Eine Frage nach einem ganz besonderen Bestattungsfahrzeug stellt Leser Lars:
In einer Zeitschrift habe ich einen Citroën-Leichenwagen gesehen, ein wahnsinnig langes Teil, rot und mit einer Doppelachse hinten. Wozu die Doppelachse? Sind die für extra schwere Leichen, oder was? Bitte antworte mir, Du kennst Dich da doch aus. Wozu braucht man so lange Leichenwagen?
Wofür man die benötigt? Für nichts!
Du hast recht, man könnte auf den ersten Blick meinen, das seien besondere Bestattungsautos. Sind sie aber nicht.
Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um Spezialtransporter für den Pressevertrieb.
Gebaut wurden sie von der Firma des Konstrukteurs Pierre Tissier, der Anfang der 1960er-Jahre im französischen Villeneuve-le-Roi eine kleine, aber äußerst kreative Automobilwerkstatt gründete.
Damals wurden Zeitungen und Zeitschriften noch überwiegend mit vergleichsweise langsamen Lastwagen transportiert. Tissier kam jedoch auf die ebenso einfache wie geniale Idee, den leistungsstarken und komfortablen Citroën DS zunächst zu einem schnellen Autotransporter und später zu einem Lieferwagen – dem sogenannten „Fourgon“ – umzubauen.
Der Frontantrieb der DS und vor allem ihre legendäre hydropneumatische Federung machten den „Déesse“ zu einer außergewöhnlich stabilen und komfortablen Basis. Durch die flache Bauweise ließ sich der Laderaum leicht beladen, und es konnten über zwei Tonnen Fracht aufgenommen werden.
Für den Umbau wurde die Karosserie kurzerhand hinter den Vordertüren abgetrennt und ein neuer, verlängerter Laderaum mit zwei zusätzlichen Achsen und kleinen 13-Zoll-Rädern angesetzt.
Diese Fahrzeuge wurden unter anderem von der Firma Hollander SA France eingesetzt, einem Kurierdienst, der hauptsächlich Zeitungen in den Norden Europas transportierte. Für diesen Einsatzzweck erwiesen sich die Wagen als ideale Arbeitstiere, sodass man gleich mehrere Exemplare bestellte. Mit einer Länge von rund 6,5 Metern waren sie beeindruckend groß.
Vor allem nachts rasten diese Fahrzeuge von Paris aus über die Autobahnen nach Norden und lieferten mit einer Nutzlast von bis zu 2.000 Kilogramm enorme Mengen an Zeitungen in erstaunlich kurzer Zeit in verschiedene europäische Städte. Die sogenannten „Zeitungsbomber“ waren schneller, flexibler und oft sogar effizienter als der Transport per Flugzeug.
Die Fahrzeuge wogen beladen über vier Tonnen und hatten einen entsprechend hohen Kraftstoffverbrauch. Deshalb waren sie serienmäßig mit drei Tanks ausgestattet, die zusammen rund 280 Liter fassten – genug für eine komplette Tour.
Die Fahrer standen unter erheblichem Zeitdruck: Was am Nachmittag in Paris gedruckt wurde, musste so rechtzeitig an die Großhändler in Nordeuropa geliefert werden, dass die Zeitungen am nächsten Morgen druckfrisch in den Bahnhofsbuchhandlungen auslagen.
Entsprechend legendär war auch ihr Fahrstil. Die Fahrer galten als kompromisslos schnell, und es hieß damals nicht ohne Grund, diese Fahrzeuge seien schneller als ein Flugzeug.
So sahen diese Fahrzeuge aus (hier die modernere Version auf Basis des CX):

Tissier baute im Laufe der Zeit zahlreiche Spezialfahrzeuge. Besonders beliebt waren seine Plattformtransporter auf Basis des Citroën DS, die unter anderem in der Filmindustrie, bei Transportfirmen oder sogar für den Hubschraubertransport eingesetzt wurden. Auch Umbauten zu Ambulanzfahrzeugen existierten.
Von Bestattungsfahrzeugen auf dieser Basis ist mir persönlich nichts bekannt – wobei es durchaus sein kann, dass es vereinzelt Sonderanfertigungen gegeben hat.
Aber dafür kenne ich mich nicht genug aus, da wissen andere bestimmt besser Bescheid.
Für den klassischen Einsatz als Leichenwagen sind diese Fahrzeuge jedoch eher ungeeignet. Dagegen sprechen vor allem ihre enorme Länge und das Fehlen von Seitenfenstern, die landläufig als typisches Merkmal eines Bestattungswagens gelten.
https://camac.forumactif.fr/t3408p90-des-cx-tissier-bagageres
Diesen Artikel habe ich schon 2007 geschrieben. Heute rief mich aber ein Bestatterweblog-Leser an, der so ein Fahrzeug als Fracht auf einem Autotransporter gesehen hat. Deshalb stelle ich den Artikel nochmal nach oben.
©2007
Bildquellen:
- kamalo_800x500: Peter Wilhelm ARCHIV KI
- citroenlang_800x500: Peter Wilhelm Archiv

















Ja, warum hat eigentlich ein Bestattungswagen immer große Fenster, die dann sowieso mit Vorhängen/ Rollos verhangen sind? Wozu braucht man da hinten Fenster?
zwecks bildern von "leichen", d.h. also bestattungsfahrzeugen: leichenwagen.de ist immer wieder ein guter anlaufspunkt 😉
cu, w0lf.
Harold (der von "Harold and Maude") hätte sich sicher über dieses Auto gefreut 🙂
Übrigens wurde nicht nur der DS, sondern später auch der CX als Loadrunner mit Doppelachsen gebaut. Zwei dieser Fahrzeuge waren m. W. jahrelang unterwegs, um jeweils Akten zwischen den beiden Sitzungsstandorten des Europäischen Parlaments hin und her zu fahren. Ob der CX in dieser Form als Bestattungswagen genutzt wurde, weiß ich allerdings nicht.
Ich habe frueher mehrere CX Break (Kombi) gefahren. Bei meinem Citroen-Haendler fand ich eines Tages einen dunkelblauen CX Break, innen dunkelblau, ohne Ruecksitze, mit grauen hinteren Scheiben.
Der Haendler sagte, er koenne die Scheiben austauschen und hinten Sitze einbauen.
Ich habe mich dann nicht weiter fuer das Auto interessiert. Er roch naemlich auch etwas, sagen wir mal, undefinierbar.
Das war doch wohl nicht urspruenglich…? Kann ja eigentlich nicht.
Obwohl, Platz war ja reichlich vorhanden.
Hallo,
wir haben im Jahr 2004 einen roten Citroen CX Bestattungswagen
gekauft, der Wagen war 1984 durch die Firma Rappold umgebaut worden.
Kompromisslos schnell? Da hat die KI unbemerkt wohl die Auflösung für so manchen Geisterfahrer geliefert 🙂
2007 war die KI halt noch nicht so weit…
Die Fahrzeuge an sich waren- für einen schweren Transporter- schnell, den Rest besorgten die Fahrer, die alle „den Nagel recht tief im Kopf sitzen hatten“, der Legende nach.
Das Geschäftsmodell mit den druckfrischen Tageszeitungen lief super primär bis 1976(?), als Belgien ein allgemeines Tempolimit einführte und andere Länger nachzogen. Es gab wohl auch einige tödliche Unfälle, bei Vollbremsungen, spätestens Aufprall konnte die Bordwand wohl nicht mehr zuverlässig Fahrer und Ladung auseinanderhalten…
Aus heutiger Sicht ist das alles wahnsinnig. Einen vier Tonnen schweren CX (oder schlimmer, eine DS) von 160-170 (der Legende nach sogar mehr) vollzubremsen, das möchte ich nicht versuchen. Oder schnelle Manöver. Oder…
Ich habe in meiner Kindheit die Fahrzeuge auch noch in DA regelmäßig gesehen, Darmstadt galt damals noch als eine „Stadt der Druckereien“, es gibt immer noch das (nur noch so genannte) Verlagsviertel.
In Essen, wo ich damals lebte, gab es die Druckerei Giradet, die allerlei Sachen auch für den int. Markt druckten. Deshalb flogen die Bomber auch oft bei uns auf den Autobahnen herum.
Sie sahen bei weitem nicht so schön aus, wie auf den Bildern. Aus der Nähe betrachtet, wirkte die Karosserie schon ziemlich mit der heißen Lötlampe zusammengefriemelt.
Und? Hatten die Citroens damals nicht noch nicht einmal richtige Bremspedale, sondern diese Bremspilze mit teilweise unvorhersehbarer Wirkung?
Tempo: Spielt ja keine Rolle, ob 150 oder 180. Damals waren noch andere Verkehrsverhältnisse und viele Autos konnten gar nicht mehr als 130 bis 160. Wenn da ein Mann mit halbgeschlossenen Augen, einer Filterlosen im Mundwinkel stur mit Vollgas links fuhr, war das wie ein Tieffliegerangriff.
Bordwand: Und genau deshalb ist eines der Merkmale eines richtigen Bestattungskraftwagens die absolut durchschlagfeste Trennwand zwischen Lade- und Fahrerraum.
Ausländische Leichenwagen haben das oft nicht, weshalb sie ganz anders gestaltet werden können. Hauptproblem ist bei uns ja oft, dass durch die Ladewand vorne die Sitze nicht weit genug zurückgefahren werden können und so große Leute wie ich immer mit den Knien an den Ohren fahren müssen.
Peter, war das Zustimmung oder Widerspruch? 🙂
Du hast recht, dass signifikant weniger Verkehr auf den Autobahnen war. Die Autobahnen waren aber auch signifikant schlechter und es waren noch so viele aus heutiger Sicht lahme Fahrzeuge (Ente, R4, Käfer, Peugeot 104- alle unter 40PS und kamen teils nur knapp über 100…). Ich erinnere mich da mal an die A5 zwischen DA und HD zB, mit diesen ~8m-Betonplatten… *bedonk* *bedonk* *bedonk*
Und WENN du wirklich mal bremsen musstest, war das Problem halt da. Ich glaube, der CX hatte „normale“ Pedale. Die Deesse (incl. dem Hype) war vor meiner Zeit- ich empfand die immer nur als „alt und komisch“.
Die CXe mit dem 125PS-Turbodiesel waren wohl schnell, mit genug Anlauf. Wie schnell… Da reden einige von Geschwindigkeiten, die schon die vierrädrige Serie nicht hergab, aber 160 gingen wahrscheinlich, den Berg runter mehr…
„Tieffliegerangriff“ ist spätesten bei 150+ mit diesen schweren Dingern sicher für viele Verkehrsteilnehmer ein passender Ausdruck gewesen.
Zustimmung. Wo siehst Du den Widerspruch? Nee, ich bin da ganz bei Dir, wie man heute so sagt.
Ja, der CX hatte normale Pedale. Ich hatte mal einen in der Familiale-Ausführung. Ein Schlachtschiff!
https://dreibeinblog.de/citroen-cx-break-familiale-und-die-diravi-lenkung/
Aber meine Erinnerungen beziehen sich auch eher auf die DS-Ausführungen der Zeitschriftenbomber.
Das von Dir beschriebene Autobahnstück kenne ich nur zu gut. Ich wohne ja da.
Was die lahmen Autos anbetrifft: Manche Ente durfte nur gerade so auf die Autobahn. Frühe Enten schafften nämlich nur laut Fahrzeugpapieren 60 km/h.
Ich hatte einen Polo 1. Der sollte 135 können, schaffte aber immer nur max. 120.
Da hat uns mal ein Pritschenwagen fast zu Tode gejagt. Ernsthaft.
https://dreibeinblog.de/mein-vw-polo/
Heute können ja selbst Kleinwagen mit beeindruckenden Höchstgeschwindigkeiten aufwarten. Aber wenn Du damals mit einem Käfer oder Kadett am Überholen warst und dann von hinten so ein Zeitschriftenbomber ankam…
Hallo Nobody,
den Komentar verstehe ich nicht?
Ich nehme an, er bezieht sich auf das Bild, auf dem es so aussieht, als fahre der Wagen auf der Gegenfahrbahn.
Hab den Hintergrund noch etwas unschärfer gemacht.