DIREKTKONTAKT

Lodernde Flammen -10-

Von

Am Abend sprach ich mit meiner Frau über das Erlebte. Es beschäftigte mich, wie unterschiedlich diese beiden Männer mit dem Andenken an ihre verstorbenen Frauen umgingen. Der eine warf alles weg, reinigte sozusagen sein ganzes Haus von oben bis unten von jedem Krümel, der an seine Frau erinnern konnte. Und der andere? Der richtete einen Gedenktempel für seine Frau ein und schaltete für die längst im Jenseits weilende Frau noch jeden Tag ihre Lieblingssendung ein.

Es ist nicht so, daß ich nicht beides schon so oder in ähnlicher Form erlebt oder gehört hatte, aber weil diese beiden Männer an einem Tag zu mir gekommen waren, verbanden sich die Ereignisse für mich in gewisser Weise. Mehr als sonst beschäftigte mich das. Und meine Frau verstand das, was alle Frauen in solchen Situationen verstehen, sie verstand es, mich auch noch zu nerven. „Wie würdest Du denn damit umgehen, wenn ich jetzt tot wäre?“

Ich hatte schon darüber nachgedacht und war zu keinem Ergebnis gekommen, weil ich mir das nicht vorstellen mochte. Und jetzt nervte sie auch noch, und die kann hartnäckig sein!
„Würdest Du meine Klamotten Deiner neuen Frau geben?“

Was soll Mann darauf antworten. Was Du sagst, es ist verkehrt…

Ich schüttelte die Gedanken ab, schaltete die Ohren auf Männerdurchzug und tat so, als würde mich der isländische Krimi im Fernsehen wahnsinnig interessieren.

Ich schlief schlecht in dieser Nacht. In meinen Träumen jagte mich die Allerliebste auf einem Besen reitend durch eine nicht enden wollende Zimmerflucht und jede Tür die ich aufstieß führte mich entweder in einen Raum voller Fotos meiner Frau oder in einen, in dessen Mitte ein Müllcontainer stand, in dem eine Schaufensterpuppe mit dem Aussehen meiner Frau lag.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie gerädert. Ich haßte es, wenn die Ereignisse rund um unsere Sterbefälle mich bis in den Schlaf verfolgten. Und dabei waren beide Fälle nicht einmal besonders dramatisch. Es war nur die Verknüpfung mit dem eigenen Tun, mit dem Tod eines nahen Angehörigen, der mir zu schaffen gemacht hatte.


Peter Wilhelm 1. März 2017

0 0 Stimmen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
3
0
Was sind Deine Gedanken dazu? Kommentiere bittex