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Auf dem Bahnhofsklo

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Wenn es früher bei uns hieß, der Einsatzort sei ein Bahnhofsklo, dann wussten wir was los war. In den allermeisten Fällen handelte es sich um einen Drogentoten. Diese Aufträge sind bei den meisten Bestattern besonders unbeliebt. Es sind oft junge Menschen, die da geholt werden müssen, die Umstände unter denen sie starben sind gräßlich, Bahnhofsklos sind schmutzig, stinken und oft steht der Urin zentimeterhoch; und am Ende will keiner bezahlen.

Heute haben sich die Verhältnisse, zumindest in oberflächlichem Hinblick auf die Hygiene, in vielen Bahnhofstoiletten wesentlich verbessert und dennoch zucken wir zusammen, wenn es heißt, daß wir am Hauptbahnhof jemanden holen sollen.
So war das auch heute Abend. Gegen 21 Uhr kam der Anruf und zwanzig Minuten später waren wir da. Zuerst geht dann wenigstens einer von uns gucken, was da wo zu erledigen ist, damit man nicht mit der Trage oder der Zinkwanne suchend durch den halben Bahnhof laufen muß.

Als wir am Ort des Geschehens ankamen, bot sich uns ein sehr seltsames Bild. Zwei Feuerwehrmänner waren damit beschäftigt, die Trennwand einer Toilettenkabine abzumontieren, denn in der Nebenkabine hatte sich ein älterer Herr am Kleiderhaken aufgehängt. Mit heruntergelassenen Hosen, die Toilette nicht heruntergespült, hatte er sich mit dem Gürtel seines Mantels erhängt. Da der Mann recht korpulent war, konnte er nur so auf eine halbwegs würdige Weise geborgen werden.

Wie wir von der Polizei erfuhren, handelte es sich um einen 57jährigen belgischen Handelsvertreter.
Was bringt einen Menschen dazu, sich quasi beim Toilettengang oder sozusagen auch während des Toilettengangs zu erhängen?

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


36 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist schon ein merkwürdiger Umstand für einen Suizid…
    Jedenfalls war das sicher auch für einen Bestatter kein „alltäglicher“ Anblick.

  2. Hm. Ich will jetzt nicht allzu sensationsgeil klingen, aber könnte es nicht vielleicht auch eine Art von erotischem Kontext geben? Ich weiß, das klingt völlig krank, als ich aber an der Gerichtsmedizin arbeitete habe ich einige Geschichten gehört, von Leuten, die sich auf die wildeste Art und Weise erhängt und sich dabei einen letzten Höhepunkt verschafft haben. Gesehen habe ich (zum Glück) keine derartigen Toten.

    Entweder das, oder den Mann hat wirklich spontan der Lebensüberdruss befallen. Dennoch, die heruntergelassene Hose macht mich stutzig.

  3. Korrektur: Also, die Geschichten habe ich natürlich über Leute, die sich erhängt haben, gehört, nicht von ihnen.

  4. In den meisten Fällen ist es aber so, dass Selbstmörder den Ort aufgeräumt zurücklassen.
    Angenommen, jemand öffnet sich in der Badewanne die Pulsadern, nur um mal ein Bild zu vermitteln, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit sauber zusammengelegte Kleidung usw. vorfinden.
    Daher wundert es mich ein wenig, dass der Verblichene eine verschmutzte Toilette zurück liess.
    Sicher, da kann man viel hineininterpretieren, wieso, weshalb und warum, aber ganz „normal“ erscheint mir das nicht.

  5. ja und wenigstens die Hose hoch ziehen.. ich meine, man geht ja davon aus, das man gefunden wird und irgendwie..also ich würd gern ne würdevolle leiche abgeben :-[

  6. Ein Tipp: Wenn ihr würdevolle Leichen werden und bleiben wollt, begeht keinen Suizid! Diesfalls landet ihr nämlich in der Gerichtsmedizin, und da hat sich’s dann mit der Würde.

    Ich persönlich hoffe, dass ich nicht obduziert werde, da ich nicht unbedingt mit meinem Hirn im Bauch bestattet werden möchte. X-P

  7. Er brauchte den Gürtel ja um sich zu erhängen, daher konnte dieser ja wohl nicht mehr die Hose halten…

    Aber ist trotzdem merkwürdig. Denkt die Polizei da tatsächlich zuerst an Suizid und nicht an Mord?

  8. Es ist in der Tat so, dass manche Leute zwecks gesteigertem Onanie-Erlebnis sich „halb“ strangulieren, bzw es zumindest versuchen. Manchmal ist die Strangulation aber leider… final, und ich denke, dann findet man sowas vor. Details zu den Hintergruenden kann man in brain’s Link auf Wikipedia nachlesen.

  9. Er hat eine SMS bekommen, die sein Leben verändert hat. Entweder, seine Frau ist durchgebrannt, sein Chef hat ihn rausgeworfen oder er hat den Abend eine halbe Million im Casino verzockt.
    Alternativ: Er hat eine tödliche Diagnose von einem Arzt bekommen und hat auf Klo ein wenig nachgedacht.
    Oder er hatte es organisierter Kriminalität zu tun und wurde genötigt, das zu tun. Wobei dann der Ort ein wenig suspekt ist.

    Vielleicht ist es auch gar keine Örtlichkeit am Bahnhof, sondern Tom hat wieder verfremdet. Die Todesursache kann wohl kaum falsch sein – soviele Möglichkeiten, sich in einem öffentlichen WC umzubringen sehe ich nicht(oder ich bin einfach zulebensfroh) 🙂

  10. Also, ich glaube nicht, dass sich jemand spontan auf einer Bahnhofstoilette SO angeturnt fühlt, dass er erstmal in die Toilette macht, sich dann den Gürtel um den Hals legt und sich dabei… Ihr wisst schon.
    Sicher, möglich ist alles, aber das halte ich einfach für unwahrscheinlich.
    Aber ich will da gar nicht wirklich spekulieren, ich habe es nicht gesehen, ich kenne den Verstorbenen nicht und über die Umstände bin ich auch nicht informiert.

    @Nina: Ich warte auf Kapitel 4, und zwar schon laaaaange (ich lese deinen Comic schon seit ein paar Monaten) 🙂

  11. vielleicht wollte er seine bekleidung nicht verschmutzen? in jedem schlechten buch in dem jemand gehängt wird heisst es, dass sich danach die gedärme entleeren. vielleicht wollte er weniger sauerei machen.

    oder er hatte jede menge droghen intus und hat irgendeinen komischen film gefahren während er da so auf der toilette saß

  12. Ok, vielleicht zu offensichtlich, aber, eventuell eine psychische Störung, eventuell Schizophrenie und in einem Anfall geistiger Umnachtung flugs „die Stimmen zum schweigen gebracht“?

  13. Zu der Örtlichkeit: Mir erscheint eine öffentliche Toilette auch wenig reizvoll, aber nicht umsonst sind solche Orte beliebte Treffpunkte u.a. für Stricher oder Cruiser. „Klappensex“, wie Rosa von Praunheim lehrt.

    Ich will dem armen Handelsvertreter jetzt nichts unterstellen, aber anhand der (vermutlich fiktiven) Information, die wir hier haben, drängt sich mir der Verdacht, dass es in irgendeiner Weise mit Sex zu tun hatte, auf. Es ist ja auch nicht gesagt, dass der Mann in seiner Kabine alleine war, selbst wenn von innen versperrt ist, kommt man da in der Regel relativ leicht raus (hängt natürlich von der Kabine ab).

    Aber genug der wüsten Spekulationen.

    @ Kai: Sogar hierher verfolgt mich mein schlechtes Gewissen! Ab Montag arbeite ich wieder daran, und ab dann hat die Serie Top 1 Priorität, versprochen!

  14. Ich musste eigentlich eher an was gesundheitliches denken. Was nicht beschrieben ist und auch nicht Toms Feld: Was war denn mit dem Toiletteninhalt (außer dass der noch da war)? Vielleicht Blut im Urin/Stuhl und dann, evtl mit entsprechender medizinischer Vorgeschichte eine Reaktion oder Panik/Kurzschluss? Darüber hinaus ist es aber erstaunlich, wie „einfach“ man sich erhängen kann. Sooo hoch sind ja die Kleiderhaken an öffentlichen Klos auch nicht und wenn man dann davon ausgeht, dass er zumindest durchschnittlich groß war und noch den Gürtel des Mantels benutzt hat. Viel Spielraum dürfte da wohl nimmer sein. Auch dass der Haken bzw. die Tür standgehalten haben trotz der Korpulenz. Vermutlich hat sich der Gürtel stark genug gedehnt, aber leider zu spät für unseren Geschäftsmann. Ich hab auch woanders schon öfter gelesen/gehört und zum Teil shon selbst erlebt, wie schnell und fragwürdig erhängen gehen kann.
    Auf jeden Fall kein alltäglicher Bahnhofstoilettenfall.
    Bin schon gespannt, ob da noch Infos kommen.

  15. edit: selbst erlebt natürlich nicht als Betroffener, sondern als Helfer vor Ort 😉 Wäre ich selber Opfer, dann würde mich Tom vermutlich samt meinen Freunden von der Untoten-Liga wegen Geschäftsshädigung hier verbannen … :-))

  16. @Nina: Ich wollte dir sicher kein schlechtes Gewissen einreden, aber ich kann den fortlauf der Geschichte kaum erwarten 😉

  17. Auch ich dachte eher an „autoerotische Stimulation“ (nee, nee, selber mach ich solche Fisimatenten nicht). Ich kann mich noch erinnern, daß mal in den Achtziger Jahren mindestens ein Tory-Abgeordneter in GB zu Hause tot aufgefunden wurde, der sich bei solchen Spielchen versehentlich ins Jenseits befördert hatte.
    Wenn die Halsschlagader abgeschnürt wird, wird man schnell ohnmächtig und fällt dann erst richtig in die Schlinge. Das geht offensichtlich recht schnell.
    Also Suizid mit heruntergelassener Hose scheint mir seeeeehr unwahrscheinlich.

  18. Hat schon wer daran gedacht, dass das eine Racheaktion der Mafia gewesen sein könnte?

  19. Mal abgesehen davon das die Toilette für mich kein seltener Arbeitsplatz ist, kannst Du, lieber Untertaker, vielleicht meine Beobachtung entkräften/bestätigen? http://sankafahrer.blog.de/2007/11/24/groteske_fakten_i~3345376
    Es ist keine absicht das ich heute ebenfalls mit einer Toilettenstory aufwarten kann! 🙂

    Zu diesem netten Herren hier, auch wieder in Verbindung mit Toiletten…

    … ich glaub niemand will wirklich auch nur ansatzweise erfahren was auf öffentlichen Toiletten so vorgeht!

  20. @ sankafahrer

    Herzinfarkte treten oft frühmorgens auf (Hat was damit zu tun, dass der Körper auch im Schlsf große Mengen Energie verbraucht und dann morgens der Blutzuckerspiegel ziemlich im Keller ist)

    Viele werden davon wach, fühlen sich schlecht und gehen erstmal auf Klo. HI kann sich auch, besonders bei Frauen, durch Übelkeit und Völlegefühl bemerkbar machen.

    Das ist Erfahrung und Buschtrommel, aber ich bin sicher, dass sich ein Arzt findet, der das genau erklären kann.

  21. Also mein Zucker ist morgens immer hoch und nie im Keller.

    Wenn er sich tätsächlich suicidiert haben sollte, und es kein Unfall war, dan ist es nett von ihm, dass er nicht auf die Gleise ging und die Lokführer geschont hat.

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