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Frau Lange und das Mädchen

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Ich kenne Frau Lange schon seit einem halben Jahr. Normalerweise sitzt sie immer unten im Gemeinschaftsraum des Pflegeheims, wenn ich zu Besuch komme. Dort lesen wir Zeitung, singen Volkslieder oder ich erzähle ihr Märchen. Manchmal darf ich ihr den Rücken zwischen den Schultern reiben, das Sitzen im Rollstuhl ist anstrengend für sie. Heute sitzt Frau Lange nicht unten im Gemeinschaftsraum. Sie liegt in ihrem Zimmer im Bett. In den letzten Tagen ging es ihr nicht so gut, hat mir die Pflegerin gesagt. Kaffee und Kuchen hat sie abgelehnt. Tatsächlich ist Frau Lange sehr müde und schlaff. Sie liegt im Bett und döst vor sich hin. Aber ich soll trotzdem bleiben, sagt sie.

Ich sitze also an ihrem Bett, erzähle manchmal ein bisschen, aber schweige vor allem viel und streiche ihr manchmal über die Hand. Das scheint gerade das Richtige zu sein. Nach einer Weile kommt plötzlich Leben in sie. Sie richtet sich ein wenig auf und hat einen so klaren Blick, wie ich ihn noch nie bei ihr gesehen habe. Diesen Blick richtet sie an die Zimmerdecke schräg hinter mir und lächelt erfreut. Mir läuft es für einen Moment kalt den Rücken runter. Hier passiert gerade etwas Besonderes, das ist deutlich zu spüren. Weiterlesen

Handy aus auf dem Friedhof?

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Handy aus am Friedhof?

Es ist einer dieser Momente während eines Begräbnisses, von dem ein jeder schon gehört hat und eigentlich weiß, dass er ganz leicht zu vermeiden gewesen wäre.

Ein Moment den Viele als absolut unpassende und pietätlose Störung bezeichnen würden.

Und da sollte man doch glauben, wenn es „eh ein jeder weiß“, dass die Leute sich danach richten würden, kurz gesagt, einfach den „liebsten Begleiter des modernen Menschen“ abzuschalten und dem Akku mal ein bisschen Pause zu gönnen.

Aber dann passiert es doch mit einer unglaublichen Sicherheit, dass man spätestens auf jedem zweiten Begräbnis, das man besucht, mindestens ein Handy klingeln hört.

Mehr kannst Du hier lesen
von Thomas Jahn

Was ist Deine Meinung dazu?

Ist ein klingelndes oder summendes Handy heutzutage wirklich noch so ein Fauxpas?
Oder ist das heute schon so etabliert, dass die anderen sich nicht so anstellen sollen?
Oder aber meinst Du: Handytöne auf dem Friedhof, das geht gar nicht!?

Warum eine Trauerkarte eine so wichtige Geste ist

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Das Schreiben von Trauerkarten nach dem Tod einer geliebten oder bekannten Person, scheint oft nur ein Akt der Unsicherheit und Verzweiflung zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber um eine wichtige Geste, die in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. Auch wenn es ein schwerer Weg ist, die richtigen Worte zu finden, so kann genau dieser Weg bei der Verarbeitung helfen.

Die Geste nicht unterschätzen

Wenn es darum geht, Hinterbliebenen Trost zu spenden, dann gibt es dafür verschiedene Wege. Jeder muss den für sich passenden Weg finden und das ist oft gar nicht so einfach. Die Trauerkarte ist ein Weg, der für beide Seiten eine angenehme Sanftheit hat. Sie ist nicht zu aufdringlich und zeigt dennoch, welche Bedeutung der Verstorbene für einen Menschen hatte. Der Schreibende hat die Möglichkeit zu zeigen, wie wichtig ihm der Mensch gewesen ist, der nun verstorben ist. Für die Hinterbliebenen ist die Trauerkarte ein Zeichen, dass die geliebte Person in den Gedanken und Erinnerungen noch am Leben ist. Bei der Trauerbewältigung ist dies eine große Hilfe. Sie kann dafür sorgen, dass schöne Erinnerungen in den Fokus rücken und diese sind für die Aufarbeitung wichtig. Wenn die richtigen Worte gefunden werden, dann ist dies auch eine Möglichkeit, den Blick wieder langsam nach vorne zu richten.

Sich Zeit für die Suche nach der Karte nehmen

Die Auswahl der Trauerkarte ist für viele Menschen eine Herausforderung. Welches Motiv bietet sich an? Soll es einen Beileidsaufdruck geben oder nur ein Bild mit einer starken Botschaft? Beide Varianten zeigen eine hohe Wertschätzung. Wichtig ist es, die Bedeutung von einzelnen Symbolen zu kennen. Während Kerzen für die Stille stehen, gelten Blumen als ein Zeichen, das auf Hoffnung hindeutet. Teilweise ist auch das Zeichen der Unendlichkeit auf den Karten zu finden. Dieses macht deutlich, dass die Erinnerungen an einen Menschen unendlich sind. Auch die Worte im Inneren der Karte spenden Trost und geben neue Kraft, um den Blick nach vorne zu richten. Die Person, die ihre Trauer ausspricht, darf sich hier durchaus schwertun. Es kann jedoch helfen, sich erst einmal die Erinnerungen an den Menschen in den Kopf zu holen und darauf aufzubauen.

Bitcoin

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Geht Euch das auch so? Ich habe noch nie eine Mail mit dem Betreff oder Inhalt „Bitcoin“ bekommen, die kein Spam war.

 Angst vor dem Sterben: Wie Leid gelindert werden kann (und ein Aber dazu)

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„Ich habe eigentlich keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben!“ Diesen Satz habe ich in verschiedenen Varianten schon öfter gehört. Die Angst vor Schmerzen, Ersticken, langem Leiden, die ist für viele Menschen sehr präsent, wenn es um das Thema Tod geht. Und ja: Sterben ist oft kein Zuckerschlecken, da braucht man nichts beschönigen. Aber es gibt inzwischen sehr viele Möglichkeiten der Palliativmedizin, Leiden zu lindern und ein friedliches Sterben zu ermöglichen.

Schmerzen, Angst und Co: Woran Sterbende leiden

Sterben ist individuell und niemand kann vorher genau sagen, wie es ablaufen wird. Manchmal ist es schnell und leicht, manchmal mühsam und qualvoll, sehr häufig etwas dazwischen. Wie friedvoll oder schwierig das Sterben abläuft, hängt unter anderem von der Erkrankung ab, die zum Tod führt. Bei Menschen, die an Altersschwäche sterben, ist es oft leichter. Bei schweren Krankheiten kann das anders sein. Gerade Krebspatient*innen leiden in ihrer letzten Lebensphase oft unter starken Schmerzen. Aber auch andere  Probleme können in der letzten Lebensphase auftreten: Manche Menschen leiden unter Atemnot und dem qualvollen Gefühl zu ersticken. Andere sind sehr unruhig und haben mit Angstzuständen, Verwirrung, Halluzinationen oder Depressionen zu kämpfen. Wieder andere müssen sich mit massiver Übelkeit und Erbrechen plagen. Die Vorstellung der meisten Menschen vom Sterben ist eng mit Schmerzen und Leiden verbunden. Und manchmal ist das auch so. Kein Wunder, dass viele Menschen genau davor furchtbare Angst haben. Aber: Ein guter Teil der Angst ist unbegründet! Weiterlesen

Der Mann am Rande der Strasse

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Jeder Bestatter kennt das. Mitten in der Nacht klingelt das Telefon. Es ist das Telefon an Deinem Bett und Du wirst unwirsch, weil Du Manni, Georg, Hans oder wie die Männer halt heißen, zur Bereitschaft eingeteilt hast und eigentlich mal durchschlafen möchtest. Du kannst aber nicht durchschlafen, irgendjemand wählte diese Nummer, die nur den Eingeweihten bekannt ist, und jetzt klingelt dich das Telefon aus dem Schlaf.

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„Chef, sorry, tut mir leid, aber großes Ding hier, schwerer Verkehrsunfall, das schaffen wir nicht alleine“, tönt es abgehackt aus dem Hörer und ich ärgere mich darüber, daß man trotz modernster Handys und teurer Mobilfunkverträge so eine teils unzuverlässige Wechselsprechqualität dafür angeboten bekommt.

Meine Frau, die mit einen sehr tiefen Schlaf gesegnet ist, dreht sich nur auf die andere Seite um, als ich mich aus der warmen Decke schäle, kurz den Fußkontakt zu kühlen Fußboden scheue, während ich nach meinen Hausschuhen angele.
Sie, also die Allerliebste, kann ja mit ihren gelenkigen Zehen Stecknadeln aufheben, meine Füße hingegen sind so gelenkig, ich kann allenfalls Schaben tottreten, wüßte aber auch nicht, wozu ich mit den Zehen Stecknadeln aufheben sollte.

Während ich mich in einen halbwegs zivilisierten Menschen zu verwandeln versuche, eine Metamorphose, die mir nachts immer nur sehr schwer gelingen mag, fällt mein Blick in den Spiegel und ich sehe ein, daß eine notdürftige Rasur das Mindeste ist, was ich noch machen muß, um nicht als Heckenpenner an der nächsten Ecke verhaftet zu werden.

Frisch nach Rasierwasser duftend steuere ich einen unserer Bestattungswagen zur angegebenen Stelle, einer Kreuzung an irgendeiner Landstraße im Badischen, die nicht unbedingt den Ruf genießt, ein Unfallschwerpunkt zu sein. Die Strecke an sich ist aber bei all denjenigen beliebt, die gerne mal ein „Viertele“ über den Durst trinken und ohne behördliche Kontrolle nach Hause kommen möchten. Es geht die Mär, dort fänden gar keine oder nur höchst seltene Kontrollen statt.

Jetzt aber, und das sehe ich schon kilometerweit aus der Ferne, flackern dort Blaulichter ein gespenstisches künstliches Nordlicht in den nächtlichen Himmel und mir schwant schon, vorgewarnt durch den nächtlichen Anruf, daß das Großes auf mich wartet.
Nichts Großartiges im Sinne von toll oder prächtig, sondern etwas Umfangreiches im Sinne von Blut, Schmerzen und abgetrennten Körperteilen.
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