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Wie lange kann man überleben?

Wie lange könnte theoretisch ein lebender Mensch in einem geschlossenen Sarg überleben? (Sauerstoff)

Zwischen 25 und 90 Minuten, je nachdem welchen Aktivitäten man nachgeht.
Andere Stimmen halten eine kürzere Zeit von ca. 45 Minuten für möglich.

Ein Sarg ist ca. 200 x 60 x 70 cm groß, da kann sich jeder den Rauminhalt, abzüglich Leiche und ca. 20% Ausstattung, ausrechnen.
Der Rest ist Luft. Wir atmen diese ein und wieder aus. Dabei reichert sich die Luft im Sarg mit Kohlendioxid aus der Atmung an.

Innerhalb kürzester Zeit würde der Sauerstoffanteil nicht mehr für die Atmung ausreichen, der Mensch würde einschlafen.

Schreibt mir Euer Wissen dazu gerne in die Kommentare. Als Bestatter begräbt man ja normalerweise keine lebenden Menschen.

Der Originalartikel ist von 2007. Die Frage wurde am 17. Nov. 2015 erneut gestellt. Heute ist der Artikel wieder aktuell (siehe unten).
Überarbeitet 08/2018
Bitte gerne kommentieren.


Gestern, 30.08.2018 rief mich die BILD-Zeitung-Saarland an.
Ich wurde gefragt, ob ich wüßte, wie lange ein Mensch unter der Erde in einem Sarg überleben kann.
Meine Antwort war 24-45 Minuten.
Ich wurde dann noch gefragt, ob aus dem Weblog zitiert werden dürfte.
Ich wies darauf hin, dass dabei die Kommentare zu berücksichtigen sind, die die chemische Seite besser darstellt als der Artikel.
Es blieb dann aber dabei, dass man einfach den 11 Jahre alten Artikel zitiert hat. Jetzt habe ich ihn nochmals überarbeitet, weil nicht -wie ich als chemischer Laie glaubte- Stickstoff, sondern Kohlendioxid in den Sauerstoffvorrat im Sarg gelangt.
Ich habe also der BILD-Zeitung gegenüber nie gesagt, dass Stickstoff dabei eine vergiftende Rolle spielt.

Es ist manchmal erstaunlich, wo ich überall als Experte zitiert werde. Im Frühstücksfernsehen eines Privatsenders wurde sogar ein ganzes Interview mit mir ausgestrahlt, von dem ich nix wußte und das ich auch nie gegeben habe. Es wurden einfach passende Archivbilder von Särgen und Gräbern gezeigt und frei zusammengeklaubte Sätze aus dem Bestatterweblog.de als ein Interview mit mir in Textform eingeblendet und von einem Sprecher aus dem Off gesprochen.

In einer Lokalzeitung in Mitteldeutschland ist ein fast ganzseitiger Artikel über mich erschienen, in dem ich ebenfalls ein langes Interview gegeben haben soll. Auch daran habe ich gar nicht mitgewirkt.

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Peter Wilhelm31. Juli 2018

27 Kommentare von 140095.

  1. @Armin: Danke. Man lernt ja nie aus :-)

    Ich dachte immer daß wir etwa 8/10 Stickstoff und 2/10 Sauerstoff einatmen und davon den kompletten Stickstoffanteil sowie einen großen Teil des Sauerstoffs wieder ausatmen. So ungefähr 5% dachte ich wird in Kohlenstoffdioxid gewandelt.

    Weil das so viel Stickstoff, im Vergleich zum Kohlenstoffdioxid ist, dachte ich, daß es auch der Stickstoff ist, der uns zum Ersticken bringt.

  2. @undertaker:

    Stimmt ja auch größtenteils. Nur ist es nicht der (Er)Stickstoff :D der uns ersticken lässt. Vorher wird das CO2 gefährlich. Es ist – auch wenn wir es selbst "produzieren" – ein Atemgift. Genaueres erspare ich den Lesern hier jetzt mal, Wikipedia weiß mehr.

    Der stark erhöhte CO2-Anteil und der immer weiter sinkende O2-Anteil wirken dann zusammen und der Mensch erstickt. Genauer gesagt, er wird zuerst bewusstlos und erstickt danach.

    • @Dennis: So ganz kann ich Dir nicht zustimmen. CO2 ANSICH ist nicht giftig – genauso wenig wie Wasser giftig ist. 02 wird eben solange im Körper mit C (Kohlenstoff) verbrannt, bis nur noch CO2 übrig ist. Gefährlich ist aber der 02 Mangel und nicht das CO2. Theoretisch könnte man eine Mischung aus 80% C=2 und 20% O2 wunderbar atmen…
      Andes sieht es mit CO (KohlenMONOoxid) aus, welches bei der unvollständigen Verbrennungen von Kohlenstoff (z.B. bei Sauerstoffmangel) entsteht. Das CO bindet sich an die roten Blutkörperchen und „blockiert“ diese quasi für Sauerstoff. Der Sauerstoffkreislauf kommt zum erliegen und die Person stirbt. Das passiert z.B. wen man sich mit Autoabgasen umbrigt, ider wen man im Raum mit einem noch glühenden Grill steht

  3. @Martin: Särge sind schon ziemlich dicht. Der Deckel wird durch die Deckelschrauben relativ fest angepresst. Ob da allein genug Sauerstoff zum Atmen durchkäme, wage ich zu bezweifeln. Luftdicht im Sinne von U-Boot: nein.

    Allerdings wäre ein Sarg ja u.U. noch von mehr als einem Meter möglicherweise nasser Lehmerde bedeckt, die dürfte dann den Rest geben.

  4. Beim "Atmen" wird natürlich Sauerstoff (10% des Volumens?) ein- und daraus hergestelltestes Kohlendioxid wieder ausgeatmet.

    Stickstoff wird "unverarbeitet" wieder ausgeschieden und hat nebenbei den größten Anteil an unserer Luft:

    Stickstoff 78%

    Sauerstoff 21%

    Kohlenstoffdioxid 0,04%

  5. Sehr gut, dass ich das jetzt erfahre. Ich habe just vor einer knappen Stunde an den Film "Spurlos verschwunden" (das Original, nicht das US-Remake) denken müssen, und dieser Film hat ein sehr makaberes Ende. Da habe ich mir dann überlegt, wie lange das wohl dauert… *brrr und schüttel*

  6. da kann ich mal mythbusters empfehlen. die haben das mal n bisschen überprüft, das experiment dann allerdings abgebrochen als der sarg drohte unter der enormen last der erde die auf ihm lastete zusammenzubrechen. weis leider nicht mehr genau welche folge es war (kam in deutschland glaub ich noch nicht) und ich kann mich auch nicht mehr erinnern wie lange er drin war bis der abbruch erfolgte…glaube es waren 45 minuten (?)

  7. @Adrian: Die haben den Sarg in eine große Glasbox gestellt. Diese Glasbox wurde dann mit Erde befüllt – alles war oberhalb der Erde.

    Im Notfall konnten die Wände auseinander genommen werden, sodass die gesamte auf dem Sarg lagernde Erde sofort aus der Box rausströmt und keine Gefahr mehr droht. Haben die auch gemacht, als der Sarg drohte zusammen zu brechen.

  8. @Adrian: Und mir drängt sich der gute alte Edgar Allan Poe! Der konnte schaurig schreiben… Dagegen, sind CSI, Kill Bill, und wie sie alle heißen wahre Gute-Nacht-Geschichten…

  9. Oh mein Gott, soll das etwa heißen, wenn ich beerdigt werden und die Erde liegt oben drauf das dann mein Sarg kracht? Das ist ja äußerst beruhigend!

  10. Der Tod triit durch den Sauerstoffmangel ein. Normalerweise sollte man dabei einfach schläfrig werden und dann ersticken.

    Unangenehm könnte es durch das sich anreichernde CO2 werden, was normalerweise den Atemreflex und das Gefühl der Luftnot erzeugt, wenn es sich im Blut anreichert.

    Ob die Konzentrationen an CO2, die sich in dem Gasvolumen im Sarg dabei anreichern, ausreichen um unangenehme Erstickungsgefühle auszulösen, bevor der Sauerstoffgehalt so niedrig ist, dass man das Bewusstsein verliert, müsste man man ausrechnen. Über den Daumen würde ich schätzen, dass eher nicht, da schon ab uter 120mbar Sauerstoffpartialdruck der Tod eintreten kann.

  11. Also ich habe mal bei einem Experiment zugeschaut, wo Leute (unter strenger Aufsicht) für ca eine Minute ein Gemisch eingeatmet haben, in dem nur 6% Sauerstoff vorhanden war. Uns wurde gesagt, ab ca 5 Minuten wird das gesundheitsbedrohend.
    Aber die Veränderung der Leistung des Gehirns ist sehr schnell spürbar. Die Testpersonen sollten auf einem Zettel von 1000 startend schriftlich immer 7 subtrahieren. Nach ca 30 Sekunden begannen sich die Schriftbilder schon deutlich zu verändern und alle wurden schludriger und haben auch teilweise garnichtmehr gemacht was sie sollten sondern einfach nur Zahlen wiederholt…
    Das Gefühl soll garnicht bedrohlich gewesen sein (so wie ersticken) sondern eher leicht „high“.
    Das ist ein Trainingsexperiment für Astronauten, damit die das Gefühl des Sauerstoffmangels schnell als Gefahr wahrnehmen können und lernen, darauf zu achten.
    Sicher dauert das deutlich länger in so einem Sarg, bis man da auf kritische Werte sinkt. Aber zumindest wird man (solange man nicht in Panik verfällt) eher einschlafen, als „ersticken“.

  12. Hallo.

    Eine kleine – leicht beruhigende – Information am Rande. Bei der Besichtigung eines alten Friedhofs in Edinborough/Schottland wurde vom Tourguide berichtet, dass auf fast 30 Prozent der Särge aus der Zeit von ca. 1850 – 1980 an der Innenseite des Sargdeckels Kratzspuren von Fingernägeln gefunden wurden.

    Das mag am damals schwunghaften Handel mit „Leichen“ gelegen haben, da Edinborough zu dieser Zeit das europäische Zentrum forensischer und medizinischer Forschung war. Unangenehm ist die Vorstellung alle Mal.

    Viele Grüße, und vielen Dank für diesen lesenswerten Blog
    Matthias

    • @Matthias Focks: Ob da nicht vielleicht ein wenig Gruselmarketing im Spiel war?
      Das 19. Jahrhundert war ja, vor allem in Großbritannien, die Hochzeit der Angst vor dem Lebendig-Begraben-Werden, da gab es zahlreiche Konstruktionen, mit denen der zu Unrecht Eingesargte hätte auf sich aufmerksam machen können. Falls er dafür noch genügend Bewusstsein und Sauerstoff gehabt hätte und die Möglichkeit, sich zu bewegen.
      Daß man das als Führer gerne aufgreift und vermutlich von Jahr zu Jahr weiter ausschmückt, wäre nicht verwunderlich.

      Bei den Jahreszahlen ist wohl ein Tippfehler dabei, oder ging es wirklich bis 1980?

  13. Bei diesem ganzen sinnfreien Probeliegen fällt mir eine Frage ein.
    Gibt es bei „Scheintoten“ eigentlich Leichenflecke, sodass man tatsächlich denken kann, die sind wirklich tod?
    Oder verhält sich deren Haut auch so, wie bei der „Daumenprobe“. Keine Ahnung wie das heißt. Man drückt auf eine Stelle und diese verändert dann die Farbe für längere, oder kürzere Zeit. Oder verwechsele ich da wieder etwas?

    Ich verstehe nicht, wie man, zumindest heutzutage, wenn auch selten, vermeintlich Verstorbene einsammelt, die den Löffel aber noch gar nicht gelegt haben.

    • @Winnie: Wie genau funktioniert das? Wenn ich auf meine Haut drücke, verändert sich die Farbe auch recht schnell zu kräftigem Rot, und das bleibt ziemlich lange (finde ich). Bisher dachte ich, das läge am ASS100, das ich nehmen soll – aber vielleicht in ich auch schon tot?

      • @Roland B.:
        Bei mir ist es umgekehrt. Ich habe kalte, rote Haut (auch bei +35°C bzw. seltsamerweise besonders dann) und wenn ich drauf drücke, bleiben ziemlich lange weiße Flecken. Lege ich dann meine Hand z. B. auf meine Brust, sieht man lange diese als weißen Abdruck. Echt gruselig.

        Leichenflecken sehen aber anders aus. Das Blut bzw. sämtliche Flüssigkeiten sacken nach unten. Liegt jemand auf dem Rücken so tot vor sich hin, dann ist er unten dunkler als oben. Hier kann man eigentlich die dunklen Flecken wegdrücken und sie werden hell. So erinnere ich mich zumindest, als ein Bekannter verstorben war.

        Damit endet mein Halb- oder Unwissen auch schon. ;-)

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