Lodernde Flammen -6-

Ich gönnte mir ein Salamibrötchen und eine Tasse heiße Brühe, denn ich ahnte, daß mein Mittagessen an diesem Tag ausfallen würde. Dann kamen die Leute für die dritte Beratung an diesem Tag. Ein kleine alte Dame mit auffallen krummen Beinen kam in Begleitung ihrer erwachsenen Kinder. Sechs Personen, zwölf Tassen Kaffee, ein Tisch voller Unterlagen. Sie hatten alles mitgebracht, von dem sie dachten, es könne von Bedeutung sein, darunter viele Dokumente mit Hakenkreuz, teils noch von der Oma des Verstorbenen.
Gestorben war der Mann der alten Frau.

Die Kinder wurden nicht müde, zu beteuern, wie sehr sich jeder um die Oma kümmern würde und jeder tröstete sie. Eine Schwiegertochter tat sich ganz besonders hervor und erzählte mir mindestens zwölf Mal, daß sie ja am häufigsten beim Opa im Krankenhaus gewesen sei. Sie würde ja jetzt auch alles in die Hände nehmen, die Oma käme ja alleine nicht klar.
Schön!
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Lodernde Flammen -5-

Frau Wolters war weit über 80 Jahre alt geworden und an Krebs gestorben. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es war sehr schnell gegangen. Die Diagnose hatte Frau Wolters erst vor zwei Monaten bekommen. Da war der ganze Körper schon mit Metastasen verseucht gewesen. Da die alte Dame eine sehr kleine und zierliche Person gewesen ist, hatte sie dem Krebs nicht viel entgegenzusetzen und die Krankheit hatte leichtes Spiel. Bettlägerigkeit, Palliativstation, Lungenentzündung – Exitus.

Eine schöne, traditionelle Beerdigung orderte ihr Witwer und sparte letztlich an nichts. Klar, dann kostet das Beerdigen auch Geld.
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Lodernde Flammen -4-

Ein paar Mal noch versuchte der 81-jährige Herr Wolters seine großkotzige Tour, aber bei mir biß er damit auf Granit.
„Wenn Ihnen das nicht paßt, daß der Bestattungswagen 150 Euro kostet, können Sie Ihre Frau auch mit der Schubkarre zum Friedhof bringen“, lautete einer meiner Sätze.
Das klingt frech, das klingt hart, aber eine andere Sprache verstand der Mann manchmal nicht. Man muß sich das Gespräch mit ihm so vorstellen. Da saß ein weicher, schwer von Trauer getroffener Mann vor mir, der Angst vor dem vor ihm liegenden Leben ohne seine Frau hatte. Aus jeder Faser seines Körpers sprach diese Angst. Ich konnte den Schmerz und die Verletzlichkeit auch aus seiner Stimme heraushören. Seine Haltung, seine Mimik, seine Gestik, alles sprach von Ängstlichkeit. Ja, und nun gibt es Menschen -und dieser Herr Wolters war einer von denen- die versuchen ihre Schwäche durch ein möglichst polterndes Auftreten wett zu machen oder zu überspielen. Sie denken, ihre Verletzlichkeit wäre nicht so offenbar, wenn sie frech und unverschämt auftreten. So hängte er ans Ende jedes seiner Gesprächsabschnitte immer noch ein etwas härter vorgetragenes Anhängsel an.

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Lodernde Flammen -3-

Kaum war er weg, stürmte ein älterer Herr in unser Bestattungshaus. „Wo ist denn da jemand, der sich auskennt?“, herrschte er Frau Büser an, die ihn nur nach seinem Begehr gefragt und ihm den Gruß entboten hatte.
„Der Chef kommt gleich, bitte nehmen Sie doch einstweilen hier einen Moment Platz. Möchten Sie einen Kaffee?“

„Wenn ich Kaffee will, dann gehe ich ins Café Krämer. Sitzen will ich auch nicht, oder mache ich etwa einen gebrechlichen Eindruck auf Sie?“

„Wie Sie wünschen.“
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Lodernde Flammen -2-

Ich versuchte ihm klar zu machen, daß ’sofort tot‘ meist auch ganz genau das bedeutet. Was anders kann auch passieren, wenn sich 30 Tonnen mit 100 km/h auf einen italienischen Kleinwagen und eine Mercedes B-Klasse schieben und diese beiden Autos am Heck eines anderen LKW zusammenstauchen?
Es war, so glaube ich, eine gute Dreiviertelstunde, die ich benötigte, um dem Mann klar zu machen, daß man den Rettern keinen Vorwurf machen kann.

„Ein einfacher Holzsarg soll es sein, also so ganz einfach, ohne Lack und ohne Zinnober. Den will ich dann selbst anmalen. Ist das erlaubt?“
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Lodernde Flammen -1-

Es kommt nicht oft vor, daß ein Bestatter weint.
Es kommt vor, keine Frage. Aber es kommt eben nicht oft vor.
Man ist ja Profi, man hat ja tagtäglich mit Trauernden und Verstorbenen zu tun. Würde man sich da jeden einzelnen Sterbefall zu Herzen nehmen, dann würde man im Laufe der Zeit daran zerbrechen.
Aber es gibt Schicksale und es gibt besondere Menschen, die auch das Herz eines Bestatters rühren.

Herrn Schweez kannte ich vom Sehen. Ich kannte auch seine Frau. Die beiden waren mir das erste Mal anläßlich einer Protestaktion der örtlichen Umweltgruppe aufgefallen. Sagen wir es mal so, große Sympathie hatte ich für diese Umweltgruppe im Allgemeinen und bei diesem Anliegen im Besonderen nicht.
Da fällt es einem dann leicht, diese Leute als grüne Spinner, Müslis oder Krötenschaukler zu bezeichnen und ihr Tun ins Lächerliche zu ziehen. So geht es mir oft, wenn ich es mit Gruppen zu tun habe. In der Masse geht der Einzelne meist unter.

Um so erstaunter war ich, als Herr Schweez eines Tages bei uns anrief und ankündigte, wegen eines Sterbefalls vorbeikommen zu wollen. Das Ehepaar Schweez war ungefähr Mitte Dreißig.
Gut, der wird eine alte Mutter, Tante oder Oma haben, die er beerdigen muß, dachte ich.

Aber es war seine Frau.

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Grab eingesackt, Grab sackt ein – Was tun?

Wie häufig sackt ein Reihengrab? Häufiger als ein Wahlgrab durch die Erdbewegungen
drumherum da ja immer wieder „ein neuer Nachbar“ hinzukommt?

Ich hab Dir mal ein paar Bilder angehangen, es handelt sich um das Erdreihengrab meiner Oma.

Nachdem die Erde für ein Grab geöffnet wurde und der Sarg in die Erde gekommen ist, wird das Grab wieder mit dem herausgenommenen Erdreich verschlossen.
Dabei wird die Erde etwas verdichtet. Allerdings befinden sich seitlich und unterhalb des Grabes noch gewisse Hohlräume.
Außerdem ist die Erde nur leicht verdichtet.

Darum sacken Gräber

Im Laufe der Zeit setzt sich die Erde. Schwerkraft, Regen und Frost sorgen dann dafür, daß sich das Grab senkt.
Zuerst sind Risse in der Graboberfläche zu sehen, dann weiten sich die Senkungserscheinungen auch auf den Boden rund um das Grab aus.

(Bilderstrecke nach dem Weiterlesen-Link)
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Wo ist das Grab meiner Mutter?

Grab Edith Maria Hildegard XY. geboren am 15 August 19XX verstorben am XX Möchte gerne wissen ob das grab von meiner Mutter noch gibt ich war damals 11 Jahre alt als Meine Mutter starb beerdigt wurde meine Mutter auf dem Hauptbahnhof Erfurt mit freundlichen grüßen Frau K.

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage.
Sie überschätzen aber meine Möglichkeiten.

Ich könnte nun natürlich recherchieren. Aber da Sie das selbst auch tun könnten, würde ich vorschlagen, daß Sie das auch tun. (Die Kontaktdaten habe ich unten in eine Info-Box gepackt.)

Sie wissen wann der Todesfall war und wo die Beerdigung stattgefunden hat.
Das sind die besten Voraussetzungen, um beim zuständigen Friedhofsamt anzurufen.

Da die Bestattung über 30 Jahre zurückliegt, dürfte das Grab eigentlich nur noch existieren, wenn damals ein Grab mit so langer Laufzeit angemietet wurde.
Ansonsten ist das Grab nach so langer Zeit wahrscheinlich weg.

Ich kann nichts dazu sagen, wie die Grablaufzeiten in den 70er Jahren waren. Ich meine aber, daß nach aller Wahrscheinlichkeit das Grab nicht mehr existieren dürfte. Aber rufen Sie dort doch einfach mal an, oder schreiben Sie eine E-Mail. Es ist durchaus empfehlenswert der Korrekturfunktion des Browsers nicht zu vertrauen.
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