DIREKTKONTAKT

Blumen auf fremdem Grab?

Von

Die Grabstätte der Familie Millowitsch. Vorher gab es nur den quaderförmigen Stein hinten. Willy Millowitsch wollte kein protziges Grab. Als er aber dann starb, baute man ihm noch die kleine, jetzt bepflanzte Bühne und die "Showtreppe". "Datt hatter sisch verdient, unser Willy", sagte mir ein Friedhofsbesucher.

Aus einem Kommentar: Ich lese immer wieder mal, dass angenommen wird, dass niemand außerhalb der Familie ein Grab besucht weil keine Blumen hinterlassen werden….. Ich würde es mir nicht getrauen auf Gräbern irgendwelche Blumen oder Pflanzen zu hinterlassen und würde auch blöd gucken wenn das auf meinen Gräbern passieren würde. Dann lieber daheim eine Kerze für denjenigen anzünden. Gibt es jemanden der Blumen auf „fremden“ Gräbern verteilt?

mehr hier

Aber klar.
Was sind denn „fremde Gräber“? Ich glaube nicht, dass Leute sich Blumen kaufen und diese dann wahllos auf irgendwelchen Gräbern von Unbekannten verteilen.
Aber wenn Du meinst, nur die Familie dürfe Blumen auf dem Grab eines Familienmitglieds ablegen, dann liegst Du völlig falsch.

Ein Friedhof ist ein öffentlicher Platz, den jeder besuchen darf. Selbstverständlich dürfen alle Leute, die das möchten, auch Blumen auf das Grab einer Person legen.
Neben der Familie können das Freunde, Bekannte, Vereinskameraden, Arbeitskollegen, Schulfreunde und eventuell auch die/der/das Geliebte sein. Als Familie hat man ja oft gar keinen Überblick, wen der Verstorbene alles kannte und wer von diesen Personen ebenfalls trauert und sich gerne an ihn erinnert.

Genau dafür gibt es ja am Friedhof immer ein Blumengeschäft. Ich kann mich nicht erinnern, jemals privat ein Grab bewußt besucht zu haben, ohne ein paar Blümchen mitzunehmen.

Normalerweise freuen sich die Angehörigen, wenn sie zum Friedhof kommen und Blumenschmuck auf dem Grab vorfinden. Zeigt das doch, dass es da auch noch andere gibt, die dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.
In vielen Regionen Deutschlands ist es eher sogar die Regel, dass man beim Besuch eines Grabes einen Strauß oder eine Schale Blumen auf dem Grab ablegt. Ja, die Angehörigen würden sogar komisch gucken, wenn sie erführen, dass der oder diejenige am Grab waren und nichts dagelassen hätten.

Unüblich und eher befremdlich ist die Haltung, dass das „mein Grab“ ist, an dem niemand sonst etwas zu suchen hat.
Nein, Gräber sind dafür da, dass Menschen dorthin gehen und trauern. Und es ist ein durchaus üblicher Brauch, auch etwas aufs Grab zu legen.

Aber ich werde die Frage gerne in die Runde. Wie ist das bei Dir? Wie siehst Du das?
Schreib es bitte in die Kommentare.


BILDQUELLEN

  • koeln_melaten12: PW | All Rights Reserved
Peter Wilhelm 8. Juli 2022

23 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Leben und leben lassen – auch die Blumen 🙂 Ich kann dem Brauch, Blumen abzuschneiden, um sie dann wo hinzustellen, damit sie verwelken, einfach nix abgewinnen. Vom daher werde ich auch keine Blumen auf welche Gräber auch immer stellen.

    Ansonsten, wer das mag, warum nicht, und auch, wenn er nicht „offiziell“ mit dem Grab zu tun hat. Wie Du schon sagst, das muß jedem Trauernden oder Liebendem selbst überlassen sein.

    • Zu den abgeschnittenen Geschlechtsteilen irgendwelchen Gemüses gibt es ja noch eine Alternative, die im Übrigen fast überwiegend Anwendung findet: weiterlebende Pflanzen in Töpfchen und Schalen.

  2. Blumen auf einem Grab, dass nicht aus der direkten Familie ist, sind doch normal und werden in den meisten Fällen gerne gesehen..denke ich.

    Was meiner Meinung nach nicht geht, ist die ganze Grabbepflanzung/Gestaltung zu ändern, Pflanzen/andere Dinge wegzuwerfen. Als ich ein Kind war gab es auf dem Friedhof auf dem unser Familien Grab war eine Frau,die keine Gerbera und Nelken mochte und sobald ihr ein Strauß mit diesen Blumen auf einem beliebigen Grab auffiel, diesen nahm und einfach nebenan auf den Boden warf.
    Meine Oma meinte, sie habe sie nie „normal“ gekannt und sprach die Frau auch immer mit sich selber. Irgendwann war sie dann verschwunden..entweder verstorben oder im geschlossenen Heim.

    • Ich kenne Riesenstreitereien, weil sich verschiedene Teile der Familie bemüßigt fühlten, ein Grab zu pflegen. Da haben die einen regelmäßig die ganze gepflegte Pracht der anderen auf den Kompost geworfen und das eigene Zeug eingepflanzt.

  3. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen Blumen auf ein „fremdes“ Grab zu legen. Gerade weil ich diese Person, die dort liegt, nicht kenne. Persönlich würde ich es auch nicht mögen, wenn mir jemand fremdes Blumen aufs Grab legt.
    Ist wie gesagt meine eigene Meinung

    • Nochmal: Es geht nicht darum, dass man Blumen auf wildfremde Gräber legt.
      Es geht darum, dass Menschen, die nicht zur Familie gehören, den Verstorbenen auf dem Friedhof besuchen und Blümchen mitbringen.

    • Unsere Mutter hatte nach ihrer Scheidung 1976 bis zum Tode 2006 keine feste Beziehung mehr. Wie wir nachträglich erfahren haben, War sie aber in jungen Jahren sexuell sehr aktiv. Ich freue mich immer wenn ich fremde Blumen auf dem Grab finde. Es scheint ja doch noch den einen oder anderes gegeben zu haben.

  4. Hierzu gibt es einen wunderbaren Film von Gustl Bayrhammer:

    Weißblaue Geschichten – Ein paar Blumen hat jeder verdient
    von 1990

    Er handelt von einem alten Mann, der auf schmucklosen Gräbern Blumen pflanzt, weil.. siehe Titel.

  5. Irgendjemand legte mal ein extrem kitschiges Kunstblumengesteck auf das Grab meines Vaters. Das wurde tatsächlich gnadenlos entsorgt. Als ich noch sehr jung war, habe ich öfter Blümchen auf die offensichtlich verwaisten Kindergräber gelegt.

    • Das ist ja dem Grabbesitzer sowieso unbenommen, dass er das Zeug, das er nicht da haben will, einfach entsorgt.

      Und die Kindergräber haben wir als Bestatter oft nebenbei etwas aufgeräumt. Es bleiben ja genug Blumenspenden von manchen anonymen Bestattungen mit Trauerfeier übrig.

  6. Die Frage war von mir.
    „Meine“ Gräber sind die für die ich verantwortlich bin, „fremde“ sind alle anderen.

    Ich kenne den Brauch mit den Blumen nicht und wir haben auch keinen Blumenladen vor dem Friedhof.

    Jahrgänge treffen sich manchmal und gehen dann vor der Feier auf den Friedhof und besuchen die Gräber ihrer Klassenkameraden. Die legen dann oft ein Gesteck aufs Grab.

    Immer wieder interessant wie unterschiedlich Dinge gehandhabt werden.

    • Nun, die Friedhöfe sind ja bewußt als zentraler öffentlicher Ort gewählt. Wollte man, dass Trauer etwas Privates ist, in das sich Fremde nicht einzumischen haben, hätte sich unsere Bestattungskultur anders entwickelt und wir dürften die Verstorbenen nur auf unserem Privatgründstück beisetzen.

      Auch tot nicht allein zu sein und besucht werden zu können, sind mit die wichtigsten Gründe, weshalb es Friedhöfe überhaupt gibt.

  7. Hier in Niederösterreich sind es eher Kerzen die von Besuchern hinterlassen werden. Es gibt auch auf jedem Friedhof einen Kerzenautomaten. Und zu den hohen Feiertagen ist es dann nicht ungewöhnlich dass mehrere brennende Kerzen beim Grabstein stehen. Je nachdem wie viel „Besuch“ der/die Verstorbene hatte.

  8. Einen Blumenladen gibt es neben unserem Friedhof nicht, aber ein Café mit angeschlossenem kleinen Devotionalienhandel. Fremde Blumen auf dem Grab werden hier auch nicht gerne gesehen, aber es gibt so Grabkerzen, ich weiß nicht, wie man die nennt, aber die sind praktisch ihre eigene Laterne, und sowas anzuzünden und hinzustellen, das kann man schon machen. Die abgebrannten wegzuräumen ist auch nicht verboten.

  9. Mit (vergänglichen) Blumen kann ich gut leben und sehe die gerne auf dem Grab meiner Eltern, auch wenn ich manchmal nicht weiß, von wem sie abgelegt wurden. Es gibt da noch weitläufige Verwandtschaft oder ehemalige Nachbarn, zu denen ich keinen Kontakt mehr habe.
    Vor einigen Jahren hat mich allerdings sehr gestört, dass irgend eine Person mehrfach kleine billige Keramik-Figuren auf der Grabstelle abgestellt hat. Figuren, die nach Form und Darstellungsweise m. E. überhaupt keinen Bezug zu meinen Eltern hatten. Dies empfand ich als nahezu übergriffig.
    Die entsprechenden Teile kamen wohl von einer ehrenamtlichen Betreuungskraft, die meine Eltern gerade einmal 2-3 Monate lang begleitet hatte, bevor sie abberufen wurde, da offenbar kein persönlicher Draht zustande kam. Nachdem ich diese Person angeschrieben hatte, sind keine weiteren Figürchen mehr aufgetaucht.
    Blumen dürfen immer wieder gern niedergelegt werden. Sie vergehen in kurzer Zeit und werden von uns oder dem Friedhofsgärtner weggeräumt, wenn sie nicht mehr ansehnlich sind. Aber dauerhafte Dinge aus Steingut, Porzellan, Metall usw. kann ich definitiv nicht tolerieren.

  10. Mein Mom war bei ihren Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt. Nach dem sie mit 60 Jahren viel zu früh und plötzlich an Auswirkungen von Krebs verstorben ist, waren viele Kolleginnen und Kollegen mit auf der Beerdigung und stellen auch noch heute regelmäßig Blumen auf ihr Grab.

    Alles im kleinen Rahmen und für vielen ist es ein Bedürfnis meine Mom immer mal wieder „zu besuchen“.

    Für uns ist das in Ordnung, da es gefühlt das ist was sich meine Mom wohl gewünscht hätte.

  11. Wenn ich in der Nähe des Grabes eines viel zu früh verstorbenen Kollegen und Freundes vorbeikomme – was viel zu selten geschieht – kaufe ich am Automaten eine Kerze und stelle diese, verbunden mit einem stillen Gebet, auf sein Grab.
    Blumen sind nicht so meins, außerdem bekommt man dort nicht immer welche.
    Dabei gehe ich davon aus, das seine Witwe und die Kinder nichts dagegen haben, wenn sie sehen, dass ihr geliebter Mensch auch bei anderen nicht vergessen ist.

  12. Ich habe als Kind gemeinsam mit meiner Tante an Allerheiligen immer Kerzen auf die Gräber von vier in sehr jungem Alter ermordeten Zwangsarbeitern auf unserem Friedhof gestellt. Das hat dann dazu geführt, dass die Pflege durch die städtischen Gärtner etwas liebevoller vorgenommen wurde.
    In den Neunzigern lagen dann auf einmal Blumen und Gestecke mit polnisch beschrifteten Schleifen auf den Gräbern, da haben wir uns dezent zurückgezogen.

  13. Wie ich das hier verstanden habe geht es um die Nachberin, Bekannte oder Freunde, die auf Herrn Beispiel’s Grab Blumen Pflanzen wollen und nicht um die Oma, die über den Friedhof geht und hier und da Tulpen auf willkürliche Gräber einpflanzt.
    letzteres finde ich auch sehr fragwürdig und ich würde beim feststellen eines solchen Verhaltens die dame auch darum bitten dies zu unterlassen.
    Im Ersteren Fall weiß, ich es nicht genau. wenn das Grab mit System bepflanzt wurde (Wie es Gärtner machen) fände ich es auch nicht schön wenn jemand auf das Grab einfach was anpflanzt.

    • Das wissen wir nicht. Es geht um Blumen und Pflanzen, die „hinterlassen werden“. Was genau damit gemeint ist, bleibt offen.
      Ich bin davon ausgegangen, dass jemand Blumen in Form eines Gebindes oder Straußes oder Pflanzen in einer Schale hinlegt.

      Einpflanzen geht gar nicht! Das ist dann doch ein zu starker Eingriff in die Gestaltung des Grabes.

  14. Mein Opa liegt im Wald. Als er relativ frisch beerdigt war, hatte sein „Nachbar“ irgendein Jubiläum und die Angehörigen haben (unerlaubterweise) einen kleinen Kranz hingelegt und für Opa ein Blümchen rausgezogen und ihn quasi begrüßt. Das hat mich unfassbar berührt und ich bin sehr dankbar dafür

Schreibe einen Kommentar

.


Nutzungsbedingungen | Trollhilfe | Kommentar fehlt? | So gehen Abstände!


Datenschutzerklärung