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In Indien brennen die Leichen

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In Indien brennen die Leichen der Verstorbenen fast rund um die Uhr. Die unter freiem Himmel in Flussnähe gelegenen Einäscherungsstätten kommen mit der Verbrennung der täglich rund 4.000 Verstorbenen kaum noch nach.

Was sonst eine, für unsere Begriffe recht makabre, aber für hinduistische Vorstellungen feierliche Zeremonie im Beisein von Priestern und der Familie ist, das ist in Corona-Zeiten ein hastig abgehaltenes Ritual geworden. Vielen Familien fehlt es an Geld, um die benötigte Menge Brennholz bezahlen zu können. In manchen Gegenden ist rund um die Krematorien viele Kilometer weit kein Krümel Brennholz mehr aufzutreiben. Die Kremierungsstätten müssen derzeit die 4-fache Zahl an Leichnamen bewältigen.

Nach den religiösen Gebräuchen ist es in Indien für die große Mehrheit der Bevölkerung üblich, ihre Verstorbenen, nur in Tücher gewickelt, dem Feuer zu übergeben. Die dabei verwendete Holzmenge ist entscheidend für die erreichbare Temperatur und vor allem für die Länge des Einäscherungsaktes. Ist nicht genug Brennmaterial vorhanden, endet die Verbrennung in unzulänglicher Weise.

Im Vergleich zu einer westlichen, fast schon industriell anmutenden Kremierung sind die Einäscherungsergebnisse in Indien oft ohnehin nur unzureichend, wenn man unsere Maßstäbe anlegt. Jetzt in der Pandemie führt der massenhafte Anfall von Leichnamen aber zu einer Katastrophe nie dagewesenen Ausmaßes, wie ma so sagt.

Und so kommt es, dass an verschiedenen Stellen entlang des Ganges, der von Hindus als Göttin verehrt wird, immer wieder Leichen ans Ufer gespült werden. Im Distrikt Buxar, 300 Kilometer von der Grenze Nepals entfernt, lagen die Toten wohl tagelang im Wasser, bis Bewohner, aufgeschreckt vom Gestank, aktiv wurden und die Leichen meldeten. Berliner Morgenpost

Die BERLINER MORGENPOST berichtet anschaulich über die aktuellen Zustände in Indien.
Hier geht es zum Artikel in der Morgenpost.

Hier noch ein Video, das ich für Euch ausgesucht habe, weil es den Ablauf ohne effektheischende Gruselbilder zeigt:


Peter Wilhelm 30. Mai 2021


5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diesen Einblick. Feuer, in Tücher gewickelt, das ist ja soweit bekannt.
    Dass die Zahl der Leichen aber eben auch zu unzureichend verbrannten Toten und Holzknappheit führt, daran hätte ich nicht gedacht.
    Das ist so eine tragische Situation.

  2. Das im Ganges Leichenteile Bzw. nur halb verbrannte Leichen und auch ganze Leichen treiben ist doch schon seit Ewigkeiten bekannt,aufgrund der Pandemie sind es halt einige mehr als üblich das ist alles.Einerseits sehen die Hindus den Fluss als Göttin,als etwas Heiliges an und andererseits missbrauchen sie ihn als Müllkippe,irgendwann musste das ja Katastrophal enden.

    Auch ein interessanter Bericht :
    https://www.scinexx.de/dossierartikel/muellkippe-ganges/

  3. Indien hat knapp 1,4 Milliarden Einwohner. Wenn man die Anzahl der Toten in Deutschland durch Corona auf die Einwohnerzahl Indiens hochrechnet ist da kein großer Unterschied bei der Sterblichkeit.

  4. Herumschwimmende Leichenteile oder angekokelte Leichen gab es im Ganges schon immer. Grund war und ist, dass Holz teuer ist, und die normale Bevölkerung kein Geld für einen ordentlichen Scheiterhaufen hat. Durch die Pandemie dürfte sich die Lage noch verschlimmert haben. An althergebrachten Ritualen festzuhalten ist in einer solchen Situation zwar nicht logisch, aber andererseits verständlich. Bei uns hat man ja auch Gottesdienste nicht verboten, obwohl sich in schlecht beheizten Kirchen die größte Risikogruppe trifft und das Virus fröhliche Urständ‘ feiert.
    Ich habe längere Zeit in Indien verbracht und mag das Land und die Leute sehr. Einer Leichenverbrennung habe ich nicht beigewohnt, das wäre auch reichlich pietätlos gewesen. Dafür habe ich dummerweise die Einladung zu einer Hindu-Hochzeit angenommen. Seitdem kommen mir katholische Zeremonien eher kurz vor.

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