Praktikum beim Bestatter – Praktikantenstelle

Da fragt jemand in einem dieser Laien-Antwort-Portale:

Möchte in der 9.Klasse als Berufs-Praktikum zum Bestatter gehen. Kann man das?, oder gibt es beim Bestattungsunternehmen überhaupt Praktika die ich dann mit 15 machen darf/ kann

Hier jetzt eine Auswahl der Antworten:

Da das Mindestalter 18 Jahre ist, wird daraus wohl nichts.

Auf jeden Fall wirst du wohl wenig Konkurrenz haben. Viel Glück.

Geh einfach mal zu einem Bestattungs-Unternehmer und frag ihn. Sie werden sicher froh sein, auch mal einen Praktikanten zu bekommen. Da hast du sicher gute Chacen.

Zuerst einmal einen Link auf einen passenden Artikel im Bestatterweblog.
Die Themen Tod, Trauer und Bestattung sind in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuiisiert. So ist es nicht verwunderlich, daß viele Menschen überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden, es könne jemanden er- und ausfüllen, im Bestattungsgewerbe tätig zu sein.
Nicht zuletzt durch Fernsehserien wie „Six feet under“ und das Bestatterweblog, sowie Bücher wie meine ist aber bei vielen jungen Leuten ein Interesse an diesem Beruf geweckt worden, was die Bestattungsbranche sehr freut.
Aus unzähligen Zuschriften und Anfragen weiß ich, wie sehr junge Leute sich heutzutage für diese Themen und Berufsbilder interessieren.

Doch machen sich, trotz der genauen Schilderung aller Vorgänge, viele Menschen keine Vorstellung vom vollen Umfang der Arbeit eines Bestatters.
In Vorträgen, die ich manchmal vor Schulklassen halte, nenne ich als Beispiel immer Sendungen wie Panda, Kröte und Lurch. Da wird auch nahezu der Eindruck erweckt, als bestehe der Beruf des Tierpflegers ausschließlich aus Eisbärbabykuscheln und Lurchstreicheln.
Ab und zu bringt man auch mal ein Tier zum Doktor oder schaut bei einer schleimigen Giraffengeburt zu, aber das war es dann schon.
Daß viele Tierpfleger fast den ganzen Tag nur Tierkot beseitigen und Futtermischungen aus Maden und Gewürm zubereiten, permanent den nicht gerade nasenfreundlichen Gerüchen der Tiere und ihrer Ausscheidungen ausgesetzt sind und daß diese Arbeit auch in höchstem Maße körperlich anstrengend sein kann, das sieht keiner und das will von den jungen Leuten auch keine(r) sehen.

Ich will damit sagen, daß auch der Beruf des Bestatters an manchen Tagen nicht gerade der angenehmste ist. Abgesehen vom Kuscheln und Streicheln und dem Versuch dem Objekt des beruflichen Tuns beim Doktor Hilfe angedeihen zu lassen, ähnelt sich das irgendwie schon. Geruch, Ausscheidungen, Maden und das oft an Personen, die nicht mehr so ganz am Stück sind.

Auch darüber müssen die Berufsinteressierten und -anfänger aufgeklärt werden und zwar mit wohlgesetzten aber durchaus drastischen Worten.

Daraus ergibt sich dann immer eine gewisse Vorselektion.
Ansonsten aber sind Praktikanten und Auszubildende gerne gesehen, nur sind eben die Kapazitäten im Bestattungsgewerbe sehr gering. Viele Traditionsunternehmen in Familienbesitz werden von Generation zu Generation gereicht und benötigen kaum Außenstehende.
Manche alte Hasen der Branche fürchten, sie könnten mit einem Auszubildenden unerwünschte spätere Konkurrenz großziehen.
Vielen Bestattern ist auch gar nicht bewußt, ob und daß sie ausbilden könnten.
Und es gibt auch viele Kollegen, die den Mehraufwand scheuen, den die Ausbildung eines jungen Menschen bedeuten kann.

Die begrenzte Kapazität und die oben genannten Gründe sind es, daß Ausbildungsstellen im Bestatterberuf sehr knapp und damit sehr stark nachgefragt sind.
Gleiches gilt für Praktikantenstellen, wobei hier oft das junge Alter der Bewerber als hinderlich angesehen wird. Einem 14jährigen kann man nur einen „Panda-Kröte-Lurch-Einblick“ in den Beruf geben, meinen viele.

Vollkommen falsch aber ist der in den oben gegebenen Laienantworten vermittelte Eindruck, Bestatter müßten froh sein, wenn sich überhaupt einer um eine Praktikumsstelle bewirbt.
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich nur die Anfragen, die jede Woche allein bei mir eingehen, hochrechne, dann müßten die meisten Bestattungsunternehmen sogar sehr häufig solche Anfragen bekommen. Ja, manche Kollegen berichten mir, daß sie von der teilweise einsetzenden Flut von Spontanbewerbungen fast schon ein bißchen genervt sind.

Also: Es gibt viel mehr Bewerber und Interessenten als freie Stellen. Das ist Fakt.

Aber vielleicht geht ja der eine oder andere Kollege mal in sich und überlegt einmal ob nicht auch er einem jungen Menschen eine Chance gibt.
Die meisten werden überrascht sein, wie gut das funktioniert und was für einen guten Mitarbeiter sie bekommen werden und dabei spielt es keine Rolle ob sich da Männlein oder Weiblein bewerben.

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  • 27. September 2012 - 2 Kommentare - Lesezeit ca.: 4 Minuten - Kategorie: Branche/Kommune

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm1. Oktober 2012

2 Kommentare von 138207.

  1. ich hab mein praktikum (kommende ausbildungsstelle) mit 17 gemacht, mein chef hat gesagt, dass erdas ab 16 macht. dann aber natürlich nur wenndie eltern beim vorstellungsgespräch dabei sind und ihr einverständnis geben.

    ich wünsch mal allen viel glück, egal in welchem alter :)

  2. Ich weiß nicht, welche der Falsch-Antworten ich am besten finde – aber ich musste bei allen ziemlich grinsen. Wie kommt man dazu, etwas als Fakt zu behaupten, wenn man es nicht weiß (/in der Form nicht wissen kann, weil es nun einmal falsch ist)?

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