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Der Tod der Liebsten: Wie man mit Trauer umgeht

Millionen Menschen verlieren jedes Jahr ihre Geliebten. Einige sind in der Lage, durch eine solch traurige Situation stärker zu werden. Andere hingegen zerbrechen an diesem Erlebnis.

Insgesamt 869.582 Menschen verstarben im Jahr 2012, rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Wie in den Vorjahren ist die Herz-/Kreislauferkrankung mit einem Anteil von 40,2 Prozent die häufigste Todesursache. Jeder Vierte (25,5 Prozent) erlag einer Krebserkrankung. Nur 3,8 Prozent aller Todesfälle erfolgten auf eine nicht natürliche Weise. 30 Prozent davon waren ein Suizid (9.890 Personen). Der Anteil der Männer, die Selbstmord begangen haben, ist mit 74 Prozent dreimal höher als bei den Frauen. Bei der zuvor genannten Krebserkrankung sieht das Bild genau andersrum aus: Frauen waren 2012 häufiger von Krebs betroffen als Männer.

Jeder Mensch geht anders mit dem Verlust eines Menschen um

Die genannte Statistik gibt nur einen kleinen Einblick in die zahlreichen Todesfälle, die sich jährlich in Deutschland ereignen. Für die Hinterbliebenen spielt es in der Regel keine Rolle, auf welche Weise sie einen Menschen in ihrem Leben verloren haben. Für sie ist entscheidend, wie sie mit dem Verlust umgehen.

Die Praxis zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf seelisches Leid reagieren. Einige geraten ins Wanken, halten sich aber tapfer auf den Beinen und gehen ihren Weg weiter. Andere hingegen fallen um und schaffen es ohne Hilfe nicht mehr auf die Beine.

Grundsätzlich ist der Tod für jede Familie ein belastender Moment: Ob Mutter, Vater, Geschwister oder der Partner – der Verlust eines geliebten Menschen ist immer schwer zu ertragen. Plötzlich fehlt ein Mensch, mit dem man einen (großen) Teil seines Lebens verbracht hat. Die entstandene Leere sorgt dafür, dass der Alltag aus den Fugen gerät. Auch der Glaube an eine Zukunft, beginnt zu schwinden. Viele Hinterbliebene werden von Emotionen wie Angst, Verzweiflung und Wut überwältigt. Einige von ihnen können diese Emotionen nicht alleine überwinden – und dennoch bleiben sie mit ihrem Leid alleine.

Der Wandel der Gesellschaft macht das Leiden zu einer Einzeldisziplin

Laut dem Psychologen und Trauerforscher Hansjörg Znoj aus Bern ist das Trauern heute eine individuelle Angelegenheit. »Früher hat die Gesellschaft den Einzelnen in solchen Momenten gestützt«, so Bern. In seinen 2012 publizierten Werken »Theoretische Grundlagen zur Trauer« sowie »Trauer und Trauerbewältigung. Psychologische Konzepte im Wandel« hat sich Hansjörg Znoj ausführlich mit dem Thema Trauer befasst. Diese Theorie wird von einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Bestatter bestätigt: 67 Prozent der Befragten klagten, dass die sich Öffentlichkeit nicht mit dem Thema Tod befasse. Während der Tod in der westlichen Welt kaum noch im Alltag präsent ist, ehren viele andere Kulturen ihre Toten mit aufwendigen Zeremonien.

Schwarze Klamotten sind nicht länger eine Trauerkleidung, die an die Verstorbenen erinnern sollen, sondern ein Modetrend. Auf Kondolenzbesuche wird weitestgehend verzichtet, genauso wie auf das Trauerjahr. Einige Menschen haben immerhin die Güte, eine Trauerkarte, die es zum Beispiel bei www.kartenengel.de gibt, an die betroffene Familie zu senden. Das letzte übrig gebliebene Ritual bleibt die Beerdigung. Sie ist die letzte Möglichkeit für die Hinterbliebenen, sich vom Verstorbenen zu verabschieden.

Für viele Menschen ist die Beerdigung der Augenöffner, das Unfassbare zu realisieren: Der betroffene Mensch ist verstorben. Wer einen solchen Menschen verloren hat, muss damit beginnen, sein Leben neu auszurichten. Dafür benötigen sie Zeit – die einen mehr, die anderen weniger. Viele Hinterbliebene erholen sich nach einigen Wochen. Trotz des schmerzlichen Verlusts können sie mit ihrer Trauer umgehen. Insgesamt durchläuft ihre Trauer vier Phasen.

Die 4 Phasen der Trauer

Die Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie und Professorin an der Universität Zürich Verena Kast stellte fest, dass Trauernde vier Phasen durchlaufen, die sie in zwei ihrer Werke ausführlich beschreibt:

  1. Schock: Der Schockzustand kann sich auf unterschiedliche Weisen äußern. Einige Menschen brechen zusammen, körperlich sowie seelisch. Sie wirken wie gelähmt, reagieren verzögert und erleiden unkontrollierte Gefühlsausbrüche. Aber auch das kontrollierte Verhalten kann ein Anzeichen auf Schock sein. Betroffene behandeln die Todesnachricht als nicht real oder relevant.
  2. Kontrollierte Phase: In der zweiten Phase muss man mit allen anderen Menschen umgehen. Freunde und Verwandte rufen an oder kommen vorbei, um ihr Beileid auszusprechen. Wenn der Todesfall nicht in der eigenen Familie liegt, ist man die Person, die die Betroffenen besucht. Immer wieder muss man über den Verstorbenen sprechen und sich an viele verschiedene Momente erinnern.
  3. Regressive Phase: Die dritte Phase ist ohne Zweifel die Schwierigste. Betroffene leiden an Ruhelosigkeit, Antriebsschwäche, Erregbarkeit und Interesselosigkeit. Sie konzentrieren sich mit aller Kraft auf den Verstorbenen und damit verbundenen Abschied. Man erinnert sich an die anstehende Beerdigung und denkt an Fehler und Konflikte, die es mit dem Verstorbenen gab.
  4. Adaptive Phase: In der letzten Phase, in die man nach der Beerdigung eintritt, hat man erkannt, dass das Leben weiter geht. Man erinnert sich mit Freude an den Verstorbenen und alle schönen Momente, die man mit ihm geteilt hat. Nun hat aber das eigene Leben und die Zukunft wieder vorang.
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Peter Wilhelm27. August 2015

5 Kommentare von 139143.

  1. ich habe meine „alte“ Familie komplett verloren: erst meine kleine Schwester, dann meinen Vater, dann meine Mutter immer ca. im Zweijahresabstand.
    Die ersen beiden Phasen habe ich recht gut überstanden, die dritte Phase war eine nahtlose Fortsetzung der zweiten und die vierte Phase .. ja die habe ich bis heute (14 Jahre nach dem letzten Todesfall) noch immer nicht überwunden. Es tut zwar nicht mehr so weh, aber irgendwann kommen Erinnerungen wieder (letztens bin ich über ein altes Fotoalbum gestossen ..).
    Ich gehe unregelmässig ans Grab meiner Eltern und denke dabei auch mit Wehmut meiner Schwester, die in Hamburg „liegt“.
    Glücklicherweise bin ich mit einem pragmatischen Wesen gesegnet, aber die erinnerungen kommen immer mal wieder, ungefragt.

  2. Mein „Augenöffner“moment nach dem Tod meines Bruders (der mit 57 viel zu früh an Krebs gestorben ist) war der Moment, als nach der Abschiedsfeier im Hospiz der Bestatter auf den rückwärtigen, im Park gelegenen, Parkplatz gefahren kam, die Heckklappe öffnete und den Sarg auslud, um meinen Bruder da rein zu legen und mitzunehmen. Wir hatten uns mit dem Hospizpersonal nach der dort abgehaltenen Abschiedsfeier etwas „verplaudert“ und waren länger da geblieben, als geplant, sonst hätte ich das Sargausladen gar nicht mitbekommen. In diesem Moment war mir schlagartig klar, dass er jetzt in dieser Kiste verbrannt wird und ich ihn nie, nie, nie wieder sehen werde.

    Bei der Urnenbeisetzung dann an „seinem“ Baum auf dem Friedhof kam ich mir eher vor, wie in Watte gepackt. Zuviel Ungewohntes, Nicht-Gewolltes überrollte mich und trübte den Blick für die wahre Welt. Weder meine Mutter noch meine Schwägerin sahen sich in der Lage, die Urne zu tragen, so übernahm ich gerne diesen letzten Weg gemeinsam für und mit meinem Bruder. Meine größte Panik war allerdings, dass ich stolpere und die Urne fallen lasse. Aber es ging alles gut. Ich wunderte mich nur den ganzen Weg entlang, wie ein bisschen Asche so schwer sein kann…

    Aber erst am nächsten Tag konnte ich richtig Abschied nehmen, ganz allein mit ihm an seinem Baum. Da habe ich endgültig verstanden, was passiert ist. Aber bis heute (es sind inzwischen mehr als fünf Jahre vergangen) gibt es immer wieder Momente, in denen er ganz besonders fehlt. Und dann geh ich halt zu ihm und seinem Baum und erzähl ihm, was los ist. Und es hilft!

  3. Die Individualisierung von Trauer trifft glaube ich nicht nur darauf, sondern auf alle Lebensbereiche zu.

    Ich kenne es eigentlich so, dass man zu allen entscheidenden Lebensereignissen, an denen man nicht persönlich teilnehmen kann, eine Karte schickt, also mindestens zu Geburt, Hochzeit und eben Tod. Als nun eine Freundin ihr Baby bekam, war meine Karte die einzige, die sie bekommen hat und ich habe mich erneut gefragt ob meine Erziehung wirklich so altmodisch ist, das ich Facebook und Co. eben nicht als Ersatz für ein paar persönlich geschriebene Zeilen ansehen kann.

  4. Sind persönliche Nachrichten via soziale Netze nicht auch persönliche Zeilen?
    Ich meine, das Internet verändert alle Lebensbereiche – warum sollte es hier halt machen?
    Diese Entwicklung muss man nicht mögen und nicht begrüßen, aufhalten wird man sie aber sicher nicht.
    Auf der anderen Seite hat eine handgeschriebene Nachricht im Zeitalter der flüchtigen Medien ein besonderes Gewicht und zeigt, dass der- oder diejenige sich Mühe über das heute normale Maß hinaus gibt. Insbesondere bei Trauerfällen, aber auch bei anderen besonderen Ereignissen ist für mich die handschriftliche Nachricht normal. Mit Mitte 40 bin ich nicht so alt, dass ich das aufs Alter schieben möchte.

    • Eine handgeschriebene Nachricht von mir könnte ehr als Mißachtung ausgelegt werden, bei meiner Sauklaue… :-/

      Aber Facebook? Wirklich nicht.

      „Mein Mann ist gestorben!“

      Joshua, Peter, Franz und 10 weiteren Personen gefällt das!

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