war. Ich dachte, er sei gekommen, weil er ein Freund der Familie ist, aber natürlich gehört das gemeinsame Beten usw. auch dazu.

    Natürlich geht jeder anders damit um. Ich denke nur, dass es wichtig ist, aufzuklären, damit die Leute nicht aus Unwissenheit so hektisch werden. Wir haben von der Pflegestation so ein Heft bekommen, wo vieles drin steht, im Umgang mit Sterbenden und Toten. Und die wichtigste Botschaft darin war wirklich: nehmen Sie sich Zeit.

    Früher und auf dem Land war eine Totenwache üblich und ich habe jetzt die Erfahrung gemacht, dass das seinen Sinn hat und auch sehr tröstlich sein kann.

  7. Dann klärt mich doch mal auf: Was hat es mit den unausrottbaren Gerüchten über Leichengift etc. auf sich? DAVON habe ich noch nie was gehört…

  8. @undertaker: Bezüglich des Abschiednehmens im Krankenhaus: Das ist sehr wohl möglich. Zumindest bei meiner Mutter war es so, als sie vor 7 Jahren starb. Wir erhielten damals einen Anruf vom Krankenhaus und konnten uns so etwa 30 Minuten nach ihrem Tod von ihr verabschieden bzw. sie noch ein letztes Mal sehen (sie wurde eingeäschert).

  9. Ich habe nur exemplarisch hier von der hiesigen Situation berichtet. Es gibt da viele Spielarten. Ich kenne (auswärtige) Krankenhäuser mit eigener Aufbahrungskapelle, Abschiedsräumen usw. Das ist sicherlich überall ein bißchen anders und wohl auch einem Wandel unterworfen.

    Hier ist es aber so, dass aus pragmatischen Gründen, die Verstorbenen recht zügig in die Pathologie des jeweiligen Krankenhauses verbracht werden, wo Angehörige keinen Zutritt haben.

  10. […] vollständige Telefonat gibt es hier zu lesen. Schaurig, wie weit Geiz manchmal gehen kann. Oder mag es Armut sein? Hoffentlich nicht, […]

  11. Ja, wegen 80 Euro! Das ist viel Geld, wenn man nicht viel Einkommen hat, das halbe Einkommen wegfällt, weil einer der Verdiener tot ist und man eine riesige Gesamtrechnung für die Beerdigung anschließend kriegt!

    Wir haben auch nicht geplant, dass mein Vater am Freitag um 21.30 stirbt! Ihn bis Montag in der Küche liegen zu lassen wäre etwas makaber.

    Ich find solche Sprüche echt zum Kotzen…und da wunderst du dich, dass die Menschen euch für Halsabschneider halten? Wenn 80 Euro so wenig sind, kannst du getrost darauf verzichten.

    Mann, bist du pietätslos!

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