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Schimmel -VII-

Ich habe auch einen Anwalt und der sieht das natürlich alles ganz anders. Er schreibt dem Vermieteranwalt einen gepfefferten Brief, gibt mir die Nummer von einem anderen Gutachter und der kommt schon drei Tage später.
Anders als Professor Bömmel baut ‚mein‘ Gutachter einen Laptop auf, bohrt viele kleine Löcher in die feuchte Wand und steckt ganz viele Sensoren hinein, die er alle verkabelt.
Die Wand sieht ein bißchen aus, wie der Kabelsteckplatz in der früheren Fernvermittlung der Reichskanzlei.

Unser Gutachter kommt zu dem Ergebnis, daß die Feuchtigkeit stinkt.
Okay, soviel haben wir auch schon gewußt. Aber er weiß auch noch, daß die aus der Wand sickernde Flüssigkeit schon bis ins Mauerwerk des Fundamentes vorgedrungen ist und eindeutig von hinten oben komme.

Hinten oben?

Ja, von oben, wo der Rentner wohnt und zwar quasi von der Außenwand des Hauses nach innen.
Keinesfalls hätten wir etwas mit dem Schimmel zu tun.

Ob er das denn vielleicht denen da oben auch mal sagen könnte, frage ich und der Mann ist so nett und geht, mit einem wichtig aussehenden Messgerät bewaffnet, nach oben. Er trifft den Opa und vom jungen Pärchen die Frau an.
Jetzt sind die wieder meine Freunde.

Davon kann ich mir aber nichts kaufen, denn eigentlich ist es mir fast egal, ob die Mieter in solchen Häusern meine Freunde sind. Meistens sind sie es nämlich nicht und im Laufe meines Berufslebens habe ich da schon so manchen Ärger gehabt.
Es gibt halt viele, die kein Bestattungsinstitut in ihrem Haus haben wollen, selbst wenn da keine Leichen bewegt werden.

Mein Anwalt ruft mich nächstentags an und triumphiert. Das sei doch mal ein bombensicheres Gutachten, damit können wir jetzt vor Gericht bestehen.

Ach du Scheiße, Gericht! Auf so etwas habe ich nun überhaupt keine Lust. Wahrscheinlich bin ich schon in Rente, bevor der Fall überhaupt verhandelt wird; und ob man da dann Recht bekommt? Wie sagt man so schön: Vor Gericht und auf hoher See bist Du in Gottes Hand.

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Peter Wilhelm1. Juni 2012

7 Kommentare von 138905.

  1. Wie ich schon befürchtet hatte… Gutachten – Gegengutachten – Gegengegengutachten – Gutachtergutachten….

    Aber vielleicht ist dein Anwalt ja geschickt genug den Vermieter gleich da zu treffen, wo es wirkt und ihn zu überreden das vielleicht mal seiner Gebäudeversicherung zu melden?

    Hat dein Gutachter denn nun festgestellt, was genau die Ursache ist? Und ich würde ja sagen, du kannst dich von den Kosten für die Erstellung des Gutachtens schon einmal verabschieden. Aber ich lasse mich gern überraschen.

    LG
    Joe

  2. Stimmt, die Kosten für ein Gegengutachten hat die Gegenpartei seltenst zu übernehmen, schließlich baust du darauf, damit deren Gutachten zu demontieren.

    Für mich hört sich das nach einer morschen Aussendämmung an, durch die das Wasser aus der nicht geputzten Regenrinne nach innen sickert. Oder der Metallbauer hat die neue Dämmung mit den Haltern für die Regenrinne gründlich ruiniert. Da kann’s dann schon mal übel nach Fäulnis etc. riechen.

  3. Im Nachhinein ist klug Reden…

    Aber mal angenommen, Tom hätte auf die Filiale verzichten können und eine kurze Kündigungsfrist gehabt…

    Manni hätte, bevor er alles rausgerissen hatte, irgendeinen Spachtelputz drübergezogen, Rauhfaser drüber, hübsch gestrichen, Kündigung, zwei Tage später im Übergabeprotokoll im Beisein guter Zeugen die Mängelfreiheit bestätigen lassen und nix wie weg.

    Naja, hinterher klug daherreden kann jeder, aber für das nächste mal vielleicht eine Option. Allerdings nicht für privat, eine schöne Wohnung ist schließlich etwas wert und privat mal so fix umziehen ist ja auch nicht das Wahre.

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