Pulsadern aufgeschnitten

Wenn sich jemand die Pulsadern geöffnet hat und daran verstorben ist, wie verfährt der Bestatter in einem solchen Fall?

Das möchte eine Leserin gerne wissen und fragt:

Vorab möchte ich Ihnen danken, dass Sie freiwillig die Fragen der Ratsuchenden so ausführlich beantworten und diese Menschen wissen lassen, dass sie mit ihren Fragen nicht alleine dastehen.
Nach einem Buch, wo jemand sich umgebracht hat indem er sich beide Pulsadern öffnete und dann in der Badewanne mit warmen Wasser lag, kam mir die Frage auf:
Wenn der Notarzt nur noch den tod feststellen kann und der Bestatter gerufen wird, wer näht da die Adern wieder zu? ALso da ja bei einer Bestattung meist die Arme zu sehen sind, und es auch postmortem Infektionen und Gerüche bilden würde?

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Mit einer großen weiteren Blutung ist an der Stelle nicht mehr zu rechnen. Mit dem Tod kommt der Kreislauf zum Stillstand und das Blut sinkt an die tiefsten Stellen.
Infektionen in dem Sinne entstehen auch nicht. Lediglich eine Besiedelung mit Insekten und deren Larven wäre denkbar, kommt aber unter Kühlbedingungen nicht vor.
Eine besondere Geruchsentwicklung, die über das sowieso vorhandene Maß hinausgeht, ist ebenfalls nicht zu erwarten.

Der Bestatter wird die Wunde verschließen. Da die meisten Totenhemden bis an die Hände reichen, würde es durchaus genügen, die Wunde mit einem Streifen hautfarbenen Pflasters zu verschließen.
Bei großen klaffenden Wunden ist auch an ein Verkleben und anschließendes Abdecken zu denken.
Nur in selteneren Fällen würde man die Wunde vernähen, da ja auch diese Naht abgedeckt werden müßte.

Ich habe in solchen Fällen vorsichtig mit hautfarbenem Pflaster abgedeckt und die Kleidung soweit über die Handgelenke gezogen, daß nichts mehr sichtbar war.

Handelt es sich bei dem Verstorbenen um eine Frau und legten die Angehörigen Wert auf ein kurzärmeliges Kleid, müßte man überlegen, ob man die Hände dann nicht unter der Decke drapiert oder wie man die Hände mitsamt der Abdeckung so platziert, daß eventuell durch einen kleinen Blumenstrauß eine Abdeckung realisierbar ist.

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  • Veröffentlicht am: 15. August 2016
  • 3 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

3 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Sorry, aber das Bild mit der Naht ist widerlich. Echt. Mich grausts, wenn ich das sehe.
    Schlimm genug, dass ich als Unbeteiligter mit den neuen Zigarettenpackungen konfrontiert werde.

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