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Kann man den Leichengeruch ertragen?

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Eine Frau, die in den Bestatterberuf wechseln möchte, hat Angst, sie könne den Leichengeruch nicht ertragen und sich deshalb vor ihren neuen Kollegen blamieren.

Ich schrieb ihr:

Tote Menschen beginnen oft schon nach sehr kurzer Zeit einen süßlichen Verwesungsgeruch zu verströmen, der mit längerer Liegedauer zunimmt.
Dieser Geruch rührt daher, daß der Blutkreislauf zum Stillstand gekommen ist und die Bakterien, die unseren Körper zu jeder Zeit in großer Zahl besiedeln, nun nicht mehr in Symbiose mit uns leben, sondern beginnen, den Körper von innen her zu zersetzen.

Der Geruch hatte in früheren Zeiten auch den Sinn, uns von toten Artgenossen fernzuhalten.

Insgesamt ist dieser Geruch nicht als angenehm zu bezeichnen und ich kenne niemanden, der sich so daran gewöhnt hätte, daß er ihn nicht mehr wahrnimmt.

Allerdings wissen das auch alle Bestatter. In erster Linie hat man es als Bestattungsfachkraft ja mit noch recht frisch verstorbenen Personen zu tun, wo sich diese Geruchsentwicklung noch in Grenzen hält.
Bei allen anderen Verstorbenen wird jeder (ob nun alter Hase oder Anfänger) der gleichen Geruchsbelästigung ausgesetzt.

In ganz schlimmen Fällen, etwa Wohnungsfunde mit einer Liegezeit von vielen Wochen, bedienen sich Bestatter auch solcher Geruchsmasken mit Aktivkohlefilter. Es tun aber auch einfache weiße Staubmasken, wie sie in jedem Baumarkt für wenig Geld erhältlich sind.
Niemand wird es Ihnen verübeln, wenn Sie so eine Maske zugriffsbereit bei sich führen und anlegen, wenn der Geruch zu stark wird.
Diese Masken können aber nur wirken, wenn man sie unmittelbar vor dem Aufsetzen mit etwas stark Riechendem benetzt. Sehr gut geeignet ist japanisches Minzöl.
Viele Bestatter haben auch kleine Döschen Wick Vaporub dabei und streichen sich einfach etwas Wick unter die Nase, bevor sie das Zimmer mit einem riechenden Verstorbenen betreten. Das ist auch nicht so auffällig wie eine Maske.

Sie sehen, diese Problematik ist nicht nur mir, sondern jedem Bestatter bekannt, es gibt die entsprechenden Hilfsmittel und Tricks.
Wenden Sie meine Ratschläge an und Sie werden in dem Punkt nicht versagen!

Peter Wilhelm 27. August 2015


22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. In Krankenhäusern und Altenheimen bedient man sich ähnlicher Mittel z.B. beim wechseln von Inkontinenzmaterial,Künstlichen Darmausgängen etc. Für die Patienten ist die Situation meist eh schon unangenehm und intim, nichts wäre schlimmer wie eine Pflegerin die einen heftigen Würgereiz dann zeigt. Daher entweder Wick oder Mentholsalbe unter die Nase (glänzt halt nur und manchem Tränen davon die Augen) oder ein paar Tropfen Parfüm auf den Kragen.So riecht man beim Kopf neigen das Parfum. Pröbchen eignen sich dafür wunderbar.

  2. Ich frag mich wie man immer auf einen süsslichen Geruch kommt, in meiner Praktikumszeit haben wir einen Herren gehabt der lag schon ein weilchen im Haus, als ich morgens zum Praktikum kam mussten wir den Herren in die Rechtsmedzin bringen und man hat einen Penetranten Geruch gehabt, aber als süß habe ich den nicht empfunden.
    Aber man gewöhnt sich an alles so schlimm es nicht das man sich übergeben muss, zumindest war es nicht bei mir so.

  3. Ich kam mal zu einem Selbstmord hinzu, der schon vor dem Tod so komisch roch.
    Da er aber sich die Pulsader aufschnitt und über über mit Blut besudelt war,schob ich es darauf
    Übrigens; das ganze badezimmer war Rot lackiert. Man soll garnicht glauben was da für Druck entlädt…

  4. Und wer es genau wissen möchte, wie ein Verstorbener riecht, wenn er 6 Wochen in der Wohnung liegt, der kocht sich einfach einen Wirsingkohl Eintopf, gibt ne Tüte Zucker mit zu und zieht sich das ganze durch die Nase.

      • Nachtrag: Bei diversen Universitäten darf man auch als Besucher die Vorlesungen besuchen, in denen der Dozent vorträgt wie man eine Leiche untersucht. z.B. war ich , allerdings vor fast 30 Jahren, bei der Pathologie in Heidelberg mal zu Besuch.

  5. Ich mußte mal eine schon mehr als tote Katze aus einem Kabelgang bergen, zuerst hat sich schon der Magen etwas gehoben, aber tief durchatmen, sich sagen, daß das nix Schlimmes ist, ganz normal, riecht halt seltsam…so habe ich es überstanden. Wäre auch doof gewesen, gebückt in einem engen, warmen, stickigen Gang zwischen Rohren und Kabel hinzureihern. Mit dem Tier auf einer Schubkarre durch die Firma war plötzlich überall sehr viel Platz um mich herum, keiner stand im Weg…wie’s wohl kommt?! 🙂

  6. „Wenden Sie meine Ratschläge an und Sie werden in dem Punkt nicht versagen!“

    Aber die Frage ist doch: Wo finde ich jetzt eine entsprechende Leiche, damit ich diesen Ratschlag nicht vergebens gelernt habe?

    • Als Schweizer solltest Du so ein kleines rotes Taschenmesser immer bei Dir haben. Also geh‘ raus, such Dir ein Opfer und dann mußt Du nur einige Stunden oder Tage warten.
      Tipp: Leg die Leiche neben die Heizung, dann geht es schneller!

  7. @Sven: Auch ich habe mich immer gewundert über die Beschreibung des Leichengeruchs mit dem Adjektiv „süßlich“. Von Tierkadavern kannte ich den Aasgeruch, der vielmehr scharf und verwesend war – und überhaupt nichts „süßes“ an sich hatte.

    Vor kurzem habe ich allerdings eine 9 Tage alte Leiche besichtigt. Der Körper wurde gleich nach dem Tod gekühlt.
    Zu meiner Überraschung hatte die Leiche aber wirklich gar nichts von jenem oben beschrieben stechenden Verwesungsgeruch. Im Gegenteil: sie hat zuerst sehr dezent gerochen. Mit der Zeit wurde der Geruch aber immer eindringlicher. Und zwar war die vorherrschende Geruchskomponente tatsächlich süßlich. Auch muffig, gleichzeitig warm und kalt; nach Zibet und Plastik.

    • Wir haben es im Grunde auch nicht mit einem einzigen eindeutigen Geruch zu tun.
      Hier wird über verschiedene Dinge gesprochen.

      Fleisch, insbesondere Leichen, die ja noch Innereien und Flüssigkeiten enthalten, riechen vollkommen anders, wenn sie bei Sonne und Luft verfaulen. Hier entsteht ein Aasgeruch, der dem verendeter Tiere nicht unähnlich sein kann.

      Verstorbene, die hygienisch gut versorgt sind und gekühlt gelagert wurden, riechen mitunter einfach schlicht und ergreifend nach gar nichts.

      Was ich meine, wenn ich vom Leichengeruch rede bzw. schreibe, das ist dieser ganz typische Geruch, der wenige Stunden nach dem Tod bereits einsetzen kann und in den nächsten Tagen stärker wird.
      „M.“ hat das sehr gut beschrieben und ich bin dankbar für die Bestätigung der süßlichen Note.

      Es ist ein Geruch, der einem sofort weit hinten am Gaumen bewußt wird.
      Unser Mund, der Rachen und die Nase nehmen Geschmäcker und Gerüche ja an unterschiedlichen Stellen wahr.

      Der Geruch ist durchaus als unangenehm zu bezeichnen. Er hat aber auch eine deutlich menschliche Komponente. Immer wieder versuche ich, festzustellen, an was er mich genau erinnert. Es gibt Parallelen zu bestimmten Gerüchen von lebenden Menschen.
      Darüberhinaus ist diese Geruchskomponente überlagert von Moschus, Zibet und in gewisser Weise auch von einem Pups-Geruch, wenn ich das mal so schreiben darf.

      Wir selbst würden einen frisch gewaschenen Menschen als nahezu geruchslos wahrnehmen.
      Tiere hingegen wittern uns schon Kilometer weit. Es ist also ein deutlicher Menschengeruch an uns, den wir nur nicht riechen, so wie wir ein Parfum, das wir aufgelegt haben, auch nach einer Weile selbst nicht mehr wahrnehmen, während andere sagen, daß man heute wieder sehr gut riecht.

      Einmal abgesehen davon, daß in einer Leiche bestimmte Faulgase entstehen und sich Eiweißstrukturen mit einem typischen Geruch zersetzen, halte nicht nur ich es für wahrscheinlich, daß der typische Menschengeruch, den wir im Alltag nicht mehr erkennen, bei einem Verstorbenen durch die einsetzende Zersetzung stärker wahrnehmbar wird.

      Es wurde mir von einem Forensiker erst kürzlich erzählt, daß er glaubt, daß alle Lebewesen im Tod einen arttypischen Geruch abgeben. Der soll Artgenossen von der Stelle, die ja eine Gefahr bedeuten könnte, fernhalten und auch Aasfresser anlocken, die ja in freier Wildbahn für die Entsorgung mitverantwortlich sind.

      Jedenfalls ist es so, daß ich schon in Häusern war, in denen Zentner von Schlachtfleisch verrottet sind. Ich war schon an Tatorten, an denen Hunde oder Katzen getötet worden waren und vergammelten.
      Alle damit verbundenen Gerüche sind definitiv anders als der menschliche Leichengeruch.

      Anders herum gesagt: Wenn ich in ein Haus komme, wo hinter einer der Türen ein verstorbener Mensch etwas länger liegt, ich würde diesen Geruch sofort erkennen.

      Da aber nun die meisten Menschen noch nie etwas mit Leichen zu tun hatten, kennen sie diesen Geruch auch nicht. So kommt es, daß alte Menschen anonym in ihrer Wohnung versterben und keiner den Geruch zuordnen kann. Die Nachbarn sagen dann meist, es habe nach Müll oder Kohlsuppe gerochen.

  8. PW: „Jedenfalls ist es so, daß ich schon in Häusern wahr, in denen Zentner von Schlachtfleisch verrottet sind. Ich war schon an Tatorten, an denen Hunde oder Katzen getötet worden waren und vergammelten.
    Alle damit verbundenen Gerüche sind definitiv anders als der menschliche Leichengeruch.“

    –> Hochinteressant!

    PW: „Anders herum gesagt: Wenn ich in ein Haus komme, wo hinter einer der Türen ein verstorbener Mensch etwas länger liegt, ich würde diesen Geruch sofort erkennen.“

    Diese Feststellung halte ich auch für extrem bedeutungsvoll.
    Als ich in jenen kleinen „Schauraum“ des Bestatters trat, in der die Leiche lag, roch ich zuerst gar nichts – und war erleichtert (da ich ja obig beschriebenen Aas-Geruch befürchtet hatte).
    Nach ein paar Minuten aber merkte ich deutlich, dass da ein seltsamer, für mich bis dato nicht einordnebarer Geruch in der Luft lag. Zuerst hätte ich ihn fast geglaubt, es sei ein billiges Parfum, dass die Bestatter dort versprüht hätten. Aber dann war es klar: Der Geruch kam von dem toten Körper.
    An die Fragestellerin des Threads: Ich habe diesen Geruch nur einmal gerochen. Vur kurzem eben bei dieser Gelegenheit. Und seither, so muss ich leider sagen, verfolgt er mich. Ich rieche ihn an allen (un)möglichen Stellen: Bei „Pupsen“ (wie Peter Wilhelm den Geruch ja auch einordnet), in Restaurants etc. Da ist bei mir vielleicht so etwas wie eine olfaktorische Traumatisierung passiert…?
    Hier im Blog habe ich mal gelesen, dass sich der Geruch nahezu unverwüstlich an Objekten festsetzt. Und eins kann ich ganz klar sagen: Als ich nach der Leichenbeschau noch in das BÜRO des Bestatters ging, nahm ich wieder und ganz stark diesen Geruch wahr; zwar leicht anders aber es war doch eindeutig dieses stark süßliche, heimelnd-warmkaltfauelnde. Ganz los geworden bin ich die sinnliche Erinnerung an diesen eindeutigen Geruch immer noch nicht.

    Eins noch, das mir zum Thema einfällt. Vor zwei Jahren gab es im Wasserversorgungstanks auf dem Dach eines Hotels in Los Angeles einen grausigen Fund: Elisa Lam, eine kanadische Studentin war darinnen tot vorgefunden worden, nachdem sich Gäste über das Leitungswasser beschwert hatten. Aus dem Wasserhahn kam zuerst für zwei Sekunden schwarzes Wasser – und erst dann lief es normal.
    In diesem Fall handelte es sich zwar um eine Wasserleiche, die Hotelgäste beschrieben jedoch den Geschmack des Wassers folgendermaßen: „For 19 days hotel guests had bathed, brushed their teeth and drank of the water despite its “funny, sweet, disgusting taste.” “

    Beste Grüße
    „M.“

    • Die gleiche Feststellung habe ich auch gemacht.
      Am Bestatter selbst und an/in seinem Fahrzeug habe ich den Geruch nicht wahrgenommen.
      Nachdem ich dann einmal bei einer Leiche eine Nase voll davon bekommen hatte, hatte sich dieser Geruch eingebrannt.
      Ich konnte ihn in Trauerhallen, an Bestattern und deren Fahrzeugen feststellen.

      Ja, wenn ich in meinem Büro war und an der Garderobe vorbeikam, an der die Bestattungshelfer ihre Kittel aufhängten, konnte ich es riechen.

  9. Ich schwöre im Rettungsdienst auf Tigerbalm… und Gewöhnung! Außerdem muss jeder für sich rausfinden, ob ihm das Atmen durch Nase oder Mund besser bekommt, das ist eine psychische Entscheidung. Und ja, der Geruch hat Wiedererkennungswert, auh wenn es in einigen Wohnungen auch schon so ähnlich riecht, wenn dort Menschen leben.

  10. Hallo an alle,

    ich habe ein großes probelem bzw. stehe ich vor vielen. Ich habe ein Haus gegerbt, indem mein Vater, 4 wochen verstorben in einer wohnung lag. Ich selbst kann aus persönlichen gründen nicht in die wohnung gehen. Nun hatte mein Rechtsanwalt eine Bank beauftragt den verkauf zu übernehmen. sie wollten, wenn sie das Haus vermarten die reinigung übernehmen, weil es dort nach angaben sehr gerochen hat.
    Nun schaute sich die Bank das haus an und bestellte gleich eine reinigungsfirma zur besichtigung. die bank hat keine interesse am haus. Jedoch sagte die reinigungsfirme, dass dort oben nichts mehr riecht und nichts unternommen werden muss. ich bin sehr verunsicher und kann das nicht glauben, denn er ag dort 4 wochen und nach angaben stank es wie beschrieben. Ein fleck, wo er lag war wohl vorweg auch zu sehen und nun nicht mehr. es war im dachgeschoss des Hauses, der Dachboden war quasi als wohnung umgebaut.

    Meine Frage: verschwindet solch ein geruch wirklich von selber? Denn ich habe viel gelesen und laß, dass eine tatortreinigung ein muss ist, um den geruch los zu werden.

    lg

  11. Ich hab einmal eine Leiche gerochen, es war einfach nur widerlich. Es war ein Mischmasch aus Käse- faule Eier – Durchfall – Stinkmorchel – Ammoniak – und irgendeinen synthetischen Geruch so etwas nach Vinylchlorid. Dies aber derart intensiv, daß es sofort einen Brechreiz ausgelöst hat. Auch abgebrühte Feuerwehrleute sollen schon bei extremen Leichenfunden erbrochen haben.

  12. Ein toter Mensch riecht je nach Liegedauer und Aussentemperatur auch nicht anders als ein totes Tier entsprechender Größe. Normalerweise reagiert jeder darauf intuitiv mit dem Bestreben, sich fernzuhalten, denn es stinkt einfach gottserbärmlich(selbst wer es noch nie riechen musste, kann eigentlich nicht nur an bloßen faulenden Abfall denken) und kann neben Ekel sogar Brechreiz verursachen. Wer sich dennoch näher mit einer schon stinkenden Leiche befassen muss, sollte nur durch den Mund atmen und die Nase möglichst mit Menthol o. ä. zustopfen. Vor allem aber sollte er hinterher gründlch duschen (Haarewaschen nicht vergessen) und seine ganzen Klamotten sofort in die Waschmaschine geben, denn der Ge-stank haftet nicht nur gefühlt überall an.

    • Meine Mutter hat gut gerochen, denn Bestatter kühlen die Verstorbenen.Kein einziger schlechter Geruch und sie haben auch Düfte für den Abschiedsraum.KEIN GESTANK…

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