Wenn Menschen einen Angehörigen verloren haben, bekommen sie in den folgenden Tagen Kondolenzpost. Damit die Leute wissen, wo sie hinschreiben können, gibt man die Adresse in den Trauerbriefen und auch in der Zeitungsanzeige manchmal an.
Das lockt manchmal Einbrecher, Betrüger und Abzocker an. Deshalb raten Bestatter immer dazu, ersatzweise die Adresse des Beerdigungsinstituts anzugeben.
Ich: „Welche Adresse soll denn unter den Trauerkarten stehen? Wir können auch gerne die Anschrift unseres Hauses nehmen.“
Er: „Da können wir die Adresse vom Haus meiner Mutter nehmen.“
Sie: „Das steht doch jetzt leer. Ich will da nicht jeden Tag den Briefkasten leeren.“
Er: „Dann machen wir das so, wie der Mann gesagt hat, wir nehmen die Adresse vom Bestattungshaus.“
Sie: „Und wie kommen wir dann an die Kondolenzbriefe?“
Ich: „Die meisten kommen ja in den ersten Tagen nach dem Trauerfall. Wir bündeln die und bringen die Ihnen dann vorbei.“
Er: „Ach was, ich arbeite doch um die Ecke, ich kann die dann auf dem Heimweg abholen. Kein Problem.“
Ich: „Oder so.“
Sie: „Moment mal! Wieso willst Du die abholen? Krieg ich die dann nicht alle zu sehen?“
Er: „Wieso denn nicht? Ich hol‘ die doch nur ab und bring sie dann mit nach Hause.“
Sie: „Ach was? Und wenn da Post dabei ist, sagen wir von dieser Jutta, die mit auf Deinem Seminar war?“
Er: „Häh? Die kannte doch meine Mutter gar nicht. Weshalb sollte die uns einen Kondolenzbrief schreiben? Das ist eine Kollegin aus der Filiale Schleswig.“
Sie: „Ach, Du weißt schon, wo die wohnt? Sehr merkwürdig!“
Er: „Weiß ich eben nicht. Die war nur zufällig auf der selben Fortbildung und ich weiß auch nur, dass die Marketing macht und in der Filiale Schleswig arbeitet.“
Sie: „Von mir aus kannst Du gleich nach Schleswig ziehen!“
Er: „Sachma! Hast Du einen rennen? Du spinnst doch gerade was zusmmen.“
Sie: „Sagen Sie doch auch mal was!“
Ich: „Ich will da nicht reingezogen werden.“
Sie: „Klar, dass Ihr Typen da zusammenhaltet. Wahrscheinlich habt ihr das gemeinsam ausgeheckt, dass hier die Post von dieser ach so geilen Jutta abgefangen wird.“
Ich: „Es geht doch nur um Beileidsbriefe von trauernden Verwandten, Bekannten und Nachbarn…“
Sie: „Und weshalb wollen Sie dann Juttas Post unterschlagen?“
Ich: „Das will doch niemand.“
Sie: „Wisst Ihr was? Ihr könnt Eure Scharade von mir aus fortsetzen. Auf jeden Fall geben wir unsere Adresse von zu Hause an, damit ich alle Briefe in die Finger bekomme!“
Er: „Wir wollen doch noch über das Kaffeetrinken nach der Beerdigung sprechen.“
Sie: „Dann frag‘ doch Deine Jutta! Vielleicht kann Dir Deine Jutta was Leckeres kochen. Irgendwas mit Fisch aus Schleswig. Die essen ja viel Fisch.“
Er: „Nochmal: Ich habe diese Frau nur einen Nachmittag lang gesehen, kenne die nicht näher und habe kaum zwei Sätze mit der gewechselt.“
Sie: „Das kann ich mir vorstellen! Nicht viel reden, gleich Klamotten runter und rein in die Kiste. Typisch!“
Er: „Au Backe ey, Du spinnst!“
Sie: „Klar, jetzt, wo ich Dich in die Enge getrieben habe, kannst Du nur noch mit Beleidigungen kommen.“
Er: Stöhnt.
Sie: „Du weißt schon, dass der Wagen auf mich läuft. Kannste jetzt sehen, wie Du zu Deiner Jutta kommst. Ich fahre jetzt nach Hause, und wenn Du dann schön zu Fuß ankommst, sind Deine Koffer schon gepackt.“
Ich: „Eigentlich ging’s nur um die Adresse für die Trauerpost.“
Sie: „Für Sie tut’s mir ja leid, dass Sie das alles mit anhören mussten. Aber Sie sehen ja selbst, wie der sich windet. So ist das eben, wenn ein Betrüger entlarvt wird. Jetzt haben Sie das mal live miterlebt.“
Sie: steht auf und stampft von dannen.
Drei Tage später bei der Trauerfeier: Sie und er Hand in Hand.













Bin ich froh, daß meine Frau nicht so eifersüchtig ist und sie genau weiß, wenn ich Namen von Kolleginnen oder Bekannten aus einem Sammelforum nenne, wie ich zu denen stehe…