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Wie wirksam ist ein Trauergottesdienst?

Meine Oma mütterlicherseits ist gestorben. Meine Mutter lebt schon seit 2011 nicht mehr und verblieben sind mein Onkel und meine Tante. Der Tod ihrer Mutter hat die beiden schwer mitgenommen.
Die Oma war schon fast 90, es war ein ruhiger Tod im Schlaf im Bürgerheim.
Trotzdem ist der Tod der Eltern ja fast immer einschneidend. Und für meinen Onkel und meine Tante war das ja deren Mutter.

Alles wurde ganz klein und bescheiden gemacht.
Obwohl meine Oma sehr christlich war, gab es keinen Trauergottesdienst in der Kirche.
Ich persönlich lege auch keinen Wert darauf. Stattdessen gab es einen Sterberosenkranz mit anschließendem Gottesdienst im Bürgerheim.
Zum einen, weil meine Tante nicht die Kraft hatte, sich um einen kirchlichen Gottesdienst zu kümmern, zum anderen weil so die Freundinnen meiner Oma aus dem Bürgerheim dran teilnehmen konnten, was in der Kirche für die alten Leute schwierig geworden wäre.

Der Pfarrer nahm das zum Anlass, meiner Tante im Nachgang Vorwürfe zu machen, wie sie denn auf einen kirchlichen Gottesdienst verzichten konnte. Das ging relativ lang. Muss ein guter Christ sein, der Trauernden auch noch ein schlechtes Gewissen einredet :( Vielleicht kannst Du etwas dazu sagen, was Du für Erfahrungen gemacht hast. Oder andere Leser.

Das ist immer so eine Sache mit den kirchlichen Bräuchen. Je weiter man nach Süden kommt, umso strenger wird auf den kirchlich geprägten Ablauf geschaut. Im Norden ist man da kühler und im Osten sogar manchmal strikt ablehnend.

Nun sind diese gesamten Abläufe rund um eine Beerdigung, sei es aus kirchlicher oder behördlicher Sicht, nicht willkürlich so entstanden. Sondern sie entsprechen, auch wenn wir uns da heute nicht mehr so widergespiegelt sehen, tatsächlich den Wünschen der Betroffenen und der Allgemeinheit.

Öffentliche Ordnung und Seelenheil sind ja nichts, was direkt aus dem Himmel diktiert wird. Dafür fehlt es an der notwendigen Kommunikation mit wem auch immer da oben.
Sondern sie sind immer Resultat allgemeiner Wünsche und Wertvorstellungen.

In diesem Rahmengerüst aus Zeremonien und immer wiederkehrenden Abläufen finden viele Trauernde Stütze und Halt. Teilweise ist das ritualisierte Tun also eine echte Hilfe für alle Betroffenen.
Was zu tun ist, ist fast immer gleich, man erledigt die traurigen Dinge ohne notwendige Einweisung aus eine Art und Weise, die die meisten Anwesenden als gut und richtig empfinden.

So ist es natürlich auch für die Veranstalter und Anbieter dieser Bestandteile einer richtige Beerdigung wichtig, dass ihre Angebot auch genutzt werden. Vor allem, wenn aus Sicht des Pastors da noch eine jenseitige Erwartungshaltung besteht, die durch eine Pflichterfüllung der Angehörigen evtl. positiv beeinflußt werden kann.

Aber heutzutage im 21. Jahrhundert muss niemand mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn er bestimmte (kirchliche) Rituale nicht mitmacht. Wir sind aufgeklärt genug, dass wir – auch bei intensivem Glauben an eine jenseitige Macht – sehr genau wissen, dass diese Macht ganz sicher nicht auf verbrannten Weihrauch, Jungfrauenopfer oder Sterbemessen reagiert.
Diese Dinge waren/sind menschengemacht und entsprechen dem, was wir uns vorstellen, wie wir die jenseitige Macht in irgendeiner Form positiv auf uns aufmerksam machen können.

Läßt also jemand bei einer Beerdigung alle oder einige kirchliche Elemente weg, so wird das angesichts der Fülle von Problematiken und Energien, die da möglicherweise weltweit zwischen der himmlischen Obrigkeit und uns ausgetauscht werden, kaum irgendwie ins Gewicht fallen.

Man muss sich also nicht schämen oder ein schlechtes Gewissen haben.
Das gilt auch und insbesondere gegenüber anderen Menschen. Was die religiösen Tätigkeiten eines Einzelnen anbetrifft, kann er niemals von anderen Menschen dafür zur Rechenschaft gezogen werden, oder denen zur Rechenschaft verpflichtet sein. Solches religiöse Tun ist immer nur eine Sache zwischen der höheren Macht und dem Einzelnen. Denn letztlich würde ja die höhere Macht über die Wirksamkeit und Annahme dieser unserer Handlungen entscheiden und nicht der fromme Nachbar.

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Peter Wilhelm10. Februar 2019

1 Kommentar von 140320.

  1. Hallo Peter
    Es ist schön, daß Dein Blog trotz allem weitergeht.
    Glaub mir, ich weiß nur zu gut, wie es Dir geht.
    Aber ich bin Deiner Meinung, daß der Macht, die über uns wacht, es eigentlich völlig schnuppe ist, welche religiösen Riten abgehalten werden, wenn jemand aus unserer Mitte gehen muß.
    Mein Vater, katholisch, hat für meine Mutter jedes Jahr drei bis vier Mal eine Messe lesen lassen. Er selber ist am 19.12.2011 gegangen. Ich selber halte von dieser Sitte nichts, habe also auch in den ganzen Jahren keine Messe lesen lassen.

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