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Wenn der Sarg zu groß scheint…

Von

Lieber Peter, liebe Birgit!

Morgen wird meine Tante beerdigt, die das gesegnete Alter von 96 Jahren erreicht hat und nach zwei Wochen im Krankenhaus verstorben ist.

Sie war zu Lebzeiten zuletzt etwa 145 cm klein und ist jetzt in einem 180 cm Sarg aufgebahrt.

Ich kann meine Empfindung nicht richtig benennen.

Bitte nicht lachen: einen kleineren Sarg wie für Kinder / Jugendliche vorgesehen würde ich für so ein zierliches „Persönchen“ besser finden. Hat für mich etwas mit Geborgenheit zu tun… ???

Das noch Merkwürdigere ist eigentlich: Ich sitze mit meiner Mutter und den weiteren Verwandten in der Aufbahrungshalle – über eine Stunde lang – und kann nicht weinen, weil ich empfinde, dass der Sarg in Wirklichkeit leer ist. Es ist, als würde ich den Spruch verstehen: „Ich bin nicht tot, ich wechsler nur die Räume“. Das kannte ich so bisher nicht.

Erstmal danke dafür, dass Du Deine Mail auch an Birgit richtest. Sie leistet hier eine tolle Arbeit und unterstützt mich wirklich sehr. Ich finde ihre Einblicke aus einer anderen Perspektive sehr erfrischend für das Bestatterweblog und bin ihr sehr dankbar.

Zu Deinen Anmerkungen…

Tja, das ist so eine Sache, die sich die Angehörigen natürlich gemeinsam mit dem Bestatter überlegen können, ob man für eine sehr kleine und zarte Person auch einen entsprechend kleineren Sarg nimmt. Es gibt Särge ja in nahezu allen Größen.

Aber letztlich kommt es meiner Meinung nach eher darauf an, dass der Sarg groß genug ist. Eine kleine Person hat in einem großen Sarg immer genug Platz. Ein beleibter Mensch könnte hingegen sehr beengt liegen.

Das Gefühl, dass der Verstorbene persönlich nicht mehr wirklich anwesend ist, kenne ich nur zu gut. Das ist bei mir auch so. Nun bin ich aber beruflich und religiös geprägt. Mir ist sowieso klar, dass in einem Sarg nur die leere Hülle eines Menschen liegt. Und trotzdem empfinde ich es so, dass in einem Sarg doch eher noch mehr Mensch/Person drin ist, als in einer Urne.
Bei einer Urne denke ich immer, dass der Mensch seit dem Krematorium weg ist.

Peter Wilhelm 29. September 2020


2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für Deine Antwort.

    „Bei einer Urne denke ich immer, dass der Mensch seit dem Krematorium weg ist.“ Du hast mit wenigen Worten zusammengefasst, warum ich Erdbestattungen schon immer „richtiger“ fand.

  2. @Melancholia
    so sehe ich das auch, genau deswegen habe ich mich bereits für eine Erdbestattung entschieden.

    Dein Beitrag erinnert mich sehr an den Krebstod der Schwester einer Freundin.
    Auch sie war schon zu Lebzeiten eine sehr kleine, zierliche Frau. Durch den Krankheitsverlauf verlor sie bis zu Ihrem sehr viel an Gewicht.
    Bestattet wurde sie hinterher in einem himmelblauen Kindersarg, den sie sich noch selber ausgesucht hatte. Auch ein Totengewand ließ sie sich von einer Freundin passend nähe.

    „in einem Erwachsenenleichenhemd von der Stange würde ich sicher verloren gehen“ wie sie sagte.
    Bis zu letzt verlor sie auch ihrem Humor und Lebensfreude nicht.

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