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Der Leichenlakenverein ist am Ende

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Bahrverein, Totenwäscherverein, Sargträgervereinigung oder Leichenlakenverein heißen Vereine, die aus mildtätigen Beweggründen Mittellosen ein anständiges Begräbnis ermöglichten.
Einen dieser Vereine, den Horneburger Leichlakenverein hat es jetzt getroffen, er löst sich auf.
Diese alten Traditionsvereine, die oft seit dem 18. Jahrhundert bestehen, haben in weiten Teilen ihre Daseinsberechtigung verloren oder sind oft nicht mit der Zeit gegangen, was beides wohl auch daran liegt, daß die zuletzt tätigen Mitglieder zu alt geworden sind und keinen Nachwuchs finden.

Im Falle des Horneburger Leichenlakenvereins wurde einfach kein neuer Schriftführer mehr gefunden. Deshalb beschlossen 50 der insgesamt 122 zumeist betagten Mitglieder die Auflösung.
Gegründet worden war der Verein mit dem für heutige Ohren etwas makaber klingenden Namen schon 1738 von acht ehrenwerten Horneburger Bürgern. Vereinszweck war es, den Armen eine würdige Bestattung zu ermöglichen, wozu der Verein Leichentücher usw. spendete. 1834 hat der Verein sogar einen Leichenkarren angeschafft. Die Männer des Vereins verpflichteten sich, arme Verstorbene unentgeltlich zu Grabe zu tragen.

Doch mit der weiten Verbreitung von Beerdigungsinstituten fiel der eigentliche Zweck mehr und mehr weg und so wurde der Leichenlakenverein als ältester Verein eigentlich nur noch aus Tradition am Leben erhalten.
Zuletzt zahlte er noch einen Beerdigungszuschuß von 60 Euro an die Hinterbliebenen der Mitglieder.

Etwas höher, nämlich 250 Euro, war der Betrag, den die angeschlossene „Sterbekasse G.H.V. von 1950“ auszahlen konnte. Immerhin 55.000 Euro befinden sich da noch im Topf. Aber mit nur 157 Mitgliedern konnte auch diese Kasse nicht mehr am Leben erhalten werden.
Das Vermögen des Leichenlakenvereins fließt satzungsgemäß in wohltätige Zwecke, das der Sterbekasse wird nach der Abwicklung an die Mitglieder ausgezahlt.

Gerade Sterbekassen sind auf viele Mitglieder angewiesen, weil hier das Solidarprinzip besonders wirksam ausgeschöpft werden muß. Im Gegensatz zu anderen Versicherungen, die bei vielen ihrer Kunden nie leisten müssen, ist das bei den solidarischen Sterbegeldversicherungen so sicher, wie das Amen in der Kirche, daß die Versicherten eines Tages zum Versicherungsfall werden.

Weiterführende Links

Infos zum Leichenlakenverein Horneburg
Infos zu einer gut arbeitenden Sterbegeldversicherung (PR-Link)

Nachricht gemeldet von Udo.
Bild von Thomas Blenkers/pixe lio.de ©


Peter Wilhelm 5. Februar 2014

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe eben „Leichensklavenverein“ gelesen und mein Kopfkino ging schon los…:)

    Aber sehr spannend, was es nicht alles gibt.

    Danke Tom für Deinen Blog

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