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Bestatter stiehlt Kondolenzbriefe mit Geld

Es ist eine wunderbare Dienstleistung der Bestatter. Am Beerdigungstag steht ein Mitarbeiter bereit und betreut eine Kondolenzliste. In diese Liste können sich die Trauergäste eintragen. Die Mappe mit den Eintragungen kann beispielsweise noch mit der Rede des Pfarrers ergänzt werden und mit Kopien der Traueranzeigen und anderen Memorabilien.

Während der Trauerfeier notiert der Bestatter die abgegebenen Blumenspenden. Er schreibt auf, welche Art von Blumengeschenk es ist (Kranz, Schale, Gesteck oder Strauß), welche Aufschrift die Schleifen tragen und falls möglich, wer sie gestiftet hat. Ein guter Bestatter entfernt auch an den Blumen angebrachte Kondolenzkarten und notiert auf diesen, zu welchem Gebinde sie gehörten.

Desweiteren nimmt der Bestatter gerne auch Kondolenzumschläge der Trauergäste entgegen. Manchmal stellt er hierfür auch einen Einwurfkasten auf.

Ich erkläre nochmal, wie wir das in meinem Bestattungshaus gehandhabt haben.
Wir setzten immer konsequent auf das Vier-Augen-Prinzip. Angenommene Kondolenzumschläge sind ganz oft nicht zugeklebt. In diesem Fall haben entweder zwei Mitarbeiter oder ein Mitarbeiter und ein Friedhofsbediensteter einen Blick in den Umschlag geworfen, eventuelle Geldbeträge auf dem Umschlag hinten notiert und ihn dann mit Tesa verschlossen.

Alle Umschläge wurden noch am gleichen Tag den Angehörigen mit dem Kondolenzbuch überreicht. Ich habe an anderer Stelle hier schon beschrieben, wie umfangreich und schön wir diese sonst so schnöden Mappen gestaltet haben.

Nun ist es aber – wie schon oft zuvor – zu einem bösen kriminellen Akt gekommen:

Jens Raab berichtet für das Main-Echo (sinnwahrend gekürzt):

Bestatter stiehlt bei Trauerfeiern Kondolenzpost

»Es tut uns unendlich leid« heißt es in den Entschuldigungsannoncen des Bestattungsinstituts, »Wir können es selbst kaum fassen.«

Ein Mitarbeiter des Unternehmens hat offensichtlich bei mindestens neun Trauerfeiern Kondolenzpost gestohlen. Er hatte es auf das darin enthaltene Geld abgesehen. Doch mit der Vernichtung der Beweismittel, der Briefe, löste er vor allem großes Leid bei den Trauernden aus.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums liegt Schaden (bislang) bei rund 2800 Euro.

Die Kondolenzschreiben wurden in einen unverschlossenen Briefkasten in der Aussegnungshalle eingeworfen. Der Briefkasten wurde am Ende der Trauerfeier durch den Bestatter gelehrt (geleert).

Nach Angaben seines früheren Arbeitgebers, der ihn nach Bekanntwerden der Vorfälle und nach einem angeblich weiteren Diebstahl im Unternehmen selbst fristlos entlassen hat, streitet er im Moment noch alles ab.

(Der Bestatter) habe für die materiellen Schäden »weitestmöglich« Verantwortung übernommen.

Abgesehen davon, dass der mutmaßliche Täter nun mit Konsequenzen zu rechnen hat, ist der Schaden für das betroffene Bestattungsunternehmen nicht auszudenken. Es handelt sich um ein seit Generationen geführtes Familienunternehmen, das nun um seinen guten Ruf kämpft.
Es ist als vorbildlich anzusehen, dass der Bestatter offensiv an die Öffentlichkeit geht, den Schaden einräumt und wieder gut machen will.

Die Trauerfamilien sind arg gestraft, denn die gestohlenen Trauerbriefe und die darin enthaltenen mitfühlenden Worte sind nun wohl für immer weg.
Immerhin wird der Bestatter wohl den finanziellen Schaden ausgleichen.

Egal wie, mit so einem Mist kann der Ruf eines Unternehmens schnell den Bach runter gehen. Aber in diesem Fall ist auch die Presse zu loben, allen Blättern voran das hier zitierte Main-Echo. Die Zeitung gibt dem Bestatter mit Namensnennung die Möglichkeit, seine Sichtweise und seine Situation zu schildern. So ist es gut. Es muss nicht immer ein Riesenskandal aus allem gemacht werden.

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Peter Wilhelm 28. September 2019


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