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Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen -Hinduismus 2-

Heute werden in städtischen Ballungsgebieten die Leichen zunehmend im Krematorium verbrannt, auf Totenrituale wird dagegen nicht verzichtet.
Männliche Angehörige bringen auf einer Bambusbahre oder in einem offenen, geschmückten Sarg den in weißen Tücher gehüllten Leichnam zum Verbrennungsplatz. Der erstgeborene Sohn geht voran. Ihm ersatzweise auch Bruder, Ehemann oder Totenpriester, obliegt es, die Totenrituale durchzuführen. Die Füße des Leichnams werden im Fluss gebadet. Der Verbrennungsplatz wird rituell gereinigt und der Tote auf den oben abgeflachten Holzstoß gebettet.

Alle Anwesenden nehmen noch einmal Abschied und legen Opfergaben, wie Blumen oder Früchte, Reisbällchen oder Süßigkeiten ab. Ein Hindupriester spricht ein Gebet und umkreist den Scheiterhaufen mit einer Öllampe. Mit Wasser besprenkelt der Sohn des Toten nun den Leichnam. Den dafür benutzten Tonkrug zerschlägt er im Anschluss auf dem Boden als Symbol dafür, dass dieses Leben ein brüchiges Gefäß ist. Nun wird noch Butterfett auf die Holzscheite geträufelt, dann setzt er das Feuer in Gang. Beim Mann am Kopfende, am Fußende bei einer Frau. Am dritten tag nach der Verbrennung, wird der niedergebrannte Scheiterhaufen nach Knochenresten durchsucht. Diese und die abgekühlte Asche werden in Tücher gewickelt und dem Ganges, einem Fluss in der Nähe oder dem Meer übergeben oder auch in einem Tontopf in einem Samibaum gehängt.

Sexuelle Enthaltsamkeit gilt für die Söhne eines Verstorbenen einen Monat lang, für die Witwe den Rest ihres Lebens.
An jedem Todestag wird ein Bild des Verstorbenen aufgestellt und mit Blumengirlanden geschmückt. Sein Lieblingsessen wird gekocht und er wird eingeladen, davon zu probieren.
Bis in die jüngste Vergangenheit war es nicht unüblich, dass die Witwen ebenfalls sterben mussten. Hinter den berüchtigten Witwenverbrennungen stand auch der Gedanke der Opferdarbringung. Die Witwen wurden dabei lebendig mit verbrannt. Die hinduistische Tradition sah dies so eigentlich nicht vor. Der Tod der Ehefrau war nur symbolisch zu vollziehen. Witwenverbrennungen sind heute verboten.

Anmerkung eines Lesers:

Bei den Hindus erscheint mir noch wichtig, dass im Feuer unbedingt der Schädel platzen muß, damit die Seele entweichen kann – notfalls wird nachgeholfen.

Hindus kennen nur die Kremation. Normalerweise wird diese auf einem offenen Feuer vollzogen. Da dies bei uns nicht möglich ist, akzeptieren Hindus die Kremation im Ofen. Hindus benötigen keinen Friedhof oder eine Grabstätte, da die Asche in einen heiligen Fluss in Indien gestreut wird, im Idealfall in den Ganges. Tamilische Hindus streuen die Asche in einen ins Meer führenden Fluss auf Sri Lanka oder direkt ins Meer.

Hindus benötigen für die Leichenwaschung einen Leichenwaschraum mit Ablauf am Boden und einen stabilen Stuhl, auf den die Leiche gesetzt wird. In einem Spital ist dies nur schwer realisierbar, deshalb sollten grössere Friedhöfe entsprechend ausgestattet werden. Für die Abdankung wird ein neutraler Raum benötigt mit einem freistehenden Tisch. Es könnte auch ein stabiler Tisch auf Rollen verwendet werden, so dass die Leiche vom Waschraum in die Halle überführt werden kann. Da die Trauergemeinde tiefer sitzen muss als der Verstorbene, dürfen keine festen Bänke im Saal sein. Das letzte Ritual wird im Kremationsraum vollzogen. Der älteste Sohn entzündet normalerweise das Feuer. Im Krematorium ersetzt der Druck auf den Knopf zum Einfahren der Leiche diese Handlung. Kleine Kinder bis zu etwa fünf Jahren werden nicht kremiert, sondern bestattet.

Karma und Reinkarnation

Karma und Reinkarnation im Hinduismus
Im Hinduismus ist von der unsterblichen Seele, dem Atman, die Rede. Dieses Atman manifestiert sich immer und immer wieder in neuen Inkarnationen. Die Qualität dieses nächsten Lebens, beziehungsweise die Aufgaben, die dem Menschen im jeweiligen Leben gestellt werden, hängen davon ab, wie man das aktuelle Leben geführt hat.
Aus guten Handlungen entsteht Gutes, aus schlechten Handlungen Schlechtes. Der Tod ist im Hinduismus nicht das Ende des Lebens, sondern nur eine Übergangsphase und eine Transformation.

Das Atman bleibt ständig bestehen, es ist die Essenz von allem. Unsere individuelle Seele nennen die Hindus Jiva. Wo sich diese Seele zwischen zwei Leben aufhält, darüber gibt es – selbstverständlich – keine eindeutigen Angaben.
In jedem Fall ist der Aufenthalt ist für immer: Nach einiger Zeit kehrt das Jiva in einem neuen Körper auf die Erde zurück. Der neue Mensch wird mit dem Karma aus früheren Leben wiedergeboren – und muss weiter Aufgaben lösen, bis er endlich zur Erlösung kommt. Diese Vereinigung mit dem Absoluten – dem Brahman – erlangt der Mensch durch gute Taten und durch die Erkenntnis, dass alles Eins ist. Alles was geboren wird, wird sterben, nur die universelle Seele Atman ist ewig. Und wir sind Teil eines Systems des Universums. Im hinduistischen Glauben gibt es zwei Richtungen von Gläubigen. Die einen glauben, dass nur der Mensch selbst sein Karma auflösen kann, andere bitten um die Hilfe der Götter, um dieses Karma zu vernichten – oder zumindest dabei zu helfen. Das Ziel der Hindus ist es, aus dem Kreislauf der Wiedergeburt, dem sogenannten Samsara, aussteigen zu dürfen. Das nennt man Moksha – die tatsächliche Erleuchtung. Ein Mensch, der zu Lebzeiten das Moksha erreicht, ist frei von Anhaftung, benötigt keinerlei Besitztum und lebt im Einklang mit der universellen Seele – und diese ist nichts anderes als das, was andere Religionen Gott nennen. Der Weg dorthin ist die Bewusstheit, dass der Mensch vergänglich und nur Teil eines unendlichen Ganzen ist. In der Meditation kann der Mensch einen Zustand erreichen, in dem er sich tatsächlich nicht mehr als Individuum fühlt. Wer imstande ist, diese Erkenntnis auf das tägliche Leben zu übertragen, wird automatisch eher gute Dinge tun, die niemandem schaden. Der Hinduismus spricht von drei klassischen wegen zur Erlösung: den Weg des Wissens, den Weg der Tat und den Weg der Hingabe an Gott – oder eben Atman.

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