Sarg selbst tragen

Wie ist das eigentlich, wenn Angehörigen selbst den Sarg tragen wollen? Muß das bei der Verwaltung angemeldet werden? Kostet das etwas extra, oder wird es gar billiger? Kann man sowas vorher mal üben?

Das kommt ganz darauf an. In unserer Gegend hier werden die Sargträger von der Stadtverwaltung gestellt. In anderen Regionen haben die Bestatter eigene Sargträger und in wieder anderen Gegenden gibt es Sargträgergruppen, die das ehrenamtlich machen und die dann ein deutliches Trinkgeld bekommen. Es kann auch sein, daß die Kirchengemeinde, die den Friedhof betreibt, die Sargträger stellt oder daß ein Friedhofsgärtner dafür zuständig ist oder oder oder…

Man sieht, das kann vollkommen unterschiedlich organisiert sein, man muß nur wissen, an wen man sich wenden muß.

Selbstverständlich gibt es, vor allem im dörflichen Bereich, die Tradition, daß Familienangehörige den Sarg tragen und immer mal wieder kommt es vor, daß auch bei uns Angehörige diesen Wunsch haben. Entweder kennen sie das von früher oder aus ihrer Heimat so oder sie haben jetzt aktuell diesen Wunsch entwickelt.

Müssen die Sargträger ansonsten angeheuert werden und man benötigt sie jetzt nicht, kann es sein, daß man tatsächlich sogar ein bißchen was sparen kann. Manchmal ist es aber so, daß die angeheuerten ehrenamtlichen Sargträger sowieso den ganzen Vormittag am Friedhof sein müssen, dann zahlt man denen ihr Trägergeld trotzdem.

Insofern könnte man sagen, daß in diesem Fall das Selbsttragen etwas zusätzlich kostet, aber eine direkte Gebühr dafür ist mir nicht bekannt.

Insbesondere wenn der Verstorbene in einem Verein war, z. B. bei den Fußballern, der freiwilligen Feuerwehr oder wenn er bei der Polizei war usw., kommt es vor, daß die Kollegen den Sarg tragen wollen. Manchmal haben die das schon mal gemacht, wenn nicht, dann bitte ich die bis zu acht Träger zu uns und wir üben das mal mit einem echten Sarg. Ein Stück alte Kardanwelle von einem Schrott-LKW ersetzt dann den Verstorbenen, denn gerade das Gewicht muß stimmen, sonst nutzt das Üben nichts.

Ich kann sagen, daß das Ganze, trotz des traurigen Anlasses, stets eine merkwürdige Mischung aus würdigem Üben und ausgelassener Heiterkeit ist. Als wir das noch nicht mit der Kardanwelle gemacht haben, legte sich immer einer von den Trägern in den Sarg und daraus ergaben sich dann stets irgendwelche albernen Sprüche und am Ende wollte jeder mal…

Kann man das vorher nicht üben, etwa weil die Angehörigen, die das machen wollen, erst am Beerdigungstag anreisen, dann muß eine kurze Einführung vor der Trauerfeier reichen.

Vor etwa acht Jahren hatten wir mal den Fall, daß vier Herren den Sarg ihres Vaters tragen wollten, das war sehr wichtig für sie und glücklicherweise haben wir das vor der Trauerfeier kurz geübt. Dabei stellte sich heraus, daß sie gar nicht über genügend Kraft verfügten, um den Sarg, so wie sie es ursprünglich wollten, auf die Schultern zu heben. Für ein normales Tragen an den Griffen hat es dann aber gereicht.

Noch etwas länger ist es her, uns aber immer noch sehr deutlich in Erinnerung, daß von sechs Sargträgern einer einfach zu klein war. Aber ausgerechnet der wollte unbedingt dabei sein und es sich nicht nehmen lassen, den Sarg zu tragen. Das hätte aber wirklich sehr merkwürdig ausgesehen. Glücklicherweise fiel mir dann eine Lösung ein und ich habe kurz mit dem katholischen Pfarrer gesprochen. Der kleine Mann war dann ganz stolz, daß er den Weihwassereimer vor dem Sarg hertragen durfte und ein anderer Mann nahm seinen Platz bei den Trägern ein.

Wie bei allen persönlichen Wünschen bezüglich des Ablaufs der Bestattung gilt auch hier: Man sollte dem Bestatter so frühzeitig wie möglich Bescheid geben.

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  • Veröffentlicht am: 13. April 2008
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Manchmal ist es aber so, daß die angeheuerten ehrenamtlichen Sargträger sowieso den ganzen Vormittag am Friedhof sein müssen, dann zahlt man denen ihr Trägergeld trotzdem.

    Und wer hätte ihnen das Geld gezahlt, wenn diese Bestattung nicht stattgefunden hätte?

    So als eiserne Reserve im Hintergrund, dass nichts schief läuft? Dann müssen sie wenigstens auch mitmarschieren oder als Deco herumstehen. Umsonst ist der Tod.

  2. Hier in der Gegend (ländlich) gibt es sog. Nachbarschaften.
    Verstirbt ein Mitglied einer Nachbarschaft, so organisiert der Nachbarschaftsmeister um die Träger, den Grabaushub und die Schließung des Grabes. Diese Aufgaben werden von Mitgliedern der Nachbarschaft erledigt. Außerdem wird den Hinterbliebenen ein kleiner Betrag ausgezahlt. Dieser reicht aus, um 10% der Bestattungskosten zu decken. Bestattungskosten liegen hier in der Gegend im Schnitt bei 2.500 Euro (Feuer).

    Ein weiterer positiver Aspekt ist die jährliche Versammlung an der traditionsgemäß der Verstorbenen gedacht und anschließend auf deren Wohl fürchterlich gesoffen wird :D

    cu
    Thomas

  3. Das gefällt mir. Nicht nur wegen der Jahreshauptversammlung. Hört sich schätzungsweise norddeutsch an. Gibt es so etwas wie eine Vereinssatzung? Wie hoch wird wohl der Mitgliedbeitrag sein? Welche Aufgaben haben sich diese Vereinigungen noch gegeben?

  4. @mac
    Die Aufnahmegebühr beträgt 50 cent je Lebensjahr.
    Jährliche Kosten sind minimal ~ 1,50 € oder so.
    Wenn aus der Nachbarschaft niemand verstorben ist, wird in Folgejahr auch nicht gesammelt. Gibt es mehr Sterbefälle als der Durchschnitt erwarten ließ, wird auch mal ein Euro mehr eingesammelt.

    Die Nachbarschaften sind schon recht alt und wurden nur zum Zwecke der Bestattung gegründet. Ursprünglich um auch armen Leuten/Familien eine würdige Bestattung zu ermöglichen.

    Zu erwähnen wäre noch, daß Frauen zwar aufgenommen werden, aber nicht an der Versammlung teilnehmen dürfen :D
    Dies ist wohl auch ein Grund dafür, daß die Versammlungen sehr gut besucht und „stimmungsvoll“ sind. Die/einige Damen machen am selben Tag eine Gegenveranstaltung, bei der sie vmtl. planen, wie sie ihre Göttergatten am besten quälen können :D

    Neee, nicht Norddeutschland. Rheinland-Pfalz, Mittelrheintal.

    Eine Satzung existiert. Falls sich jemand dafür interessiert -> mal an webmaster(at)domainselect.de

    cu
    Thomas

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