Schlechter Empfang

Ich liebe Handys und so’n Zeug. So oft, wie ich mir da ein neues kaufe, braucht kein Mensch ein Handy. Wenn man doch mal ehrlich ist, ist irgendwann vor ein paar Jahren ein Handy herausgekommen, das erstklassige Sprachqualität bietet, dessen Akku lange durchhält und das klein genug ist. Eigentlich könnte man dieses Teil über viele Jahre nutzen, ohne daß man irgendetwas einbüßen würde. Meine Frau ist so eine, die hat so ein altes Teil und mit dem kennt sie sich aus. Das ist ja für Frauen sowieso das Wichtigste, daß sie sich auskennen mit technischen Artikeln.
Ein Mann ist erst glücklich, wenn er Sätze sagen kann wie: „Also eigentlich müßte das jetzt gehen. Normalerweise geht das immer. Vorhin ist es noch gegangen.“
Selbst wenn so ein Handy HDX-Push-Quadranten-Beamen unterstützt, was derzeit nur in Japan in einer 200 qm großen Testzone geht: ein Männerhandy muß das können!

Aber zurück zum Thema: Als Bestatter ist man auf sein Handy angewiesen und ich schrieb ja schon ganz oft, was diese Mobiltelefone für ein Segen sind. Erst seit es die gibt, können auch Bestatter Freizeit genießen und sind nicht gezwungen, in der Nähe des Festnetztelefones zu bleiben.

Schon ganz am Anfang, als die ersten Motorola-„Knochen“ aufkamen, haben wir ausprobiert, wo man bei uns in der Firma Empfang hat und wo nicht. Früher war er im Keller ganz schlecht, aber mit dem zunehmenden Ausbau der Netze war irgendwann der Punkt erreicht, an dem wir überall im Gebäude bestens versorgt waren. Gut für uns.

Jetzt saß mir aber ein Mann gegenüber, der die ganze Zeit ein Auge auf sein vor ihm liegendes Handy hatte. Mal schob er es fünf Zentimeter nach links, dann wieder nach rechts, dann nach vorne und schließlich sagt er: „Also hören Sie mal, hier ist ja kein Empfang!“

„Wie bitte?“

„Hier ist kein Empfang, ich bin nicht erreichbar.“

Ich schaue auf sein Handy, kann aber im Gewirr der Symbole die Empfangsanzeige nicht entdecken und ziehe mein Handy aus der Tasche: „Bei mir geht’s.“

Er guckt ziemlich beleidigt dreht sein Handy um 180 Grad und meint: „Bei mir aber nicht. So geht das nicht, da müssen sie was machen.“

Muß ich?
Ich glaube nicht.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 19. Juni 2008
  • 17 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Auch Administratoren sagen diese Sätze sehr gern, obwohl diese (die Sätze, aber auch die Administratoren manchmal) ihren Sinn oft genug entbehrten: „… eigentlich müßte das jetzt gehen. Normalerweise geht das immer. Vorhin ist es noch gegangen.“

  2. Ui, da sind mein Mann und ich offenbar mal wieder
    die Ausnahme der Regel. Bei ihm müssen die Geräte
    einfach funktionieren, wie ist egal, einfach Funktionieren muss es.
    Und ich bastle an den Einstellungen rum bis ich zufrieden bin oder ich resetten muss. :-)

    Als sich der Akku seines alten Handy verabschiedet hatte, bat er mich ihm ein neues zu
    kaufen: „Ich muss telefonieren und SMS versenden und empfangen können, alles andere ist egal.“

  3. Ja genau, nun mach mal was. Stell Dir mal n privaten Funkmast in den Ausstellungsraum, damit man endlich mal den magischen Satz auf die magische Frage „Wo bisten grade?“ sagen kann: „Beim Bestatter, die … ist nicht mehr.“ So geht das nicht! Einfach ein Funkloch zulassen. Wo ist denn da der Service am Kunden?

  4. Nicht zu vergessen sind die, die solche Geräte alleine nach dem Aussehen aussuchen und kaufen, egal was sie können oder (viel seltener) nicht können. Ich gehöre auch zu dieser Gruppe ;). Mir muss ein Handy optisch gefallen, damit ich es kaufe und es interessiert mich wenig, ob man damit auch noch Café kochen oder staubsaugen könnte… Mehr als Telefonieren und ein paar wenige SMS versenden kann ich sowieso nicht.

  5. also du könntest schon mal das Dach abdecken und ein paar Wände abreissen um einen besseren Empfang zu garantieren.
    ja, als Kunde hat man da nämlich ein recht drauf.
    nach EU!!!!!!!
    :D

  6. *kopfschüttel*

    Wenn man beim Bestatter sitzt, sollte man sich um andere Dinge kümmern !

    Ich bin stolz darauf, einer der wenigen Handylosen zu sein. ;)

  7. Mein Handy gibt langsam den Geist auf und dieses Modell gibt es schon ne Weile nicht mehr. Und weil ich keinen Nerv habe, mich in die Menüführung eines neuen Handies einzuarbeiten, werde ich wohl bald wieder handylos sein…

  8. Fast 10 Jahre lang war ich auf dem Standpunkt, dass ich mit dem Handy telefonieren möchte, aber das ganze andere Gesummsel nicht brauche.

    Andererseits liebe ich es, zu fotografieren, und wenn ich mit Handtasche unterwegs bin, hab ich auch meistens eine kleine Digi dabei. Ausserdem bin ich seit einiger Zeit auch in der „schönen neuen Welt“ der MP3s angekommen, habe erfreulicherweise sogar geblickt, wie ich meine ganzen CDs auf MP3 rippen kann, und bin fasziniert, dass ich zB meine vollständige Queen-CD-Sammlung gerippt vollständig auf so’ne winzige SD-Karte drauf bekomme. Nur hat der MP3-Player einen Nachteil: wenn man ihn unterwegs gerne hätte, liegt er idR vergessen zuhause.

    Seit einiger Zeit habe ich nun jedoch ein Handy mit recht guter 3,2 Megapixel-Kamera, welchem ich auch eine 4 GB-Karte spendiert habe. Von den 4 GB habe ich 3,5 mit Musik angefüllt (ua Queen :-) ) und zukünftig gibts keinen vergessenen MP3-Player und keine vergessene Kamera mehr …

  9. Meine früheren Prepaid Handys waren auch nix tolles. Aber als ich Weihnachten 05 zum ersten mal einen Vertrag abschloss, hab ich mich auch über die ganzen Handys eingelesen und mir n tolles rausgesucht.
    Die MP3-Player und Radio-Funktion meines aktuellen Handys nutze ich jetzt täglich,
    5MP Kamera meist nur am Wochenende,
    Spiele bei langen Wartezeiten,
    beim Zugfahren ging ich damit mal ins Internet und besuchte diese Seite zum Lesen :o)
    und manchmal telefoniere ich sogar.

    Brauchen braucht man das vielleicht nicht alles, aber haben hab ichs schon ganz gern.

  10. Mein Handy dürfte schon als Antiquität durchgehen… Das Ding hat noch nicht mal ein Farbdisplay, von Kamera und MP3-Player ganz zu schweigen. Schon als ich es mir (nach langen Ringen – brauchst du so ein Ding wirklich?) zugelegt hatte, war es nicht gerade von der neuesten Sorte.

    Aber was solls – ich kann telefonieren, ich kann SMS schreiben und mehr will ich damit auch gar nicht :) Wenn ich Musik hören will, nehme ich nen richtigen MP3-Player, und zum Fotografieren benutze ich immer noch eine Kamera.

    Auf Internet unterwegs kann ich auch gut verzichten. Zu Hause reichts doch auch…

  11. Dass hier im Hause kein Empfang ist, ist bei uns ganz normal. Wir haben bewußt aus Pietätsgründen darauf verzichtet. Für Kunden, die ständig erreichbar sein müssen machen wir gerne einen Termin bei ihnen zuhause aus, dort können wir dann in Ruhe alles besprechen.

  12. @ Mac Kaber:

    Abwandlung:

    „Wir haben keinen Handy-Empfang im Hause, da unsere ‚Kunden‘ idR keine Handys mehr zu benutzen pflegen“

    BTW: DAS wärs doch – wollte eigentlich schon mal einer sein Handy mit in den Sarg nehmen?

  13. @5
    Bully als Businesskasper hat auch als Gesprächspartner einen mit eigenem Sendemast. Und der strahlt sogar.

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