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Protest gegen Hospiz

Huhu,

zwei Links für dich – es geht um ein geplantes Sterbehospiz in einem Hamburger Vorort. Einige Anwohner gehen dort inzwischen mit Anwälten gegen den geplanten Umbau des Gemeindezentrums vor. Die Befürchtungen reichen von „mein Haus ist dann viel weniger wert, weil keiner mehr in der Nähe von Todkranken leben möchte“ über „ich will diesen Anblick meinem Kind ersparen“ bis hin zu „ich hatte selbst Krebstote in der Familie, ich will mir das nicht nochmal antun“.

Als Lösungsvorschläge wurden da u.a. hohe Sichtschutzmauern vorgeschlagen.

Ganz ehrlich? Meine erste Reaktion war – Empörung. Wie kann man so engstirnig und gemein sein, die Leute sterben und brauchen doch einen Ort, wo sie in Würde und nicht hinter Mauern sterben können. Der Tod gehört zum Leben, das Leben zum Tod. Das eine ist nicht ohne das andere zu haben.

Und dann fing das nachdenken an: Moment mal…wie genau war das denn jetzt noch vor einiger Zeit bei DIR? Und ja, ich glaube, wäre ich nicht auf dein Bestatterweblog gestoßen, hätte ich möglicherweise nicht genauso aber ähnlich reagiert. Ein HOSPIIIIIIIIIIZ? Mit TOTEEEN? Die sollen mal schön in einer Ecke bleiben, über den Tod will ich nicht nachdenken, das will ich nicht, ich lebe doch.

Es ist dein Verdienst, dass sich das geändert hat. Hospize sind nicht schlimm. Und wenn ich demnächst mal umgezogen bin, gucke ich mal, ob ich ne ehrenamtliche Stelle in dem Hospiz der dortigen Stadt bekommen kann. Ich kann nicht pflegen. Aber ich kann DA sein.

http://www.spiegel.de….html

http://www.bild.de/regional/….bild.html

sorry für den Link zu bild.de. Ist normal nicht meine Art, aber war der zweite Link, den ich gefunden hab…. ;)


Liebe Grüsse

K

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Peter Wilhelm30. Mai 2012

30 Kommentare von 138905.

  1. Ab und an habe ich indirekt mit einem Hospizverein hier zu tun. und das ist schön und gut so. Das Leben hat nun mal Anfang und Ende. Und es ist schön wenn man in Würde, begleitet und einigermassen friedlich sterben kann.
    Man sollte die Anwohner dieses geplanten Hospizes fragen ob ihr Haus weniger werd sein wird wenn sie darin sterben – ihhh, Tote im Haus! Was werden die Erben dann sagen wenn sie so denken?
    Leben und Tod gehören zusammen. Und wir kommen beidem nicht aus. Sollte man nie vergessen.

  2. Der verdrängte Tod.
    Daher kommt es immer wieder in unserer ach so aufgeklärten („Leichengift“) Gesellschaft zu solchen lächerlichen Aktionen wie „kommen Sie bitte wenn es dunkel ist“ (um den Verstorbenen abzuholen, selbst erlebt)) und der in den Artikeln erwähnten Sichtschutzwand.
    P. S.: Heute stand ich mal wieder mit dem Spaten auf dem Feld und habe eine vor unserem Haus überfahrene Katze beerdigt, andere hätten sich dieses „Problems“ per Mülltonne entledigt, und, bevor jetzt hier einer/eine aufschreit: Hier ist kein Gewässerschutzgebiet, und der Menschenfriedhof ist 300 mtr. Luftlinie entfernt.
    Den Tod, den sehe ich offenen Auges jeden Tag. Manchmal winkt er rüber und sagt: „Glück gehabt.“
    B. A.

  3. @3: kenn ich leider auch. Lächerlich würde ich es nicht nennen. Eher traurig. Man sollte sich schon mit dem Tod auseinandersetzen, der holt ja schliesslich jeden früher oder später. Ob man will oder nicht.

  4. Ich bin ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospizdienst tätig. Da bekomme ich natürlich auch die ein oder andere Erzählung von den stationären Kinderhospizen mit. Als das in Olpe errichtet war kamen die Leute und versuchten irgendwie durch die Scheiben zu gucken um die sterbenden Kinder zu sehen.

    Will sagen, Tod weckt Neugierde und Ablehnung, er macht Ansgt und manchen gibt er Hoffnung. Krankheit und Tod möchten wir Menschen gerne von uns schieben und vielen gelingt es auch sich eine „heile Welt“ aufzubauen. Viele Menschen brauchen diese.
    Aus meiner Sicht sollte niemand gezwungen werden sich damit auseinanderzusetzen, wenn er das nicht wünscht.

    Ich halte es weder für richtig die Menschen die das Hospiz wollen zu verurteilen noch die Menschen zu verurteilen, die davor Angst haben.

    Die Menschen fürchte ja zu Recht. Wir sprechen hier nicht von einem Altenheim oder Krankenhaus.

    Dort werden Menschen leben die von ihrer Krankheit gezeichnet sind. Menschen, die noch längst nicht so weit sind zu sterben. Menschen, deren Leben doch gerade richtig angefangen hat. Das kann nicht jeder ertragen. Dabei ist das Problem oft nicht einmal ob die Menschen sich wirklich draußen „zeigen“, sondern das Wissen um einen Ort in unmittelbarer Nähe mit lebensverkürzenderkrankten Menschen.

    Mir wäre wichtig in den Dialog zu gehen. Herauszubekommen was sie fürchten (z.T. so banale Dinge wie Parkplatzmangel) und zu versuchen die Bürger vom Hospiz zu überzeugen.

    Ich möchte hier den Satz der Pastorin Lemke aus dem Spiegel Artikel zitieren:“Die Gemeindemitglieder müssen lernen, dass dieses Haus ein Ort des Lebens ist und kein Friedhof“

    @ Norbert: Widerlich sind einzig Leute mit Ansichten wie Du sie hast.
    Widerlich ist dümmliches Gutmenschentum, weil es Niemandem hilft.

  5. Es ist schon erst mal kein Haus voller Toter, sondern ein Haus voller lebender Menschen, auch wenn sie nicht mehr viel Zeit vor sich haben.
    Und die Angst der anderen, das ist die Angst vor dem eigenen Sterben, dem man dann begegnet, wenn man sich mit dem Sterben anderer auseinandersetzt.
    Und schon vor tausenden Jahren schrieb einer, „Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Weil unser keiner unsterblich ist; wir haben alle das Leben, diese Krankheit zum Tode.

  6. Mir war diese Hamburger Situation aus dem Netz bekannt und ich konnte den Protest nicht wirklich verstehen.Ich überlegte,wie ICH damit umgehen würde wenn ein Hospiz in meinem näheren Umfeld errichtet würde.ICH würde vermutlich als ehemalige Krankenschwester den einen oder anderen todgeweihten Menschen begleiten wollen und können.Der Tod gehört zum Leben dazu und das wissen wir unbewußt seit unserer Geburt.Akzeptieren wir es doch einfach.
    Wen es interssiert,hier ein Link:
    Die Seele im Kreislauf des Lebens und Sterbens DEUTSCH SYNCHRONISIERT
    http://www.youtube.com/watch?v=xaQ0Zp2btDk
    Es ist ein sehr guter Beitrag zum Veständnis, wie das alles so zusammenhängt
    Liebe Grüße

  7. Wenn bei der Informationsveranstaltung — wo häufig gerade kritische Anwohner auftauchen — tatsächlich 95 Prozent von mehr als 100 Teilnehmern für das Projekt gestimmt haben, klingt das erstmal nicht nach großem Widerstand. Auch im Spiegel-Artikel gibt es keine Hinweise auf großen Widerstand jenseits der zwei Anwohner, die sich einen Anwalt genommen haben. Auf eine denkbare Rechtsgrundlage, mit der das Hospiz verhindert werden könnte, geht der Artikel nicht einmal ein.

    Viel Lärm um Nichts, anscheinend ein aufgeblasener Artikel. Dabei gibt es — soweit man das auf Grundlage des SPON-Artikels beurteilen kann — gar keine wesentlichen Probleme. Und keinen Grund zur Aufregung.

  8. Also das erste Argument kann ich verstehen.Vorallem wenn man noch den Kredit abzuzahlen hat(Weniger Wert=Weniger Sicherheit=Höhere Raten|Kredit Kündigung).
    Das dritte auch. Stellt euch mal vor:Alle paar Wochen stirbt euch ein Nachbar weg…
    Klar Städter können das nicht so ganz verstehen aber Dörfler vertehen was ich meine…

  9. Nö, erolfr. Erstens mal sinkt ja der Immobilienwert nicht – hat die Maklerin klar und deutlich gesagt. Warum auch? Da wohnen 12 Leute; das gibt vielleicht 25 Autos am Tag, die kommen und gehen. Still und leise. Aber wirklich allerhöchstens. Bisher ist da ein Gemeindehaus. Weißt du, was an einem Gemeindehaus los ist? Ich schon, ich wohne neben einem, zwangsläufig. Mit Abendveranstaltungen, mit schnatternden, äh, na ja, Dörfler dürften auch da wissen, was gemeint ist.
    Was die „wegsterbenden Nachbarn“ angeht, das trifft die Dörfler auch nur dann und deshalb, wenn sie die Leute kannten. Da kennste aber auch nur die Oma, die den ganzen Tag vor der Haustür in der Sonne sitzt und Kartoffeln schält, und die Leute, die du beim Bäcker triffst. Den Opa, der seit Jahr und Tag nur noch vom Bett zum Sessel – und irgendwann nur noch vom Bett zum Bett, wie J.Brel so schön formulierte – den kennst du auch nicht, und da steht eines Tages das große anthrazitfarbene Auto mit den Palmwedeln, und du wunderst dich, daß da überhaupt jemand wohnte. Oder auch nicht, weil du jeden Tag dreimal das Auto der Diakoniestation vor der Tür gesehen hast.

    Tobias, wenn da kein nennenswerter Widerstand existiert, wie hat es das Thema dann auf SpOn geschafft?

  10. Naja, wenn Krebs schon ansteckend ist. Nein, leider kein Witz. Selbst erlebt. Unsere Selbsthilfegruppe hatte einen Stand bei einer Gesundheitsausstellung und es war eine grosse Dose Gummibärchen auf dem Tisch gestanden. Kam eine Frau vorbei und hat gefragt, ob sie eines nehmen darf. Sie steckt sich eines in den Mund und schaut dann, was so auf den Flyern steht. Wenn es der Anstand nicht verboten hätte, hätte sie das Gummibärchen auf der Stelle wieder ausgespuckt.

    Ist ein Hospiz wirklich nur für Krebskranke? Hier in der Stadt gibt es 2.

  11. Mo (5), leider zeigst Du keine wirklichen Lösungen auf (ich meine Lösungen, die sich in absehbarer Zeit realisieren lassen).
    Sicherlich ist Aufklärung verbunden mit dem zugehörigen Dialog wichtig, aber – offen gestanden – sind mir diese „St.-Florians-Jünger“ sowas von zuwider, dass mir jedes Mal beinahe die vergangene Mahlzeit aus dem Gesicht fallen würde (hätte ich da nicht so einen angeborenen Geiz).
    Jeder produziert Müll, verbraucht elektrische Energie
    .. und muss – so ist nun mal der Lauf unseres Daseins – sterben und gerade diesen letzten Weg in Würde zu bereiten, ist das nicht ein hehres und vor Allem christliches Ziel? (wobei ich andere Relogionen hier nicht ausschliessen will, ich versteh nur nicht genug davon)

  12. @Rena.
    Nein nur für alle Sterbenskranke welche ein sehr begrenztes Zeitfenster haben.
    Es gibt auch ausser Krebs, so sehr viele tötlich verlaufende Krankheiten das du sie nichjt alle kennen möchtest. das leben ist Quasi ein Slalomlauf durch stangen voller (Sorry) Arschkarten.
    Dummerweise sind jedoch Hospitzplätze in etwa so selten, wie gebührenfreie Parkplätze in der Innenstadt und entsprechend teuer. Bochum z.B. hat 17 (Hospitzplätze nicht Parkplätze).
    Aus diesem grund habe ich schon mehrfach mit dem Retungsdienst rückfahrten aus dem Hospitz machen müssen. Die Krankenkassen bewilligen nur einen gewissen Zeitrahmen in welchem man dann bitteschön zu sterben hat sonst raus.

  13. @K:
    Danke für die Links, ich komme zwar auch aus Hamburg, aber aus Winterhude und ich hatte von den Plänen in Harburg gar nichts mitbekommen.
    Lange kurze Rede, ich bin sprachlos und entsetzt :-)
    Mein Vater ist in einem Hospitz verstorben und ich weiß wie gut er dort betreuut wurde. Für mich / uns wäre das auf jeden Fall auch eine Alternative.
    Ich hoffe, die Bürger in Harburg scheitern in Harburg mit ihren Protesten!!!
    LG Mona

  14. @16 erolfr
    Ich vermute, die Anwohner möchten aus der Sache nur Geld herausschlagen. So ein Verhalten ist heute leider auch normal.

    Ich kenne das Dorfleben, allerdings sind die Menschen dort normalerweise viel bodenständiger und unaufgeregter. Die Leute auf dem Dorf kriegen das Leben der anderen doch viel intensiver mit, wissen „wer schon lange liegt“ und wenn abends die Totenglocken läuten, weiß man meist schon, wen es erwischt hat.

    Man sollte so ein Hospiz als Chance sehen, dass die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert wird und das dort die Sterbenskranken nicht einfach lange im Zimmer zu Hause liegen, bis es vorbei ist. Abgesehen davon, dass auf dem Land die Versorgung auch niemand mehr übernehmen kann. Das die Frau dort zuhause bleibt, ist auch selten.

    ______
    Rechtlich ist das Ding durch, stand irgendwo, also geht es „nur“ noch um den Aufstand. Und da ist das völlig egal, wie viele es sind, es kommt auf den Krach an, den sie machen.

    Ein Freund von mir hat mehrere Monate in einem Hospiz verbracht, fast ein Jahr. Er ist dorthin geflüchtet, weil alle in seiner Familie arbeiten mußten und er ihnen eine Last war. Das Hospiz befindet sich mitten in der Osnabrücker Stadt, in Nähe der Fußgängerzone, so dass man dort immer kurz rüberhuschen konnte. Ich bin dort regelmäßig versackt. :-) Vor meinem ersten Besuch war mir sehr mulmig zumute, aber dann bin ich sehr gerne hingegangen, weil die Stimmung dort sehr gut war. Die Leute wissen, worum es geht, aber auch der Sterbende ist eigentlich vorher noch recht lebendig und möchte auch nicht ständig über den Tod sprechen.

  15. Naja, wenn man den Spiegel Artikel durchliest dann schrumpfen die Heerscharen von Anwohnern sind ziemlich schnell zusammen:
    Zitat: „Zwei Anwohner haben einen Anwalt engagiert, um ihren Vorbehalten Nachdruck zu verleihen.“

  16. @Wolfram/#10:
    Komische Frage. Du tust so, als sei SPON eine Internetseite, auf die es nur relevanter und hochwertiger Inhalt schafft.

    Das Thema verkauft sich. Das noble Viertel (Vogelgezwitscher, Kinderschaukeln, BMWs, Alarmanlagen), vorgeblich christlich geprägt, tatsächlich aber alles andere als das … ein blinder sieht, dass der Artikel kaum Substanz hat. Einziger echter Aufhänger sind zwei Anwohner, die sich einen Anwalt genommen haben.

  17. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Angst um Parkplätze, Wertverlust des eigenen Hauses etc. als Argumente vorgeschoben sind.
    Das Nicht-sehen-wollen von Leichenwagen, die Angst vor „glatzköpfigen Todeskandidaten“, die Angst, sich evtl. mit der eigenen Sterblichkeit beschäftigen zu müssen, kommt schon eher hin.

    Ich habe vor kurzem mein altes Haus verkauft. Nebenan: Der Friedhof. Gegenüber: Kirche und Gemeindezentum.
    Keiner der Interessenten störte sich an Letzterem, obwohl ich stets auf viertelstündigen Glockenklang, allabendliche Kirch- und Gemeindeveranstaltungen, div. Gemeindefestchen mit entsprechender Autoparksituation etc. hinwies, um später nicht mit „Das hätten sie uns aber sagen müssen“ um Schadensersatz gebeten zu werden.
    Der FRIEDHOF war’s, der die meisten Leute abschreckte! Eine Interessentin fragte mich schnappatmend: „Sagen Sie mir eines, wie KONNTEN Sie HIER ihre KINDER großziehen!“ Nur eine einzige Familie hatte von Anfang an nichts gegen die Friedhofsnähe. Deren Schwiegervatter war allerdings – Bestatter.

  18. @20 Tobias
    Eine Zeitung sollte von Dingen berichten, die von Interesse sind und sich auch verkaufen. Das ist der Sinn einer Zeitung.

  19. Wir leben nun mal nicht in einer perfekten Welt.
    All die, die darüber motzen…. *Könnten* ebenso mal auf ein Hospitz angewiesen sein, die wären dann vielleicht froh über eine solche Einrichtung….

    Tja…. Sexulastraftäter… Sterbende…usw. das alles wollen die Menschen NICHT IN IHRER NÄHE!

    Traurig, aber wahr!

    Man könnte ein Buch über solche Themen schreiben….*

  20. @Smilla: Man kann sich über den Sinn einer Zeitung zwar streiten, aber jedenfalls habe ich nichts dagegen gesagt. Was ich schreibe, ist, dass ein Nicht-Thema aufgebauscht wird.

    Natürlich gibt es Widerstand, den gibt es bei jedem Projekt. Der ist aber, legt man den Artikel zugrunde, in diesem Fall außerordentlich gering.

  21. Das ruft Erinnerungen wach an ein Buch der Begründerin der Sterbeforschung Kübler-Ross. Die wollte in einem abgelegenen Gebiet der USA ein Zentrum für HIV kranke Kinder aufmachen. Mit Anschlägen auf das Haus und ihr Auto hat man es geschafft, dass zu verhindern.

    Dieser riesige Ausmaß an irrationaler Angst ist mir einfach unbegreiflich.

  22. Ich lese im Bestatterweblog bereits seit mehreren Jahren, habe aber noch nie einen Kommentar abgeben. Zu diesem Thema muss ich aber einfach meine Gedanken loswerden.
    Ich kann die Vorbehalte der Nachbarn bis zu einem gewissen Maß nachvollziehen, da in unserer Gesellschaft der Tod fast völlig ausgeklammert wird und ein Mensch meist nur noch selten mit dem Sterben in Berührung kommt. Worüber man nichts weiß, das ängstigt einen. Und man verdrängt noch lieber seine eigene Sterblichkeit. Mir ging es vor ein paar Jahren genauso, als meine krebskranke Mutter mit einer von Ärzten bescheinigten Rest-Lebenserwartung von höchstens zwei Wochen als austherapiert von der Palliativstatio n ins Hospiz unserer Stadt verlegt wurde. Ich kann mich noch gut an meine Gefühle erinnern, als ich zum ersten Mal die Schwelle zu diesem „Haus des Todes“ überschritt. Und was soll ich sagen: Meine Mutter hat ein halbes Jahr dort zugebracht und wir haben sie jeden Tag besucht, gehörten schon fast zum Inventar des Hauses. Wir haben dort viel Leid gesehen, aber auch so viel Positives erfahren, als man uns zuhörte, mit uns mitlitt, uns beriet, einfach da war.IEs waren Monate, für die ich heute noch sehr, sehr dankbar bin, denn sie haben mir die Angst vor dem Sterben genommen. Nicht zuletzt deshalb, weil meine Mutter nicht nur nicht in den ihr noch zugedachten 14 Tagen starb, sondern weil es ihr nach wochenlangem Auf und Ab irgendwann – erst unmerklich, dann merklich – besser ging. Sie lebt heute noch mit meinem Vater zuhause in ihrer Wohnung! Sie ist von den Hospizmitarbeitern so gut betreut worden, es fehlen mir die Worte, das alles zu beschreiben.
    Es ist doch so: Der Tod gehört zum Leben, und es ist gut, dass es solche Einrichtungen wie Hospize gibt, wo sich mitfühlende Menschen aufopferungsvoll um die Sterbenden kümmern. Und es wird dort nicht etwa nur getrauert. Nein, wir haben gesungen und gelacht, ein Sommerfest gefeiert, im Advent Plätzchen gebacken und und und… Wie schon geschrieben wurde: Im Hospiz wird auch gelebt, manche Gäste bringen sogar Jahre dort zu. Und man kann dort etwas erleben, was der Gesellschaft „draußen“ mehr und mehr verloren geht: Solidarität.
    Vielleicht sollten sich Nachbarn, die Vorbehalte hegen, mal ein Hospiz ansehen, sich dort umsehen und begreifen, dass dort keine Monster, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit genau denselben Freuden und Kümmernissen wie sie selbst leben – bis zu ihrem Tod oder bis sie entlassen werden können wie meine Mutter. Der Nimbus des Unheimlichen und Bedrohlichen wird nur durch Erleben und Erfahren vergehen.
    Und noch eins: Mein Mann und ich besitzen eine Eigentumswohnung und das Hospiz ist keine hundert Meter Luftlinie von uns entfernt. Ich habe nicht eine negative Äußerung unter unseren Nachbarn und Miteigentümern gehört und weiß auch nichts von einem Wertverlust unserer Immobilie. Insofern treffen die dahingehenden Befürchtungen der Nachbarn in Hamburg ebenfalls nicht zu.

  23. @ Mo: Erst einmal vielen Dank dafür, das mit so vielen tollen Menschen in der Hospizarbeit tätig bist.
    Meine Frau und ich sind vor vielen Jahren auf die Arbeit der Hospize gestoßen, als die Krankheit einer Kollegin meiner Frau immer schlimmer wurde und sie schließlich auch ihr Leben in einem Hospiz beendete. Im Nachhinein möchte ich sagen, dass sie ihr Ende in einem Hospiz beenden durfte. Die Krankheit hat dem Leben keine Chance mehr gegeben und ihr Tod war absolut unausweichlich. In dieser Situation war es ein großer Segen, dass sie die Möglichkeit hatte dort in Frieden und Würde aus dieser Welt zu scheiden.
    Mir ist es leider nicht möglich, selbst Hospizarbeit zu leisten. Ich könnte hier natürlich meine berufliche Einspannung nennen, die Tatsache mit dem Mangel an Zeit, dem ganzen Stress, den man immer hat, und, und, und, …
    Unsinn: Ich glaube, dass ich vor allem emotional (noch) nicht in der Lage bin.
    Meine Frau und ich versuchen deswegen diese wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft finanziell zu unterstützen.
    Ich habe auch schon mehrmals in der Presse, oder auch in meinem direkten Umfeld, diese irrationale Angst erlebt, die so viele haben, wenn das Sterben (der anderen) nicht brav weggeschlossen wird. Ängste, vor allem, wenn sie dergestalt irrational sind, du sie sich deswegen mit klaren Argumenten nicht verarbeiten lassen können, sind tief in der Menschheit verwurzelt und oftmals schon prinzipiell nicht erklärbar (Es gibt Menschen, die Angst davor haben durch eine Tür Zu gehen!).
    Auf die Menschen zu schimpfen, die mit solchen Dingen Probleme haben, bringt also nichts, außer bösem Blut und auf die Menschen zu schimpfen die aus der ganzen Sache Geld schlagen wollen bringt nichts, außer Kosten für Rechtsanwälte.
    Ich denke, dass auch dieses Problem (wenn es denn im konkreten Fall überhabt eins gibt) kann nur gelöst werden, wenn alle Beteiligten miteinander reden und die Scheuklappen dorthin tun, wo sie hingehören: In den Müll!
    Was die Nachteile für die Grundstückswerte angeht, sehe ich diese nicht. Letztlich ist ein Hospiz ein verbessern der lokalen Infrastruktur und dies meine ich ganz bestimmt nicht ironisch.

  24. Ich stell mir gerade vor, was wohl in den Koepfen der Anwohner vorgeht,die einen Sichtschutz wollen, wahrscheinlich sehen sie vor ihrem geistigen Auge wie sich im Garten des Hospiz verwesende Leichen stapeln und die Schmerzensschreie der Sterbenden durchs halbe Viertel hallen…
    Nein, ich kucke nicht zuviele Horrorfilme!

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