Grab eingesackt, Grab sackt ein – Was tun?

Wie häufig sackt ein Reihengrab? Häufiger als ein Wahlgrab durch die Erdbewegungen
drumherum da ja immer wieder „ein neuer Nachbar“ hinzukommt?

Ich hab Dir mal ein paar Bilder angehangen, es handelt sich um das Erdreihengrab meiner Oma.

Nachdem die Erde für ein Grab geöffnet wurde und der Sarg in die Erde gekommen ist, wird das Grab wieder mit dem herausgenommenen Erdreich verschlossen.
Dabei wird die Erde etwas verdichtet. Allerdings befinden sich seitlich und unterhalb des Grabes noch gewisse Hohlräume.
Außerdem ist die Erde nur leicht verdichtet.

Darum sacken Gräber

Im Laufe der Zeit setzt sich die Erde. Schwerkraft, Regen und Frost sorgen dann dafür, daß sich das Grab senkt.
Zuerst sind Risse in der Graboberfläche zu sehen, dann weiten sich die Senkungserscheinungen auch auf den Boden rund um das Grab aus.

(Bilderstrecke nach dem Weiterlesen-Link)

So füllt man die Gräber wieder auf

In solchen Fällen muß dann Erde nachgefüllt werden.
Bevor man aber beutelweise teure Graberde beim Friedhofsgärtner kauft, sollte man mit den Friedhofsangestellten Rücksprache halten.
Oft können die mit Schubkarre und Kleinbagger schneller helfen.

Ansonsten ist Handarbeit angesagt. Zunächst sollte die Erde nur grob auf dem Grab verteilt werden. Erst nach dem nächsten Regen kann man sehen, wohin die Erde verschwindet. Eventuell muß man dann mit dem Spaten etwas nachhelfen.

Das alles hat mit dem Sarg noch nichts zu tun. In den ersten 6-18 Monaten ist nicht damit zu rechnen, daß der Sarg „einbricht“.
Dazu später mehr.

Großflächige Senkungen

Sind die Senkungserscheinungen großflächiger, so wie auch auf den Bildern unseres Lesers Marc zu sehen (s.u.), so sind es nicht nur die einzelnen Gräber, die Probleme machen.
Hier kann es auch sein, daß ein komplettes Gräberfeld neu angelegt wurde und die Erde nun auf vielen Quadratmetern sackt.
In solchen Fällen ist die Friedhofsverwaltung zuständig. Verursacht wurde das Absacken ja nicht durch einzelne Gräber, sondern offenbar durch eine nicht genügend verdichtete Anlage des Feldes.

Insbesondere nach dem Winter und nach starken Regenfällen sind Risse und Senkungen sehr häufig. Was sonst über Jahre dauern kann, wird durch diese Witterungseinflüsse sehr beschleunigt.

Bilderstrecke:

sackendes Grab
Bilder vergrößern durch anklicken

Grab eingesackt

Grab sackt ein

Wann bricht der Sarg ein?

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das Holz des Sarges nachgibt. Wann das genau sein wird, kann man nicht pauschal sagen.
Dazu kann man sich aber bei anderen Grabpflegenden erkundigen, die bereits entsprechende Senkungen erlebt haben.

Eines Tages hat sich auf dem Grab ein großer Krater gebildet, der weitaus größer ist, als die sonstigen Setzungen.
Das ist meist ein Zeichen dafür, daß nun der Sarg nachgibt.
Zu diesem Zeitpunkt sind die Verstorbenen in aller Regel schon sehr weit vergangen.

Muß man sofort tätig werden?

Es spielt keine Rolle, ob man sofort Erde nachfüllt oder erst nach einer Weile.
Jedenfalls sollte man sich darauf einstellen, daß es mit einmal Nachfüllen nicht getan ist.
Das Nachrutschen der Erde geschieht immer schubweise.

Gefahren durch sackende Gräber

Es gibt zwei Gründe, aus denen sackende Gräber gefährlich sein können.
Der erste Grund ist die Standfestigkeit und der Erhalt von Grabmälern und Einfassungen.
Rutscht die Erde soweit, daß das Fundament des Grabsteins nicht mehr richtig befestigt ist, muß sofort gehandelt werden. Ansprechpartner sind Friedhofsarbeiter und/oder der Steinmetz.
Außerdem besteht die Gefahr, daß bereits vorhandene steinerne Grabeinfassungen reißen. Hier muß eventuell vorübergehend mit einigen Stücken Holz abgestützt werden.

Eine weitere Gefahr entsteht, wenn weit um das Grab herum die Erde sackt. Dann ist es natürlich auch gefährlich, diesen Grund zu betreten, weil man abrutschen kann.
Wasser spült oft weit vom Grab entfernt Erde in die Gruben. Dadurch können unterirdische Kavernen entstehen, auf denen man keinen guten Stand hat. Melden Sie solche Erscheinungen sofort den Friedhofsarbeitern.

© Bilder: Leser Marc/Bestatterweblog

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  • 28. Februar 2017 - 1 Kommentar - Lesezeit ca.: 3 Minuten - Kategorie: Frag den Bestatter

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm

1 Kommentar von 137741.

  1. Hallo, sage wieder einmal DANKE, da ich gestern Besuch machte bei meiner toten Freundin, an gewissen Stellen bei der Erde waren auch so Risse erkennbar.
    Ich hab mir aber nicht die genaue Stelle gemerkt, ob es nun die Stelle war, wo sie beerdigt wurde oder ihr Mann. Aber fiel schon auf, da ich derartige Risse vorher noch nie gesehen hatte.Nun, es ist nicht meine Grabstelle (sagte man so?),bzw.:dort muß ich nicht pflegerisch tätig werden.
    Hoffe mal, die Angehörigen schauen sich das Geschehen rund um die Erde öfters genauer an. Fremde Leute – wie ich eben – ob die nun den Leuten was sagen dürfen, die auf dem Friedhof tätig sind,glaube das nicht.Aber evt.stand davon auch was im Beitrag, den ich wohl noch einmal lesen möchte..

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