Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Tatöwierung

Von

Ich habe erst mal schlucken müssen, als der Sohn eines Verstorbenen heute Nachmittag eine Bitte äußerte.

„Mein Vater ist am rechten Arm und am Rücken tätowiert. Können wir die Tätowierungen haben?“

Mir fielen sogleich einige Parallelen ein, die ich jetzt gar nicht weiter ausbreiten möchte, weil sich sonst wieder einige Gutmenschen über politisch nicht korrekte Vergleiche aufregen werden. Aber was kann der meinen? Wir können dem Toten doch nicht die Haut abziehen?
Deshalb frage ich vorsichtig nach: „Und wie stellen Sie sich das vor?“

Die Antwort und Lösung erleichterte mich: „Na, Fotos machen, odda?“

Ja, das machen wir!

PDF erzeugen
Peter Wilhelm 28. Mai 2012


17 Kommentare von 141327.

  1. Ehrlich gesagt habe ich auch eine Weile überlegt, ob es irgendwie ginge, für später meine Tätowierungen aufzubewahren (will also heißen, ich wäre damit einverstanden, sie "abnehmen" zu lassen).

    Leider ist das aber verboten, oder, Tom?

    Alternativ lasse ich zu Lebzeiten eine Zeichnung der Motive machen, zum rahmen lassen.

  2. Mich würde das auch interessieren. Nicht dass ich irgendwelche Tätowierungen hätte, aber wäre es rein theoretisch irgendwie rechtlich überhaupt möglich, Teile der Haut eines Verstorbenen zu Leder zu verarbeiten, beispielsweise weil sich darauf eben eine für den Verstorbenen besonders bedeutsame Tätowierung befindet? Und darüberhinaus, würdest Du jemanden kennen (Arzt? Gerber?), der sich dazu bereiterklären würde?

  3. Naja, aber wenn die Tätowierung für den Verstorbenen bedeutsam war, dann is es doch gerade schön, damit beerdigt zu werden. Geht zumindest mir so.

  4. da klingt doch schon wieder die Schere durch…

    Aber denk dran:

    "Ich bin nur dafür verantwortlich was ich sage – nicht dafür was Du denkst"

    Mach weiter so!

  5. Ich empfehle da auch noch einen Klassiker:

    Eine subtile Kurzgeschichte von Roald Dahl, die viel Raum für allerhand düstere Gedanken lässt: "Haut", erschienen in "und noch ein Küßchen"

  6. Ich persönlich habe auch an Roald Dahl gedacht :-)

    Körperwelten kenne, Herrn v. Hagens auch. Zur Person und zum Verfahren habe ich eine positive Einstellung.

    Hautstücke einfach abmachen geht leider nicht. Da müsste mal ein Anwalt was dazu schreiben. M.W. ist es nicht erlaubt.

    Ein Gerber sagte aber mal zu mir, daß nach dem Gerben und Aufbereiten von den Tätowierungen sowieso nicht mehr viel zu sehen sei.

  7. Das mit dem Hautabziehen funktioniert tatsächlich. Deutsche KZ Ärzte haben den Inhaftierten die Haut abgezogen und zu Lampenschirmen verarbeiten lassen. Völlig Krank!

  8. Mir wurde auch einen Moment lang komisch beim Lesen und die Fotos haben mich erleichtert :)

    Aber, was ich wichtig finde, Tom: du solltest dich nicht wegen Bedenken über Kommentare davon abhalten lassen, so zu schreiben, wie es dir in den Sinn kommt. Das hier ist DEIN Blog. Dein virtuelles Wohnzimmer und hier hast DU das Sagen. Wenn bei Lesern Filme in den Köpfen ablaufen, die ihnen Unbehagen bereiten, ist das deren Sache, nicht deine. Also, lass deiner Schreiblust freien Lauf und zensiere dich nicht.

    An die Lampenschirme habe ich ebenso wie du und Volker auch als erstes gedacht. Und? Ist mein Film in meinem Kopf, da ist niemand anders verantwortlich dafür.

  9. @Franzi

    Danke für den Lesetipp. Ich habe das schon arg vergilbte Buch gestern Abend gleich aus dem Regal genommen und "Haut" gelesen. Die schaurige Geschichte kam mir (nach über 20 Jahren) vollkommen unbekannt vor. Jetzt liegen Roald Dahls Küsschen-Bücher auf meinem Nachttisch. Die Bettlektüre für die nächsten Tage ist gesichert.

    Ein Glück, dass die Kundschaft hier nur Fotos haben will. Aber vermutlich stammen die väterlichen Tätowierungen auch nicht von einem berühmten Kunstmaler. Denn wenn die Haut zu wertvoll wird, könnte tatsächlich jemand Gefallen daran finden.

    Manche Leute verfügen doch testamentarisch, dass ihr Körper nach ihrem Tode der Wissenschaft vermacht wird, zu Forschungs- und Ausbildungszwecken. Ob schon mal ein Tätowierter seine Haut dem Museum vermacht hat? Zu Ausstellungszwecken. Gruselige Vorstellung: Papi hängt im Louvre, neben der Mona Lisa.

  10. Vielleicht war der Verstorbene von Beruf Pirat und hat sich die Karte, die zum Schat.. äh.. Erbe führt, traditionsgemäß eintätowieren lassen ;)

  11. Das erinnert mich an einen Film mit Louis de Funes in dem er einem Kerl seine Rückentattoowierung abkaufen wollte. Die war von irgendsoneinem Künstler oder sowas und unbezahlbar.

    Am Ende lief es darauf hinaus das Louis dem Kerl eine Burg renovierte und auch mit ihm dort wohnte wo er dann morgens zum Appel stehen musste und…. keine Ahnung. Aber war ein toller film.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Nutzungsbedingungen | Trollhilfe | Kommentar fehlt? | So gehen Abstände! | Smileys