Bulgarien: Tische auf den Gräbern

Hallo Tom,

ich sende Dir hier mal Bilder von einem Friedhof in Varna (Bulgarien). Dieser Friedhof ist so groß, dass man mit dem Auto drauf fahren darf. Nicht nur das war für mich dort interessant, auch nicht das Gestrüpp welches überall so schnell wächst, dass man es gar nicht beherrschen kann. Das liegt hier am Klima. Interessant fand ich die vielen kleinen Tischchen auf den Gräbern und ich fragte mich auch sofort, wofür die wohl gedacht sind. Tja und das habe ich auch raus gefunden. Eventuell hast Du ja schon mal davon gehört. Mindestens einmal im Jahr gedenkt man (offiziell) wie auch in Deutschland der Toten.

© Winnie

An diesem Tag kommen Verwandte, Bekannte und Freunde des Verstorbenen und essen im Gedenken an die dort liegenden Verstorbenen.

Besonders gut ist es wohl, wenn man anderen Leuten, insbesondere wenn die nichts bzw. nicht viel haben, etwas abgibt. Dabei geht es nicht darum jemanden „durchzufüttern“, sondern die Geste etwas im Namen des Verstorbenen gegeben zu haben ist entscheidend. Das hat mit dem Leben nach dem Tod bzw. mit der Seele des Verstorbenen zu tun, der es wohl „zugute“ kommt. Hier spielt es auch keine Rolle, ob man einem Kind einen Schokoriegel oder irgend jemandem ein Stück Brot oder sonst was gibt.

Die Tische dienen einfach dazu, es etwas bequemer zu haben und wie Du sehen kannst sind dort auch verstreut Stühle und Bänkchen verteilt. Offensichtlich ist es aber sinnvoller gleich einen Tisch ins Grab zu bauen, als mindestens einmal jährlich einen zu suchen, oder sich unbequem auf den Gräbern rumzulümmeln.

Was noch auffällt, sind die vielen Fotos die an den Grabsteinen angebracht sind. Da weiß man gleich wer dort drunter liegt.

Gruß Winnie

© Winnie

Wenn auch Du interessante Beobachtungen machst, fertige doch ein Foto davon an und sende es mir ein.
Ich freue mich auf Deine Einsendung!

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  • Veröffentlicht am: 6. August 2012
  • 9 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

9 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Sehr interessanter Beitrag. Wieder was gelernt. Herzlichen Dank an Winnie. Klasse!
    B. A.

  2. Das „deutsche“ Friedhofverwaltungsdingsbumsamt müsste das mal sehn.. die würden reihenweise in Unmacht fallen :)

    • Jupp, dass habe ich auch sofort gedacht und mußte bei dem Gedanken schmunzeln. :-) Die Tische und Stühle, die Grashalme, die bestimmt ungenormten und nicht in Stahl betonierten Steine…da wäre der Beamte mit den Nerven ziemlich runter. :-)

  3. Die Mexikaner feiern noch ausgelassener:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_Toten

  4. Zu „Dieser Friedhof ist so groß, dass man mit dem Auto drauf fahren darf.“ möchte ich mal eben den Hamburger Friedhof Ohlsdorf in den Raumn werfen, auf dem 2 Buslinien verkehren.

    • Ja genau. Meine Freundin war Sonntag so richtig erstaunt, dass es schöne breite Fahrstrassen gibt und als sie den Bus gesehen hat hat sie den Mund vor Staunen nicht mehr zu bekommen. Scheinbar hatte ich vergessen ihr das Detail vorher noch zu sagen ;)

  5. Ich finde das eine ziemlich schöne Geste! Scheinen nette Leute dort zu sein. Nicht nur unser Winnie. Vielen Dank für die Bilder! :-)

  6. Das nenne ich mal eine löbliche und lebensbejahende Sitte. Woanders ist es halt fröhlicher als bei uns in Bayern, wo man sogar von anderen Friedhofsbesuchern angesprochen wird, dass man auf dem Friedhof aber nicht rauchen tut, das gehöre sich nicht und sei unanständig. Ich rauche aber IMMER am Grab meines Opas eine Zigarette, weil ich meine ersten von ihm stibitzt habe. Er hat’s gemerkt, aber mich nie verpfiffen.

    • Schöne Geste. Das mit dem Rauchen bei Opa. Ich kann es verstehen.

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