Schwere Panne beim Bestatter

Man stelle sich vor, ein lieber Angehöriger wird bei einem Unfall getötet oder schwerst verletzt. Der Notarzt unternimmt noch zahlreiche Versuche, den Sterbenden zu retten, doch leider vergebens. Man beauftragt den bekanntesten Bestatter der Stadt, ja des ganzen Landes, wenn nicht gar der ganzen Republik.

Ja, und dann möchte man kurz vor der Trauerfeier noch einmal Abschied nehmen können, der Sarg wird geöffnet und man stellt mit Schrecken fest, daß der Bestatter die hygienische und kosmetische Versorgung schlichtweg unterlassen bzw. vergessen hat.

„Die Tochter, deren Mann, zwei 16 und 10 Jahre alten Söhne und eine 86-jährige Tante wollten sich von ihrem toten Angehörigen verabschieden…“ Nicht erwartet haben die Angehörigen „…dass der am Unfallort eingesetzten Tubus noch im Mund steckte. Auch andere medizinischen Utensilien wie Kanülen und eine Kieferfixierung waren von dem Leichnam nicht entfernt worden – obwohl das Bestattungsunternehmen seit drei Tagen gewusst hatte, dass der Sarg geöffnet werden sollte.“

Immerhin gesteht die Firma Denk den Fehler unumwunden ein, wie der Donaukurier berichtet.

Quelle/Zitate: Donaukurier

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  • Veröffentlicht am: 18. Juli 2008
  • 12 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Ok, es war eine schwere Panne, die – wie ebenfalls schon geschrieben – sicherlich auch etwas in der Psyche/Seele der Angehörigen zurückbleiben lässt, aber die Erde dreht sich noch immer und auch noch in die richtige Richtung (denk‘ ich jedenfalls).
    Bei allen Folgen, die dieser Fehler nach sich ziehen, sollte doch beachtet werden, dass auch Bestatter Menschen sind ;-) und Menschen machen nun mal Fehler (sofern sie denn arbeiten!).
    Ich frag mich nur: schaut denn da niemand am Vorabend oder Morgen der Trauerfeier in den Sarg?
    Alle reden von Qualitätsmanagement/-sicherung wie, lieber Tom, sieht es da bei Bestattern aus?
    Grüsse aus Frankfurt am Main
    Hajo

  2. Hallo,

    Was ich an der Sache nicht verstehe: Der Verstorbene wird doch nicht im endgültigen Sarg in der Klinik abgeholt. Warum haben die den Mann so umgebettet un das Ding auch noch zugemacht? „Machen wir später“ und dann vergessen? Oder hat man vergessen, dass die Angehörigen den Verstorbenen noch mal sehen wollten und wollte auf diesen Wege den Sondermüll entsorgen?

  3. Das Bestattungsunternehmen benutzt aber eine für ein Bestattungsunternehmen sehr ungeschickte Entschuldigungsfloskel:

    „Asche auf unser Haupt.“

    ..und vom welchem Toten stammt jetzt schon wieder die Asche?

  4. Naja, wenn eine solche unterlassene Versorgung nicht zur Geschäftspraktik gehört, wie man es sich zB bei Pietät Eichenlaub vorstellen könnte – shit happens und Fehler passieren.

  5. Und was sagen die Kollegen aus Augsburg dazu?:
    „Sollen die Angehörigen doch froh sein, dass es wenigstens die richtige Leiche war…“ ;-)

  6. Oh, das Bestattungshaus Denk hat auch die Oma meines Freundes eingeäschert. Allerdings in der Nähe von München. Wusste gar nicht, dass das eine Kette ist…

    Sehr peinliche Angelegenheit.

  7. Habe einen verunfallten BW Angehörigen, aus dem christlichen Bayern,beigesetzt. Zu dem Gespräch bei den Eltern, hat sich die BW mit der Bemerkung „entschuldigt“:“…eigentlich ist es üblich. das der beisetzende Bestatter, die Leiche überführt (Verdienst!!!), aber in Bayern ist das anders.Am Abend vor der Beisetzung wurde der Verstorbene in einem weißen Sarg und einem großen Kreuz darauf, aus Bayern, angeliefert.Ich habe den Sarg geöffnet, um mir den Jungen anzusehen.Wie er von der Autobahn geborgen wurde lag er drin.
    Mit allen blutigen Handschuhen und weiters von der Unfallstelle zu entsorgendes. Der Sarg war noch nicht einmal ausgeschlagen.Ich habe den Sarg ausgeschlagen, den Verunfallten versorgt und mit Talar und Deckengarnitur ausgestattet. Damit hatte ich meine innere Ruhe hergestellt. Mit den Eltern habe ich nie darüber gesprochen und auch keine Rechnung darüber ausgestellt. Das hat sicher das anliefernde BI getan. Ich habe alles fotografiert.

  8. Vielleicht bin ich ja zu vorsichtig, aber als Bestatter oder am Friedhof Beschäftigter, würde ich tatsächlich den Sarg grundsätzlich erst einmal ohne Zuschauer öffnen. Ich fände es doch eben zu peilich wenn sich solche Verwechslungen oder Nachlässigkeiten wiederholen. Dauert nicht lange und sicher ist sicher. Wo Menschen arbeiten passieren halt Fehler.

  9. „Naja, wenn eine solche unterlassene Versorgung nicht zur Geschäftspraktik gehört, wie man es sich zB bei Pietät Eichenlaub vorstellen könnte – shit happens und Fehler passieren.“

    Denk ist meines Wissens ein Teil des Eichenlaubes^^

  10. „Denk ist meines Wissens ein Teil des Eichenlaubes^^“

    Exakt. Und zwar sehr zum Bedauern des ehemaligen Chefs, der die Kette zu dem gemacht hat, was sie heute ist (bzw. bis vor kurzem war), wie ich einmal gelesen habe.
    Ich arbeite auch in einem Pathologischen Institut und hier werden die Verstorbenen an Ort und Stelle „eingesargt“. In wie fern da später noch etwas verändert wird, ist mir allerdings nicht bekannt. Meist helfen die Sektionsassistenten ein wenig dabei, da viele Bestatter alleine kommen. Ich glaube auch nicht, dass unsere Sektionsassistenten eine Leiche mit Tubus herausgeben würden…

  11. Der absolute Supergau für einem Bestatter. Da sieht man wieder, wie schnell es zu zu einem solchen schweren Fehler kommen kann, wenn zu viele unterschiedliche Personen mit einer Sache betraut sind. Jeder hat einen anderen Aufgabenbereich und verlässt sich auf den Nachfolgenden, und die Endkontrolle unterbleibt.
    Da lässt einem die Standardfloskel: „Behalten sie ihn so in Erinnerung wie er war“ in Grübeln kommen.
    Wenigstens geben sie ihr Versagen zu und eiern nicht herum.

  12. Immerhin gibt der Bestatter zu, dass hier ein Fehler passiert ist (Wenn auch ein ganz übler)

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