Opa Gleisberg -VII-

Die Formalitäten sind soweit erledigt, ich habe die persönlichen Daten von Opa Gleisberg in die entsprechenden Formulare eingetragen. „Also“, sage ich, „dann müssten Sie nur noch einen Sarg heraussuchen…“ Weiter komme ich nicht, denn Lotteliese klatscht vor Freude in die Hände und ruft: „Watt? Datt dürfen wir machen, Mensch, datt is ja ma klasse!

„Wieso?“, frage ich, und ergänze: „Sie sind auch diejenigen, die’s bezahlen müssen.“

Hotte und Lotte und die muntere, gelangweilt aus der Wäsche schauende Kinderschar sperren ihre Mäuler auf, und Hottelotte blicken mich mit großen Augen an.

„Neee, nee, nee!“, ruft Hotte: „Datt kommt ma garnich inne Tüte! Watt sollen wir denn von dem Alten die Beerdigung bezahlen? Der schuldet uns ja theoretisch noch Geld. Sie glauben ja garnich wattat für aufwendig war, dem zu pflegen. Nix da, die Beerdigung zahlen wer nich‘!“

Irgendwie hatte ich genau das vermutet. Fragt sich nur, warum die Olschewskis überhaupt gekommen sind, und genau das frage ich die auch: „Tja, wenn Sie die Beerdigung nicht regeln möchte, weshalb ganz genau sind Sie dann jetzt hier?“
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Opa Gleisberg -VI-

Ja, aber wirklich optimal waren die Pflegebedingungen bei Ihnen ja nun wirklich nicht“, wende ich ein und die versammelte Olschewskischaft protestiert.

Das sei ja wohl ’ne Frechheit. Ob ich denn nicht wüßte, wie die Alten in den Heimen verrecken würden. „Da sind die doch bloß ne Nummer inne Bilanz und sollen möglichst lange wenig Arbeit machen und schön jeden Monat Kohle reinbringen. Jeder bringt da doch an die 4.000 bis 5.000 Flocken inne Kasse, hör ma‘, da kannse auch in datt schönste Hotel für gehen!“ schimpft Olschewski und seine Lotte fügt hinzu:
„Wir ham den Oppa ja immer noch zu uns rüber geholt, mit uns hat der immer Fernseh‘ geguckt. Schlimm ist datt doch erst geworden, als der zum Stinken anfing.“
Alle Olschewskis nicken, einer der Marco-Mircos legt sogar für einen Moment sein Handy weg und eine der Töchter zieht zur Bestätigung hörbar ihre Nase hoch und klappert mit unendlich langen, bemalten und mit Strass-Steinchen beklebten Fingernägeln auf der Tischplatte herum.
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Opa Gleisberg -V-

Es verging ein Tag, dann erschienen die Olschewskis bei uns im Bestattungshaus.

Sieben Personen und schon ihr Erscheinen glich dem Einfall der „Sandalen in Rom“, wie Antonia mit gerümpfter Nase anmerkte.
Nachdem meine Bürodamen die Gäste in einem der größeren Besprechungszimmer untergebracht hatten und die Leute dort bei Kaffee, Wasser und Keksen sehr laut über eine Schicksalssendung aus dem Privatfernsehen zu diskutieren begonnen hatten, kam ich dazu, setzte mich oben vor Kopf des langen Tisches und ließ meine Unterlagen etwas lauter als gewöhnlich auf den Tisch platschen, was mir unverzüglich Ruhe im Raum und die Aufmerksamkeit der Anwesenden einbrachte.

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Opa Gleisberg -IV-

Offenbar hatten die Olschewskis den alten Mann aber zunehmend als Last empfunden, zumal er nun auch keine Arbeit mehr im Haus leisten konnte. Eigentlich war ihnen der alte Mann ja völlig fremd, zumindest gab es keinerlei verwandtschaftliche Beziehung.

„Ja nee, so einfach ist das nicht“, wirft Böttcher ein, „anfangs haben alle gedacht, der sei der Vater von Frau Olschewski. Die haben ja alle Opa zu dem gesagt, auch wenn sie über ihn sprachen und ich glaube nicht, daß das irgend jemand wirklich überprüft hat. Ich persönlich habe das ja alles erst nach Monaten erfahren und selbst da war ich immer noch der Meinung, der sei irgendwie mit denen verwandt. Gesagt haben die das auch nie, weiß ich jetzt gar nicht mehr, keine Ahnung… Aber nee, es ist schon so, wie ich sage, anfangs hat man eben gedacht, der sei deren Opa.“
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Opa Gleisberg -III-

Wir haben an dem Abend nicht wirklich lange warten müssen. Die Polizisten zeigten sich an den Umständen, unter denen der alte Herr Gleisberg gestorben war, eher uninteressiert. Es gäbe doch einen ordentlichen Totenschein und unter welchen Umständen Messies leben…, ach, da hätten sie schon ganz andere Sachen gesehen.

„Nee, den könnt’er mitnehmen“, sagte uns einer der ranghöheren Polizisten und drückte uns die Sterbepapiere in die Hand. Vorsichtshalber machte man etwas ungelenk eine ganze Reihe Fotos, schrieb sich ein paar Notizen und die Personalien aller Anwesenden auf und dann half uns der vollkommen fassungslose Herr Böttcher vom Pflegedienst beim Einladen.

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Opa Gleisberg -II-

Ich stehe wie angewurzelt da, die Aussage des Betrunkenen hat mich überrascht. Herr Böttcher informiert mich: „Das ist Herr Anton Gleisberg, Baujahr 1920, die Olschewskis haben ihn vor drei Jahren bei sich aufgenommen und gepflegt.“

Ich schaue mich in dem Schuppen um und frage Böttcher entsetzt: „Hier?“

engel

Er hebt nur die Achseln und sagt: „Offenbar… Also, wenn wir kamen, haben die das Bett jedes Mal rüber ins Haus geschoben und da stand er dann mitten im hinteren Zimmer. Aber offenbar war das immer nur der Fall, wenn wir oder der Arzt kamen. Die übrige Zeit muß er hier gestanden haben. Gucken Sie mal!“
Er sagt das und leuchtet mit einer kleinem Taschenlampe am Schlüsselbund auf dem Fußboden herum. Überall liegen Kothaufen und zusammengeknüllte, benutzte Windeln.
Bett und Raum stinken nach Urin, daß man fast nicht atmen kann.
Auf der Werkbank stehen Schachteln mit Einmalurinflaschen, Windeln und Medikamenten.
Davor stehen mehrere Teller mit festgetrockneten und teilweise schimmelnden Speiseresten.

„Ich hab ja gewusst, daß der nicht optimal gepflegt wird, aber ich hatte doch keine Ahnung, daß die den hier hinten haben. Ich meine, immer noch besser man wird suboptimal zu Hause oder bei Bekannten gepflegt, als irgendwo anonym in ’nem Heim. Ich dachte, der hat hier wenigstens ein bißchen Herzlichkeit und Nähe. Also hiervon hatte ich wirklich keine Ahnung“, sagt Böttcher und schüttelt immer wieder den Kopf.
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Opa Gleisberg -I-

Herr Böttcher ruft mitten in der Nacht bei uns an. Er habe einen Fall für uns, wir möchten doch bitte in die Silbernagelstraße kommen und einen gewissen Herrn Gleisberg abholen.

Mich hat der Anruf aus tiefstem Schlaf gerissen und ich notiere die Angaben mehr in schlaftrunkenem Automatismus, doch mir entgeht nicht, daß Herr Böttcher am Telefon geweint hat.

Das ist etwas Besonderes, Herr Böttcher ist nämlich der Leiter eines Pflegedienstes und ruft uns immer mal wieder an. Vor Jahren ist er zufällig auf unser Unternehmen gestoßen und alle Beteiligten waren zufrieden, sodaß er uns seitdem immer mal wieder empfohlen hat.

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Hammer! Bestatter brachte falsche Leiche zur Beerdigung! Und dann…

falsche leiche

Ein Bestattungsunternehmer in New York (USA/Amerika/Erde) hat tatsächlich eine falsche Leiche zu einer Trauerfeier gebracht.
Das Erstaunliche: Die Familie der verstorbenen 81 Jahre alten Val-Jean McDonald (nicht verwandt mit dem Imbiss-Unternehmen, also jetzt nicht Burger King, sondern mehr so McDonald’s) hat zunächst gar nichts davon bemerkt!

„Warum haben sie ihr die Haare geschnitten?“, wunderte sich einer der Söhne noch. Doch man küsste sogar noch die Leiche zum Abschied, obwohl man das fremdartige Aussehen der Person im Sarg bemerkt hatte. Man schob das veränderte Aussehen auf die lange Krankheit.

Deshalb schreibt Spiegel Online auch: „Manchmal macht Trauer blind.“

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