„So, dann haben wir ja alles so weit besprochen. Wir leiten jetzt das Notwendige in die Wege. Am besten wird es sein, wenn Sie morgen zu uns ins Büro kommen, damit wir die weiteren Schritte besprechen.“
Das sage ich zu Frau Brodkamp und klappe meine Beratungsmappe zu. Wir sitzen im Wohnzimmer des Vaters von Frau Brodkamp. Der alte Herr ist einige Stunden zuvor nebenan friedlich in seinem Bett für immer eingeschlafen und wurde bereits abgeholt. Frau Brodkamp wohnt mit ihrem Mann oben in dem Zweifamilienhaus, der verwitwete Verstorbene wohnte unten.
„Moooooment mal!“, ruft Frau Brodkamp mit spitzer Stimme.
„Ja, bitte?“
„Wann kommen denn Ihre Leute?“
„Welche Leute und wozu?“
„Die Tatortreiniger!“
„Die was?“
„Na, die Tatortreiniger! Da müssen doch jetzt Leute kommen, die professionell alles reinigen. Nebenan ist schließlich gerade jemand gestorben, Da wird ja alles voll sein mit dem Leichengift, den Würmern, Maden und Bakterien. Das muss doch ausgeräuchert werden.“
„Also, Ihr Vater ist ganz friedlich eingeschlafen. Da ist nichts verschmutzt oder giftig. Bett abziehen, Matratze lüften, und gut ist es.“
„Wie bitte? Wir wollen in 14 Tagen hier runterziehen. Da muss doch alles desinfiziert werden. Tapeten runter, Teppichböden raus, alle Polstermöbel verbrennen. Diese Leichensauerei… Da muss doch jemand kommen.“
„Sie können gerne einen professionellen Reinigungsdienst beauftragen. Tatortreiniger sind für so etwas nicht da. Die reinigen dann, wenn große Mengen Blut und so angefallen sind. Hier handelt es sich aber um eine gepflegte, ganz normale Wohnung. Da genügt eine ganz normale Putzfrau.“
„Das heißt, wir sollen oben drüber schlafen, obwohl diese ganzen Gase durch die Decke zu uns hochströmen?“
„Da gibt es keine Gase. Es gibt kein Leichengift, da ist nichts verseucht und hier sind auch nicht mehr Bakterien als sonst überall.“
„Frechheit! Sie wollen doch wohl nicht sagen, dass bei uns oben Bakterien sind. Ich putze jede Woche mit Sagrotan.“
„Wenn Sie möchten, kann unser Herr Huber das Schlafzimmer mit Desinfektionsspray aussprühen. Das nehmen wir auch immer, um das Fahrzeug und die Räume zu desinfizieren. Das ist aber alles, was ich Ihnen anbieten kann. Für mehr müssten Sie wirklich eine Firma beauftragen.“
„Was würde das denn kosten?“
„Geben Sie dem Mann anschließend ein ordentliches Trinkgeld, dann ist das schon in Ordnung.“
„Die Treppe kommen die Bakterien ja wohl nicht hoch, oder? Ich meine, die Stufen sind denen doch zu hoch, nicht wahr?“
„Ganz bestimmt.“
„Dann soll der Mann kommen. Und sagen Sie ihm, er soll auch in die Steckdosen reinspritzen, da verstecken sich Bakterien besonders gerne, weils da warm und dunkel ist.“












