Blumen

Wie ist das denn mit den Blumen? Wollen die meisten, dass Ihr das übernehmt? Oder gibt es auch einen großen Teil, der das selbst in die Hand nimmt? Denke, Ihr habt dann einen Stammladen, in dem Ihr kauft, oder?

Mir persönlich ist es am Liebsten, wenn die Leute sich die Blumen selbst aussuchen. Sonst sind die hinterher nicht pfirsichfarben genug oder das Pink ist doch eher ein Rosa gewesen und eigentlich wollten sie ja Lila und kein Violett…
Merkwürdig, wieviele Leute sich an dem Thema aufhängen können und da selbst die kleinste Kleinigkeit beanstanden.

Wir helfen uns damit aus der Klemme, indem wir den Kunden immer nahelegen, sich die Blumen entweder selbst beim Gärtner ihres Vertrauens auszusuchen oder die berühmte Sorte: „Blumen der Jahreszeit“ zu nehmen. Diese Gestecke und Kränze mit „Blumen der Jahreszeit“ haben den Vorteil, dass sie stets besonders günstig und wesentlich üppiger ausfallen, als konkret benannte Wunschblumen.
Oftmals sind ausgerechnet die Blumen, die die Kunden wünschen, nicht am Markt lieferbar, oder besonders teuer oder besonders mickrig.
Besser ist es, nur die Farben vorzugeben und zu sagen, welche Blumen es auf keinen Fall sein dürfen (meine Frau mochte keine Chrysanthemen). Das garantiert immer den üppigsten und günstigsten Blumenschmuck.

Aber ja, natürlich übernehmen wir das auf Wunsch komplett und wir haben drei Gärtner, bei denen wir bestellen. Einer davon sitzt direkt hier am Friedhof, ist aber auch der mit Abstand Teuerste. Die anderen sitzen abseits vom Friedhof und berechnen nur rund die Hälfte. Aber wenigstens einen Gärtner am Friedhof braucht man, wenn es mal schnell gehen soll oder irgendwas angebrannt ist.

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Grab zu kurz

Einer meiner Leser war auf der Suche nach einer passenden Geschichte, die er bei mir hier gelesen hatte, weil ihm etwas Ähnliches passiert ist.

Normalerweise bin ich eher ein stiller Mitleser, aber heute hat sich etwas ereignet, wovon ich Dir erzählen will/muss.
Ich komme relativ frisch von der Beerdigung meiner Oma. Sie wurde gesegnete 97, war aber in den letzten Jahre gesundheitlich unglaublich schlecht dran und ist daher endlich erlöst. […] Bei der Trauerfeier hat sich eine filmreife Szene ereignet, die man
eigentlich nicht glauben mag. Als unser Zug am Grab angelangt war und der Pfarrer ein paar weitere Worte gesprochen hat, ließen die Herren vom Bestattungsinstitut den Sarg an den Seilen in den Schacht.

Irgendwas hat wohl aber nicht gestimmt, weshalb sie nach dem kurzen Kommentar „zu kurz“ den Sarg wieder nach oben zogen. So schief wie sie ihn abließen, tauchte die Kiste auch wieder auf. Wir können nur hoffen, dass unsere Oma anständig darin gepolstert war. Bei der
Vorstellung der bestattenden Herren und dem Gedanken, dass Oma im Sarg herumpoltert, wussten wir nicht, ob wir lachen oder weinen sollten. […] Kurzerhand haben sie den Sarg wieder komplett nach oben geholt und zwei Holzbalken quer über den Schacht gelegt. Die „Verabschiedung“ erfolgte also oberirdisch. Blumen in den Schacht werfen und Erde reinschaufeln war also nicht.

In der Tat: Der ausgehobene Schacht war zu kurz für den Sarg! Vielleicht spielt es eine Rolle, dass mein Opa bereits in diesem Grab
liegt und es ein schmales ist, d.h. die beiden wären darin übereinander bestattet.

Ist Dir soetwas schon einmal passiert oder hast Du davon gehört? Eigentlich darf sowas doch gar nicht vorkommen. Selbst der Pfarrer hat
hinterher erzählt, dass er sowas noch nicht erlebt hat. Wer schachtet denn eigentlich normalerweise aus? Geben das die Bestatter nicht weiter an Arbeiter? Hatte ich das nicht erst letztens bei Dir gelesen? Hab’s leider auf die Schnelle nicht gefunden.

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Sein letzter Wille

Der Sohn des Verstorbenen druckst herum. Er habe da noch ein paar Sonderwünsche, die könnten uns etwas merkwürdig vorkommen, aber es sei ihm ganz wichtig, dass wir den letzten Wunsch seines Vaters akkurat befolgen.

Jetzt ist es aber so, dass Angehörige oft irgendetwas für ganz Außergewöhnlich halten und es sich dann herausstellt, dass sie etwas völlig Normales wünschen. Also gehe ich mal ganz entspannt an die Sache heran und erkundige mich, was denn gewünscht wird.

„Ja, mein Vater hatte so seine besonderen Vorlieben, wie er seine Freizeit verbrachte. Deshalb möchte er in seinem grauen Jogging-Anzug beerdigt werden.“

Naja, das ist ja sowas Außergewöhnliches nicht. Wir haben schon Leute in Militäruniformen bestattet oder in Karnevalsuniformen und natürlich in Ordenskleidern usw. Warum nicht in einem Jogginganzug? Ich meine, es steht doch jedem frei, die Bekleidung des Verstorbenen selbst auszuwählen. Für das Krematorium muss es sich allerdings um einen Talar, also ein Totenhemd handeln, das hat etwas mit der Abgasreinigungsanlage zu tun. Für Erdbestattungen muss es sich um Naturstoffe handeln, alles andere ist egal.
Da dieser Mann erdbestattet werden soll und der Jogginganzug aus Baumwolle ist, sehe ich also keine Probleme.

„Da ist aber noch etwas.“

„Ja?“

„Eine Flasche Bier will er in den Händen halten… …und eine Schachtel Zigaretten.“

Warum nicht? Glas verrottet zwar nicht, aber ich sehe da keine Gefährdung der Umwelt und an eine offene Aufbahrung wird auch nicht gedacht. Also, was soll’s?

Der Sohn ist erfreut, dass ich da keine Probleme sehe und wieder haben wir einen Menschen zufriedengestellt.

Da legt sie grossen Wert drauf – mit Nachtrag

Soweit ist alles besprochen. Die Witwe scheint erleichtert, dass wir ihr so viel abnehmen und schnieft noch einmal in ihr Taschentuch.

„Ach, einen Wunsch hätte ich noch.“

„Ja, und welchen?“

„Auf dem Gesteck für den Sargdeckel sollen bitte Poseranzen sein, ganz viele schöne blühende Poseranzen. Da lege ich großen Wert drauf.“

Ich habe den Ausdruck Poseranzen noch nie gehört, bin aber weder Botaniker, noch Gärtner und schreibe das einfach mal so auf. Dazu sage ich meinen Standardspruch, dass nicht alle Blumen zu jeder Zeit zu bekommen seien und welche Blumen wir denn nehmen dürften falls es zufälligerweise ausgerechnet jetzt gerade keine Poseranzen gäbe.

„Nein, nein, Poseranzen gibt es doch immer, sagen Sie dem Gärtner einfach, dass es Poseranzen sein müssen.“

Also gut.

Bei drei Gärtnern habe ich angerufen. Kein Mensch kennt Poseranzen. Selbst die heilige Wikipedia gibt keine Auskunft.
Dienstag soll die Beerdigung sein.

Was um Himmels Willen sind Poseranzen???

Nachtrag 10.08.2007, 08.10 Uhr:

Das hat uns keine Ruhe gelassen und heute Morgen habe ich nochmals mit der Guten telefoniert. Ob man die Blumen vielleicht auch unter einem anderen Namen kenne. Nein, sagte sie, die müssen so heissen, mein Mann hat immer von Poseranzen gesprochen.
Aus welchem Teil des ehemals großen deutschen Reiches sie denn stamme, will ich wissen, denn vielleicht kennt man den Ausdruck nur bei den Oberschlesiern oder Ostpreußen. Nein, sie sei von hier und die Blume heißen ganz bestimmt Poseranzen.
Ob sie mir die Blumen denn mal beschreiben könne. Natürlich! Die haben so ganz gerade Stiele mit etwas Grün dran und oben so kleine bis mittelgroße buschige Blüten, die ganz toll riechen.
Am besten wäre es, sage ich, wenn sie man nachschauen könnte, ob sie nicht irgendwo ein Foto hat, wo Poseranzen drauf sind.
Ach was, sagt sie, sie gehe heute mal zum Gärtner und bestelle selbst welche, sie habe dort nämlich immer einfach nur auf die Blumen gedeutet und Poseranzen bestellt.
Ihr Mann habe da immer, vor allem im Urlaub so ein Lied gesungen, in dem die Poseranzen vorkommen.

Warten wir’s ab!

Herr Mittermayer ist tot

„Herr Mittermayer ist gestorben, können Sie die Beerdigung übernehmen?“

„Ja, selbstverständlich.“

„Herr Mittermayer liegt jetzt bei uns zu Hause neben dem Ofen, wir haben eine Decke drübergetan, weil der so eklig aussieht, dem hängt seine Zunge raus.“

„War denn der Arzt schon da und hat die Totenpapiere ausgestellt?“

„Muss man das machen?“

„Ja sicher, bevor der Arzt nicht den Tod bescheinigt hat, können wir nichts unternehmen.“

„Der ist ganz sicher tot, der war doch schon ganz alt, schon 16 Jahre hatte der auf dem Buckel.“

„Moment mal, ist Herr Mittermayer ein Mensch?“

„Nein, unser Bernhardiner.“

Was bringt Menschen dazu, ihren Hund „Herr Mittermayer“ zu nennen?????

Bewegen sich Tote noch?

Ein Leser möchte gerne wissen:

Kann es wirklich möglich sein, dass da noch Nerven zucken und sich plötzlich etwas bewegt?

In 20 Jahren, die ich mit Verstorbenen zu tun habe, habe ich so etwas persönlich noch nicht erlebt. Man hört in der Branche immer mal wieder solche Geschichten und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es sowas gibt. Mir hat mal ein Kollege erzählt, dass sich ein Leichnam plötzlich aufgesetzt habe. Ein anderer berichtete, eine Tote hätte den Arm gehoben.

Wiegesagt, persönlich erlebt habe ich so etwas noch nicht. Meiner Meinung nach sind die Verstorbenen auch zu lange tot, als dass es zu solchen Erscheinungen kommen kann. Anders sieht das aus, wenn jemand in einem Krankenhaus für hirntot erklärt wird. Hier wird ja der Körper oft noch für die geplante Organentnahme am „Leben“ gehalten. Hierbei kann es zu Körperreaktionen kommen, die aber nicht mehr vom Gehirn gesteuert und auch nicht vom Hirntoten wahrgenommen werden.

Was wir allerdings immer wieder erleben und was für „Neue“ sehr erschreckend wirkt, ist es, daß Verstorbene stöhnen.
Die in der Lunge befindliche Luft entweicht beim Umbetten der Verstorbenen oft und regt die Stimmbänder zu einem Geräusch an.
Das war’s dann aber auch schon, mehr machen die Toten nie.

Gothic-Sarg

Meine Güte, wie sah die denn aus?
Mit den hohen Absätzen war die junge Frau vielleicht zwei Meter groß, ganz in Schwarz gekleidet, viel Leder, viele Ketten. Schwarze Haare, grellweiß geschminktes Gesicht, schwarz lackierte Fingernägel.

Ihr Begehr: Sie wollte gerne einen Sarg kaufen. Einen grossen, in dem sie dann immer schlafen könne…

Normalerweise habe ich nichts dagegen, wenn sich jemand einen Sarg als Bett oder Schrank herrichtet, aber wir verkaufen keine Särge für solche Zwecke. Uns ist die Gefahr zu groß, dass mit dem Sarg dann Schindluder getrieben wird und das dann auf unser Haus zurückfällt.

Einzige Ausnahme sind Theater- oder Schauspielgruppen, die ein Schreiben von der Theaterintendanz vorlegen können.

Totenfernsehen

EOS-TV soll es heißen und es soll ein neuer Fernsehsender werden. Ab November will man in Brandenburg ein Programm speziell für Menschen über 60 ausstrahlen, das sich vornehmlich mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen soll.

Finanziert werden soll das Ganze durch Trauernachrufe, die wohl ähnlich die die „fröhliche Glückwunschantenne“ funktionieren wird. Angehörige lassen über den Sende an den „lieben Franz“ erinnern. Desweiteren ist von Programmpaten die Rede, woanders wo noch klar denken Zuschauer vor der Glotze sitzen, nennt man sowas wohl eher Sponsoren und mein in beiden Fällen Firmen, die Geld dafür bezahlen, dass man sie ein bißchen belobhudelt. Hier ist von Treppenliftherstellern und Pflegeeinrichtungen die Rede. Aber auch öffentliche Mittel sollen da wohl fließen, schließlich schaffe man mit dem Senderangebot ja auch Arbeitsplätze. Toll, mir hat noch nie einer was geboten, wenn ich einen einstelle.

Aber haben wir das nicht schon? Gibt es nicht schon einen Sender, vor dessen Ausstrahlungen die Senioren der Nation sitzen und sich in den Werbepausen Treppenliftwerbung anschauen müssen und erfahren, dass die Kraft der blauen Weinlaubs gegen Hämorrhoiden hilft und Millionen Menschen nachts raus müssen, weil sie sich keine Kürbiskerne irgendwo hineingesteckt haben?
Doch, einen solchen Sender gibt es und es der Sender „Zahlungskräftig, Dement, Finanzstark“ (abgekürzt ZDF).

Einmal mehr steht zu vermuten, daß hier möglicherweise mit ein bißchen „Unterhaltung“ und Informationen ältere Menschen zum Abschluss von Bestattungsvorsorgeverträgen bewegt werden sollen und auf Unternehmen eines bestimmten Verbandes bzw. bestimmter in diesem Verband stark positionierter Firmen geprägt werden sollen.

Aber gut, wir leben auch mit den feuchten Uschis, die Tag und Nacht angerufen werden wollen und den ehemaligen Bahnhofswirtinnen, die sich uns mit rauchiger Stimmer als astrologische Lebensberaterinnen empfehlen und den daueraufgeregten „Warum ruft hier keiner an? Will denn keiner die Kohle“-Schreiern sogenannter Quizsender. Dann werden wir auch noch EOS ertragen können.

Die Nachrufe kann man übrigens schon zu Lebzeiten drehen lassen, um sich dann im Falle des eigenen Ablebens, mit seiner vorher aufgezeichneten Botschaft an die Nachwelt zu wenden. Endlich mal DIE Chance für den geizigen Opa, der ganzen Welt zu sagen, warum er sein Häuschen nicht seiner Tochter hinterlässt, sondern dem Tierheim oder der Kirche.

Lustig finde ich übrigens, dass die Verantwortlichen nicht müde werden, zu betonen, es gehe ihnen um die Lebenden und nicht um die Toten. Eigentlich überflüssig, das zu betonen, Tote sind wenig eloquent und fotogen.

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