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Purrwinger

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Herr Purrwinger schnarrt mich beim Betreten seines Hauses an: „So, sie sind also der Mann von da. Setzen Sie sich!“

Ich nehme mal an, er will damit sagen, daß er nach dem Betrachten meiner Visitenkarte und dem Anhören meiner Vorstellung erkannt hat, daß ich vom Bestattungsinstitut komme und er mir nun einen Platz anbieten will.
Diese Platz besteht aber aus einem wohl mittelalterlichen Holzstuhl in der Eingangshalle seines Hauses. Ich komme gar nicht dazu, irgendetwas zu sagen, schon ist er hinter einer der zahlreichen Türen verschwunden.
So sitze ich also da und warte und habe Zeit mir alles anzuschauen und über das bisher Gehörte nachzudenken.
Das Haus derer von und zu und über Purrwingers liegt nicht einmal in einem besonders exklusiven Viertel der Stadt, dort aber am Ende einer kleinen Stichstraße (man achte darauf, welchen Unterschied in dem Wort Stichstraße ein simples ‚r‘ gemacht hätte!) umgeben von kleinen Einfamilienhäusern aus den fünfziger Jahren.
Die Villa Purrwinger ist groß, altehrfürchtig und sieht vom Baustil her aus, wie meine Grundschule früher ausgesehen hat, bevor irgendein, dem Wahn verfallener Architekt in den 70ern das schöne Gebäude aus der Kaiserzeit mit häßlichen babyblauen Fassadenplatten verschandelt hat.

Einen Vorgarten hat die Villa, größer als mein ganzes Grundstück, eine Treppe so breit, da könnte ich ein Gruppenfoto mit allen Blogleser machen lassen und eine Eingangstür, die wenigstens drei Meter hoch und mit beiden Flügeln auch so breit ist.
Ich schätze mal, das Haus hat 20 Zimmer, wobei ich mich da auch irren kann, denn allein in die Halle, in der ich jetzt wartend auf dem Stuhl sitze, könnte man eines der benachbarten Einfamilienhäuser hineinstellen.

Eine schwere Standuhr tickt irgendwo, es riecht nach Bohnerwachs und das Haus verströmt eine Atmosphäre, die zu leisem Sprechen und einer merkwürdigen Ehrfurcht verleitet.

Doch wie lange will man mich hier noch auf dem Stühlchen sitzen lassen?
„Hier spricht das Haus Purrwinger“, hatte es am Telefon geheißen und wir sollen bitte jemanden vorbeischicken, Frau Eleonore sei gestorben. Das sagte man so, als müsse jeder wissen, wer Frau Eleonore ist. Ich weiß es nicht und Frau Büser, die so etwas immer weiß, ist heute nicht da.

Über die Purrwingers weiß man nur, daß sie viel Geld haben, an den verschiedensten Unternehmen beteiligt sein sollen und alle Krisen der Republik und des vorangegangenen Kaiserreiches stets als kleines Fettauge oben auf der Suppe schwimmend überstanden haben.

Ein Mäzen und Förderer der Kunst sei der alte Purrwinger, so wird es immer wieder in der Zeitung berichtet und mehrfach schon habe er große Projekte, wie etwa den Bau eines Museums, den Ankauf von Gemälden für die Stadtgalerie und die Feier des Stadtfestes mit großzügigen Spenden unterstützt. Ich meine sogar einmal gehört zu haben, daß nach seinem Tod ein Platz oder eine Straße nach ihm benannt werden soll.
Geld scheinen die Purrwingers also zu haben, das kann ja auch einem kaufmännisch denkenden Bestatter nur recht sein, die müssen bestimmt nicht sparen.

Irgendwo im Haus klappert eine Tür, man hört Stimmen, aber es kommt niemand, die Stimmen verschwinden irgendwo, es geht wieder eine Tür. Nach endlos erscheinenden zwanzig Minuten geht oben eine Tür auf, das hört man nur, dann erscheint ein älterer Mann oben an der Brüstung der Empore, schaut zu mir herunter und sagt laut: „Sie sind das also.“
Im Haus Purrwinger scheint man sparsam mit Bezeichnungen zu sein. Ich nicke nur, sage meinen Namen und der Mann kommt über die breite Treppe herunter. Er trägt einen dunkelgrauen, offensichtlich maßgeschneiderten Anzug und streckt mir schon auf halber Treppe seine recht Hand zum Gruß hin: „Purrwinger!“ Ja glaubt der, meine Arme seien 30 Meter lang oder erwartet er, daß ich jetzt aufspringe, zu ihm eile und ihm von unten herauf die Hand schüttele?
Ja, das glaubt er offenbar nicht nur, davon geht es augenscheinlich fest aus, denn so etwa vier bis fünf Stufen vor dem Ende der Treppe bleibt er mit fragendem Gesichtsausdruck stehen.
Ich gehe zu ihm, gebe ihm die Hand und nanne nochmals meinen Namen.

„Dann kommen Sie mal“, fordert mich Herr Purrwinger auf und ich muß erkennen, daß der Mann der mir vorher die Tür geöffnet hat und der schon ehrfürchtiger aussah als der Papst, nur ein Bediensteter ist, denn der taucht jetzt aus dem Gang seitlich neben der Treppe auf, öffnet eine der Türen und Herr Purrwinger und ich treten ein.
Es könnte eine Filmkulisse sein, so pompös und altmodisch ist die Bibliothek der Purrwingers eingerichtet.

-Kein Cliffhanger, sondern ich muß verschiedene Sachen noch probieren. Es geht heute weiter-

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


13 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Mir gefällt die Wiederholung von Floskeln wie, „Sie sind da…“ Menschen in einem Haus pflegen gerne ähnliche Redensweisen.

  2. dito teil des textes den man noch nicht gelesen hat, verschwindet oben wenn man auf weiterlesen klickt

  3. Boah, aber ich finde es schön, dass die Schrift wennn man runterscrollt verschwindet, also im Bestatterwebloglogo. Das wirkt cool 🙂

  4. -Kein Cliffhanger, sondern ich muß verschiedene Sachen noch probieren. Es geht heute weiter

    Bitte, bitte mit einer Änderung beim Feed. Du wirst doch wirklich nicht das Problem von zuwenig Traffic haben und deshalb die Feedleser per „vollständig lesen“ auf die Seite zwingen müssen, oder?

  5. Problem: Beim Klick auf Weiterlesen verschwinden mehrere Zeilen im Bestatterweblog-Logo, so dass man doch wieder hochscrollen muss.

  6. Nehmt doch alle den Mozilla. Ich hab gar keine Probleme und wundere mich immer nur über die ganzen Fehlermeldungen.

  7. Ich finde die Schriftart nicht gut zu lesen – zu weiteres Letter-spacing. Liegt entweder an der font-size oder an der font-family.

  8. „…eine Treppe so breit, da könnte ich ein Gruppenfoto mit allen Blogleser machen lassen…“

    So ein Blog hatte ich auch mal… 😛

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