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Was ist ein Undertaker?

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Hi Tom,

ich weiss dass du in wirklichkeit nicht Tom heisst, sondern Peter Wilhelm, ich bleibe aber bei diesem namen, an den ich mich so gewöhnt habe. Undertaker Tom.
Man kennt den undertaker ja aus vielen western. Aber was ist ein undertaker eigentlich wirklich? Wie war denn das im wilden westen?

Heute findet man nur noch in ländlichen Gebieten der Vereinigten Staaten Unternehmen, die sich das Wort Undertaker auf ihr Firmenschild schreiben lassen. Auch Bestattungsunternehmen, die auf besondere Weise in historisierender Form auf sich aufmerksam machen wollen, bezeichnen sich heute noch als Undertaker. Das ist ähnlich, als wenn ein Bäcker, um sich von der Masse abzuheben, seinen Laden „Der Brotmacher“ nennt.
Ansonsten ist die Bezeichnung oft auch noch als Zusatz zum Firmennamen zu finden.

Heutzutage nennen sich Bestattungshäuser in den USA eher ‚Funeral Home‘ o.ä.

Der Begriff Undertaker kommt, wenn man ihn ursprünglich betrachtet, tatsächlich von der Tätigkeit des Unter-die-Erde-Bringens. Der Undertaker ist der, der die Leute unter die Erde bringt, also bestattet.
Das muß ich etwas näher erläutern, nachdem in einem Kommentar darauf eingegangen wurde.
Es gibt den Witz, daß ein Deutscher, der der englischen Sprache nicht besonders mächtig war, einen Brief an amerikanische Unternehmer schreiben sollte. Er übersetzte „Unter“ mit „under“ und „nehmen“ mit „to take“. Heraus kam dann „Dear Undertakers!“
Erst neulich erhielt ich eine Mail, in der mir ein amerikanischer Freund seine Urlaubsabwesenheit mitteilte. Darin fand sich der Satz. „Although we are undertaking a trip to Pakistan, keep in mind, that we know where we are traveling. Don’t worry, we’ll be back on August 11th for sure.“
Man sieht, das Wort „to undertake“ kann tatsächlich auch in dem Zusammenhang benutzt werden, wie es unserer wörtlichen Übersetzung entsprechen würde. Das ist mir natürlich bekannt und geläufig.
Jedoch hat diese Verwendung an Bedeutung verloren, seitdem man das Wort Undertaker für denjenigen verwendet, der die Leute unter die Erde bringt.
Etymologisch ist nicht erwiesen, wie es zu dieser Sinnverschiebung kam, ja es ist sogar fraglich, ob es überhaupt eine solche ist. Jedenfalls gibt es keinen Beleg dafür, daß das Wort Undertaker etwa ein Euphemismus ist, der das englische Wort für Leichenbestatter mit einem Tarnwort „Undertaker = Unternehmer“ verbrämen soll.
Die wahrscheinlichste Erklärung könnte sein, daß diese Berufsbezeichnung genau in der Zeit entstand, als sich Menschen aus beinahe allen Nationen dieser Welt in Amerika zur Besiedelung einfanden und sich über sprachliche Feinheiten, mangels entsprechender Kenntnisse, keine großen Gedanken machten. So wurde es mir mal von einem Dozenten für Anglistik für mich recht plausibel erklärt.

Es ist falsch, was man in vielen Laienportalen liest, daß der Undertaker nur der Totengräber war.
Da stimmt nur insofern, wenn man auch bei uns eher abschätzig bei einem Bestatter von einem Totengräber spricht.

Der Totengräber hat im Grunde genommen nur die Aufgabe, das Grab zu schaufeln und nach der Beerdigung wieder zu verschließen.
Natürlich gibt und gab es viele Totengräber, die vor allem früher, auch die übrigen Erledigungen, wie beispielsweise das Einsargen usw. übernahmen.
Andersherum gibt es auch heute noch viele Bestatter, die die Arbeit des Grabmachens mit ausführen.

Im klassischen Sinne, so wie der Undertaker im so genannten Wilden Westen, zu sehen ist, ist er derjenige, der die Verstorbenen vom Sterbeort abholt, aufbewahrt, den Sarg anfertigt und das Grab öffnet und verschließt.
Er kleidet die Verstorbenen, wäscht und balsamiert sie ggfs. ein. Große Formalitäten hatte der Undertaker des 18. und 19. Jahrhunderts in den USA nicht zu erledigen. Er führte ein Totenbuch, in dem er seine Sterbefälle verzeichnete und reichte den Totenschein des Arztes, wenn vorhanden, an die Obrigkeit weiter.

Anders, als es in Filmen und Comics dargestellt wird, war der Undertaker einer typischen Siedlerstadt nicht immer der dürre, verschrobene Mann mit schwarzem Anzug und Zylinder, sondern normalerweise ein Familienvater und Tischler oder Zimmermann, der dieses Gewerbe im Nebenberuf erledigte.

Erst mit dem Aufkommen größerer Städte und der damit verbundenen höheren Zahl von Sterbefällen, begannen sich Unternehmer auf das Bestattungsgewerbe zu spezialisieren.
Von den heute bekannten Funeral Homes mit eigenen Trauerkapellen und Einäscherungsmöglichkeiten war man aber noch weit entfernt, da die zumeist bibeltreuen Siedler und Pioniere sich zumeist Kirchen errichteten und der zuständige Pastor auch die eigentliche Zeremonie übernahm.

Friedhöfe wurden entweder nahe der Kirche oder außerhalb der Besiedelung angelegt. In der Regel waren kirchliche Friedhöfe, die quasi bei jedem sonntäglichen Gottesdienstbesuch in Augenweite lagen, besser gepflegt und hier waren auch die Gräber häufiger individuell geschmückt.
Bei den vor den Toren der Stadt liegenden Friedhöfen ist das Aufstellen eines Kreuzes oder Grabmals zur dauernden Kennzeichnung der Grabstätte bedeutsamer als die ständige Grabpflege.

Die amerikanische Einstellung, Gräber nicht als Mini-Schrebergarten ständig zu pflegen und auch nur für etwa 20 Jahre zu belegen, sondern auf Dauer nur durch einen Grabstein zu kennzeichnen, hat seine Wurzeln in der gleichen Einstellung, die auch dafür verantwortlich ist, daß man typischerweise auf Grabsteine den Beruf und etwaige Verwandtschaftsverhältnisse schreibt. Grabsteine mit Aufschriften wie „Henry Smith jr., Büchsenschmied, Sohn von Adam Smith, Ehemann von Vernica und Vater von Albert und Mary“ nebst den Lebensdaten sind keine Seltenheit.
Der Grund hierfür liegt in der Mobilität der Pioniere und Siedler, die sich entweder sowieso nur kurz an einem Ort aufhielten, um dann weiter zu ziehen, oder die ganze Städte quasi über Nacht aufgaben, weil ein Bergwerk keinen Ertrag mehr lieferte oder der so genannte Goldrausch vorbei war.
Die in der Zeit der Besiedlung verstorbenen Personen blieben auf den nun nicht mehr genutzten Friedhöfen zurück und die Grabinschriften sollten Nachfolgenden und späteren Generationen eine bessere Identifikation der Gräber ermöglichen.

Peter Wilhelm 27. Juni 2014


7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Der Begriff Undertaker kommt, wenn man ihn ursprünglich betrachtet, tatsächlich von der Tätigkeit des Unter-die-Erde-Bringens. Der Undertaker ist der, der die Leute unter die Erde bringt, also bestattet.“

    Das halte ich für ein Gerücht. Hast du dafür eine Quelle? Soweit mir bekannt ist, heißt „undertake“ prinzipiell „unternehmen“, „einen Auftrag übernehmen“, siehe etwa http://www.merriam-webster.com/dictionary/undertakes?show=0&t=1403789793 und https://en.wiktionary.org/wiki/undertake – „undertaker“ für Bestatter ist damit wohl ein Euphemismus bzw. eine Umschreibung.

  2. Und gib mal Undertaker mit „r“ ein und schaue dann mal auf die Ergebnisse. Von Undertake ohne „r“ war im Artikel nirgendwo die Rede.

  3. Mit „to undertake“ und „undertaker“ ist (glaube ich) BMW mal mit einer Werbekampagne für Motorräder auf den Bauch gefallen, weil sie es wörtlich übersetzt haben, dass BMWs „ideal for planned untertakings“ seien. Das kann eben auch Bestattung heißen, sollte hier aber natürlich eher als Unternehmung im Sinne von Ausflug, Ausfahrt gelesen werden – kam dann irgendwie nicht so gut an. Motorräder und Unfallgefahr und dann eine nicht so richtig treffende Übersetzung – dumm gelaufen.

  4. Ein Schüler fing mal einen übungsgeschäftsbrief mit „Dear Mr Untertaker“ an, was im Lehrerzimmer zu gewisser Erheiterung führte, denn er ging definitiv nicht an einen Bestatter… Sondern lediglich an einen Lieferanten, bei dem der Ansprechpartner unbekannt war…

  5. „To undertake“ hat nichts damit zu tun, dass der so Bezeichnete den Toten unter die Erde bringt, es handelt sich bei dieser Deutung um Volksetymologie. Tatsächlich ist der „undertaker“ eine euphemistische Bezeichnung des Totengräbers/Bestatters als „Unternehmer“ (auch hier: selbe Etymologie, aber niemand käme auf die Idee, damit im Deutschen einen Bestatter zu bezeichnen, obschon der natürlich Tote „nach unten nimmt“). Für den allgemeinen Unternehmer wird auf Englisch „entrepreneur“ verwendet: ein französisches Fremdwort mit derselben Bedeutung.

    Vgl. https://en.wiktionary.org/wiki/undertake

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