Ich bin eine arbeitsscheue Sau

Leser Josef teilt seine Erlebnisse mit uns:

Es ist morgens kurz nach neun, da klingelt das Telefon.
Wenn um diese Zeit das Telefon klingelt, heißt das nichts Gutes! Meine Befürchtungen werden bestätigt, es ist meine Sachbearbeiterin von der Arge.
Sie schnarrt gleich ohne Gruß los: „Sie haben ja bei den Abrechnungen für die Bewerbungskosten nur wieder Absagen bekommen! Ich verstehe das nicht, sie sehen doch so gepflegt aus, und stinken tun sie auch nicht! Warum klappt das denn bei Ihnen nicht? Langsam hab ich da so meine Zweifel.“

Ah, ich stinke also nicht! Soll das jetzt ein Kompliment sein, oder was?
Noch bevor ich was erwidern kann, bellt sie in den Hörer, dass sie mir jede Menge Stellenangebote heraus gesucht habe, die sie mir in den nächsten Tagen zu schicken werde.
„Oh, das ist schön, dass sie an mich gedacht haben“, sage ich. Es wird von ihr sogleich nachgelegt: „Denken sie an den halbjährlichen Gesprächstermin, die Einladung kommt dann noch! Und sehen sie zu, dass bis dahin Ergebnisse da sind, sonst wird es bald duster im Karton!“
Nachdem sie mir einen schönen Tag gewünscht hat, ist das liebreizende Telefonat beendet, ich nenne diese Dame nicht umsonst Muräne!

Sie hat sich in mich verbissen, bombardiert mich mit größtenteils sinnfreien Stellenangeboten, und natürlich bin ich schuld, dass es nicht klappt.
Da sind Firmen dabei, die suchen eine junge Frau, da sind Berufe dabei, die kann ich gar nicht und da sind Stellen dabei, die schon vergeben sind. Manchmal braucht man eine Qualifikation, die ich nicht habe, und manchmal suchen die auch einfach einen 22-jährigen Bachelor. Und Fotomodell oder Konstruktionszeichner bin ich auch nicht. Mit anderen Worten: Die Muräne schiebt mir lauter Stellen zu, das ist wahr Und ich bekomme keinen einzigen von diesen Jobs, das ist auch wahr. Aber sie hat mir auch noch nie einen Job angeboten, der auch nur im Entferntesten meiner Qualifikation, meinem Alter und meinem bisherigen Berufsleben entsprochen hätte.

Für sie ist aber alles klar: Der Mann ist faul und arbeitsscheu. Das läßt sie mich immer wieder spüren.

Ich hingegen bis fast Fuffzich und kann vor allem eins: Bestatter.
Das ist ein Nischenjob, ich weiß. Und ich bin ja auch bereit alles Mögliche zu machen, aber ich bin eben weder Bachelor, noch 22 Jahre alt, noch Fotomodell.
Ich habe Jahrzehnte in derselben Firma gearbeitet, zuverlässig, ohne viel Krankentage und bei Tag und Nacht, bei Nacht und Nebel. Dann bin ich wegen Pleite entlassen worden.
Eingezahlt habe ich immer, ich bin kein Schmarotzer. Ich will gerne wieder arbeiten.
An meiner Situation bin ich völlig schuldlos. Ich kann nichts für die Pleite meiner Firma.
Dennoch behandelt mich diese Dame, als sei ich ein Verbrecher, der aus Heimtücke nichts Besseres zu tun hat, als das Geld der ARGE zu verschleudern. Dieses üppige Geld!

Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich dran, was bleibt einem anderes übrig?

Ich nehme nun meine Tasche und gehe einkaufen, das lenkt ab.
Nachdem ich bei Feinkost Albrecht und dem Bäcker war, schlage ich nun den Weg zum Drogeriemarkt ein.
Auf dem Weg dorthin muss ich an einer großen Kreuzung auf Grün warten. Da sehe ich aus den Augenwinkeln einen Leichenwagen, der die Kreuzung passieren wird, er ist von dem größten Unternehmer der Stadt.
Zu aktiven Zeiten von meiner Firma war er der größte Konkurrent.
Auf dem Beifahrersitz sitzt ein Bestatterkollege, mit dem ich mich noch nie verstanden habe.
Er hat mich erkannt, und aus dem geöffneten Fenster schreit er: „Hahhh, die Arbeitslosen gehen erstmal schick einkaufen!“.

Da der Wagen wegen des Verkehrs langsamer fahren muss, stimmt er sogleich einen Song an, der aus Fußball-Arenen stammt. Er hat sich sogar die Mühe gemacht, ihn extra für mich um zu texten! Man kennt den Song auch mit dem Text: „Du hast die Haare schön, Du hast die Haare schön!“ Und im Stadion singen sie: „Du kannst nach Hause geh’n…“

Er singt aber quer über die Kreuzung: „Du kannst zur Arge gehen, du kannst zur Arge gehen…“

Den Rest verstehe ich nicht mehr, die Fahrzeugschlange bewegt sich schneller, und der Wagen ist weg.

Außer mir fragen sich noch acht andere Passanten, wer dieser Geistesgestörte aus dem Leichenwagen war.
Ich hatte angestrengt zur Seite geguckt, so wussten sie nicht, wer gemeint war. Endlich gab es Grün für uns, ich hörte einen älteren Herrn referieren: „Also bei Hitler, da gab es keine Arbeitslosen! Die haben alle die Autobahn gebaut!“ Im Weitergehen hörte ich noch Wortfetzen: „Ich war fünfzig Jahre in derselben Firma, nie krank, ich verstehe das alles nicht, wie kann man bloß so asozial sein und arbeitslos werden?“
Ein anderer Rentner sagt: „Arbeitlose sind doch alles arbeitsscheue Säue.“

Der Besuch im Dogeriemarkt tat mir gut, dort arbeitete zu jener Zeit eine liebe ältere Dame, die immer ein paar nette Worte für mich hatte.
Als ich den Bürgersteig wieder betrat, ging es mir ein wenig besser. Ja, man wird bescheiden. Ein paar Worte von einer Verkäuferin hatten mich aufgebaut.

Da stand ich wieder an der Ampel, und wartete auf Grün. Ich guckte nichtsahnend die Straße hoch, und siehe da, derselbe Leichenwagen passierte die Kreuzung.
Dieses Mal saß mein Lieblingskomponist am Steuer. Er hatte jetzt die Melodie eines uralten Schlager von Cindy und Bert umgetextet. „Immer wieder montags ging er zur Arge hin, di bi di di dib, und holt sich die dicke Knete!“

Leider konnte ich den Rest des mir erneut kredenzten Werkes nicht mehr mitkriegen, da sein Hintermann schon hupte.

Ich muss dazu sagen, dass ich diesem Mann nie etwas getan hatte, es war wohl die pure Schadenfreude.
Er selbst ist Quartalssäufer und hatte mal einen schlimmen Absturz, fiel in der Firma ein halbes Jahr aus. Der Inhaber hatte ihm gedroht, beim nächsten Mal wäre er weg. Ich vermute mal, dass sein Gehirn unter dem Alkoholmissbrauch tüchtig gelitten hat. Jedenfalls kann ich mir keinen anderen Grund vorstellen, warum der Mann sich so verhält.

Als ich nach diesem abwechslungsreichen Tag nach Hause kam, kochte ich mir erstmal eine Tasse Kaffee.

So jetzt noch das Telefon daneben, damit man nicht mehr groß aufstehen musste,falls jemand anruft.

Immerhin konnte ich die Tasse in Ruhe leer trinken, bevor das Telefon klingelte.
Bei meinem Glück heute müsste das wieder die Muräne sein, dachte ich, und bekam leider Recht. „In zwei Tagen haben sie ihre Stellenangebote! Da ist auch die Firma XY bei, hier die Telefonnummer. Rufen sie da jetzt schon mal an“, geiferte sie im Befehlston. „Ich habe das Gefühl Herr XY, das ich den Spriegel bei ihnen ein wenig mehr anziehen muss. Ich kriege sie schon weg, da sollen sie mal sehen.“

Nach einem Abschiedsgruß, der sich anhörte als ob sie mit ihren scharfen Zähnen den Hörer zerbeißt, war das Telefonat beendet.
Ich lehnte mich in die bequeme Garnitur zurück, und döste ein. Ich träumte von Muränen mit dicken Fischen im Maul, und alten Männern, die den Führer noch erlebt haben. Sowie von der Hitparade, die es schon lange nicht mehr gab. Es trat ein Künstler im schwarzen Anzug auf, der sagte: „Dieses Lied widme ich meinem lieben Kollegen XY.“

Ich wachte auf, als ich ein Geräusch an der Tür hörte, meine Frau kam von der Arbeit.

Sie fragte mich, ob irgendwas gewesen sei. Ich antwortete nur: „Nöh, ich war nur einkaufen!“

(Eine Geschichte von Leser Josef.)

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  • Veröffentlicht am: 19. September 2016
  • 24 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Geschichten

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

24 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Stellenangebote vom Jobcenter/der ARGE??
    Ich hatte vor einigen Jahren das Vergnügen meinem Integrationsmanager einen Widerspruch schicken zu dürfen weil er in seinem Verwaltungsakt(Eingliederungsvereinbarung sollte man nie nicht unterschreiben) von mir 8 Bewerbungen Pro Monat verlangte.Als gesundheitlich Eingeschränkt ist das man nicht so einfach und daher wies ich ihn in meinem Widerspruch darauf hin das er mir doch auch noch keine Stellenangebote vorgelegt hätte.Die Antwort kam sehr schnell,der Widerspruch wurde abschlägig beschieden und zudem sei man nicht dafür zuständig Stellenangebote vorzulegen,diese habe man sich in Zeitungen,im Internet und auf der Seite der Arbeitsagentur selber heraus zu suchen.

  2. Meine Vermutung nach den ersten paar Sätzen war, dass Tom versehentlich auf einer Liste der Arge gelandet ist, und die gute Dame ihn nicht zu Wort kommen lässt. Daher spielt er mit und bringt die Arme mit seiner Ruhe aus der Fassung.

  3. Ich halte den Text für durchaus authentisch.
    Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Jobcenter die „Kundschaft“ genauso herablassend, arrogant und herrisch behandeln – bei gleichzeitig bewiesener eigener Inkompetenz des Personals und der Organisation auf lokaler Ebene.
    Ich hätte mir nie träumen lassen, dass man sich als erwachsener Mensch mit Berufsausbildung, -erfahrung und akademischer Weiterbildung so schnell so klein machen lassen kann. Das Jobcenter ist eine Sackgasse.

  4. Ich weiß gar nicht, wo ich beim Jobcenter bzw. eigentlich der zugehörigen Gesetzgebung anfangen soll. Damit, dass uns ausgerechnet die Sozialdemokraten diese Sch…. eingebrockt haben? Damit, dass jeder ALG-II-Empfänger so behandelt wird, als sei das Geld eine Gnadengabe und kein Recht? Damit, dass selbst das Existenzminimum gerne noch mal gekürzt wird, wenn man nicht spurt? Damit, dass die Arge-Mitarbeiter überfordert, demotiviert und vielfach in der inneren Kündigung sind und dementsprechend mit ihren Kunden umgehen? Damit, dass die Leute in der Arbeitslosigkeit gerne mal krank und depressiv werden? Oder damit, dass diese ganze Gesetzgebung eine Schande ist, die nur dazu dient, den Arbeitnehmern eine solche Höllenangst vor der Arbeitslosigkeit zu machen, dass sie sich lieber selbst bis zum Umfallen ausbeuten, um ja nicht dahin zu kommen (und am Ende doch da landen, weil das Management sich lieber die Taschen vollstopft anstatt ihre Arbeit zu machen)? Boah, ich lass es lieber, sonst rege ich mich nur auf…

  5. Meine Schwester war noch beim Arbeitsamt beschäftigt; dann mutierte das Arb.amt zum Jobcenter um Arbeitlose zu vermitteln,in diesm Amt wurden einige Arbeitslose mit einem 1jährigen Arbeitsvertrag eingestellt ( Option: eventuelle Übernahme…).
    Genau diese ehemaligen Arbeitslosen waren sehr viel härter zu ihren ehemaligen „Kollegen“ sie mussten eine „sogenanne“ Erfolgsvermittlung nachweisen können; ( so meine Schwester mittlerweile seit vielen Jahren in Rente).
    Das Jobcenter wurde zur ARGE und Stellenvermittlungen ausgegliedert in „private“ Arbeitsvermittlungen welche sich wiederum Gelder die an die Arbeitslosenversicherung abgreiffen dürfen.
    Es ist nicht verständlich, dass sich arbeitssuchende von einer so unhöflichen Mitarbeiterin beindrucken lassen (müssen?) Es gibt auch noch ander Instanzen in diesem Öffentlichen Dienst.

  6. Ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei Peter bedanken, das er meine Geschichten hier weitergibt! Denjenigen, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind wünsche ich Mut und Zuversicht.
    Auch möchte ich mit dieser Geschichte, die von meinem zweiten Arbeitsplatz erzählt, die schlimme Situation, von der Arge abhängig zu sein, etwas näher beschreiben. Wenn ich darf, werde ich demnächst hier auch eine Story zum alle sechs Monate statt findenden Gespräch einstellen. Die Geschichten sind nicht erfunden, sondern basieren auf tatsächlichen Erlebnissen.
    Liebe Grüße
    Josef

  7. Vielen Danke fürs Teilen dieses Textes. Leider ist er keine Fiktion, sondern traurige Wahrheit. Und nicht nur die, die ohne Schuld nach vielen Jahren Berufstätigkeit arbeitslos geworden sind, sondern auch alle anderen, die es ohne eigenens Verschulden schwer auf dem Arbeitsmarkt haben werden unter Druck gesetzt, runtergeputzt und von ihren Mitmenschen diskreditiert. Wenns nicht so traurig wäre gäbe es eine gute Basis für eine Comedyperformance ab…….

  8. Hallo Josef,

    ich bin eine Leidensgenossin (48, Firma ging pleite) und möchte Dir Anerkennung und Mut zusprechen.

    Hier in Ö wird die Arbeitslosigkeit auf höflichere Weise verwaltet, soweit ich das beurteilen kann. Ich werde nicht angerufen, sondern habe alle 3 bis 4 Wochen einen Kontrolltermin beim AMS. Dort folgt: „Guten Morgen, leider habe ich wieder nichts für Sie. Schauen Sie doch selbständig auf den Webseiten der Institutionen / Firmen, für die Sie qualifiziert / brauchbar wären. Bis zum nächsten Mal!“

    Tja… wäre ich doch eine Neunzehnjährige mit Handelsausbildung und Berufserfahrung…
    Josef, gib nicht auf – es kann nur besser werden!

    Viele Grüße, Mel

    • @Melancholia:
      Hallo Mel!
      Ich hatte kurz darauf Glück, und habe wieder etwas gefunden. Seit sechs Jahren arbeite ich bei einem Sicherheitsdienst, und komme wieder gut zurecht. Falls du noch suchst, wünsche ich dir viel Glück und nette Sachbearbeiter!
      Lg Josef

  9. Tja… Lacht nicht, selbst als studierter Mensch hat man mit denen zu tun und da sind die genauso nutzlos. Nach dem Studium bin ich zum Beispiel direkt auf Hartz IV gefallen (hatte ja noch nix eingezahlt). Die Stellenangebote, die die mir geschickt haben, schwankten von „Irgendwas mit Werbung“ bis „Verqueres Handwerk“. Am nächsten dran an meinem eigenen Feld war noch eine Stelle als Laborant (aber dafür hätte ich nicht studieren müssen, oder?) Allerdings hatte ich in einem Punkt Glück: Ich hatte immer entspannte Sachbearbeiter, die nicht viel genervt haben (bin ja Akademiker, kann also nicht faul sein ;) ) und musste also nicht auch noch permanenten Kontrollzwang über mich ergehen lassen. Eine Stelle habe ich von der ARGE noch nie vermittelt bekommen. Beim letzten Wechsel habe ich mich gar nicht mehr bei denen gemeldet.
    Wird die frustrieren, kein Fall für die schöne Statistik… und der hätte noch nicht mal Geld gekostet, weil ich nahtlos in die nächste Stelle gerutscht bin. Das ist Pech.
    Mir tun nur manchmal die Leute leid, die da arbeiten. Die wissen ja auch, wie sinnlos das in dem Laden oftmals ist.

  10. Der Umgang der Arge mit ihren „Klienten“ ist schlimmer als Lepra und Alzheimer zusammen (also wenn man nicht mehr weiß, wo man seine Körperteile liegen gelassen hat).

    Allein schon die Verpflichtung, die man unterschreiben muss, jede Arbeit annehmen zu müssen. In dieser Formulierung schließt dieses auch illegale Arbeiten und Prostitution mit ein.

    Jeder Brief endet dann mit einer Drohung, die das bisschen Geld gekürzt werden kann, selbst dann, wenn die Sachbearbeiter zu doof sind, eine rechtzeitig eingegangene Krankschreibung korrekt abzuheften.

    Und es geht weiter: ALLES muss gegenüber der Arge offengelegt werden, bis man quasi nackig in der Akte steht (wenn nicht, Leistungskürzung!), der Sachbearbeiter selber muss aber von sich keine Beratung anbieten („Ja natürlich gibbet auch die Möglichkeit, nen Kredit zu beantragen. Den Antrag hättense aber im November stellen müssen. Nu isses zu spät“. „ja und was mach ich jetzt?“, „Na da kann ich Ihnen auch nich weiterhelfen…“.).

    Zeigt man Eigeninitiative, weil das bewilligte Geld leider unter dem Existenzminimum verbleibt, und geht man einen 1-Tages-Job nach (was erlaubt ist), wird die Hälfte von dem Geld abgezogen, weil man für diesen Tag leider nicht mehr über die Arge versichert ist.

    Letztendlich nehmen sie einem das letzte Stückchen Menschenwürde und Selbstachtung. Wenn man dann davon Depressionen kriegt, will einen auch kein potentieller Arbeitgeber mehr. Das nennt sich dann Kundenbindung, weil man der Arge als Kunde so noch länger erhalten bleibt.

    • @Winny: „Letztendlich nehmen sie einem das letzte Stückchen Menschenwürde und Selbstachtung.“ Genau das ist es, was ich an diesem System so zum k….. finde. Die Würde des Menschen ist unantastbar – so lange er Arbeit hat…

  11. Wie sie alle auf das Jobcenter, die Arge und die AfA schimpfen im gleichen Atemzug die Kohle aber nicht missen wollen. Schön, dass es ein soziales Netz gibt das einen auffängt. Die Geldsumme die man erhält, verhilft nicht zu großen Sprüngen, man ist aber auch nicht mittelos und steht ohne Hilfe da.

    • @Oliver:
      Existenzminimum? Haha… Wenn die können, dann lassen sie auch das bleiben. Ich musste 3 Monate auf Kosten meiner Eltern leben, weil das Amt es nicht gebacken gekriegt hat, nach dem Studium meinen Antrag rechtzeitig durchzuwinken. Das Geld kam irgendwann, ja, aber bis dahin hätte ich ohne familiäre Unterstützung auf der Straße gesessen oder gleich tot überm Zaun gehangen. Und wer jetzt mit Vorschüssen argumentiert: diese Rennerei habe ich lieber in die Jobsuche investiert, was ja auch eigentlich Sinn der Sache ist… oder?

    • @Oliver:
      Den Vorteil eines sozialen Netzes stellt hier tatsächlich niemand in Frage. Nur wie dieses umgesetzt wird. Wenn wir den ganzen Kontroll- und Prüfungsaufwand weglassen würden, hätte der Staat zum einen mehr Geld und den Jobsuchenden könnte vielleicht sogar mal sinnvoll geholfen werden.

      Die Erfahrungen von Josef, dass die vorgeschlagenen Jobangebote nicht zu Jobsuchenden passen, kann ich nur bestätigen. Statt sich in die Situation des Jobsuchenden hineinzuversetzen und aus seiner Situation heraus Lösungen zu finden, wird dem Kunden auch noch der Erfolgsdruck und der damit einhergehende Frust der Mitarbeiter aufgedrückt.

      Um das anders zu machen, benötigt man Mitarbeiter, die im zwischenmenschlichen Bereich gut ausgebildet sind, und nicht welche, die entweder kaum Lebenserfahrung mitbringen und/oder nur deshalb bei der ARGE Mitarbeiter sind, weil sie sonst keinen Job gefunden haben.

  12. @Dustbin
    @Mun
    Hatte ich, mit der AfA, aber das ist lange her. Nach der Ausbildung musste ich dahin. 1 Jahr Bezug von ALG I. Auf den Monat ALG II Anspruch von der Arge danach habe ich verzichtet, da ich einen Arbeitsvertrag im darauffolgenden Monat hatte. Dafür war mir die Rennerei zuviel und ich habe lieber entspannt.

    Klar klappt nicht alles auf Anhieb. Sicher brauchen einige Sachen mehr Zeit. Auch Fehler passieren. Das die gesamte Schuld immer auf der Seite der Sachbearbeiter liegt, ist aber einfach falsch. Wer seine Unterlagen nicht vollständig hat muss eben warten und liefern. Eine Bewilligung passiert nicht von jetzt auf gleich, viele meinen das aber und denken: Komm ich heute, gibt’s morgen Kohle. Diesen Forderungsgedanken sollte man ganz schnell ablegen. Und wenn man nicht zeitig erscheint, kriegt man auch nicht zeitig Geld. Wenn man studiert weiß man wann das Studium zuende ist und kann auch frühzeitig einen Antrag stellen. Das gleiche gilt bei Kündigungen, in denen wird man drauf hingewiesen sich zu melden.

    • @Oliver: leider hat nicht jeder dann Geld genug um den Monat zu überbrücken. Wenn dann noch Kinder dazu kommen sieht es düster aus. Als Ich durch meinen neuen Job fast raus aus dem Bezug war wurde die nächste Zahlung als Darlehen vorgestellt damit Miete und NK bezahlt werden konnten. Direkt im nächsten Monat dann wieder einbehalten das hat uns dann toll geholfen. Auto musste dann auch noch der Eigenanteil gezahlt werden. Den konnte ich zum Glück beim Händler in Raten abzahlen. Nicht falsch verstehen, für die Hilfe und den Zuschuss zum Auto bin ich dankbar und dass hat uns auch geholfen.

      • @Petra:

        Wenn man durch Einkommen dem Leistungsbezug entkommt die Lohnzahlung aber nachschüssig oder erst im Folgemonat passiert kann man ein Darlehen beantragen, korrekt. Dieses Darlehen muss aber nicht auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Dafür kann man Ratenzahlung vereinbaren. Wenn man durch Nachberechnung bei schwankendem Einkommen nachzahlen muss passiert das, außer bei Kleinstbeträgen oder bei vorheriger Vereinbarung auch nicht auf einen Schlag. Selbst wenn man durch zu hohes Einkommen aus dem Bezug wäre, kann man diesen Betrag auf 6 Monate aufteilen und geteilt anrechnen. Dasselbe passiert bei Aufstockern die Jahressonderzahlungen haben. Sonst wäre es zu oft ein Wechsel zwischen Bezug und Nichtbezug von Leistungen.

    • @Oliver:
      Tut mir leid, wenn der Eindruck entstanden ist, ich hätte NICHT rechtzeitig den Antrag gestellt. Hatte ich… Aber da wird an allen Ecken und Enden gespart, so dass die eine Welle von Arbeit vor sich herschieben. Frei nach dem Motto: wenn’s mit 10 Sachbearbeitern klappt… wie wäre es dann mit 9?
      Ich gebe nicht den Leuten die dort arbeiten die Schuld, weiß Gott nicht. Das Problem ist systemisch. Und als Akademiker hatte ich noch Glück, da ich die schlimmsten Auswüchse nie zu sehen bekommen habe, ich war ja „willig“.
      Dennoch: aus meiner Sicht gehört diese Einrichtung abgeschafft oder zumindest komplett auseinandergenommen und neu wieder zusammengesetzt, bis sie sinnvolle Arbeit macht und nicht länger nur das Elend verwaltet. Die einzigen Arbeitsplätze, die so geschaffen werden, sind die von Sachbearbeitern.

  13. Ich kann den Schreiber des Textes Josef nur beipflichten. Bevor ich das Theologiestudium beenden und eine Weiterbildung zur Bestattungsfachkraft beginnen wollte, erkundigte ich mich bei der für mich zuständigen ARGE in Ansbach über die Förderungsmöglichkeiten, zumal ich fest zugesichert nach der Weiterbildung im Ansbacher Land ein kleines Bestattungsinstitut auf dem Lande hätte übernehmen können. Ich vertraute der mündlichen Zusage der ARGE-Mitarbeiterin, dass dies übernommen würde und exmatrikulierte mich.
    Dann plötzlich fällt der ARGE ein, dass das Ganze viel zu teuer ist und man bringe mich schon irgendwie woanders unter. Ja klar, als fast fertiger Theologe stehen einem viele qualifizierte Jobangebote offen. Ha ha, habe sehr gelacht! Das wollte ich nicht, ich wollte unbedingt Bestattungsfachkraft werden – noch heute mein Traumberuf. Ich lieh mir notgedrungen privat Geld für die Weiterbildung (Alleine die Kursgebühr kostete über 12.000 Euro für 2 Jahre) und kämpfte dann mit der ARGE für diese zwei Jahre freigestellt zu werden, um zumindest den Kurs machen zu können. Heraus kam ein fauler Kompromiss: Ja, ich bekomme die zwei Jahre frei, bekomme aber nur die Grundversorgung für die zwei Jahre, ohne Mietzahlung. Ich hätte eigentlich vor das Sozialgericht ziehen sollen, doch ich wollte keinen Streit. Ich wurde ganz schön von den Mitarbeitern der ARGE Ansbach erniedrigt und ein übles Spiel mit meinen Nerven gespielt.
    Der Kurs fand in Wiesbaden statt. Als ich dann im Kurs hörte, dass die dortigen ALG II-Empfänger alles bezahlt bekamen, selbst wenn sie schon bereits eine, oder zwei staatliche Umschulungen hinter sich hatten, erkundigte ich mich nach den dortigen Förderungsmöglichkeiten und bekam die restliche Zeit von dort stressfrei mein ALG II inkl. der Miete, da ich mich mit dem Hauptwohnsitz nach Wiesbaden ummeldete. Wäre ich noch vor Kursbeginn dorthin gezogen, so hätte ich sogar ohne Probleme den teuren Kurs bezahlt bekommen.
    Die Mitarbeiter in Wiesbaden gingen mit mir fair und menschlich um und waren froh später zu hören, dass sich derein Einsatz gelohnt hat. ich bin nun seit fast neun Jahren ein glücklicher Bestattungsunternehmer mit derzeit drei Bestattungsinstituten.
    Doch die ARGE Ansbach ist ein Hohn. Schande über sie!
    Es kommt halt doch oft darauf an, wo man gerade das Pech hat Sozialleistungen beantragen zu müssen.

    P.S.: Josef, wenn Du wieder einen Job als Bestatter möchtest und Ihr auch dafür umziehen möchtet, dann wende Dich bitte über den Peter an mich und sende mir Deine Bewerbung zu. Ich suche gerade einen Bestatter in Vollzeit und beschäftige sehr gerne ältere erfahrene Bewerber. Es würde mich freuen, wenn wir zusammen kämen.
    Also lass Dich bitte nicht entmutigen und Kopf hoch!

    • @Der Boandlkramer: Vielen Dank für das Angebot und die ermunternden Worte, aber ich hatte ja schon an Mel geschrieben, das ich das Tal durchschritten habe. In meinem neuen Job komme ich gut zurecht. Das habe ich in meiner Zeit in Harz 4 auch oft gehört, die eine Arge ist scharf wie sonst was, und in einer anderen Stadt ist sie sehr human. Kommt halt immer auf den Faktor Mensch an!
      Lg Josef

      • @Josef: Das freut mich für Dich. Sicherheitsdienst, das ist schon ein hartes Brot. Da liebe ich meine ruhigen (End-)Kunden. =;-)
        Deiner Familie wünsche ich eine gute Zeit.

        freundliche Grüße

        Der Boandlkramer

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