Urnenbestattung so teuer wie Erdbestattung?

In Krefeld wundert man sich. Um die großen Friedhofsflächen besser auszunutzen, wollte man die Attraktivität der Erdbestattung steigern, indem man die Kosten für die Urnenbeisetzung drastisch angehoben hat. Die Urnenbestattung kostet damit jetzt fast genauso viel wie eine Erdbestattung. Im Umland des niederrheinischen Krefeld ist man sogar noch einen Schritt weiter gegangen, so kosten Erd- und Feuerbestattung in Kempen fast das Gleiche.

Und dennoch bleibt der Trend zur Urnenbestattung bestehen und immerhin fast 44% der durchgeführten Bestattungen fanden mit der Urne statt. Das wundert die Verantwortlichen, damit hatten sie nicht gerechnet, sondern erwartet, daß durch den Wegfall des Kostenvorteils nun wieder mehr Leute zur Erdbestattung umschwenken.

Doch vielleicht sind es ja nicht nur die kommunalen Grundgebühren, die da eine Rolle spielen.
Zu berücksichtigen sind nämlich auch noch andere Gesichtspunkte. Eine Rolle dürfte auch die allgemeine Veränderung in der Wahrnehmung der Feuerbestattung spielen. Noch bis weit in 60er Jahre waren Feuerbestattungen für viele undenkbar und ihnen haftete etwas Exotisches, ja bewußt Unkirchliches an. Feuerbestattungsvereine, oft schon im 19. Jahrhundert gegründet, warben regelrecht für die Vorteile der Kremation.

Das wandelte sich einerseits durch die veränderte Haltung der Kirchen zur Einäscherung und ganz besonders auch im Zuge des Zusammenwachsens der neuen und alten Bundesländer. Durch den Zuzug ehemaliger DDR-Bewohner in die alten Bundesländer wurde auch der Gedanke an die, in der ehem. DDR überwiegend übliche Feuerbestattung mit Sargfeier, erneut und verstärkt in die Bevölkerung getragen.

Neben dem allgemeinen Wandel darf man aber die dennoch bestehenden Kostenvorteile nicht vergessen. Es wird regelmäßig ein einfacherer Sarg benötigt, die Kosten für den Grabstein halbieren sich zumeist und die nachfolgende Grabpflege ist bedeutend unaufwendiger.
Insbesondere aber auch die Tatsache, daß es mit einer Urne zahlreiche Sonderbestattungsformen gibt, die sich für ein Sargbegräbnis nicht anbieten, läßt viele Familien sich für eine Feuerbestattung entscheiden. Man denke an die See- und Baumbestattung und, wenn man es nicht ganz so außergewöhnlich möchte, an die anonyme Bestattung im Gemeinschaftsgrab „auf der grünen Wiese“.

Der immer wieder als grundsätzlich vorhandene Kostenvorteil bzw. -unterschied ist ohnehin nicht so dramatisch wie es sich viele vorstellen. Im Allgemeinen sind Grab, Sarg und Stein günstiger, jedoch kommen ja Krematoriumsgebühren und die oft als obligatorisch angesehene Schmuckurne noch hinzu.
Jeweils für sich betrachtet scheinen entweder die Bestatterrechnung oder die kommunale Rechnung manchmal bedeutend niedriger zu liegen, als bei einer Erdbestattung. Am Ende aber alles zusammenrechnend stellen viele Angehörige fest, daß der Kostenvorteil so gewaltig, wie erwartet, gar nicht war.

Ein wesentlicher Unterschied ergibt sich nur, wenn man absolut günstig bestatten lassen will und die bei der Feuerbestattung möglichen Einsparpotentiale voll ausschöpft. Das bedeutet: Schlichtsarg, Verzicht auf Schmuckurne, keine Trauerfeier, Wahl eines extrem günstigen Krematoriums, Gemeinschaftsgrab.

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  • Veröffentlicht am: 11. Juli 2008
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Außerdem passen so auch in bestehende Familiengräber mehr Familienmitglieder hinein, was einerseits eine Kostenersparnis ist und andererseits eben ermöglicht, dass die Familie so „zusammenbeleibt“.

  2. Nicht zu vernachlässigen ist wohl auch folgender Gedanke:
    Meien Eltern leben mittlerweile allein im Ort meiner Kindheit, mein Bruder und ich sind weggezogen und werden wohl auch nicht zurückkehren.

    Nun sagt mein Vater, er möchte eingeäschert werden, da sich eine Urne leichter verlegen lässt als eine Erdbestattung, und auch ich möchte, wenn es dann mal soweit ist, das Grab meiner Eltern in ereichbarer Nähe, und nicht in 3-5 Autostunden haben.

    Andrerseits tut sich da ein neues Streitfeld zwischen Geschwistern auf: Wer bekommt die sterblichen Überreste der Eltern?

  3. Da tut sich noch ein weiterer Vorteil auf:
    Man könnte die Überreste aufteilen. Ein paar Gramm für dich, ein paar für deinen Bruder :D

  4. Oder zu Diamanten pressen. Aus einem Menschen kann man bis zu 3 Diamanten erstellen.

  5. Ich finde Sargbestattungen immer noch romantischer.

  6. Tja, da hat die Verwaltung gut von unserer Regierung gelernt.
    Seine „Kunden“ lenkt man nicht etwa mit Rabatten zu den größeren Gräbern – nein, man verteuert die Alternativen einfach.
    Erbärmlich!

  7. Wem gefällt denn schon die Vorstellung nach dem Tod von Würmern aufgefressen zu werden und nach Ablauf der Ruhefrist unter Umständen halb verwest wieder ausgebudelt und unter einem neuen Sarg verscharrt zu werden.

    Dann lieber verbrennen und gut ist.

  8. @böser Vorhang: mit Blick nach Westen, um die herrlichen Sonnenuntergänge zu geniessen.

  9. Naja, wenigstens würde ich nen anständigen Zombie abgeben. Ihr verdammten Staubwölkchen nicht.
    Und ihr könntet keine Vampire sein, ha!

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