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Alexa könnte bald den Pastor ersetzen

Alexa am Grab

Ein württembergischer Pfarrer bietet eine Trauerrede über die Sprachbox „Alexa“ von Amazon an.

Besitzer der sprachgesteuerten Lautsprecherserie „Echo“ von Amazon können zukünftig auch eine Trauerrede über „Alexa“ abhören. Der evangelische Pfarrer Christian Tsalos aus Heimsheim bei Pforzheim will mit diesem Angebot eine zunehmende Sprachlosigkeit bei Bestattungen ohne Trauerfeier verringern. Immer mehr Verstorbene werden ohne eine Abschiedsfeier bestattet. In deutschen Großstädten sind es nach Angaben von Bestattern schon rund die Hälfte der Verstorbenen. Familienangehörige oder Freunde hätten dadurch keine Möglichkeit in einem Ritual Abschied zu nehmen. Die Trauer finde keine Möglichkeit des Ausdrucks. Sprachlosigkeit und Einsamkeit erschwerten den Trauerprozess. Die kurze Trauerrede kann über die Internetseite www.beerdigungsrede.de abgerufen werden und direkt über den Sprachbefehl „Alexa, öffne Beerdigungsrede“ auf dem „Echo“ Lautsprecher gehört werden.

Der württembergische Pfarrer hat in den vergangenen Jahren mehrfach innovative Ideen entwickelt, wie etwa den „Bibeltee“, der nur aus in der Heiligen Schrift erwähnten Ingredienzien besteht. Außerdem eröffnete Tsalos die „erste Multi-Media-Kanzel der Welt“ – ein großer Flachbildschirm auf dem Lesepult der Heimsheimer Kanzel, der außerhalb der Gottesdienste Ermutigungsworte an Kirchenbesucher sendet. Weitere Innovationen sind seine Internetseite „Kirche für Ausgetretene“, auf der Menschen über kirchliche Angebote für Nichtmitglieder informiert werden, sowie das Angebot einer Seelsorge via WhatsApp.

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Peter Wilhelm18. April 2018

9 Kommentare von 140167.

  1. Muß „Alexa“ für jeden Anlaß herhalten?! Ich finde:“Nein!“ Die Menschen sollten sich einfach auf sich besinnen. Aber scheint nicht so einfach zu sein. Tod, Trauer, Bestattung und alles Drumherum: zu Lebzeiten sprechen viele Menschen nicht gern drüber (man wird ja eines Tages selbst tot sein: gruselige Vorstellung, oder?) und sind dann überfordert, wenn es darum geht, jemandem die letzte Ehre zu erweisen. Sehr bedauerlich. Und weil alles schon vorher so schwer zu verkraften ist, sieht man bei Besuchen auf Friedhöfen genau:“Hier nimmt man es leider ungenau: auf dem Grabstein steht zwar:unvergessen, aber wenn man sich das Grab ansieht, wurde die Grabpflege vergessen..“ Und es gäbe noch viele Anlässe, zu tadeln.Columbarien? Da muß man nachgoogeln, wenn man es den Angehörigen nicht so schwer nach dem eigenen Ableben machen will.Ich denke so:bei einem Fach in irgendeinem Columbarium genügt es evtl.:einmal im Jahr Blümchen in Vase neben dem Fach einstecken und gut ist das..Aber zum Beispiel Stralsund verweist nur auf eine andere Stadt…Da ist noch viel mehr Nachholebedarf und „Alexa“ lehne ich ab,unterstreicht es doch nur die Hilflosigkeit vieler Menschen, die mit dem eigenen späteren Tod irgendwie nix zu tun haben wollen?!

  2. Ich finde es eine gute Idee moderner Kirchenführung. Nach dem Motto, kommt der Mensch nicht mehr zur Kirche, so kommt die Kirche zum Menschen. Lieber ne Trauerrede aus der Dose, als Schweigen.

    • @Der Boandlkramer:

      Ich sehe das ganz anders.
      Das hat doch nichts (mehr) mit Kirche zu tun, wenn eine Maschine irgendwelche Psalme vorliest. Dadurch kommt keine Kirche zum Menschen, sondern sie entfernt sich allenfalls davon.

      Um in Deinen Worten zu sprechen: Nach dem Motto, warum soll ich in die Kirche gehen, wenn mir mein Computer alles vorlesen kann.

      Zitat:
      Lieber ne Trauerrede aus der Dose, als Schweigen.

      Also ich hätte da lieber ne‘ schweigende Dose, als ne‘ Trauerrede aus selbiger. Wenn noch ne‘ gute Gulaschsuppe drin rumlungert, umso besser. ;-)

  3. Nein, das geht überhaupt nicht. Mein Bruder ist jetzt gestorben und meine Schwägerin grübelt über einen Trauerredner nach. Ein Pastor/Pfarrer kommt da für sie nicht in Frage, da mein Bruder mit Kirche usw. nichts am Hut hatte.

    Wenn ich mir nun vorstelle, die käme nun auf so eine bescheuerte Idee, eine Maschine etwas lesen zu lassen, dann stellen sich mir alle restlichen Borsten auf.

    Ich hatte mal unwissentlich ein Hörbuch (sehr billig) gekauft. Die Überraschung zum „günstigen“ Preis kam nach den ersten Silben des Anhörens. Computerstimme. Graaauuuusam.

    So eine Trauerrede niiieeemals.

    • @Winnie:
      Auweia, ich nehme alles zurück. Es war ein Trauerredner, dagegen war selbst die Urne lebendig. Ich habe im Leben noch nie eine so emotionslose Rede gehört.

      Er hat sich viel Mühe gegeben, auch inhaltlich stimmte das Meiste, aber der Rest?!

      Nein, dann doch lieber eine Computerstimme. Die hat wenigstens etwas Menschliches. ;-)

  4. In meiner unmittelbaren Nähe ist bald die erste Ortschaft OHNE Pfarrer. Die Aufgaben müssen die anderen Pfarrer des Distriks mit übernehmen.
    Jetzt geht das vielleicht noch, aber was ist wenn irgendwann weiter gespart wird?
    Meine Vision: irgendwann steht der Totengräber mit der Schippe in der einen Hand und mit dem Prediktzext in der Anderen vor der Gemeinde… :-)))

    Jetzt ist die Predigt vom Band noch unvorstellbar, aber was wird noch kommen?

  5. Blankes Entsetzen nach dem Hören – vollkommen emotionslos, klinisch rein. Psalmen sind gelebte Sprache, erzählen vom Leben und Erfahrungen. Aber vielleicht passt das ja zu einer „Entsorgung“. Mehr kommt für mich dabei nicht raus. Ein Knopfdruck hier, ein Sprachbefehl da und gut iss… Vielleicht noch mit einer automatischen, führerlosen Lafette zum Grab, die den Sarg oder die Urne dann auf eine Senkmaschine rollt.

  6. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man keine Abschiedsfeier haben möchte. Bei jemandem, mit dem man nichts zu tun hatte oder haben wollte – vielleicht. Aber sonst wäre mir das wichtig, einerseits für mich und andere Trauernde, andererseits für den Verstorbenen, quasi noch ein letztes Mal etwas Schönes für die Person tun.

    Alexa kann man die Nachrichten vorlesen lassen, aber keine Trauerrede. Wie Werner sagte sind Psalmen gelebte Sprache, mit gewissen Betonungen und Hervorhebungen. Das kann eine computergenerierte Stimme (noch) nicht und ist daher für mich jedenfalls (noch) unvorstellbar.

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