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Leichensex bleibt verboten

Von

Gunther von Hagens hat vor Jahren das Verfahren der Plastination maßgeblich entwickelt und sich damit unglaublicher Verdienste um die Wissenschaft verdient gemacht.
Kurz gesagt dient die Plastination dazu, Leichen und Teile davon durch das Einbringen von klaren und gefärbten Kunststoffen haltbar zu machen und in wissenschaftliche Schaupräparate zu verwandeln.
Kein anderes Verfahren erlaubte bislang eine solche Detailfülle und Haltbarkeit der Präparate.

Diese sind nicht nur wissenschaftlich hochinteressant, sondern aufgrund ihrer schaurig-morbiden Schönheit auch für den Laien durchaus sehenswert, erlauben sie doch Einblicke in echte menschliche Körper, die sonst so nicht möglich wären.

Um nun dem Laien sowohl das Verfahren an sich, als auch die Anatomie näher zu bringen, ist von Hagens mit seiner Schau „Körperwelten“ auf Tournee gegangen. Millionen haben inzwischen seine Ausstellungsstücke gesehen, die zum Teil mit anatomisch-wissenschaftlichen Schaustücken nichts mehr zu tun haben, sondern eher an bizarre Kunstwerke erinnern.
Und genau hier scheiden sich die Geister: Handelt es sich um Wissenschaft oder um einen Jahrmarktsrummel?

Die einen, das sind vor allem die Kirchen, würden die Leichenschauen am Liebsten komplett verbieten. Für sie gehören anatomische Schaustücke in die Hörsäle und Archive der Universitäten und allenfalls noch in einzelnen Fällen ins Museum. Auf ganz wenige Worte gebracht sehen sie in den von-Hagensschen Ausstellungen schlicht und ergreifend eine dauernde Störung der Totenruhe.

Die anderen, und das ist vor allem von Hagens selbst, sind der Auffassung, man könne den Menschen nicht genug Wissen vermitteln und nicht genug vom Wunder des menschlichen Körpers zeigen. Anatomieschauen habe es schließlich beinahe immer schon gegeben und immer schon seien die Aussteller verfolgt und mißverstanden worden.

Eine nicht minder kleine Gruppe, und zu der nun gehöre auch ich, ist aber der Auffassung, daß die Arbeit von Herrn von Hagens großartig und wissenschaftlich bedeutsam ist und tatsächlich eine Revolution auf dem Gebiet der Präparation darstellt. So etwas darf, kann und muß man auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Aber die Art und Weise wie das geschieht die lehnt diese Gruppe und die lehne ich ab.

Denn längst präsentiert von Hagens nicht mehr nur ganze plastinierte Körper und Körperteile (auch von Tieren), sondern stellt ganze Schaugruppen zusammen und stellt Leichen in Posen, die ich für unwürdig halte, zur Schau.

Schon in Österreich stieß seine letzte Anatomieschau auf große Widerstände und jetzt hat auch die Stadt Augsburg verboten ein bestimmtes Objekt zu zeigen.

„Der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens darf in der Augsburger «Körperwelten-Ausstellung» zunächst keinen plastinierten Sexual-Akt zeigen. Das hat das Verwaltungsgericht Augsburg am Freitag vorläufig entschieden.“

So schreibt die Mitteldeutsche Zeitung aufgrund einer vielzitierten dpa-Meldung. Weiter heißt es dort:

Die Stadt [Augsburg][…] ist nach wie vor der Ansicht, dass die Zurschaustellung eines Leichen-Liebesaktes gegen das bayerische Bestattungsverbot und die Würde des Menschen nach dem Tod verstößt.

Zwar meint die Mitteldeutsche Zeitung hier sicherlich nicht das bayerische Bestattungsverbot, sondern das bayerische Bestattungsgesetz, alles andere wäre ja Unfug, doch allein das ist als Werkzeug gegen Anatomieschauen nicht unbedingt anwendbar, denn nahezu alle Bestattungsgesetze lassen für anatomische Präparate Hintertüren offen, die wissenschaftliche Präparation und das medizinische Lehrüben an Leichen überhaupt erst möglich machen.

Viel entscheidender ist dieser, ebenfalls aus der Mitteldeutschen Zeitung stammende Satz:

Die Präsentation des liegenden Aktes war […] verboten worden, da es Zweifel an der Einwilligung des betreffenden Mannes an der Darstellung geben hatte. Dieser lebte vor seinem Tod in einem Heim und soll dement gewesen sein. Für diesen Fall hatte das Gericht eine Verletzung der Menschenwürde durch die Liebesakt- Darstellung gesehen.

Zwar ist der erste Rausch des Interesses an von Hagens‘ Ausstellungen längst abgeflaut, man erinnert sich an stundenlange Wartezeiten und kilometerlange Besucherschlangen bei der Mannheimer Körperwelten-Schau im Landesmuseum für Arbeit und Technik vor einigen Jahren, und nur noch 220.000 Menschen wollten dann auch die letzte jetzt in Berlin zu Ende gehende Ausstellung „Der Zyklus des Lebens“ sehen. Doch stoßen von Hagens‘ Ausstellungen inzwischen vielleicht wirklich nicht mehr auf das sensationell große Interesse der vergangenen Jahre, doch sind sie nach wie vor geeignet, Zuschauer, Politiker und Kirchenmänner zu irritieren und zu erzürnen.
Die Ausstellung eines menschlichen Geschlechtsverkehrs, zusammengebaut aus plastifizierten Leichen, die sich zu Lebzeiten nicht kannten und möglicherweise keine Vorstellung davon hatten, was nach ihrem Tod mit ihren plastinierten Leichen geschehen würde, das geht wirklich für viele entschieden zu weit.

Von Hagens, durchaus nicht auf den Mund gefallen, sieht das natürlich als Zensur und Bevormundung, ich persönlich halte die öffentliche Zurschaustellung kopulierender Paare für geschmacklos, erst recht aber dann, wenn es sich bei den Kopulanten um Leichen handelt.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


29 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sofern du kein Troll bist, liebe/r Ronny, halt besser die Klappe und schau noch mal in deinen Duden.
    Wenn du ein Troll bist, dann auch.
    Und bitte, was ist frühlich? Was jubelt Einständ? Und wieso?
    Und seit wann schreibt man Sprache klein? Und es heißt „der“ Apostroph.
    Nur mal so angemerkt.

  2. @ Ronny, den Rechtschreibkapazunder:
    Der einzige Fall, wo oben ein Apostroph hinter „Hagens“ steht, ist ein Genitiv und damit völlig berechtigt. Wörter, die auf s enden, erhalten im Genitiv ein Apostroph. Hans‘ Mutter geht einkaufen. So einfach ist das.
    „Hangenssche“ ist völlig korrekt und entspricht der alten deutschen Rechtschreibung, die von Tom hier ganz generell bevorzugt wird. Nach der NDR müsste man „Hagens’sche“ schreiben.
    Das alles kann Klein-Doofie im Duden nachlesen, was ich dir hiermit wärmstens ans Herz lege.

    @ Körperwelten:
    Ich teile Toms Ansichten, denn ich finde ebenfalls, dass hier Geschäft mit der Sensationsgeilheit der Massen gemacht wird. Wenn’s nach mir ginge, wären diese Ausstellungen zwar erlaubt, aber nur mit verpflichtender Führung, in der auf die Anatomie eingegangen wird. Diese Führung sollte im Eintrittspreis inbegriffen sein. Damit würde das angebliche Ziel – den Leuten das Wunder des menschlichen Körpers näher zu bringen – erfüllt, und gleichzeitig würden vielleicht alle geilen Glotzer vom Besuch ferngehalten. Letztere laufen ohnehin halb blind durch derartige Ausstellungen und kommen genauso ahnungslos heraus wie zuvor hinein.

  3. von Hagens‘
    Da jubelt das Deppenappostroph frühliche Einständ!

    Und was ist „von Hagenssche“ für eine Grammatik? Da muss der Undertaker aber seine sprache gewaltig üben.

  4. Ist dass alles was dir zu dem beitrag einfällt? Oder bist du nur ein troll? Dass immer einige meinen sie müssten den oberlehrer haraushängen lassen nur weil sie inhaltlich nichts beitragen können.

  5. Ein wunderbarer Artikel, der die ganze Problematik gut erklärt, alles auf den Punkt bringt und trotz der offen vorgetragenen Meinung des Autors auch noch Raum für die eigene Meinung lässt.

    Ein Stück sauberen Journalismus, für den ich das Bestatterweblog liebe.

  6. Ich habe die „Körperwelten“ Ausstellung vor einigen Jahren gesehen. Es war wirklich sehr interessant, aber was ich wirklich sehr abstoßend fand, waren die Menschen, die immer alles anfassen müssen.
    Aber ich bin auch der Meinung, dass man nicht immer alles zeigen muss.

  7. Ich habe damals die allererste Körperwelten-Ausstellung von Herrn von Hagens in Köln besucht. Stundenlang musste man Anstehen, um sich die Plastinate anschauen zu dürfen.

    Was wurde bereits damals für ein Wirbel um Körperwelten gemacht! Am Lautesten schrie die katholische Kirche, dicht gefolgt von der Evangelischen! Komisch, die Moslems und Juden waren still. 😉

    Nun kommt die Augsburger Ausstellung im September nach Köln, ein paar Wochen später dann das US-amerikanische Duplikat „Bodies“. Ich werde mir wieder beide Ausstellungen anschauen und ich werde bestimmt wieder mit dem Gedanken aus der Ausstellung gehen, dass die gezeigten Plastikpuppen doch sehr menschlich aussahen … anders würde ich das nicht aushalten! 🙂

    Und: Ich hoffe, dass von Hagens das fragliche „Sex-Plastinat“ in Köln zeigt … allein schon deshalb, weil sich der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner wieder herrlich darüber aufregen wird! 😉

  8. Ich war eine der 220.000, die die aktuelle Ausstellung in Berlin gesehen haben.
    Fazit: Im Grundsatz fand ich die Thematik und ihre Aufbereitung wissenschaftlicher als die erste Ausstellung. Lehrreich und didaktisch gut gemacht.
    Einige „Posen“ der Plastinate fand ich aber einfach nur nervig. Wobei das „Paar beim Sex“ für mich moralisch nichts Verwerfliches hatte, sondern einfach nur doof und blöd und kitschig war. Allerdings fand ich den „Rentierschlitten“ noch entschieden doofer und blöder und kitschiger.
    http://picasaweb.google.com/lh/photo/pMXnc89t5BhNeqVASw9PwA

    Ich würde das einfach auf demokratischem Weg regeln: Wenn genügend Besucher ihre Meinung über die „Posen“ ins reale oder virtuelle Gästebuch schreiben, dann könnte unter Umständen Herr v.H. begreifen, dass seine „Kunden“ sich gern wissenschaftlich weiterbilden möchten, auf den Zirkus-Firlefanz aber verzichten können. Wenn er so marktwirtschaftlich agiert wie ich es ihm zutraue, sollte er sein „Produkt“ danach ausrichten.

  9. Herr von Hagens muss sich selbst immer weiter toppen, damit seine Schau interessant bleibt. Irgendwann gehen einem da halt die Themen aus, denn die Plastinate sollten ja in irgendeinen Zusammenhang gebracht werden, um nicht dumm rumzustehen wie Exponate in einem Museum.
    Eine immer weitere Eskalation wird da unvermeidlich sein.

  10. Ich bin nicht in die Schau gegangen, obwohl es mich durchaus interessiert haette, wie der menschliche Koerper so innen aussieht. Aber die Leichen nicht als anatomische Anschauungsobjekte zu nutzen, sondern daraus moderne Kunst zu machen, die Leichen also derart darzustellen, dass kein groszer Erkenntnisgewinn daraus zusaetzlich gezogen werden kann, hat mich abgeschreckt.
    Das ist wuerdelos.
    Wissenschaftliche Aufklaerung: ja, Kunst: nein.

  11. Für mich treffen hier zwei schwer vermittelbare Ethiken aufeinander. Was will diese Ausstellung sein, Wissenschaft oder Kunst? Beide sind frei, aber man muss schon unterscheiden wollen, mit welcher Intention man so eine Ausstellung macht. Wenn Damien Hirst Tierkörper in Formaldehyd einlegt, ist das Kunst – muss man nicht mögen, aber es zeigt doch eindrücklich, wie sich ein Künstler mit der Vorstellung des Menschen von seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt. Gunther von Hagens ist Anatom und versteht seine Arbeit als Wissenschaft. Normativ ethisch müsste er sich also die kopulierenden Leichen verkneifen – ob es moralisch ist, diese Posen zu zeigen, spielt in dem Zusammenhang erst mal keine Rolle. Wissenschaftsethisch vertretbar ist es in diesem Kontext nicht. Es sei denn, von Hagens würde die [i]Körperwelten[/i] endlich als Entertainment zugeben. Dass er Diskussionen über diese Frage beständig aus dem Weg geht, ist jedenfalls nicht gerade erhellend. Und so wird er mit der Kritik leben müssen, auch wenn er sie (was sie in meinen Augen nicht ist) als Zensur anprangert.

  12. @ 10 Anita:
    Glücklicherweise ist G.v.H. nicht ausschliesslich durchgeknallter Möchtegernkünstler, sondern Gott sei Dank immer noch ein guter „Handwerker“ und neugieriger Wissenschaftler. Heisst: Wenn man bereit ist, die posenden Leichen einfach links (oder rechts, je nach Gusto 🙂 ) liegen zu lassen und sich auf die wirklich wichtigen Dinge fokussiert (Präparate), die es in großer Zahl gibt, dann ist diese Ausstellung ein Erkenntnisgewinn.

    Ich will Dich nicht überreden, sondern nur nochmal deutlich machen, dass die strittigen Posier-Exponate einen Teil, aber glücklicherweise nicht die Mehrzahl der Ausstellungsstücke bilden.

  13. Ich war selber vor ein paar Wochen in Augsburg in der Ausstellung – und ich hatte nur einmal ein paar Sekunden lang das Gefühl vor einer „echten Leiche“ zu stehen. Ich finde diese Ausstelllung hoch interessant und würde jederzeit nochmal hingehen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Solche Einblicke in den menschlichen Körper bekommt man sonst nirgends, wirklich grandios und hochinteressant!!

    Was ich allerdings total bescheuert fand, war der Aufbau mancher Skulpturen…. z.B. ein Torwart, der grade ins Eck fliegt um einen Ball abzuwehren und mit der anderen Hand seine Eingeweide nach sich zieht….

    Ansonsten wirklich toll und empfehlenswert!

  14. In Deutschland steht im Grundgesetz an allererster Stelle: „Die Wuerde des Menschen ist unantastbar“, noch vor der Redefreiheit.

    Und wenn ich ablehne, was der Kerl da mit einzelnen Leichen macht, ist das fuer mich ein Grund, mir die Show ueberhaupt nicht anzukucken, da ich mit meinem Besuch, welche Gruende er auch immer haben mag, auch den Rest der Ausstellung unterstuetze.

  15. @14 und 15 Anita
    „Daten merken“ aktivieren? Falls Du nicht ständig Deinen Browser-Cache leerst, sollte das das Unterzeichnen erleichtern 🙂

    Ich wollte Dich nicht überreden, hatte Deinen Post nur so verstanden, dass Du Dir nicht sicher bist, ob Du einen Erkenntnisgewinn aus der Ausstellung ziehen könntest. Könntest Du, war meine Meinung.
    Aber Deine Haltung ist völlig ok – gelebte Demokratie – was ich nicht will mach ich nicht – und wenn das viele bei dem Thema so denken+machen, dann hat G.v.H. eben einfach irgendwann kein Publikum mehr. Oder ändert seine Zielgruppe oder entschliesst sich zu weniger extrovertierter Durchgeknalltheit.

  16. Ich war zwei Mal in der ersten „Körperwelten“-Ausstellung in Basel. Das erste Mal zusammen mit Studienkollegen; unter anderem war ein Medizinstudent dabei, der uns dann auch erklären konnte, was wir da genau sehen. War sehr interessant, muß ich zugeben. Natürlich blieben beim, hmm, „Explosionsmodell“ die Scherze nicht aus. Wir tauften die Leiche Derrida.

    Ein paar Tage später ging ich nochmals hin. Dieses Mal alleine, und ich habe mir nicht die Ausstellung angesehen, sondern [I]die Besucher.[/I] Das war ehrlich gesagt fast interessanter … Ich gebe diesem schicksalsschweren Tag die Mitschuld an meinem inhärenten Zynismus. Proteste hier, Proteste da, trotzdem Massen von Besuchern. Und was für Besucher! „Gott, ist das eklig! Der Mann ist ein Schwein!“ und dann gaaaanz genau hinschauen und auch keinen Bogen ums Horrorkabinet (der Raum mit den plastinierten Föten) machen.

    Damals dachte ich noch, daß von Hagens den Besuchern auf einer kulturkritischen Ebene genau das zeigen wollte. Sarkasmus. Als dann die nächste und übernächste Körperwelten-Ausstellung kam, revidierte ich meine Meinung. Er ist ein Schausteller, ein Geschäftsmann, und muß entsprechend immer neue „Thrills“ präsentieren, damit der Rubel weiterrollen kann.

    Das muß nicht per se schlecht sein. Aber jedem der Besucher sollte klar sein – den Leichensex gibt’s nur, damit die passenden Leute sich darüber aufregen, die Zeitungen darüber berichten und eventuell so mehr Leute für den Eintritt bezahlen. Persönlich finde ich es verwerflich, daß Körperspender in der Form eingesetzt werden, und entsprechend habe ich einen Schlußstrich unter von Hagens gezogen.

    Aber mein zweiter Ausstellungs-Besuch war wirklich interessant, und Ähnliches betreibe ich doch zwischendurch. „The Blair Witch Project“ war auch so ein Fall, wo es sich gelohnt hat …

  17. Man muss es aber auch mal so sehen. Die Leute fahren von überall herkommend hin, bezahlen Parkgebühren, bezahlen Eintritt, essen und trinken usw. auf alles wird MwSt erhoben und davon profitiert auch die Kirche nicht schlecht. Da find ich es weitaus schlimmer auf dem Petersplatz Eis an Pilger und glübige zu verkaufen, während der Papst im sterben liegt. Geht man hin unterstützt man diese Machenschaften. Ich muss mir das nicht anschauen.

  18. Ich hab damals die erste Ausstellung in Mannheim gesehen und war einfach nur fasziniert, den menschlichen Körper in seinen Einzelheiten sehen zu können. Einzig die toten Föten habe ich mir nur einen kurzen Moment lang ansehen können, das ging mir dann doch zu nahe. Alles in allem fand ich es damals rundum gelungen und keineswegs reißerisch.
    Was Herr von Hagen allerdings inzwischen aus der Ausstellung gemacht hat, hat wirklich was von diesen alten Jahrmärkten, auf denen Kleinwüchsige, Wolfsmenschen u.ä. ausgestellt wurden.
    Das hat in meinen Augen nichts mehr mit medizinischem Interesse, Wissenschaft oder Kunst zu tun, sondern ist zu einer geschmacklosen Freakshow verkommen.

  19. Ich hatte damals noch als recht junges Mädchen (ca 8 Jahre alt glaube ich) die Ausstellung in Mannheim gesehen, und das einzige was sich mir wirklich eingeprägt hat war der Vergleich Lunge – Raucherlunge. Ich hab in meinem Leben noch keine Zigarette angefasst. Ich hätte auch gerne die Ausstellung in Heidelberg gesehen, aber das Geld und die Wartezeiten haben mich abgeschreckt. Jetzt wo ich das Bild von dem Rentierschlitten gesehen hab denk ich mir dass ich vielleicht Glück hatte dass ich nicht dort war…

    Nun muss ich aber mal ein Argument für die Gegenseite einbringen. Es werden Menschen beim Sport gezeigt, bei verschiedenen Bewegungen – die Muskelpositionen, Stellung der Knochen usw ist sicherlich interessant. Geschlechtsverkehr gehört zum Leben vieler Menschen eher dazu als Speerwurf, und es ist mit Sicherheit von wissenschaftlichem Interesse wie sich die Muskeln dabei verschieben etc. Was ich an der Leichensex-Sache nun aber wirklich wirklich unmoralisch und unangebracht finde ist, dass das Menschen sind die sich (wie auch Tom schon geschrieben hat) ihr Leben lang nicht kannten; vielleicht war die Frau gläubig, überzeugte Jungfrau, vielleicht war er verheiratet, immer treu – und nun nehme man einmal an er ist relativ jung verstorben und hinterlässt Frau und Kinder, die ihn nun beim Geschlechtsverkehr mit einer anderen sehen?

    An sich finde ich die Sache schon in Ordnung; allerdings sollte man dafür noch einen Punkt in dem Formular, das man ausfüllt wenn man sich zur Plastination nach dem Tod bereitstellt, anfügen:

    Ich bin bereit unter Umständen in einer Geschlechtsverkehr suggerierenden Pose mit nicht vorher bestimmbarem „Partner“ dargestellt zu werden.

    [ ]Ja
    [ ]Nein

  20. Ich hab die Ausstellung vor etlichen Jahren in Berlin gesehen. Es war am Anfang interessant, Einblicke in den menschlichen Körper zu bekommen, die einem sonst verwehrt bleiben. Irgendwann waren es mir aber einfach zu viel Leichen auf einen Haufen, so ne Art Reizüberflutung. Zwei Dinge habe ich von dieser Ausstellung mitgenommen:
    1. Früher habe ich als nichtgläubiger Mensch immer gesagt, was mit mir nach meinem Tod passiert, interessiert mich nicht. Ich bin ja dann tot. Das denk ich jetzt nicht mehr. Als Ausstellungs-Plastinat würde ich nicht enden wollen (bzw. unsterblich werden)
    2. Woran ich mich am intensivsten erinnere ist das Gefühl, als ich abseits vom Besucherstrom und Getümmel eine kleine Tafel in einer Ecke entdeckte, auf der von Hagens sich bei den Körperspendern bedankte. Kaum jemand hat sie wahrgenommen. Vielleicht war das gewollt. Sie hat mich daran erinnert, dass alle „Ausstellungsstücke“ einmal lebende Menschen waren.

  21. Ich war im Juli auch in der Ausstellung „Der Zyklus des Lebens“ und für mich war es wirklich eine sehr interessante Erfahrung.

    Das Paar beim Geschlechtsverkehr fand ich persönlich nicht verwerflich, mich hat daran nur gestört, das sie so „albern“ kostümiert waren. Ich weiß nicht mehr genau, was die Plastinate anhatten, aber es hat mich schon gestört.
    Ansonsten fand ich auch die Darstellung des Liebesakts wirklich interessant und für mich absolut nicht verwerflich oder moralisch bedenklich.

  22. Ich gehe morgen in die Körperwelten. Die Ausstellung ist zur Zeit in Augsburg stationiert – nur eine Stunde Fahrt von hier. Bin schon gespannt, was mich erwartet.

  23. Ich habe noch keine dieser Ausstellungen gesehen und werde es wohl auch nicht. Ich halte das nicht für Wissenschaft und auch nicht für Kunst, sondern für den Versuch, mit Provokationen Geld zu machen – was ja auch gelingt. Nun schleift sich jede Provokation irgendwann ab (oder regt sich noch jemand über Marilyn Manson auf?), und da muss man dann halt nachlegen, wie mit der Sex-Darstellung. Ich denke, dass das eine gezielte Provokation ist, um wieder die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken. Man muss nicht jede Grenze überschreiten, nur weil sie da ist.

  24. Servus
    also ich muss ganz ehrlich sagen ich geh hin,weil es mich interessiert und weil Augsburg nur ne viertel Stunde weg ist.
    Diese Diskussion um Von Hagen und seine Plastinate finde teilweise echt übertrieben.
    Ich sag mal wer sich das anschauen möchte soll das tun,und wer da zu Katholisch erzogen wurde soll es sein lassen. Und Unser OB von Augsburg ist sowieso ne Flachpfeife und soll sich leiber um Sachen kümmern die in Augsburg wichtiger sind.
    Und glaubt mir da gibt es auch nicht gerade wenig!!!

  25. [quote=“Squirrel“]Was Herr von Hagen allerdings inzwischen aus der Ausstellung gemacht hat, hat wirklich was von diesen alten Jahrmärkten, auf denen Kleinwüchsige, Wolfsmenschen u.ä. ausgestellt wurden.
    Das hat in meinen Augen nichts mehr mit medizinischem Interesse, Wissenschaft oder Kunst zu tun, sondern ist zu einer geschmacklosen Freakshow verkommen. [/quote]
    Wobei die klassischen Freakshows den Betroffenen wenigstens eine familiäre Atmosphäre der Andersartigen geboten haben und eine gewisse Solidarität. (gemeinsam begafft zu werden, ist leichter zu ertragen)Oft waren die Freakshows die einzige Verdienstmöglichkeit für diese von der Mehrheit abweichenden Menschen.
    Was aber von Hagens macht, ist billige Effekthascherei zur Vermarktung seiner zweifelsfrei handwerklich hohen Konservierkunst. Selbst unter dem Aspekt, das Kunst Alles (?) darf, emfinde ich seine Objekte als respektlos gegenüber den Körperspender, ekelhaft billige Effekthascherei und Spiel mit dem Gruseln. Was ist da von wissenschaftlichen Interesse, wenn zwei Schachspieler ihre Muskeln zeigen? Ein sitzender Mensch hätte gereicht, so der Wissenschaft zu dienen. Selbst die Herkunft der Körper ist nicht unumstritten, ich zweifle, ob da wirklich alle freiwillig sich selbst gespendet haben oder doch einige Körper im Ausland eingekauft wurden.

  26. Ich möchte mir die Ausstellung in Augsburg noch anschauen, falls ich es zeitlich schaffe.

    Auf der einen Seite sind die Bearbeitungen der Körper, bzw die Posen, in denen sie gezeigt werden, sicherlich grenzwertig, im Sinne von „Ist das noch Kunst?“, oder „Darf Kunst wirklich alles?“. Auf der anderen Seite sind es für mich aber eben die Einblicke in den menschlichen Körper, die mich interessieren.

    Ich bin gespannt, was mich erwartet …

  27. Solange es bei den Katholiken noch den Reliquienkult gibt, finde ich deren Aufregung über diese Ausstellung etwas unglaubwürdig.

    Ansonsten sag ich dazu nur: Bleikeller.

  28. Wer die Leichen anschauen möchte, soll es machen. Ob Akt oder nicht-Akt ist egal. Von Hagens hat jetzt extra einen „Schwebenden Akt“ aus London einfliegen lassen. Auch diesen darf er nicht zeigen.

    Ich habe die Ausstellung angeschaut. Muss sie nicht nochmal sehen.

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