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Hauen und Stechen

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Ein Bestatter aus einer etwa 60 km entfernten Stadt, nennen wir ihn mal Richter, ist ein sehr netter Kollege. Ich habe Herrn Richter vor etwa 4 oder 5 Jahren kennengelernt, als ich zufällig an „unserem“ Friedhof vorbeikam und ihn mit seinem Bestattungswagen vor dem verschlossenen Tor stehen sah. Ich hab angehalten und ihm mit unserem Schlüssel aus der Patsche geholfen, er war außerhalb der Dienstzeiten gekommen und da ist am Friedhof nur ein kleines Fußgängertor offen.

Anschließend kam er dann noch auf einen Kaffee mit zu uns und war sehr von unserem Haus angetan, was mir schmeichelte. In unserem Sarglager sah er dann die Sargrollwagen, mit denen wir leere und volle Särge bewegten und hatte da einen Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschlag. Irgendwas mit Vierkantrohren, ich merkte es mir damals nicht wirklich.

Zwei Tage später stand er wieder bei mir vor der Tür und hatte so einen Sargwagen dabei, den er extra für uns zusammengeschweißt hatte. Das fand ich nett und diese Sargwagen sind seitdem bei uns im Dutzend im Einsatz.

sargwagen1.jpg
so ähnlich sind diese Sargwagen; wir haben Sie mit und ohne obere Platte

Richter und ich sind keine guten Freunde, aber sehr gute Kollegen. Wenn bei ihm mal Not am Mann ist, helfe ich ihm und umgekehrt ebenso. Mal hat er einen Toten hier aus unserer Stadt abzuholen und dann erledigen wir schon mal die Abholung und besorgen die Papiere und ein anderes Mal müssen wir zu einem der zahlreichen Friedhöfe in seiner Gegend und er ist uns behilflich.

Diese Tage rief mich Richter an und klagte mir sein Leid mit der Konkurrenz. Zum dritten Mal habe man ihm sämtliche Reifen am Bestattungswagen zerstochen und kein Mensch könne ihm helfen.
Auch wir haben Konkurrenz und es geht nicht immer freundlich zu, aber wenigstens geht es nicht so weit, daß es zu Sach- oder Personenschäden kommt.

Als Richter mir das mit den Reifen erzählte, fing er an zu weinen. Ein erwachsener Mann ist so fertig, daß er am Telefon heult.

„Ich bin am Ende“, sagte er: „Ich weiß nicht mehr wie es weitergehen soll, ich glaube ich sperre hier zu.“

Was er mir dann alles erzählte, geht auf keine Kuhhaut, ist unglaublich und das muss ich selbst erst mal verarbeiten.

Wenn ich es alles richtig sortiert habe, fange ich an, ab morgen darüber zu schreiben.

Peter Wilhelm 22. Februar 2014


17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist traurig wenn zu solchen Mitteln gegriffen wird,von wem auch immer. ich kann nur hoffen der täter wird erwischt und bekommt seine strafe, aber leider ist das sehr unwahrscheinlich.

  2. es ist schade, daß die netten sich selten zu wehren wissen. von daher sind sie immer ein gefundenes fressen für die fieslinge.

  3. Ich bin mal auf den Beitrag gespannt, was noch alles mit ihm und seinem Inventar passiert.

    Zum Wagen könnte man vll. auf dem Stellplatz (am Laden oder wo?) einen Bewegungsmelder und eine Kamera installieren.

    Könnte billiger kommen als 5 o.ä. neue komplette Reifen-Sets.

    Aber mal schauen, wird ja nicht das einzige Übel sein.

  4. Hart…

    Das traurige ist, dass es immer die Netten am härtesten trifft, weil gerade die solche Mittel nicht anwenden und auch nicht begreifen können, warum es andere tun.

  5. Langsam übertreibst du. Wer soll das noch glauben? Bin mal gespannt was dahinter steckt.

  6. Warum sollte es übertrieben sein und nicht der Wahrheit entsprechen? Das Geschäft ist hart und die Komkurrenz überall. In jeder Branche. Da greifen die einen oder anderen schon zu solchen Mitteln, um die "Gegner" einzuschüchtern oder gar auszuschalten.

  7. Tja… überall wird "gemobbt" und ausgebootet. Solche "Manchenschaften" sind ja an sich nichts neues und bei vielen Menschen gang und gebe sich lästige Konkurenz vom Leib zu schaffen. Traurig….

  8. Zerstochene Reifen sind jetzt nichts so unglaubhaftes.

    Ich kenne eine Hilfsorganisation, die an ihrer Dienststelle Schwierigkeiten mit dem Parkraum hatte – nicht genügend Parkplätze anmietbar – und daher ihre Fahrzeuge größtenteils nolens volens im öffentlichen Verkehrsraum am Straßenrand abstellen mußte. In einem Gebiet, in dem ohnehin eher Parkplatznot herrscht, machen dann 3-4 Kleinbusse und vergleichbar viele Pkw (zusätzlich zu den Privatfahrzeugen der Mitarbeiter) schon etwas aus. Zwar hat man Regelungen getroffen, nach denen die Fahrzeuge im weiteren Umfeld der nächsten Wohnblocks verteilt zu parken waren, aber die wurden nicht immer eingehalten (mancher Zivildienstleistende denkt am Schichtende dann auch nur noch an seinen Feierabend und hat keine Lust auf größere Umparkorgien).

    Das führte dann zunächst zu Beschwerden von Anwohnern – und dann zu zerstochenen Reifen. Immer wieder, wenn Fahrzeuge auf einer bestimmten Straßenseite standen. Meistens nicht alle, aber ein oder zwei – das ist ärgerlich genug, nicht nur wegen der Kosten, sondern weil Kunden bzw. Patienten warten, wenn der Fahrdienst nicht kommt, der sie zum Arzt, zum Einkaufen, woauchimmer hin fahren soll.

    Man hat sich zunächst unter Zuhilfenahme ehrenamtlicher Kräfte 😉 mit nächtlichen Beobachtungsaktionen zu helfen versucht, die aber im wesentlichen erfolglos blieben. Danach hat man dann diesen Bereich beim Parken möglichst gemieden … Ich würde sagen: Ziel des unidentifizierten Stechers erreicht.

    Warum soll das Bestattern nicht ebenso gehen?

  9. Ich hab auch so vieles nicht geglaubt, bevor ich es selber erlebt habe.

    Dann mal vorsichtiger formuliert: Zwischen Wirklichkeit und Blog steckt nicht die Einheitsmatrix. Wohlgemerkt, gut gemacht. Einem aufmerksamen Leser fällt aber das ein oder andere auf.

  10. Wenn du deinen Kollegen siehst, klopf ihm mal tröstend von mir auf die Schulter. Aufgeben wäre das allerletzte – man muss den Mobbern diesen Gefallen nicht tun. War lange genug selber Mobbing-Opfer – allerdings unter Kollegen. Auch wenn die Dame mich wohl als Konkurrenz gesehen hat. Ich war der Azubi, hatte aber was Allgemeinbildung und vor allem literarisches Wissen angeht drei mal so viel auf dem Kasten wie sie. Damit konnte sie einfach nicht umgehen und ihre Aktionen wuchsen sich von kleinen Gemeinheiten, über Sabotage, Schlechtreden bei anderen kolegen zu direkten persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen aus. Irgendwann hatte ich genug geschluckt. Hat sie am Ende den Job gekostet, nicht mich. Seitdem bin ich selbstbewusster und lass mir nicht mehr alles gefallen. Aber war ne harte Zeit, so oder so.

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