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Henning -9-

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Natürlich sind sofort das SEK und das MEK und eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei zu Hennings Wohnung gefahren, ist ja klar, oder?

Nee, Spaß beiseite: Man hat Henning verhört, ein Protokoll gemacht und eine Liste des Tascheninhaltes erstellt. Dann musste Henning noch mit in die Innenstadt zur Hauptwache und durfte sich erkennungsdienstlich behandeln lassen. Den kompletten Rucksack hat man dabehalten und Henning nur sein Portemonnaie (für Neurechtschreibler: Portmonee, kotz) mitgegeben. Offenbar ist der Kerl, angesichts der Staatsmacht, doch ein wenig eingeknickt, denn er ließ sich von den Beamten nach Hause fahren und die durften in seinem Zimmer noch diverse andere Gegenstände in Empfang nehmen, darunter auch welche, die wir hier noch gar nicht vermisst hatten:

  1. Diktiergerät
  2. DYMO-Etikettendrucker
  3. eine Urne voller Rosenkränze
  4. eine Literflasche Formalin
  5. einen 6er Karton neue Rauchmelder
  6. fünf Handkreuze
  7. ein Xanxbuch aus der Trauerhalle
  8. ein Sortiment Steckbuchstaben
  9. zwei ältere Motorola Handfunkgeräte

Nicht jedoch gefunden bzw. ausgehändigt wurde der Ratschenkasten, mit dem alles angefangen hatte.

Henning ist nie wieder hier bei uns aufgetaucht, auch der Auftragsmörder lässt bis heute auf sich warten und dabei hätte ich den doch besonders gerne kennengelernt. Mann, was sich da für eine berufliche Kooperation hätte anbahnen lassen….

Seine Papiere haben wir ihm „unter Vorbehalt“ zugesandt, aber dazu schreibe ich noch mal was.

Irgendwelchen Ärger mit Kammer oder sonstwem hat es in dieser Sache nicht gegeben. Den Ausbildungsvertrag habe ich in Kopie mit einem entsprechenden Schreiben an die Kammer zurückgesandt und löschen lassen.

Ganze acht Monate hat es gedauert, bis es zu einer Hauptverhandlung kam. Ich habe den Fehler gemacht, nicht als Nebenkläger aufzutreten. Heute bin ich schlauer! Deshalb durfte ich nicht den ganzen Prozess über im Verhandlungssaal dabei sein, sondern erst ab dem Moment, wo ich als Zeuge vernommen worden bin.

Es soll wohl einen Strafbefehl gegeben haben, gegen den Hennings Anwalt Widerspruch eingelegt hatte.
Ich hatte nur einen kurzen Auftritt. Der Richter wollte wissen, ob die Gegenstände uns gehören und ich musste erzählen, ob die Sachen offen herumgelegen haben oder ob Henning verschlossene Behältnisse habe öffnen müssen. Keine Ahnung, warum das so wichtig war.

Huber wurde nach mir vernommen und musste im Grunde die gleichen Fragen beantworten. Besonderen Wert legte der Richter auf den Schlüsselbund (den wir als Einziges sehr schnell wiederbekommen haben) und wollte wissen, ob Henning den Tisch von Huber aufgebrochen habe. Huber verneinte das und konnte sich das nur so erklären, daß Henning in einem unbeobachteten Moment den Schlüsselbund aus dem Tisch genommen habe, als dieser mal nicht abgeschlossen war.

Für heute soll die Henning-Geschichte mal enden. Ich werde aber noch einiges zu berichten haben, das ist nämlich lange noch nicht zu Ende erzählt, wird aber zuviel für heute.

Ich hinterlasse Euch aber ein Ratespiel. Was hat Henning bekommen? Was war seine Strafe?

Er wurde nach Jugendstrafrecht behandelt. Henning ist wegen Körperverletzung vorbestraft, außerdem bescheinigt man ihm wegen seiner Drogenvergangenheit eine schlechte Prognose.
Vor Gericht räumte er, wie schon bei der Polizei, alle Taten vollumfänglich ein, der Ratschenkasten blieb verschwunden und zu dem äußerte sich Henning auch vor Gericht nicht.
Obwohl er aber die Tat zugab, blieb er absolut uneinsichtig und argumentierte, gegen seinen tuschelnden Anwalt, es sei völlig in Ordnung, daß man sich im Betrieb was nehme und das würden doch alle machen, das sei doch wohl vollkommen normal.

Was bekommt so einer?

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.


Peter Wilhelm 3. April 2016

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