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So darf es beim Bestatter nicht laufen

6. März 2018

Der Vater ist gestorben.
Frau Mehrmann geht zum Bestatter in ihrer Stadt. Es gibt zwei Bestatter vor Ort, aber sie geht zum ersten Haus am Platze, seit drei Generationen in Familienbesitz.

Der Verstorbene war Vertriebener, ist oft umgezogen und hatte nur zuletzt an seinem Sterbeort so etwas wie eine Heimat gefunden.
So ist es Frau Mehrmann wichtig, dass ihr Vater einen schönen Ruheplatz findet, der ihm eine letzte, ewige Heimstatt sein kann.

Im Bestattungshaus trifft sie auf einen jungen Mann, der sich als Bestattungsberater vorstellt.
Der schlaksige Kerl steckt in einem Anzug, in dem er wirkt, als habe Mutti ihn mit Papas altem Ausgehanzug fein gemacht.
Nach jedem zweiten Wort muß er seine Brille wieder auf der Nase nach oben schieben.

Frau Mehrmann teilt ihm die Wünsche der Familie mit. Eine einfache Feuerbestattung, einfachster Sarg, günstigste Wäsche, kein weiterer Aufwand und dann schöne Trauerfeier mit der Urne. Und die Urne soll dann im Friedenshain an einem Baum bestattet werden.

Der junge Mann rechnet, notiert sich den Auftrag in winzigen Buchstaben und klitzekleinen kugelrunden Zahlen.
‚Der schreibt nicht viel mit der Hand‘, denkt Frau Mehrmann, als sie sieht, wie ungelenk er sich anstellt.

„Die Erledigungen bei den Behörden mache ich selbst und die Termine mit dem Pfarrer, der Trauerhalle und dem Friedenshain mache ich auch selbst“, sagt sie selbstbewußt. Als erfahrene Kauffrau weiß sie, wie man einen Preis etwas drücken kann und welche Arbeiten sie gut selbst übernehmen kann.

Da muß er aber erst mit dem Chef sprechen, meint der junge Mann und verschwindet zum ersten Mal im Chefbüro.
Kurze Zeit später nickt er das ab und meint: „Wir kommen Ihnen dann etwas am Preis entgegen.“

4.800 Euro schreibt er ingesamt auf, was Frau Mehrmann für diese einfache Bestattung doch sehr hoch erscheint.

„Ja, wir haben eine Pauschale von 1.475,- Euro für die komplette Betreuung inklusive Beratung, Behörden, Einbettung des Verstorbenen und allem Drum und Dran.“

Was denn das Drum und Dran wäre, mag Frau Mehrmann wissen. Abermals muß der Berater seinen Chef fragen.
Ja, das sei eine Pauschale.

„Wofür ist denn diese Pauschale im Einzelnen? Ich meine, ich will ja einiges selbst übernehmen, da muss ja von der Pauschale was runtergehen“, beharrt die Kundin.

Wieder geht der junge Mann zu seinem Chef und kommt mit einem Preisvorschlag wieder: „4.200 Euro.“

„Das ist aber viel. Wir möchten ja den günstigsten Sarg, nichts Gehobenes. Wie kommt denn dieser hohe Preis zustande?“

Abermals geht der Berater ins Chefbüro und von dort hört Frau Mehrmann: „Also gut, 3.800 Euro, aber nur wenn Sie jetzt sofort unterschreiben!“

Frau Mehrmann hat also 1.000 Euro Preisnachlass herausgeschlagen, aber immer noch keine Antworten auf ihre Fragen bekommen.
Da ihre ebenfalls anwesende Schwester das alles peinlich findet und jetzt allmählich zum Abschluß kommen will, unterzeichnet Frau Mehrmann den Bestattungsauftrag.

So weit, so gut.

Drei Tage später trudelt schon die Rechnung des Bestatters ein. Da ist der verstorbene Vater noch nicht mal beerdigt.
Familie Mehrmann empfindet das als Pietätlosigkeit.

Die Rechnung beläuft sich auf die vereinbarten 3.800 Euro. Allerdings enthält sie bei den durchlaufenden Posten eine „Kremierungsgebühr 550 Euro“.
Frau Mehrmann ruft im Bestattungshaus an und bittet um Überlassung der Originalrechnung oder wenigstens einer Kopie.
Durchlaufende Posten sind ja Gebühren und Rechnungen, die der Bestatter nur auslegt und dann 1:1 von den Angehörigen zurückverlangt. Mit Recht.

Nur windet sich in diesem Fall der Bestatter. Das könne er nicht machen. Diese Gebühr werde ihm immer als Sammelliste mit mehreren Verstorbenen in größeren Abständen berechnet. Eine Einzelrechnung gebe es da nie.
Das mag Frau Mehrmann nicht glauben: „Das ist doch eine Gebühr und dafür muß es einen Gebührenbescheid geben.“

Ja, das sei so eine Sache, eine richtige Gebühr sei das nicht, denn das sei ja kein kommunales Krematorium. Das sei mehr so eine normale Rechnung.
Also ruft Frau Mehrmann beim Krematorium an und fragt nach dem Preis: 440 Euro.

„Wieso ist denn die Rechnung über 440 Euro bei Ihnen auf einmal 110 Euro teurer?“, möchte die Frau jetzt vom Bestatter wissen.

Das sei so, erklärt der Bestatter ziemlich genervt, weil in dieser Rechnungsposition noch seine Arbeit, nämlich das Anliefern und An- und Auskleiden des Verstorbenen enthalten sei.

„Ja, aber dann ist das doch keine durchlaufende Rechnungsposition, sondern eine Bestatterdienstleistung. Sie kaufen dann quasi die Kremierung für 440 Euro ein, veredeln diese Dienstleistung durch eigene Tätigkeiten und verkaufen sie mir teurer weiter. Ist das richtig so?“

Der Bestatter legt auf.
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Peter Wilhelm6. März 2018

5 Kommentare von 139979.

  1. Bei so viel Bereitschaft, sich selbst zu informieren und soviel Hornochsen-Dumm-Dreistigkeit auf Seiten des Bestatters wäre ich schon beim Beratungsgespräch kommentarlos aufgestanden, hätte mich verabschiedet und wäre gegangen… und wäre auf Nachfrage SEHR ausführlich geworden… SEHR ausführlich.

  2. Ich verstehe die Aussage des Textes leider nicht? Ich meine, wenn die Frau die billigste Lösung haben will, und sich so gut auskennt, soll sie doch am besten das Begräbnis / Transport zum Krematorium etc. mit allem drum und dran selber durchführen?

    Ok, deshalb hat wohl der Bestatter am Ende aufgelegt, da es ihm egal war, ob die Kundin wiederkommt.

    Etwas verwirrt gerade …

    • @Thomas Müller: Man kann den Trasnport eines Verstorbenen nicht selbst durchführen.

      Daran scheitern die Do-it-yourself-Bemühungen schon einmal.

      In diesem Fall, das habe ich nicht deutlich genug herausgestellt, war noch eine Schwester mit beim Beratungsgespräch dabei. Der war schon die Frage nach dem Preis peinlich. Sie wiegelte immer wieder ab und hätte sofort alles unterschrieben.
      Das machte die Angelegenheit für die Verhandlungsführerin auch nicht gerade einfacher.

  3. Wenn ich als Unternehmer einen Mitarbeiter in diesem hoch sensiblen Bereich der Gesprächsführung mit den Hinterbliebenen einsetze, sollte der auch gut vorbereitet sein.
    Es muss diesem Bestatter doch peinlich sein, das der Mitarbeiter ständig das Gespräch unterbrechen muss, um nach zu fragen!

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